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R.E.D. 2 - Noch Älter. Härter. Besser. [2013]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Januar 2015
Genre: Action / Thriller / Komödie

Originaltitel: RED 2
Laufzeit: 116 min.
Produktionsland: USA / Frankreich / Kanada
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Dean Parisot
Musik: Alan Silvestri
Darsteller: Bruce Willis, John Malkovich, Mary-Louise Parker, Helen Mirren, Anthony Hopkins, Byung-hun Lee, Catherine Zeta-Jones, Neal McDonough, David Thewlis, Brian Cox, Jong Kun Lee


Kurzinhalt:
Das Leben im Ruhestand ist nicht nach Sarahs (Mary-Louise Parker) Geschmack. Ihr fehlt die Aufregung, die sie mit dem ehemaligen CIA-Agenten Frank Moses (Bruce Willis) erlebt hat. Marvin Boggs (John Malkovich) ergeht es ähnlich, doch er weiß, dass sich das bald ändern wird. Es wurde ein Geheimdokument veröffentlicht, das Frank und Marvin in Verbindung mit einer Operation während des Kalten Krieges in Verbindung bringt. Dafür sollen sie nun von Jack Horton (Neal McDonough) ausgeschalten werden.
Ihre einzige Hoffnung scheint der Wissenschaftler Bailey (Anthony Hopkins), der seit Jahrzehnten in London gefangen gehalten wird. Um ihn zu befreien und den Tod von zig Tausenden zu verhindern, brauchen sie die Hilfe von Victoria (Helen Mirren), doch die wurde wie der beste Auftragskiller der Welt, Han Cho Bai (Byung-hun Lee) bereits auf Frank angesetzt – und Han hat noch eine Rechnung mit ihm offen ...


Kritik:
Was passiert, wenn man ein halbes Duzend der erfolgreichsten und charismatischsten Darsteller ihrer Zeit versammelt, ihnen nichts zu tun gibt und das wenige, womit sie arbeiten sollen auch noch in einer gerade zu erschreckend dilettantischen Art und Weise auf Film bannt, zeigt R.E.D. 2 - Noch Älter. Härter. Besser. in zermürbend epischer Breite. Sieht man sich die vielen Stars an, die sich hier die Klinke in die Hand geben und die bisherigen Arbeiten von Regisseur Dean Parisot, dann ist das Ergebnis nur umso unverständlicher.

Mehr noch, da R.E.D. - Älter. Härter. Besser. [2010] alles andere als ein schlechter Film war. Die Actionkomödie über eine Handvoll ehemaliger CIA-Spitzenagenten, die ins Visier ihrer eigenen Leute kommen, lebt vom überzogenen Humor, der beinahe schon karikaturistischen Darstellung der Gewalt und dem Charme seiner erlesenen Besetzung. Für die Fortsetzung stehen nun wieder unter anderem Bruce Willis, John Malkovich und Helen Mirren vor der Kamera – begleitet von Anthony Hopkins, Brian Cox und Catherine Zeta-Jones. Nur ist was sie tun nie lustig, die Gewalt findet auf beinahe schon groteske Art und Weise abseits der Kamera statt und eine Chemie entwickelt die Besetzung nicht einmal in den Outtakes, die einem im besten Fall ein Schmunzeln entlocken können.

Dabei hört sich die Ausgangslage durchaus vielversprechend an: Während des Kalten Krieges wurde eine verheerende Waffe nach Moskau geschmuggelt. Mit ihr sollte die "Rote Gefahr" an ihrer Quelle ausgelöscht werden. Nun ist ein geheimes Dokument im Internet aufgetaucht, das Frank Moses (Willis) und Marvin (Malkovich) mit dieser Operation in Verbindung bringt. Die sollen darum jetzt ausgeschalten werden – nur weshalb? Und von wem? Bereits hier gehen den Drehbuchautoren Jon und Erich Hoeber die (guten) Ideen aus. Man erfährt nicht einmal genau, weshalb die im Ruhestand befindlichen Agenten nun selbst Hand anlegen wollen. Über einen Spion in Frankreich kommen Moses und seine Mitstreiter – darunter auch Mary-Louise Parker in der Nerv tötenden Rolle der wie ein bockiges Kleinkind agierenden Sarah – darauf, dass der Schlüssel zur Bombe ein Mann ist, der in einem Hochsicherheitsgefängnis in London sitzt. Kurzzeitig sieht es so aus, als würde Sir Anthony Hopkins als Wissenschaftler, der durch jahrzehntelange Einzelhaft und Medikamenteneinfluss verrückt geworden ist, R.E.D. 2 so etwas wie ein Quäntchen Würde verleihen, doch diese Hoffnung hält nicht lange. Sobald seine Figur den klischeehaften Pfad beschreitet, den diese Figuren in dieser Art Film immer beschreiten, gibt es in der Tat nichts mehr, was anzusehen sich lohnt.

