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Signs – Zeichen [2002]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. September 2002
Genre: Drama / Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Signs
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Mel Gibson, Joaquin Phoenix, Cherry Jones, Rory Culkin, Abigail Breslin


Kurzinhalt:
Nach dem Unfalltod seiner Frau hat der Pfarrer Graham Hess (Mel Gibson) seinen Glauben verloren und zieht sich mit seinen zwei Kindern Morgan (Rory Culkin) und Bo (Abigail Breslin) auf der kleinen Farm zurück. Sein Bruder Merrill (Joaquin Phoenix) hilft ihm mit den Arbeiten – doch das Verhältnis des Vaters zu seinen Kindern ist seit dem erschütternden Ereignis nicht dasselbe.
Dann finden Morgan und Bo eines Morgens seltsame Kornkreise im Maisfeld neben dem Haus. Überall auf der Welt häufen sich die Zeichen, dass eine Invasion von Außerirdischen bevorsteht. Für Graham beginnt eine Reise auf der Suche nach seinem Glauben, und eine Zerreissprobe für seine Familie.


Kritik:
Manoj Nelliyattu Shyamalan
, so der vollständige Name des Regisseurs und Autors, erntete weltweit Ruhm und Anerkennung für seinen bislang erfolgreichsten Film, The Sixth Sense [1999]. Dass er zuvor bereits zwei Filme drehte, wissen die Wenigsten. Praying with Anger [1992] ist ein Film über eine indisch-amerikanischen Jungen, der zurück nach Indien auf eine Universität geschickt wird. Im Vordergrund stehen die Courage und der Mut der Hauptfigur auf einer Selbstentdeckungsreise, in der Shyamalan auch die Hauptrolle übernahm. Wenig später folgte Wide Awake [1998], bei dem ein Fünftklässler im Mittelpunkt steht, der nach dem Tod seines Großvaters auf der Suche nach Gott ist, um sicher zu gehen, dass sein Großvater im Himmel ankam. Der Film kam erst viel später ins Kino, da Shyamalan sich mit dem Studio nicht einigen konnte – sie wollten dem Film eine andere Richtung geben, als der in Indien geborene Regisseur, der auch hier das Drehbuch schrieb.

Danach folgte das Drehbuch zu dem überaus erfolgreichen The Sixth Sense, das auch eine Oscarnominierung erhielt. Dieses ruhige, spannende Drama zeugte von einer Reife des Autors und Regisseurs, die man dem damals 29-jährigen nicht zugetraut hätte. Der Film war das Sprungbrett für beinahe alle Türen in Hollywood, obgleich sich Shyamalan fortwährend weigert, aus Philadelphia dorthin zu ziehen. Als nächstes kam das sehr ungewöhnliche Fantasy-Drama Unbreakable [2000], mit dem Shyamalan kein kommerzieller Erfolg vergönnt war – in Deutschland erhielt er wenigstens den Bogey Award in Silber. Vielleicht war der Film auch seiner Zeit voraus, angesichts der spannenden Inszenierung, dem hervorragend durchdachten Szenenaufbau und den Bild- und Farbkompositionen hätte es eigentlich Preise regnen müssen – in den USA spielte der Film knapp seine Produktionskosten ein.

Nach seinen letzten beiden Filmen war ich sehr gespannt, wie Signs denn sein würde. Aufgrund der wirksamen Werbekampagne konnte man sich auf einen interessanten Science-Fiction-Mystery-Thriller freuen, der womöglich in einem Akte-X-ähnlichen Invasionsfinale münden würde, ein Finale, das einem die bekannteste Mystery-Serie nie bot, sondern die Zuschauer immer nur darauf vertröstete.
Doch wer mit diesen Erwartungen in Signs hineingeht, wird hoffnungslos enttäuscht. Schon nach den ersten paar Minuten ist klar, dass Shyamalan nicht auf ein solch actionbetontes Spektakel aus ist, sondern Mel Gibson und seine vom Verlust erschütterte Film-Familie ganz in den Mittelpunkt stellt.

