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So finster die Nacht [2008]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. Februar 2010
Genre: Drama / Horror / Fantasy

Originaltitel: Låt den rätte komma in
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: Schweden
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Tomas Alfredson
Musik: Johan Söderqvist
Darsteller: Kåre Hedebrant, Lina Leandersson, Per Ragnar, Henrik Dahl, Karin Bergquist, Peter Carlberg, Ika Nord, Mikael Rahm, Karl-Robert Lindgren, Anders T. Peedu, Pale Olofsson


Kurzinhalt:
Oskar (Kåre Hedebrant) hat keine Freunde in der Schule. Zuhause in der Nachbarschaft auch nicht. Stattdessen malt er sich am Abend aus, wie er sich an den Mitschülern rächen könnte, die ihn Tag für Tag hänseln und demütigen. Als er unerwartet auf die geheimnisvolle, scheinbar ebenfalls 12jährige Eli (Lina Leandersson) trifft, weckt die unerwartete Freundschaft in ihm den Mut, seinen Peinigern entgegen zu treten.
Aber Eli hat ein Geheimnis, eines das in Zusammenhang steht mit den grausamen Morden, die seit kurzem in der Gegend stattfinden. Håkan (Per Ragnar), bei dem Eli wohnt, scheint in die Vorkommnisse ebenfalls verwickelt und als Oskar entdeckt, dass Eli ein Vampir ist, ist er ihr bereits verfallen. Ihre Beziehung gewinnt eine Dynamik, die unweigerlich in eine Tragödie führt ...


Kritik:
Oskar hat es in der Wohnsiedlung vor Stockholm nicht einfach. Er ist ein 12jähriger ohne soziale Kontakte, der von seinen Mitschülern permanent gehänselt und auch misshandelt wird. Während seine Mutter kaum Zeit für ihn hat und er seinen Vater nur gelegentlich besuchen darf, richtet er seine Frustration auf Fantasien, wie er sich gegen die ständigen Demütigungen wehren könnte. So verbringt er seinen Alltag allein, bis er eines Abends auf Eli trifft. Im gleichen Alter scheint das Mädchen ebenso eine Außenseiterin zu sein wie er. Nach einem zögerlichen Annähern entwickelt sich zwischen beiden eine Freundschaft, wobei Eli seltsame Eigenarten besitzt, immer wieder abschreckend riecht und aus unerfindlichen Gründen nicht zur Schule gehen muss. Bis dahin beschreibt So finster die Nacht eine Beziehung unter zwei Zwölfjährigen, die nicht unwahrscheinlich ist. Nur ist Eli kein Mädchen und ein Junge auch nicht. Eli hat ein Geheimnis, bei dem man lange warten muss, bis es gelüftet wird. Und selbst dann erfährt man als Zuschauer nur einen Bruchteil. Dass es sich bei dem ungewöhnlichen Drama um eine Vampirgeschichte handelt, dürfte den Zuschauern dabei schon von vorne herein bewusst sein. Zum Glück, denn der schwedische Film macht sich nicht die Mühe, die Gesetzmäßigkeiten aufzustellen, an die er sich im Genre halten möchte. Zwar werden ein paar Details bekannt, wie dass Vampire nur ein Haus betreten dürfen, wenn sie eingeladen werden, oder dass sie Sonnenlicht verletzt, sie im Blutrausch ihre schlimmsten Eigenschaften offenbaren und offenbar sehr alt werden können. Nur wird nicht geklärt, wie Eli zum Vampir wurde. Auch welcher Art die Beziehung zwischen Eli und Håkan ist, den sie zwar ein Mal Papa nennt, der ihr aber auf eine Art und Weise verfallen scheint, dass es nicht natürlich ist, wird nicht geklärt. Wer sich für die Zusammenhänge interessiert, sollte sich die Romanvorlage von Autor John Ajvide Lindqvist zu Gemüte führen.

