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Riddick - Chroniken eines Kriegers: Director's Cut [2004]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. Juli 2005
Genre: Action / Science Fiction

Originaltitel: The Chronicles of Riddick: The Director's Cut
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren (keine offizielle FSK-Freigabe)

Regie: David Twohy
Musik: Graeme Revell
Darsteller: Vin Diesel, Colm Feore, Thandie Newton, Judi Dench, Karl Urban, Alexa Davalos, Linus Roache, Yorick van Wageningen, Nick Chinlund, Keith David, Mark Gibbon, Christina Cox


Kurzinhalt:
Fünf Jahre sind vergangen, seit Riddick (Vin Diesel) mit zwei Überlebenden von einem staubigen Planeten fliehen konnte. Seither versteckt sich der gesuchte Schwerverbrecher an den Randgebieten des Universums. Doch als ein sehr großes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird, wird Riddick hellhörig und sucht die Auftraggeber auf dem Planeten Helios – dort hat sich einer der beiden Überlebenden, Imam (Keith David) niedergelassen, der Riddicks Hilfe benötigt.
Die Necromonger, eine finstere Armee unter der Führung des Lord Marshal (Colm Feore), haben es sich zur Aufgabe gemacht, alles menschliche Leben im Universum zu vernichten oder zu unterwerfen. Unzählige Planetensysteme sind ihnen bereits zum Opfer gefallen. Zwar gibt es auch in ihren Reihen Verrat und Intrigen, so will die machtbesessene Dame Vaako (Thandie Newton) ihren Gatten Vaako (Karl Urbank) an der Stelle des Lord Marshal sehen, doch als die Necromonger Helios selbst angreifen, wird Riddick Zeuge ihrer Macht und Entschlossenheit.
So stellt er sich unfreiwillig erneut einem Kampf, der ansich nicht seiner ist und ihm doch vorbestimmt war.


Kritik:
Als düsteres Science Fiction-Märchen für Erwachsene, hatten Vin Diesel und David Twohy ihren zweiten Einstand im Riddick-Universum angekündigt und mit einem Budget von über 100 Millionen Dollar hatte Regisseur Twohy nun auch das notwendige Geld zusammen, um einen Nachfolger zu Pitch Black - Planet der Finsternis [2000] zu drehen; jener hatte damals knapp 20 Millionen gekostet und über 50 weltweit eingespielt. Bei Riddick orientierten sich allerdings nicht nur die Dreharbeiten, die großteils vor Blue- und Green-Screens stattfanden, an dem Star Wars-Vorbild, auch was die Story anbelangt wollten die Macher nun ein komplexes Universum etablieren, das jedoch nicht für Jugendliche gedacht war.
Wenige Wochen vor Kinostart gab es dann eine Pressekonferenz, auf der Twohy eingestand, dass er seinen Film für ein Publikum ab 12 Jahren kürzen musste, allerdings sein "Director's Cut" später auf DVD erscheinen würde. Doch auch wenn solche Ankündigungen sicherlich den DVD-Verkauf ankurbeln, die Kinoauswertung wird dadurch – wie hier auch sichtbar wurde – empfindlich gestört. Weltweit spielte Riddick etwas mehr als seine Kosten ein, die Zuschauer waren reihenweise enttäuscht, und ob der Film nun wie geplant den ersten Teil einer vollständigen Trilogie darstellt, bleibt fraglich. Dabei war Pitch Black seinerzeit ebenfalls für ein erwachsenes Publikum gedacht und war ein voller Erfolg, weswegen das Studio dieses Publikum mit der niedrigen Freigabe abschrecken musste, ist unverständlich. Der "Director's Cut" des Films ist dabei nicht nur deutlich brutaler als die Kinofassung, es wurden auch alternative Dialogszenen verwendet, eine ganze Nebenhandlung wieder eingefügt, und auch sonst immer wieder Szenen erweitert, immerhin sollte er Film im Kino unter zwei Stunden dauern – die inzwischen erhältliche "Director's Cut"-DVD geht knapp 15 Minuten länger.

