Planet der Affen: Prevolution [2011]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. August 2011
Genre: Science Fiction / Action / Drama

Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Rupert Wyatt
Musik: Patrick Doyle
Darsteller: James Franco, Freida Pinto, John Lithgow, Brian Cox, Tom Felton, David Oyelowo, Tyler Labine, Jamie Harris, David Hewlett, Ty Olsson, Andy Serkis, Karin Konoval, Terry Notary, Richard Ridings, Christopher Gordon, Devyn Dalton, Jay Caputo


Kurzinhalt:
Mit dem ALZ-112 scheint Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) endlich der Durchbruch gelungen zu sein. Mit dem Wirkstoff behandelte Primaten weisen eine messbare Steigerung der Intelligenz auf. Das Mittel ist dazu gedacht, die Alzheimer-Krankheit zu heilen. Doch bei einer Präsentation mit Steven Jacobs (David Oyelowo) gerät das bisher friedliche Tier außer Kontrolle – für die Investoren ein Desaster. Von Tierpfleger Franklin (Tyler Labine) nimmt Will ein verwaistes Schimpansenbaby an, doch schon zuhause erkennt er zusammen mit seinem Vater Charles (John Lithgow), dass der Caesar (Andy Serkis) getaufte Schimpanse weit klüger ist, als alle bisherigen Tiere aus der Behandlungsreihe.
Es vergehen Jahre des intensiven Trainings, bei deinen auch Tierärztin Aranha (Freida Pinto) mitwirkt. Doch nach einem Zwischenfall wird Caesar in eine spezielle Einrichtung für Affen gebracht. Dort erkennt er nicht nur, wie seinesgleichen von den Menschen gehalten und behandelt wird, sondern er findet Gleichgesinnte. Um die Situation lebenswert zu machen, bleibt für Caesar und seine Mitstreiter schließlich nur ein Ausweg: Revolution ...


Kritik:
Wie viel Unheil kann dabei herauskommen, wenn man darum bemüht ist, etwas Gutes zu tun? Planet der Affen: Prevolution erzählt die Geschichte zweier Pioniere, deren Arbeit sich jeweils in eine Richtung entwickelt, die sie selbst nicht überschauen oder kontrollieren können. Regisseur Rupert Wyatt schickt sich dabei an, gleichzeitig einen neuen Anfang für die Planet der Affen-Saga zu erzählen, sowie den Grundstein für eine weitere Neuentwicklung zu legen. Es ist ein Film, der sich zwar an ein breites Publikum richtet, dessen viele Anspielungen jedoch bedeutend weniger verstehen werden, und dessen aussagekräftige Bilder vermutlich noch weniger Zuschauern im Gedächtnis bleiben werden. Zumal der Film durchaus die Bereitschaft von Seiten der Zuseher erfordert, mitzudenken. Es werden nicht alle Entscheidungen der Figuren erklärt oder vorgebetet, Manches sollte man schlichtweg erkennen.

Als gewisses Prequel zu den bisherigen Filmen, endet die Geschichte just in jenem Moment, in welchem man wissen möchte, wie es weiter geht. Sie beginnt damit, dass der Wissenschaftler Will Rodman an einem Medikament forscht, mit dessen Hilfe sich die Alzheimer-Krankheit behandeln ließe. Deren Auswirkungen bekommen wir an seinem Vater Charles gezeigt, der die Noten beim Klavierspielen nicht mehr trifft, und der sich auch nicht mehr recht erinnert, wo sein Sohn derzeit arbeitet. Doch bei der Präsentation eines möglichen Impfstoffes, gerät ein damit behandeltes Schimpansenweibchen außer Kontrolle und das Projekt wird eingestellt. Rodman nimmt ein ebenfalls mit dem Impfstoff infiziertes Schimpansenbaby bei sich auf und entdeckt daran außergewöhnliche Fortschritte, welche die gesamte Intelligenz des Tieres betreffen. Also fördert er den Affen, der von Charles Caesar getauft wird, und auch bei einem eigenmächtigen Versuch wirkt das Serum an Wills Vater. Die Weiterentwicklung des Impfstoffes bewirkt bei den Versuchstieren ebenfalls außergewöhnliche Resultate, doch bei den Menschen sind sie weniger erfolgreich. Nur, wenn die Affen bemerken, dass sie ein Leben lang eingesperrt bleiben werden, und wie mit ihnen umgegangen wird, wie lange werden sie brauchen, bis sie sich zur Wehr setzen?

