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Premium Rush [2012]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Oktober 2012
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Premium Rush
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Koepp
Musik: David Sardy
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Dania Ramirez, Wolé Parks, Aasif Mandvi, Michael Shannon, Jamie Chung, Christopher Place, Anthony Chisholm, Henry O, Kin Shing Wong, Boyce Wong, Ruth Zhang, Bojun Wang, Wai Ching Ho


Kurzinhalt:
Es scheint nicht Wilees (Joseph Gordon-Levitt) Tag zu sein: Als der Fahrradkurier seine Freundin Vanessa (Dania Ramirez) in der Firma anspricht, weist sie ihn erneut ab – es scheint endgültig aus zu sein. Schlimmer noch, Wilee hat die Befürchtung, dass sich zwischen ihr und dem Muskelprotz Manny (Wolé Parks) etwas anbahnt. Um auf andere Gedanken zu kommen, nimmt Wilee von Koordinator Raj (Aasif Mandvi) noch einen Auftrag an – er soll für Nima (Jamie Chung), Vanessas künftige Ex-Mitbewohnerin, einen Umschlag per Express-Option "Premium Rush" zu Schwester Chen (Wai Ching Ho) an eine bestimmten Adresse bringen. Doch noch bevor Wilee den Campus, wo er Nima getroffen hat, verlassen kann, wird er von Bobby Monday (Michael Shannon) angehalten, der den Umschlag fordert.
Selbst, als Wilee davonfahren kann, jagt ihm Monday im Auto hinterher. Dadurch wird ein Fahrradpolizist (Christopher Place) auf Wilee aufmerksam, der gleich mehrmals beinahe unter die Räder kommt. Was immer in dem Umschlag ist, Monday scheint bereit, alles dafür zu tun, ihn zu bekommen. Als wenig später sowohl Vanessa, als auch Manny in die Auslieferung miteinbezogen werden, wird deutlich, dass es um mehr geht, als nur um die Erfüllung einer Deadline – es geht nicht nur für die Kuriere, die Monday ins Visier genommen hat, um Leben und Tod ...


Kritik:
Wie gefährlich das Fahrradfahren insbesondere in der Großstadt ist, sieht man beim Abspann von Premium Rush. Dort wird ein Video eingeblendet, das aufgenommen wurde, nachdem Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt während der Dreharbeiten auf ein Taxi auffuhr und durch dessen Rückscheibe krachte. Wir erfahren in David Koepps Actionthriller, dass von den 1500 Fahrradkurieren, die in New York täglich unterwegs sind, manche ihren Tod auf der Straße finden. Was kann also jemanden mit nur einem Funken Überlebenswillen dazu bringen, mit so einer Beschäftigung seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen? Die Studentin Vanessa gibt an, dass sie keine Lust mehr auf das Kellnern hatte. Für ihren Ex-Freund und Titelfigur Wilee ist es mehr als das, er sucht den Adrenalinkick. Wenn wir an seinem Lenker kleben und er sein Bike durch den Feierabendverkehr New Yorks lenkt, dann spüren wir das Adrenalin zumindest auch. Dieser Aspekt gelingt Koepp mühelos, doch was er in einer verschachtelt erzählten Geschichte zu verstecken versucht ist die Tatsache, dass sein Film nichtsdestotrotz aus herkömmlichen Zutaten besteht und insbesondere die Figuren nicht viel mehr sein dürfen als Fahrradfahrer, die nur Vornamen besitzen.