Das Drehbuch setzt dabei fünf Jahre nach den Ereignissen aus Pitch Black an und präsentiert einen Hauptcharakter, der auf der Flucht vor zahlreichen Kopfgeldjägern ist; doch der viel interessantere Plot dreht sich um eine Rasse namens Necromongers, die um in das Underverse zu kommen alles menschliche Leben auslöschen wollen, das sich nicht ihren vermeintlich heheren Zielen unterwirft. Hat man die abstruse Logik innerhalb der Story jedoch akzeptiert, sind einige wirklich interessante Ideen innerhalb des Universums zu entdecken, so die Elementale Rasse, oder auch ein Gefängnisplanet mit einer wirklich atemberaubenden Landschaft. Dass viele Ideen des Films inhaltlich hanebüchen sind, sei hier schlichtweg ignoriert, immerhin handelt es sich bei David Twohys Drehbuch um das Skript zu einem Unterhaltungsfilm. Die Hierarchie der Necromonger zu entdecken, oder auch die Multikulturelle Gesellschaft auf dem Planeten Helios hat durchaus seinen Reiz, doch besitzt das Drehbuch wie schon das zu Pitch Black ein Manko, das man als Zuschauer nur schwer verzeihen kann: Mitten in eine bestehende Storyline hineingeworfen soll man sich als Zuschauer in einem Universum zurecht finden, das man nicht kennt, soll mit Begrifflichkeiten etwas anzufangen wissen, die vorher nicht erklärt werden und soll bei der ersten Begegnun Figuren einordnen können, die einem gänzlich unbekannt sind. Stellte es bei Pitch Black noch einen Reiz dar, die Verstrickungen innerhalb der Gruppe Überlebender heraus zu bekommen, sieht das bei Riddick ein wenig anders aus. Die abgehackten, wenig originellen Dialoge helfen dabei nicht wirklich weiter, und wenn die Hauptfigur augenscheinlich einem sehr schmerzhaften Verhör unterzogen wird, dessen Methode vorher aber nicht erklärt wurde, kann man als Zuseher nur recht unbeteiligt zusehen.
Hier hätte sich der Autor definitiv mehr Zeit nehmen müssen, sein Universum samt Riddick und den übrigen Parteien richtig vorzustellen, auch wenn dies im Ansatz durch den Prolog angedeutet wird. Die Story selbst besitzt zwar einige wirklich gute Aspekte, aber auch ein paar störende Elemente, so ist es überaus interessant, den Planeten Helios zu Beginn vor der Invasion durch die Necromonger zu sehen, und seinen Fall mit zu erleben, andererseits besitzt es auch seinen Reiz, Helios zum Finale erneut zu besuchen – doch der Ausflug zum Gefängnisplaneten erscheint einerseits zu lang, andererseits wiederholen sich dort Szenen, die ansich nur veranschaulichen sollen, dass Riddick nach wie vor ein Böser und kein Guter ist. So zieht sich gerade diese Sequenz, die vom Space-Opera-Feeling des restlichen Films kaum etwas besitzt, merklich, kulminiert dafür aber in der spannendsten und besten Verfolgungsjagd des Films samt actionreichem Shootout.
Ein grundsätzliches Problem ist außerdem der zeitliche Ablauf des Geschehens, denn da nicht bekannt ist, wie weit die verschiedenen Planeten auseinander liegen, ist es auch schwer abschätzbar, wie lange denn Riddick von seinem Zufluchtsort zu Beginn zu Helios benötigt, oder wie viel Zeit vergeht, während der Protagonist im Gefängnis verbringt. So wartet das Drehbuch zwar mit einigen guten Ideen auf, darunter auch kulturellen Verstrickungen und witzigen Sprüchen, aber insgesamt macht es einen unfertigen Eindruck und hätte einiges an Feinpolitur vertragen können.

