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Sherlock Holmes: Die Frau in Grün [1945]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. März 2004
Genre: Krimi

Originaltitel: The Woman in Green
Laufzeit: 64 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1945
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roy William Neill
Musik: Paul Dessau, William Lava, Hans J. Salter, Paul Sawtell, Frank Skinner
Darsteller: Basil Rathbone, Nigel Bruce, Hillary Brooke, Henry Daniell, Paul Cavanagh, Matthew Boulton


Kurzinhalt:
Ein Frauenmörder macht London unsicher; die Tatsache, dass er seine Opfer nicht beraubt, sondern verstümmelt, stellt Scotland Yard vor ein Rätsel.
Als Inspector Gregson (Matthew Boulton) keinen Ausweg mehr sieht und sich die Todesfälle häufen, zieht er Sherlock Holmes (Basil Rathbone) zu den Ermittlungen hinzu. Er und sein Assistent Dr. Watson (Nigel Bruce) stürzen sich mit Eifer in die Arbeit.
Da muss Holmes erkennen, dass das Motiv für die Morde weitaus hinterhältiger ist, als zunächst angenommen – und dahinter verbirgt sich niemand anders als der totgeglaubte Professor Moriarty (Henry Daniell).


Kritik:
Die Frau in Grün war der elfte Auftritt des Zweigespanns Basil Rathbone und Nigel Bruce in den Rollen von Sherlock Holmes und Dr. Watson – mehr noch: Abgesehen davon, dass Drehbuch-Autor Bertram Millhauser eine Idee aus der Kurzgeschichte Das leere Haus verwendete, basiert das Skript nicht auf einer Roman-Vorlage des Sherlock Holmes-Erfinders Sir Arthur Conan Doyle, sondern war eine völlig neu geschriebene Geschichte. Dennoch gehört der Titel Die Frau in Grün heute ganz selbstverständlich zum Krimi-Erbe, das die Geschichten um den Meisterdetektiv darstellen.
Der Grund dafür ist einfach: Die Frau in Grün wartet mit einer interessanten Story, guten Figuren und einer gehörigen Portion Humor auf. Wäre der Fall, den Holmes und Watson bearbeiten sollen, nicht so grundverschieden von denen, die das Gespann bisher untersuchte, dann wäre es nicht einmal aufgefallen, dass die Geschichte von einem anderen Autor stammt.

Millhauser versetzte – wie bereits einige der bisherigen Film-Umsetzungen vor ihm – das Geschehen in den damals aktuellen Zeitrahmen der 1940er Jahre, anstatt es wie in den Romanen am Ende des 19. Jahrhunderts anzusiedeln, weswegen es im Film wieder Automobile und ähnlich moderne Gerätschaften zu sehen gibt. Diese Modernisierung nutzte er gleichzeitig, um aktuelle Themen wie Hypnose, Erpressung und Ähnliches miteinzubinden und darüber hinaus eine Jack-the-Ripper-Story zu erzählen, die aber bei weitem mehr Hintergrund bietet, als man erwarten könnte.
Positiv stechen vor allem die Dialog-Passagen der beiden Hauptcharaktere heraus, die beide in ihrem Element scheinen. Sherlock Holmes hat einige höchst amüsante Bemerkungen auf Lager, während Dr. Watson großteils dem von ihm gewohnten sympathischen Trott verfällt. Die Bösewichte werden relativ früh eingeführt, allerdings erst spät aufgelöst, was das Katz-und-Maus-Spiel-Flair begünstigt. Selbst das Einbinden der Hypnose wirkt hier nicht so aufgesetzt, wie man meinen könnte, obwohl der eigentliche Zweck weit banaler scheint, als dass er solch ausgefuchste Mittel verlangen würde.
Zweifelsfrei einer der Höhepunkte des Films, bei dem Holmes gekonnt charakterisiert wird, ist das Gentlemen-Gespräch, das er mit Professor Moriarty führt, und in dem eben die aus den Büchern bekannte englische Eleganz und der "Sportsgeist" selbst unter Feinden praktiziert wird.
Das Finale ist spannend geraten, wenn auch der "Gag zum Schluss" äußerst überflüssig anmutet. Insgesamt ist das Skript aber gut worden, allenfalls das Jack-the-Ripper-Element will nicht recht in die Materie von Sherlock Holmes passen, doch dafür entschädigt die mitreißende Geschichte mehr als genug.

Henry Daniell hat hier seinen einzigen Auftritt als Professor Moriarty in der Holmes-Reihe, obgleich er in vorherigen Filmen schon in Nebenrollen zu sehen war. Über seine Darbietung meinte Holmes-Darsteller Basil Rathbone: "Es gab andere Moriartys, aber keiner war so köstlich gefährlich wie der von Henry Daniell."
Rathbone selbst scheint deutlich mehr Spaß gehabt zu haben, als bei manch anderen Verfilmungen zuvor; seine Mimik spricht insbesondere bei den Zwiegesprächen Bände. Dagegen ist Holmes messerscharfer Verstand nur wenig gefordert, und die berühmte Deduktionsmethode findet kaum Anwendung.
Leider sehr wenig zu tun hat Nigel Bruce, der jedoch die komödiantische Seite seines Filmcharakters sichtlich genießt.
Auch Hillary Brooke wirkte zuvor schon in mehreren Sherlock Holmes-Verfilmungen mit, wenngleich nicht so intrigant böse wie hier – schade allerdings, dass ihr Motiv im Dunkeln bleibt.

Inszenatorisch sticht insbesondere der Schluss hervor, in dem die Macher die Kamera am Set in schwindelerregende Höhen hievten; der Rest ist zwar eher Hausmannskost, aber trotzdem gut serviert. Was man vermisst, sind großteils die Licht- und Schattenspiele, die in früheren Verfilmungen, darunter unter anderem bei Sherlock Holmes: Der Hund von Baskerville [1939] zu finden sind. In Die Frau in Grün hätte sich das sicherlich ebenfalls angeboten, wurde allerdings nicht ausgenutzt.
Die Musik setzt sich aus bekannten Themen und Stücken der bisherigen Reihe zusammen, was im Film weder positiv, noch negativ weiter auffällt.

Herausgekommen ist ein durch und durch sehenswerter Sherlock Holmes-Film, der zur Abwechslung nicht auf einer Vorlage von Sir Arthur Conan Doyle basiert, und Holmes glücklicherweise nicht wie in einigen vorangegangenen Film-Umsetzungen als bloßen Nazi-Jäger portraitiert.
Stattdessen darf er seinen detektivischen Eigenschaften frönen und sich gleichzeitig ein weiteres Mal mit Erzrivale Moriarty geistig duellieren.


Fazit:
Dank Basil Rathbone und dem gelungenen Skript kann man diese Sherlock Holmes-Verfilmung allen Fans empfehlen. Es ist kein Wunder, dass inzwischen jeder Die Frau in Grün als Holmes-Geschichte erkennt, obwohl sie gar nicht in Roman-Form existiert.
Das Drehbuch ist durchaus spannend und doch witzig; Holmes' Wortwitz und seine spitzfindigen Bemerkungen machen Spaß, und das Verbrechen selbst entpuppt sich als komplexer, als zunächst erwartet.
Zu Recht ein Klassiker.


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