Dass in Wilee mehr steckt, als ein reiner Studienabbrecher, hören wir mehr als einmal, wenn man ihm sagt, dass er großes Potential hätte und erreichen könne, was er wolle. Ob dem so ist, sei dahingestellt, denn in Premium Rush bleibt ihm kaum Zeit zum Luftholen. Er wird kurz vor Ende seiner Schicht losgeschickt, von der ehemaligen Mitbewohnerin seiner Ex-Freundin einen Umschlag abzuholen und diesen so schnell wie möglich an eine bestimmte Adresse zu bringen. Dass er wenig später von einem Auto durch die Innenstadt verfolgt werden würde, hat er sich dabei sicher nicht ausgemalt. Was tatsächlich in dem Umschlag ist, sei an der Stelle nicht verraten, außer dass es kein MacGuffin ist, sondern die tatsächliche Hintergrundgeschichte begründet. Dafür spult Koepp immer wieder in der Story zurück, um Puzzlestücke zu präsentieren, die sich letztlich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Wir sehen dabei den Bösewicht des Films, Bobby Monday, der zwar skrupellos ist, aber nicht so böse, wie er sein könnte – und vielleicht auch sollte, damit die Bedrohung für Wilee packender wird. Und wir erfahren mehr über Vanessas Ex-Mitbewohnerin Nima, die sich mit chinesischen Geschäftemachern einlässt. Einen bleibenden Eindruck macht ohne Zweifel ein sturer Fahrradpolizist, der jedoch meistens das Nachsehen hat.

Einer der größten Stärken von Premium Rush ist die Tatsache, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt. Trotz der Hetzjagd findet Koepp immer wieder humorvolle Einlagen und auch die absichtlich stückhaft erzählte Geschichte trägt ihren Teil dazu bei, dass der Thriller leichtfüßiger bleibt, als er sein müsste. Doch wenn der Schurke nicht zu böse ist, beziehungsweise was auf dem Spiel steht so spät aufgedeckt wird, dass über zwei Drittel des Films nicht klar wird, warum es so wichtig ist, dass der Umschlag zur vereinbarten Uhrzeit am vereinbarten Ort ist, fehlt es manchen Momenten schlicht an Spannung. Wilees Rennen mit seinem kämpferischen Kollegen Manny ist für sich beispielsweise zwar mitreißend, aber es verdrängt, welches Schicksal in dem Augenblick bereits am seidenen Faden hängt.
Handwerklich findet David Koepp immer wieder Mittel und Wege, die engen Straßen oder die Schutzlosigkeit der Fahrradfahrer einzufangen, sorgt für Ortskundige mit Übersichtskarten und Navigationsrouten durch New York für Überblick und erzählt so seinen Actionthriller beinahe in Echtzeit. Auch wenn Wilee in seinen Gedanken die verschiedenen Möglichkeiten seiner Blitzentscheidungen durchspielt, ist das überaus amüsant.
Für eineinhalb schnelle und sogar spaßige Stunden ist das mehr als ausreichend. Zu einer Überraschung im Genre, oder einem herausragenden Actionthriller reicht es allerdings nicht. Doch das muss Premium Rush nicht sein, um gelungene Unterhaltung bieten zu können.


Fazit:
Sieht man Joseph Gordon-Levitt und Dania Ramirez auf ihren Fahrrädern durch die New Yorker Innenstadt rasen, weiß man nicht, ob es für die beiden Arbeit oder Vergnügen ist. Sie strahlen eine Natürlichkeit und Sympathie aus, der man sich kaum entziehen kann. Selbst Michael Shannon, der den Bösewicht mimt, ist nicht grundsätzlich unangenehm. Dieser Umstand hindert Premium Rush zwar einerseits daran, dass eine durchweg packende Atmosphäre aufkommt, immerhin scheint der Schurke gar nicht so schlimm zu sein, aber es macht den Actionthriller gleichzeitig erstaunlich leicht. Statt eine realistische, todernste Story, präsentiert Regisseur und Koautor David Koepp eine Geschichte, die geradlinig erzählt viel zu einfach wäre – darum bettet der den Hintergrund in eingeschobenen Rückblicken ein.
Das scheint im Film bisweilen komplexer als es ist, sorgt aber ebenso wie die temporeichen Fahrten und die ansprechenden, wenn auch flachen Figuren, für einen hohen Unterhaltungswert, der erfreulicherweise ohne den unschönen Beigeschmack eines hohen Brutalitätsgrades dargebracht wird. Und sieht man die Fahrradkuriere sich durch den Furcht einflößenden Verkehr der Großstadt schlängeln, steigt allein schon deswegen der Puls beim Publikum.


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