Die Darsteller geben sich allesamt solide, wenngleich keine überragenden Leistungen zu erwarten sind; dem Genre üblich blicken die Bösen grimmig drein, werden dabei aber noch von Riddick übertroffen, wobei Vin Diesel hier nicht nur körperlich, sondern auch schauspielerisch mehr zu tun hat, als noch in Pitch Black. Die lockeren Sprüche gehen ihm leicht von den Lippen, und auch davon abgesehen scheint der Mit-Produzent Gefallen am Stoff gefunden zu haben. Zwar trägt er den Film routiniert, doch ist der Reiz des Ungewissen um seine Figur etwas verflogen, nachdem er in dem aus dem ersten Teil bekannten Kostüm zu sehen ist. Sein erster Auftritt hingegen ist überaus gelungen, und auch am Ende spielt Diesel nicht schlecht – nur ist seine Figur eben nicht mehr so überraschend oder ungewöhnlich wie noch vor vier Jahren.
Colm Feore, der mit seiner Rolle in Stephen Kings Sturm des Jahrhunderts [1999] im Gedächtnis geblieben ist, und auch seither in Insider [1999] oder Nürnberg - Im Namen der Menschlichkeit [2000] zu sehen war, hat als Lord Marshal hingegen recht wenig zu tun, und kann aus der Rolle auch nicht viel mehr machen, als man es in zahlreichen Videoproduktionen miterleben kann. Als Erzbösewicht fehlt ihm zwar auch das Charisma, vorrangig aber seine Bösartigkeit, die allenfalls erwähnt, aber nicht gezeigt wird. Erinnert man sich hier an den Imperator aus der Star Wars-Saga, muss man nüchtern feststellen, dass Riddick genau so eine Rolle leider fehlt.
Auch Thandie Newton, die immerhin ein paar gute Szenen zu geschrieben bekommt, wirkt bei weitem nicht so durchtrieben und intrigant, wie einem die Rolle und die wenigen Dialoge weismachen wollen. Karl Urban, der als Eomer in Der Herr der Ringe [2001-2003] zu sehen war, hatte in dem im selben Jahr gestarteten Die Bourne Verschwörung [2004] ebenfalls keine große Rolle, wirkte dort aber ungemein bedrohlicher.
So gibt es bei den Necromonger keine Figur, die einem wirklich Angst einjagen würde, und es ist höchstens dem Design zu verdanken, dass die Armee der Unterdrücker beunruhigend und übermächtig erscheint.
Von den übrigen Darstellern fallen zwar Nick Chinlund und Linus Roache noch auf, die aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen – Roaches Auftritt in dem kürzlich gestarteten Batman Begins [2005] war zwar kürzer, aber sicherlich auch besser.
Kennern des ersten Films wird auffallen, dass zwar Rhiana Griffith nicht mehr mit dabei ist, aber ihre Rolle durchaus noch mit dabei ist; wäre es nach Vin Diesel gegangen, hätte sie in ihre Filmfigur sicher erneut schlüpfen sollen, allerdings musste sie dem Drehbuch nach deutlich muskulöser erscheinen, als es die Darstellerin selbst tat. Zwar begann sie daraufhin mit einem intensiven Krafttraining, doch die drei Wochen reichten nicht aus, um die Produzenten zu überzeugen, und so ging ihre Rolle an Alexa Davalos, die ihre Sache dafür wirklich gut macht und auch in den fordernden Szenen neben Diesel besteht.
So macht der Cast zwar einen routinierten Eindruck, Meisterleistungen sind jedoch keine dabei – dass Judi Dench mit ihrem gelungenen Gastauftritt die übrigen Beteiligten in einem deutlich besseren Licht erscheinen lässt, als diese es von sich aus könnten, mag zwar stimmen, wie sich eine derart hochkarätige Darstellerin in eine solche Produktion verirren konnte, wird ihr Geheimnis bleiben.

Inszenatorisch kostet Regisseur Twohy sein ungemein größeres Budget sichtlich aus, Kameramann Hugh Johnson war dabei bereits an einigen Ridley Scott Produktionen wie White Squall - Reißende Strömung [1996] und auch 1492 - Die Eroberung des Paradieses [1992] beteiligt und liefert auch hier opulente Bilder, die mit den Spezialeffekten großteils sehr gut harmonieren. Durch die vielen Effekteinstellungen und die bunte Farbgebung bekommt der Film allerdings einen sehr comiclastigen Look, der mit dem des ersten Teils kaum mehr etwas gemein hat.
Dank der Farbfilter und gelungener Settings ist der Übergang zwischen Effekt- und Realaufnahme aber meist fließend und insbesondere die Blue- und Green-Screen-Aufnahmen machen einen besseren Eindruck, als bei Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger [2002], wohingegen die Studioaufnahmen auf Helios eher billig wirken.
Handwerklich überraschen vor allem die ausschweifenden Bilder und Kamerafahrten, doch wenn es an die Actionszenen geht, haben die beiden Cutter Martin Hunter und Dennis Virkler das Geschehen nicht wirklich im Griff. Verwackelt, hektisch und immer wieder mit kleinen Zeitlupen versetzt sind die Beteiligten zwar darum bemüht, die grausamsten Einstellungen zu verbergen, doch auch in der unzensierten "Director's Cut"-Fassung wird man das Gefühl nicht los, dass die Action etwas mehr Übersicht und Überblick hätte vertragen können.
Das Design der Städte, Planeten, Schiffe, Kostüme und der außerirdischen Wesen, sowie der gesamten Necromonger-Kultur ist hingegen sehr einfallsreich und trotz der gravierenden Unterschiede in den Szenarien auch stimmig geraten. Hier verdient Matt Codd, der bereits bei Das Geisterschloß [1999] und auch Der Soldat James Ryan [1998] für das Design mitverantwortlich war, großes Lob.
Kamera und Schnitt hätten zweifelsohne besser sein können, und dem Zuschauer mehr Übersicht gewähren sollen, doch trotz der schnellen Schnitten und der absehbaren Szenenwechsel ist Riddick solide inszeniert, wenn auch nicht besonders innovativ oder einfallsreich, im Gegensatz zum Look des Films.