Was, wenn durch Materialermüdung die Bombe nach so langer Zeit explodieren könnte und die "alten Eisen" die einzigen wären, die sie entschärfen könnten? Was, wenn man den Darstellern ein vernünftiges Skript mit ordentlichen Dialogen und einem greifbaren Humor gegeben hätte?

R.E.D. 2 bietet nichts von alledem und ist auf eine Art und Weise inszeniert, dass man anfangs zwar das Gefühl haben könnte, Regisseur Dean Parisot, der seit dem gelungenen Galaxy Quest - Planlos durchs Weltall [1999] hauptsächlich für Fernsehserien aktiv war, würde seinen Film angelehnt an die Comics umsetzten, auf denen er basiert. Schließlich muss man feststellen, dass dahinter schlicht ein grausam ungelenker Schnitt steckt. Am deutlichsten ist dies daran zu sehen, dass innerhalb einer Szene zwischen einzelnen Übergängen Einstellungen fehlen. So reißt Frank den Bösewicht Jack Horton (eine undankbare Rolle für den durchaus charismatischen Neal McDonough) zu Boden, indem Frank den Tisch auf den dieser sich stützt entzwei bricht. Während man in einer Einstellung beide am Boden liegen sieht, ist Frank im nächsten Bild bereits aufgestanden und hat ein abgerissenes Tischbein in der Hand. Wie und in welcher Geschwindigkeit bleibt ein Rätsel. Auch weshalb die anderen Wachleute um sie herum nicht eingegriffen haben.

Dieser Stil zieht sich unverständlicherweise durch den gesamten Film: Eine Autoverfolgungsjagd durch Paris besteht aus einem Dutzend nicht wirklich tempo- oder einfallsreicher Perspektiven, bei denen dem Zuschauer die Spezialeffekte, sobald die Darsteller zu sehen sind, förmlich ins Gesicht springen und beim Zweikampf zwischen Bruce Willis und Byung-hun Lee ist keine durchgehende Bewegung, kein Schlag, kein Tritt, kein Schusswechsel mit den Schauspielern im Bild ohne Schnitt zu sehen. Meist sieht man sogar nur ihre Rücken wenn etwas geschieht, als wären die Darsteller in den Momenten durch Stuntdoubles ersetzt worden und selbst nur gelegentlich vor der Kamera vertreten. Im besagten Kampf stechen sich die Charaktere zwar Messer in diverse Muskel, Auswirkung auf ihre Mobilität hat das aber nicht. Überhaupt findet die Gewalt immer einige Zentimeter außerhalb des sichtbaren Bildausschnitts statt. So ist sie zwar vorhanden, aber nicht sichtbar.

Es ist nur einer von vielen Sargnägeln dieser vollkommen verkorksten Fortsetzung.


Fazit:
Man kann es irgendwann nicht mehr hören, dass Darsteller, die vor Jahrzehnten die Kinowelt nachhaltig geprägt haben, heute nur noch für Rollen besetzt werden, in denen sie darüber lamentieren, dass sie eigentlich zu alt für den Job sind. Sieht man sich anderseits R.E.D. 2 - Noch Älter. Härter. Besser. an, möchte man meinen, dass diese Spione besser im Ruhestand geblieben wären. Helen Mirren strahlt ihren unverwechselbaren Charme ebenso aus wie John Malkovich den seinen – ihm gelingen auch einige der an einer Hand abzählbaren guten Sprüche.
Vielleicht hat Bruce Willis erkannt, worauf er sich eingelassen hat und sich deshalb gar nicht erst bemüht. Aus der Idee weiß das Skript ebenso wenig zu machen wie aus der Starbesetzung, die sich in Dean Parisots uninspirierte, fahrige Inszenierung verirrt hat. Das ist nie packend oder mitreißend und wäre nur als abschreckendes Lehrstück für andere Filmemacher sehenswert. Dafür zwei Stunden seines Lebens zu investieren ist ein zu hoher Preis.    


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