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Planet der Affen: Survival [2017]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. Juli 2017
Genre: Science Fiction / Action / Drama

Originaltitel: War for the Planet of the Apes
Laufzeit: 140 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Matt Reeves
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, Karin Konoval, Amiah Miller, Terry Notary, Ty Olsson, Michael Adamthwaite, Toby Kebbell, Gabriel Chavarria, Judy Greer, Sara Canning


Kurzinhalt:

Seit zwei Jahren herrscht nun Krieg zwischen den von Caesar (Andy Serkis) angeführten Affen und den Menschen. Obwohl Caesar sich mit seiner Kolonie in den Wäldern versteckt und Konfrontationen scheut, werden sie von einem Colonel (Woody Harrelson) unerbittlich gejagt. Dessen Hoffnung ist, Caesar zu töten, damit die Affen nicht länger organisiert sind. Nach einem verheerenden Angriff soll die Kolonie eine lange Reise in die Wüste antreten, um endlich vor den Menschen sicher zu sein. Doch Caesar verlässt die ziehende Gruppe, um Vergeltung am Colonel zu üben. Begleitet von Maurice (Karin Konoval), Rocket (Terry Notary) und Luca (Michael Adamthwaite) macht er sich auf den Weg und stößt auf seiner Reise auf ein stummes, menschliches Mädchen (Amiah Miller) sowie den allein lebenden Affen, der sich Bad Ape (Steve Zahn) nennt. Gegen die Armee des Colonel sind sie dabei nicht nur zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen ...


Kritik:
Regisseur Matt Reeves gelingt mit Planet der Affen: Survival etwas, das man kaum für möglich halten würde: Er präsentiert nicht nur einen der der besten Filme, die bislang dieses Jahr in den Lichtspielhäusern zu sehen waren, es gelingt ihm, an den meisterhaften Klassiker Planet der Affen [1968] auf vielerlei Arten und Weisen anzuknüpfen und gleichzeitig einen fantastischen Abschluss für diese Trilogie zu finden, bei der die Affen nicht nur die Stars der Geschichte sind, sondern so vielschichtige Persönlichkeiten, dass es einem den Atem raubt.

Wie fließend dem Filmemacher dabei der Übergang zwischen einzelnen Genres gelingt, ist schlicht beeindruckend. Nach einem Auftakt, dessen Bildgewalt an Apocalypse Now [1979] erinnert und dem Originaltitel "Krieg um den Planet der Affen" alle Ehre macht, wandelt sich die Erzählung zuerst zu einem Western. Sowohl die spärlichen Dialoge, die Suche nach Vergeltung als auch die langen Passagen zu Pferd auf dem Weg zum Erzfeind sind Zeugnis davon. Im letzten Drittel ändert sich die Motivation der Hauptfigur Caesar erneut, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Inhaltlich schließt Survival dicht an Planet der Affen: Revolution [2014] an und auch wenn die Macher einen kleinen Prolog präsentieren, in dem die Geschehnisse der vorigen Filme in wenigen Sätzen erläutert werden, es empfiehlt sich, zumindest den letzten Teil nochmals anzusehen, um die vielen Referenzen zu verstehen. Zu Beginn der Geschichte haben sich die Affen um Anführer Caesar in den Wäldern verschanzt und bleiben unter sich. Doch die wenigen Menschen, die den tödlichen Virus überlebt haben, welcher die Affen derart intelligent gemacht hat, haben noch nicht aufgegeben. Um das Überleben der Spezies Mensch zu sichern, greift ein taktisch versierter Colonel zu allen erforderlichen Mitteln. Sein Ziel ist es, Caesar auszuschalten in der Hoffnung, mit ihm die Übermacht der Affen endgültig zu vernichten. Der Angriff schlägt fehl und blind vor Wut und Verzweiflung beschließt Caesar, den Truppen der Soldaten nachzujagen.