Komponist Graeme Revell gehört zu denjenigen hinter der Kamera, die bereits beim ersten Teil mit dabei waren; sein damaliger Score wies zwar ein eingängiges Thema auf, das jedoch unter den Limitierungen eines kleinen Orchesters litt. Für Riddick schuf er ein weiteres, sehr kraftvolles und düsteres Thema, wobei auch das Motiv aus Pitch Black hin und wieder zu hören ist.
Sein sehr atmosphärischer Score des ersten Riddick-Abenteuers wird hier durch einen sehr lauten, bombastischen Soundtrack ersetzt, der dank der orientalischen Einflüsse und des bisweilen zu hörenden Chores sehr stimmig wirkt und auch gut zu den Bildern passt. Doch trotz des breit gefächerten Orchesters erscheinen manche Stücke beinahe zu wuchtig und fordernd für die Musiker, so dass die actionreichen, rhythmischen Melodien in einem bombastischen Finale gipfeln.
Doch es sind gerade die flotten Themen, die hier gut gefallen und auch Fans des Films als separaten Soundtrack ansprechen dürften. In Kombination mit den Bildern ist Revells Arbeit auf jeden Fall äußerst gelungen und sorgt bei der bereits angesprochenen Flucht von dem Gefängnisplaneten für das notwendige Tempo und die wirklich spürbare Spannung der Sequenz.

Zahlreiche Ansätze in Riddick sind wirklich viel versprechend, und es ist ohne weiteres möglich – und auch empfehlenswert für Fans –, dieses Universum weiter zu erforschen. Dass die Filmemacher sich jedoch selbst die Zuschauer vergraulten, als sie bekannt gaben, dass der Film in den Kinos nur in einer entschärften Fassung zu sehen sein würde, steht außer Frage.
Den sichtlichen Aufwand hinter der Produktion kann man jedoch sehen, seien es nun die zahlreichen Effekteinstellungen, oder aber die Massenszenen – dass sich der Film aber schon inhaltlich nicht an ein jugendliches Publikum richtet, steht außer Frage. Für diejenigen, die Pitch Black genießen konnten, ist Riddick allerdings eine große Umstellung, denn wenn Regisseur Twohy mit seinem Big-Budget-Film eines schnell lernte, dann ist es, das Budget auch offensichtlich einzusetzen.
Als actionreiche Science Fiction-Mär ohne Anspruch aber mit ungeheurem Unterhaltungswert ist The Chronicles of Riddick gut gelungen und auch sichtlich besser, als sein Ruf.


Fazit:
So schlecht, wie ihn die Presse bei der Kinoveröffentlichung geredet hat, ist Riddick sicherlich nicht, und wenn man genau hinsieht im Sinne des Designs sogar ein voller Erfolg. Sowohl die Schiffe, als auch die Planeten und Kostüme, ja die Verwicklungen innerhalb des Universums und auch die unterschiedlichen Rassen sind überaus interessant geraten, und könnten in einem weiteren Film auch ausgebaut werden (die Drehbücher für zwei weitere Filme sollen mit dem ersten bereits geschrieben worden sein).
Allerdings ist David Twohys Regiearbeit in der Mitte definitiv ein wenig zu lang geraten und in den Actionszenen grundsätzlich zu hektisch geschnitten. Die Darsteller machen ihre Sache zwar gut, wirken aber nicht übermäßig motiviert, doch der größte Knackpunkt ist zweifelsohne, dass einem die Charaktere nicht nahe gebracht werden und der Film deswegen nur stellenweise spannend geraten ist.
Mit vielen coolen Sprüchen versetzt und beeindruckenden Bildern gespickt erinnert The Chronicles of Riddick nur entfernt an Pitch Black, ob Fans des ersten Films darum das bunte Universum mit düsteren Zügen gefällt, ist fraglich – unterhaltsam und wirklich gut gemacht ist es dennoch.


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