Allerdings kann ich hier nicht viel vom Inhalt erzählen, da sonst die Spannung und die Überraschung des Filmes verloren gehen. Eines jedoch sollten die Zuschauer bedenken: es handelt sich um keinen Verschwörungsthriller oder ein Science-Fiction-Spektakel im Stile von Independence Day [1996]. Die Kornkreise, mit denen überall geworben wird, sind nicht mehr als der Aufhänger einer viel persönlicheren und ruhigeren Geschichte. Dennoch vermisste ich etwas die Überraschungen, die Shyamalans letzte Filme ausgemacht haben. Sein Ansatz für Signs ist überaus mutig und der Film ist ihm auch sehr gut gelungen, bis auf ein paar Wendungen innerhalb der Szenen gibt es aber keine großen Überraschungen in der Story selbst.

Doch darauf ist der Film auch überhaupt nicht ausgelegt, Signs besticht durch hervorragende Charakterzeichnungen, die sich auf alle Beteiligten im Film beziehen. Besonders Mel Gibsons Charakter ist so vielschichtig und "normal" angelegt, dass er einen überrascht und trotzdem irgendwie vertraut wirkt. Seiner Familie ergeht es ebenso: seine Kinder wirken natürlich, als wären sie aus dem Leben gegriffen – auch ihre schwierige Situation wird sehr deutlich und überzeugend dargebracht. Joaquin Phoenix hat ebenfalls einige sehr gute Szenen, und sein Hintergrund wird in wenigen Gesprächen so gut präsentiert, dass man sich mit ihm sofort anfreunden kann.
Überhaupt gelingt dem Autor hier das, was ich bei vielen Hollywood-Filmen heute vermisse: Schon nach kürzester Zeit habe ich einen Draht zu den Charakteren gefunden. Sie sind mir wichtig und ich möchte unbedingt erfahren, was als nächstes mit ihnen geschieht. Dies trägt verständlicherweise ungemein zur bedrückenden und unheimlichen Atmosphäre des Films bei und vor allem dazu, dass man von der Geschichte gefesselt wird.

Wie Shyamalan mit minimalen Mitteln, Licht und Schatten, dem Rascheln von Mais oder bloßen Geräuschen eine so beängstigende Atmosphäre aufbaut, ist ein Fest für die Sinne – und eine Zerreissprobe für die Nerven. Bei den sogenannten Schockeffekten ist nicht ausgeschlossen, dass die Zuschauer fast aus ihren Sitzen springen.
Erfreulicherweise verzichtet der Film darauf, dem Zuschauer alles explizit zu erklären oder die Lösungen gar vorzukauen. Den Hauptfiguren erschließt sich das Geschehen zur selben Zeit wie dem Zuschauer – wer nicht mitdenkt wird am Schluss viele offene Fragen haben, die im Film jedoch bereits beantwortet wurden.
Auch die Spannung erzeugt Signs übermäßig im Kopf des Zuschauers, man wird nicht mit einem visuellen Overkill abgestumpft, vielmehr spielt sich ein Großteil der Bedrohung in den Köpfen ab – getreu dem Motto: was man sieht kann einem unheimliche Angst machen, doch was man nicht sieht treibt einem die Schweißperlen auf die Stirn.
Ganz bewusst wird hier auf die offensichtliche und plakative Effekthascherei verzichtet – mehr noch, Shyamalan wendet die Kamera in manchen Szenen bewusst von der Action ab, und zeigt das Geschen entweder über Spiegelungen oder gar nur durch die Geräusche im Dunklen. Vordergründige Action, wie es sie in beinahe jedem neueren Science-Fiction- oder Mystery-Film gibt, sucht man in Signs glücklicherweise vergebens, denn der Regisseur konzentriert sich absichtlich auf die Handlung und nicht darauf, den Zuschauer mit Action von der eigentlichen Geschichte abzulenken.

Das Drehbuch wirkt sehr, sehr ausgereift und ist allgemein von der Erzählweise her überaus mutig (da die meisten Zuschauer das eben nicht erwarten) und reif. Aus der Storyrichtung, die Shyamalan für Signs wählte, wäre einfach nicht mehr zu holen gewesen – gleichwohl ich etwas die Überraschungen in der Story selbst vermisste. Die Szenen warten mit einigen Wendungen auf, doch der Verlauf des Films ist großteils überraschungsarm.