Mehr sollte man über den Inhalt nicht preisgeben, mit Ausnahme der Tatsache, dass der inzwischen grau gewordene und von diesem unerbittlichen Krieg geprägte Caesar von einigen seiner treusten Gefolgsleute begleitet wird und sie wenig später ein stummes Mädchen finden, das sie begleiten wird.
Bereits die Eröffnungsszene lässt erahnen, mit was für einem grandiosen Szenenaufbau Regisseur Reeves Planet der Affen: Survival versieht. Dem steht der hervorragend choreografierte Angriff auf die Siedlung wenig später auch in nichts nach. Die Bilder sind mit einem Wort unglaublich. Dank der tollen Perspektiven sagt der Film trotz der wenigen Dialoge mehr, als die meisten anderen.

Auf subtile Art und Weise wird deutlich, dass die Affen mehr als nur Gesellschaft aufgebaut haben – sie haben eine Kultur entwickelt, was sich beispielsweise darin zeigt, wie sie mit ihren gefallenen Gefährten zu Beginn umgehen. Statt diese Erkenntnisse in den Mittelpunkt zu stellen, werden sie "nebenbei" herausgearbeitet und sorgen doch gerade deshalb dafür, dass nicht nur Caesar, sondern auch seine Mitstreiter, mehr sind als das optische Aushängeschild des Films. Sie alle sind Charaktere, die eine Vielschichtigkeit offenbaren, die – als treffende Analogie der Story – den Menschen abhanden gekommen ist. So wurden beziehungsweise werden sowohl der Colonel als auch Caesar zu jemand, der sie eigentlich nie sein wollten. Caesars Vertrauter der ersten Stunde, der Orang-Utan Maurice, steht dabei für die gütige und überlegte Seite von ihm, die den Angriff auf die Siedlung zu Beginn nicht überlebt. Selbst der Gorilla Luca, der augenscheinlich allein die Stärke symbolisiert, erhält trotz des eindrucksvollen Auftretens einen so sanften, berührenden Moment, dass es einen sprachlos macht.

Wie es den Machern dabei gelungen ist, diese vielen verschiedenen Figuren zum Leben zu erwecken, soll ihr Geheimnis bleiben. Handwerklich ist Planet der Affen: Survival nicht besser zu machen. Anstatt wie bei vielen anderen, aufwändigen Produktionen die toll animierte Figur zu bewundern, verschwimmt hier bereits nach den ersten Minuten die Grenze zwischen realen Figuren und der vermeintlichen Tricktechnik, so dass man sowohl bei den Affen als auch bei den Menschen nurmehr die Charaktere wahrnimmt. Ein größeres Kompliment kann man an sich nicht aussprechen.
Ebensowenig dem Oscar-prämierten Komponisten Michael Giacchino, der hier vielleicht seine bislang beste Arbeit präsentiert. Sein Score erinnert in einigen Themen auf gelungene Art und Weise an John Barry und schafft gleichzeitig einen gelungenen Bezug zu Filmkompositionen aus den 1960er- und 70er-Jahren. Fantastisch!


Fazit:
Mit vielen Untertiteln beweisen die Macher nicht nur Mut, sondern zeigen auch Vertrauen, dass das interessierte Publikum gewillt ist, sich auf einen ungewöhnlichen Science Fiction-Film einzulassen. Die Western-Atmosphäre passt hervorragend zur Story, der es auf subtile Art und Weise gelingt, eine Brücke zum inzwischen beinahe ein halbes Jahrhundert alten Original zu schlagen. Mit grandios umgesetzten Bildkompositionen, die zweifellos im Kino am besten zur Geltung kommen, und eindrucksvollen Darstellerleistungen, insbesondere in Hinblick auf den von Andy Serkis zum Leben erweckten Caesar, gelingt Regisseur Matt Reeves nicht nur ein in der zweiten Filmhälfte überraschend amüsanter Abschluss dieser neuen Planet der Affen-Trilogie. Es ist mit einem explosiven Finale ein an manchen Stellen philosophischer und gleichzeitig hoffnungsvoll melancholischer Ausklang dieser Geschichte, bei dem man sich fragt, was sich die Macher noch offenhalten.
Wenn es nur einen Film gibt, den man diesen Sommer auf der großen Leinwand sehen möchte, dann sollte es Planet der Affen: Survival sein. Und wenn es einen Film gibt, den man sich diesen Sommer zweimal im Kino ansehen möchte, dann ebenfalls.
 


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