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Rubinrot [2013]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. Januar 2014
Genre: Fantasy

Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Felix Fuchssteiner
Musik: Philipp F. Kölmel
Darsteller: Maria Ehrich, Jannis Niewöhner, Veronica Ferres, Uwe Kockisch, Katharina Thalbach, Florian Bartholomäi, Laura Berlin, Jennifer Lotsi, Sibylle Canonica, Justine del Corte, Levin Henning, Gottfried John, Gerlinde Locker, Maurizio Magno, Axel Milberg, Josefine Preuß, Chiara Schoras, Peter Simonischek


Kurzinhalt:
Nicht nur, dass sich Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) durch ihr Aussehen vom Rest der Familie abhebt, sie stand Zeit ihres Lebens im Schatten ihrer Cousine Charlotte Montrose (Laura Berlin), die zu einer bestimmten Sternenkonstellation geboren wurde, auch wenn sie nur einen Tag älter als Gwen ist. Ab ihrem 16. Geburtstag wird sie in der Lage sein, in der Zeit zu reisen – eine Gabe in ihrer Familie. Und eine Fähigkeit, die sich der Geheimbund "die Loge" zunutze macht, um den Visionen von Graf Saint-Germain (Peter Simonischek) zu dienen, der vor Jahrhunderten bereits Weissagungen zu den Fähigkeiten von zwölf Zeitreisenden getroffen hat.
Doch während die Gabe bei Charlotte ausbleibt, entwickelt Gwen diese Kräfte, worüber sie an erster Stelle ihre beste Freundin Leslie (Jennifer Lotsi) informiert. Doch Gwendolyn kann ihre Fähigkeit nicht kontrollieren. Ihre Mutter Grace (Veronica Ferres) bringt sie deshalb zu Falk de Villiers (Uwe Kockisch) der Loge, wo sie trainiert werden und an Charlottes Stelle mit Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) eine Mission erfüllen soll, an der die Loge bereits seit Jahrzehnten arbeitet. Doch niemand verrät Gwen, was das Ziel der Loge ist, und weshalb sich vor langer Zeit schon Lucy (Josefine Preuß) und Lucas Montrose (Axel Milberg) von der Loge losgesagt haben und seither in der Zeit verstecken. So aufregend ihre Kräfte außerdem auch sind, mit ihrem unbedachten Verhalten kann Gwen den Lauf der Geschichte ändern – und im schlimmsten Fall nie geboren werden ...


Kritik:
Es liegt in der Natur eines Jugendbuches, dass Jugendliche darin die Hauptfiguren und Helden sind. Dass dem also auch in Rubinrot so ist, überrascht nicht. Ob es früher immer schon so war, dass die Jugendlichen für die Rettung der Welt verantwortlich waren, dafür Töten mussten und sich in Lebensgefahr begeben, ist allerdings fraglich – wenn nicht gar fragwürdig. Dabei ist die Idee eines Fantasy-Universums um Familien, die genetisch bedingt in der Lage sind, in der Zeit zu reisen, durchaus interessant. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass Kerstin Giers erfolgreiche Romanvorlage ihre Leserschaft eher zufrieden stellt, als Felix Fuchssteiners Filmadaption des Stoffes.

Gwendolyn Shepherd ist die Außenseiterin ihrer Familie, die ein Jahrhunderte altes Geheimnis mit sich trägt – wenn die Töchter zu bestimmten Sternenkonstellationen geboren werden, besitzen sie ab ihrem 16. Geburtstag die Gabe, in der Zeit zu springen. Bedauerlicherweise kam Gwen einen Tag zu spät auf die Welt und ihre Cousine Charlotte Montrose ist angeblich die Auserwählte, die Zeit ihres Lebens darauf vorbereitet wurde, für den Geheimbund "die Loge" eine uralte Mission zu erfüllen.
Die Ausgangslage erinnert zwar stark an andere Fantasy-Bücher, aber nicht zuletzt das Setting in London hebt sie aus dem Sammelsurium der Sagen, die nicht erst seit dem Erfolg von J.K. Rowlings Zauberlehrling Harry Potter um die Gunst der Leser buhlen. Doch damit endet bereits, was man Rubinrot an glaubwürdigen Aspekten unterstellen kann.

Die erste und offensichtlichste Frage, die sich aufdrängt ist dabei, wie ratsam es ist, ständig in der Öffentlichkeit über diesen Geheimbund und die übernatürlichen Fähigkeiten zu sprechen? Dass Gwen ihre beste Freundin Leslie eingeweiht hat, mag leichtsinnig, aber nachvollziehbar sein. Dass sich aber alle Protagonisten über Prophezeiungen, die Loge und Zeitreisen im allgemeinen auf offener Straße mit unzähligen Zeugen um sie herum unterhalten, und das andauernd, ist schlichtweg absurd. Hat Gwen ihre Fähigkeit entdeckt und ihre ersten Zeitsprünge hinter sich, fragt sie auch nicht ihre Mutter Grace um Rat oder ihre Cousine, bei der diese Magie bislang ausgeblieben ist, sondern behält das selbstverständlich für sich. Nur Leslie wird eingeweiht, die auf die Schilderungen unentwegt mit einem "voll krass" antwortet.