Obwohl der Autor hier auch für das Drehbuch verantwortlich war, entschied er sich, nur einen Aspekt des Buches vorzustellen, nämlich die Beziehung der beiden Kinder zueinander. Außen vor bleibt leider die Ermittlung der Polizei, die hier zumindest für einen durchgehenden Spannungsbogen hätte sorgen können. Auch nimmt sich das Drehbuch keine Zeit, die ersten Szenen mit Håkan richtig aufzubauen. Um seine folgenschwere Entscheidung nachvollziehen zu können, muss man sich als Zuseher mehr selbst erschließen als die Figur bis zu dem Moment tatsächlich preisgibt. Nur leider verschiebt das Drehbuch den Hauptaugenmerk auf die Szenen zwischen Oskar und Eli, die allesamt betont langsam gehalten sind, so dass man zwar förmlich die eisige Atmosphäre spüren kann, letztlich aber auch der Erzählfluss einzufrieren scheint. So finster die Nacht ist in passend unterkühlte und beinahe schon hypnotische Bilder eingefangen und bringt dadurch das Flair der frühen 1980er Jahre wieder zum Vorschein (auch wenn eine solche Zeitangabe im Film leider fehlt, soll die Erzählung im Februar 1982 spielen). Nur sucht man verzweifelt eine sympathische Identifikationsfigur, mit der man bereitwillig mitleiden oder mitfiebern möchte. Eli ist dies nicht, immerhin ist sie für mehr Unheil verantwortlich, als dass sie Gutes tut. Ebenso wenig Oskar, dessen duckmäuserisches Verhalten früher oder später dafür sorgt, dass man selbst als Zuseher ihm gegenüber aggressiv werden möchte.
Es bleibt offen, welche Aussagen der Film unterstreichen möchte. Letztlich bringt die Freundschaft der beiden jeweils die schlimmsten Eigenschaften des Anderen zum Vorschein, was schließlich in einer Tragödie endet, der sie folglich zu entfliehen versuchen. Ganz ohne Frage schildert Regisseur Tomas Alfredson mitunter durch beklemmende Perspektiven wie die Hänseleien, die Oskar ertragen muss, letztlich eine Reaktion fordern, mit der niemand gerechnet hat. Dabei wirkt So finster die Nacht ungeschönt und bewusst distanziert. Nichtsdestoweniger scheinen die Erzählung unnötig elegisch, die Unterhaltungen zwischen den Figuren betont künstlerisch und das Sozialdrama angesichts der Vampirgeschichte insofern unpassend, da keines von beidem wirklich ausgenutzt, sondern beides nur angerissen wird.

Trotz allem gilt So finster die Nacht in der Kunstfilmszene als Meisterwerk, nicht zuletzt, weil immer wieder der Kontrast zwischen der im Off geschehenden und im Hintergrund gezeigten Gewalt mit der zerbrechlich wirkenden Freundschaft der beiden Außenseiter hervorgehoben wird. Das ist durchaus richtig, ändert an der unnatürlichen, zähen Erzählung aber dennoch nichts.


Fazit:
Die Ausgangslage ist faszinierend, nur bleibt die Frage, an wen sich Tomas Alfredsons Film richtet. Für Kinder, die ja immerhin auch die Hauptfiguren sind, eignet sich der Film auf Grund der Gewaltdarstellungen und der thematischen Inhalte mit der Figur des Håkan nicht. Erwachsene können sich auf eine Milieustudie mit Vampirtouch einstellen, in der zwei Außenseiter zueinander finden und dabei ein noch viel größeres Unheil heraufbeschwören, als sie es jeweils einzeln tun könnten. So finster die Nacht muss dabei ohne wirkliche Sympathieträger auskommen, denn so unschuldig und opfergleich Eli aussehen mag, sie manipuliert, wen sie für notwendig erachtet.
Das ist zwar in verstörenden und bewusst kalten Bildern eingefangen und tadellos gespielt, gleichzeitig aber unwirklich und langatmig. Wer das akzeptiert, der mag den kunstvollen Charakter der Romanverfilmung erkennen wollen.


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