Kamera und Schnitt sind wie bei Shyamalan gewohnt sehr durchdacht und wirken beinahe schon komponiert. Zwar gelingt es ihm hier nicht ganz, die grandiose Arbeit in Unbreakable zu übertreffen, doch das war auch schwer möglich. Signs ist hervorragend fotografiert, toll geschnitten und besitzt meines Erachtens keinen einzigen Patzer dieser Art. Das Aussehen des Films wirkt homogen und fast schon akribisch geplant, als hätte der Regisseur lange Zeit jede Einstellung vorbereitet. Gerade im Gegensatz zu Unbreakable vergeht jedoch nicht viel Zeit bis zum nächsten Schnitt. Wenn man bei jenem Film an die fast schon verschwenderisch langen Einstellungen denkt, wird deutlich, dass Shyamalan einen ganz eigenen Stil für Signs kreierte, der hervorragend zum Film und der Geschichte passt.

Unabdingbar für die Atmosphäre des Films ist die hervorragende Musik von James Newton Howard, der sich mit dem Thema eindeutig an Klassiker von Bernard Herrmann (Psycho [1960]) anlehnt. Die Musik ist stimmig, wirkt anfangs allerdings etwas "seltsam". Binnen kurzer Zeit fällt sie jedoch beinahe nicht mehr auf, sondern unterstützt die einzelnen Szenen so gekonnt wie bei den letzten beiden Shyamalan-Filmen, bei denen ebenfalls schon Howard die Musik komponierte. Eine Gänsehaut-Musik, die einem im Gedächtnis haften bleibt und sicher der best-mögliche Score für den Film.

Die Darsteller sind alle sehr gut, Mel Gibson zeigt hier eindrucksvoll, dass er nie auf das Action-Genre angewiesen war, mit dem er seine größten Erfolge gefeiert hat. Als Pfarrer, der seinen Glauben verlor wirkt er so überzeugend, dass man meinen könnte, ihm wäre in Wirklichkeit ein ähnlich traumatisches Schicksal widerfahren – tatsächlich ist Gibson bekennender streng gläubiger Katholik.

Sowohl die Kinddarsteller, als auch Joaquin Phoenix brauchen sich hinter ihm jedoch nicht zu verstecken – sie spielen absolut überzeugend und auch Phoenix stellt hier erneut (wie bereits in Gladiator [2000]) unter Beweis, dass er zu den wandlungsfähigsten Darstellern seiner Generation gehört.
Sehr überrasschend fand ich, dass Shyamalan wie in den beiden letzten Filmen auch, einen Auftritt hat – doch diesmal spielt er eine überaus wichtige Figur: den Mann, der für den Tod von Grahams Frau verantwortlich ist. Er passt in die Rolle sehr gut hinein, dass er sich selbst jedoch einen so bedeutenden Part auf den Leib schrieb, fand ich im ersten Moment verblüffend. Auch seine darstellerische Leistung kann man nur loben.

Schon auf Grund seiner ruhigen Erzählweise richtet sich Signs eindeutig an ein erwachsenes Publikum – Jugendliche werden von dem Film höchstwahrscheinlich etwas anderes erwarten und enttäuscht werden, eben weil er großteils auf Action und Effekte verzichtet. Wer sich jedoch auf diese spannend erzählte Charakterfindung einlässt, wird nicht nur gut unterhalten, sondern kann sich in manchen Szenen auch persönlich angesprochen fühlen. Gerade in den Gesprächen zwischen Merrill und Graham soll der Zuschauer ganz offensichtlich die gestellten Fragen für sich selbst beantworten, und es gibt wohl niemanden, der hier nicht ins Straucheln und Nachdenken gerät.


Fazit:
Erneut eine sehr reife Regiearbeit von M. Night Shyamalan, der viel riskierte bei dem Entschluss, an das Thema auf diese Weise heranzugehen. Die Werbestrategie halte ich angesichts des Inhalts des Films allerdings für falsch. Hier wird dem Zuschauer etwas vorgegaukelt, das er letztendlich nicht präsentiert bekommt.
Wer sich auf einen ruhig erzählten und sehr spannenden Film einlassen möchte, bei dem eindeutig die Charaktere im Vordergrund stehen, sollte sich Signs nicht entgehen lassen. Bei mir wird der Film sicherlich einen Platz in meiner DVD-Sammlung finden und er ist einer der Höhepunkte des Kinojahres 2002.


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