Bereits nach den ersten Minuten im Film sind die Reaktionen der verschiedenen Figuren so realitätsfremd, dass man sie am liebsten zur Vernunft ohrfeigen möchte. So wird Gwendolyn gesagt, dass sie als "Rubin" (jedem Zeitreisenden wird ein Stein zugewiesen) für die Loge so wertvoll sei, dass sie "um jeden Preis beschützt werden muss". Nur hält es niemand für notwendig, sie zu informieren, worum es überhaupt geht. Und sie scheint es nicht für wichtig zu erachten, diese Information einzufordern, oder allenfalls ihre Mitarbeit zu verweigern. Vielmehr reagiert sie von einem Moment zum anderen naiv oder trotzig wie ein eingeschnapptes Gör, das sich nicht im Klaren darüber ist, was von ihr verlangt wird, oder welche Verantwortung auf ihr lastet. Selten ist sie kritisch oder misstrauisch und wenn, dann hält es keine fünf Minuten.
Hinzu kommen im schlimmsten Sinne unterirdische Dialoge, die von klischeehaften Visionen und Kommentaren, bis hin zu vermeintlich jugendlichen Gesprächen reichen und dabei derart platt und plump klingen, dass man meinen könnte, sie wären am Reißbrett entstanden. Angesichts einer Freigabe ab 12 Jahren dürfte selbst das Zielpublikum dieses Manko schon stören. Auch dürften ihnen Fragen zur Fähigkeit der Zeitreise unter den Nägeln brennen, oder dazu, was es mit dem "Elapsieren" auf sich hat – doch dazu schweigt sich der Film (im Gegensatz zur Vorlage) bewusst aus.

Dass sich die sichtbar groß angelegte, deutsche Produktion die Mühe macht, an Originalschauplätzen zu drehen, oder sogar angeblich unterschiedliche Sprachen abzudecken, ist ebenso lobenswert wie die Tatsache, dass die Filmemacher daran gedacht haben, englische Texte auf Bildschirmen und Tafeln zu verwenden. Doch warum macht man sich dann nicht noch die Mühe, die Geschichte in den Sprachen zu drehen, die angeblich gesprochen werden? Nicht nur, dass die Dialoge allesamt keinen englischsprachigen Rhythmus besitzen, die Beteiligten behalten nicht einmal ein durchgängiges Hochdeutsch bei, sondern verfallen immer wieder in urdeutsche Umgangssprache. Das kratzt unnötigerweise an der Authentizität der Geschichte.

Aber es gibt auch Licht bei Rubinrot: Die Ausstattung des Films ist sehr gut und auch die Trickeffekte sind durchweg tadellos gelungen. Selbst die Perspektiven sehen vielversprechend aus. Nur weswegen sich der Regisseur entscheidet, manche ruhige Dialogszenen mit einer Handkamera einzufangen, obwohl hier gar kein Tempo notwendig wäre (beispielsweise beim Gespräch im indischen Restaurant), während in Actionmomenten statische Bilder mit einer altbackenen Schnittfolge gewählt werden, ist schleierhaft. Es ergibt ebenso keinen Sinn und unterstreicht den holprigen Erzählrhythmus, wie die zusätzliche Szene, die vollkommen uninspiriert während des Abspanns eingestreut ist und für die der zuvor gespielte Song jäh unterbrochen wird.
Selbst der überraschend vielseitige und erfreulich orchestrale Score von Philipp F. Kölmel, der mit einigen eingängigen Themen aufwartet, kann daran nichts ändern.


Fazit:
Es wäre beinahe schon eine Überraschung, wenn eine aktuelle, deutschsprachige Produktion mit einem Budget größer einer Million Euro ohne Veronika Ferres auskommen würde. Aber auch wenn es ihr nicht gelingt, Grace Sheperd zu einer Instanz in Gwens Jugend zu machen, ist ihre Rolle wenigstens kurz gehalten. Im Zentrum der Erzählung stehen die jugendlichen Darsteller, angeführt von Maria Ehrich und Jannis Niewöhner. Während ihm immerhin die physischen Momente gelingen, enttäuscht Ehrichs Darbietung durch eine sprunghafte Mimik und ein allseits fehlendes Staunen angesichts ihrer ungewohnten und eigentlich unvorstellbaren Situation.
Verstärkt wird dies in Rubinrot durch Dialoge, gegenüber denen selbst die Seifenopern am Nachmittag bedeutsam klingen. Darüber, dass Regisseur Felix Fuchssteiner keine einheitliche handwerkliche Handschrift gelingt, sondern in den unpassendsten Momenten zwischen bewegter und statischer Kamera hin und her springt, lässt sich auch mit dem sichtbar hohen Aufwand der Produktion hinwegtäuschen. Die Filmemacher mögen hier Großes im Sinn gehabt haben, doch gerade im Fantasy-Genre kann das Zielpublikum bessere und stimmigere Unterhaltung finden.


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