Caesar ist der eigentliche Star der Geschichte, der sich nicht dazu berufen, sondern eher dazu gedrängt fühlt, sich an die Spitze einer Gruppe Affen zu setzen, die ein tristes Dasein in einem kleinen Heim führen. Es fasziniert, zu beobachten, wie er sich, hat er sein Los einmal akzeptiert, als Alpha-Männchen positioniert, und seine Untergebenen um sich schart. Dabei ist er als Anführer weder von Rachegefühlen geleitet, noch verbittert. Er hat ein eindeutiges Ziel und Prinzipien, denen er treu bleiben möchte. Aber kann er sich gegenüber den anderen Affen, insbesondere Koba, der schon lange als Versuchstier gelitten hat, auch durchsetzen? Und was ist er bereit zu tun, stellen sich ihm die Menschen in den Weg?
Im Gegenzug dazu sehen wir Will Rodman, der an einem Medikament forscht, das nicht nur seinem Vater das Leben wieder ermöglichen soll, und der mit Caesar etwas erschuf, dessen Auswirkungen ihm nicht im Entferntesten bewusst waren. Wir sehen hier Wills Fall, wenn er sieht, was er losgetreten hat, während dies bei Caesar wohl einem der nächsten Filme vorbehalten ist.

Wie sich die Perspektive der Erzählung wandelt, rückt auch ein anderer Darsteller in den Mittelpunkt. James Franco ist als Will Rodman so bemüht, wie er es sein muss, während die sympathisch erscheinende Freida Pinto ausschließlich für den Appeal verantwortlich ist. Selbst als Wills gutes Gewissen steht sie John Lithgow in der Rolle des Charles nach, der ohne Worte in seinem wichtigsten Moment mehr auszusagen vermag, als die absehbaren One-Liner, die ohnehin in der Vorschau bereits zu hören sind. Der aus Harry Potter bekannte Tom Felton tut, was die Story von ihm verlangt, auch wenn wir keine Erklärung dafür bekommen.
Andy Serkis, der bereits Gollum bei Der Herr der Ringe [2001-2003] zum Leben erweckte, und auch King Kong im gleichnamigen Remake von 2005 Leben einhauchte, ist hier unter anderem für Caesar verantwortlich und verleiht dem Anführer der Affen ein Charisma, das in der Tat verblüfft. Sei es, wie sich der Ausdruck seiner Mimik während und nach seiner Gefangenschaft ändert, oder allein, wie er sich bewegt, die Figur lässt keine Zweifel aufkommen und wird durch die übrigen Primaten entsprechend ergänzt.
Die erstklassige Umsetzung wartet immer wieder mit Perspektiven und Bildern auf, die im Gedächtnis bleiben, während man den Drehbuchautoren zugutehalten sollte, dass sie sich mehr Gedanken um die Geschichte von Planet der Affen: Prevolution, die Entscheidungen der Figuren und insbesondere Caesars Entwicklung machen, als dies wohl in vielen anderen Händen der Fall gewesen wäre. Kennern des ersten Planet der Affen [1968] werden außerdem viele Anspielungen auffallen, zu denen sogar die hier vorgestellte Mars-Mission "Icarus" zählt. Auf Charlton Hestons Team von damals ist dabei ebenso Bezug genommen, wie auf die Sinnbildlichkeit der Erzählung aus der griechischen Mythologie in Wills Geschichte.


Fazit:
Für eine neue Generation an Zuschauern mag dies hier eine Geschichte mit einem revolutionär neuartigen Ansatz sein. Doch letztlich ist es eine Abwandlung dessen, was man aus Eroberung vom Planet der Affen [1972] bereits kennt. Es sind erstaunlich viele Ideen und gute Einfälle in das Skript eingeflossen, das mit einer sehr guten Optik, einem erstklassigen Soundtrack und merklichem Aufwand umgesetzt wird. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, interessiert das Schicksal der Affen auch mehr, als das der Menschen.
Auch die letzten Momente um den glücklosen Unheilsbringer wecken unser Interesse daran, wie es in jenem Universum weitergeht. Die hier gezeigte Vorgeschichte ist nicht nur unterhaltsam umgesetzt, sondern überrascht nicht selten, auch wenn sowohl an Caesar, wie auch an Will Rodman dasselbe Schicksal aufgezeigt wird: das eines Vorreiters, der in der Absicht, Gutes zu tun, die Büchse der Pandora öffnet. Das macht Planet der Affen: Prevolution zu einer wirklichen Überraschung, die vielleicht auch neue Fans für die Reihe gewinnen kann. Wenn sie sich darauf einlassen.