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Sherlock: "Die Braut des Grauens" [2016]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 3. April 2016
Genre: Unterhaltung / Krimi

Originaltitel: Sherlock: "The Abominable Bride"
Laufzeit: 89 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Douglas Mackinnon
Musik: David Arnold, Michael Price
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O'Keeffe


Kurzinhalt:

Im späten 19. Jahrhundert lösen der Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und sein Gefährte Dr. Watson (Martin Freeman) Fälle, bei denen auch Scotland Yard-Ermittler Lestrade (Rupert Graves) nicht weiterkommt. Eines Tages wendet sich die wohlhabende Lady Carmichael (Catherine McCormack) an Holmes. Ihr Mann Eustace (Tim McInnerny) benehme sich seltsam und habe Eine Morddrohung erhalten. Im Verdacht steht Emelia Ricoletti (Natasha O'Keeffe), die bereits seit Monaten zahlreiche Männer ermordet haben soll. Die Schwierigkeit daran ist nur, das Emelia selbst bereits tot ist – sie hatte sich vor Zeugen selbst erschossen ...


Kritik:
Sherlocks Die Braut des Grauens ist ein ausgesprochen frustrierendes Erlebnis. Das liegt nicht an den Darstellern, sondern daran, dass die Autoren so sehr darum bemüht sind, ihrem Publikum auf die Nase zu binden, sie wären viel schlauer als sie es tatsächlich sind, worüber sie jedoch vergessen, eine in sich schlüssige Geschichte zu erzählen. So betrügen sie das Publikum mit diesem "Intermezzo", wie der TV-Film betitelt ist, sowohl um ein Holmes-Abenteuer im viktorianischen England, als auch um eine Fortsetzung des Cliffhangers aus Sein letzter Schwur [2014]. Selbst eine wirkliche Überleitung zur kommenden vierten Staffel behält man sich vor.

Angekündigt als "Feiertags-Special" wurde über Die Braut des Grauens schon recht früh bekannt, dass der Krimi im England des 19. Jahrhunderts spielen sollte, also zu jener Zeit, als Sir Arthur Conan Doyle die zugrundeliegenden Bücher und Geschichten geschrieben hatte. Auch wenn es bedauerlich schien, dass die Verantwortlichen der Serie anstatt ihre Story weiterzuerzählen, lieber einen Ausflug in die Welt des ursprünglichen Sherlock Holmes unternehmen wollten, ein Holmes-Fall mit den bekannten Darstellern in der tatsächlichen Atmosphäre und Zeit der Titelfigur hatte seinen ganz besonderen Reiz. So lässt man sich als Zuseher darauf ein und erlebt ein London, das von einer Männer mordenden Frau heimgesucht wird, die sich zuvor jedoch das Leben genommen hatte.

Eingeleitet wird das von einer Vorstellung der bekannten Figuren Holmes, Dr. Watson, der Hausherrin Mrs. Hudson und dem Scotland Yard-Inspector Lestrade im Schnelldurchlauf. Das könnte alles durchaus unterhaltsam sein, zumal Holmes hier wieder eher wie der zurückgezogene, arrogante Alleswisser auftritt und von seinen weicheren Umgangsformen der letzten Fälle weniger zu sehen ist. Auch finden Kenner der Vorlagen viele Anspielungen auf die sonstigen Werke Conan Doyles zur Hauptfigur, der Reichenbachfall aus dem Buch Das letzte Problem [1893] ist dabei nur der offensichtlichste. Doch aufmerksamen Zusehern werden Anachronismen auffallen, Ungereimtheiten in zeitlichen Einordnungen von Ereignissen. Es lässt sich damit erahnen, was nach zwei Dritteln des TV-Films dann auch offengelegt wird: So losgelöst von der übrigen Serie ist das "Special" doch nicht.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Schwierigkeiten, die mit dieser Entscheidung einhergehen, sind allerdings, dass was zuvor und danach geschieht keine wirkliche Bedeutung mehr hat, der an sich interessante Fall um Emelia Ricoletti somit verpufft, noch bevor eine Auflösung präsentiert ist und dass die eigentliche Frage, welche die Hauptfigur in Die Braut des Grauens für sich selbst beantworten will und in dessen Rahmen der Reichenbachfall sogar nachgestellt wird, am Ende gar keine wirkliche Rolle spielt.
Die Drehbuchautoren Mark Gatiss und Steven Moffat sind offensichtlich der Meinung, dass wenn sie ihre Figuren schnell genug sprechen lassen und die Geschichte mit modernen Kameramätzchen unterstützt wird, sich das sprichwörtliche Karussell somit nur schnell genug dreht, den Zusehern nicht auffallen wird, dass man am Ende genau dort ist, wo die Figuren zu Beginn gewesen sind. Es ist ein Bluff, der nicht aufgeht.

Darum verbirgt sich hinter der Braut des Grauens in der Tat ein 90-minütiges Intermezzo, das die Figuren in keiner Weise voranbringt und auch die Hintergrundgeschichte aus den bekannten drei Staffeln nicht wirklich weitererzählt. Das Setting des viktorianischen England entpuppt sich darüber hinaus als eine Scharade der Autoren, die dem Publikum nicht einmal einen solch klassischen Fall präsentieren können bzw. wollen. Es ist, als würden sie am Ende mit herausgestreckter Zunge dastehen und sagen wollen, "das habt Ihr nicht kommen sehen, oder?". Richtig, dass so ein unsinnig zusammengeschustertes Drehbuch vom produzierenden Sender abgesegnet würde, hatte ich wirklich nicht erwartet.


Fazit:
Die Idee, mit der unumwunden fabelhaften Besetzung von Sherlock einen Fall des Meisterdetektivs zu behandeln, der zur Zeit seines in den Romanen beschriebenen, fiktiven Schaffens spielt, hat seinen ganz eigenen Reiz. Bis auf die moderne Kamera- und Schnittarbeit wäre das auch stilistisch dank der guten Ausstattung gelungen, ehe die Autoren – darunter auch Mycroft-Darsteller Mark Gatiss, der seine eigene Rolle von Mal zu Mal größer zu schreiben scheint – die Story von Die Braut des Grauens beiseite wischen, um in eine andere Richtung davon zu galoppieren.
Es ist nicht das erste Mal in der Serie, dass sich das Skript, sobald es sich in eine unlösbare Situation manövriert hat, um eine wirkliche Auflösung mit schnell dargebrachten, konfusen Vielleicht-Erklärungen drückt. Angesichts der wachsenden Popularität und des Erfolges der beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman werden sie schon auf Grund ihrer vielfältigen Termine für die Rollen als Holmes und Watson nicht ewig zur Verfügung stehen. Man würde ihnen wünschen, dass Sherlock bis dahin irgendwann das immense Potential der Beteiligten auszuschöpfen weiß. Dieses nicht spannende, am Ende inhaltlich vollkommen belanglose und keinen der Handlungsstränge abschließende "Intermezzo" ist jedoch kein Schritt in die richtige Richtung. Leider.    


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