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Passengers [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 9. Juli 2017
Genre: Science Fiction / Drama / Liebesfilm

Originaltitel: Passengers
Laufzeit: 116 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Morten Tyldum
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Julee Cerda, Emma Clarke


Kurzinhalt:

Als Aurora Lane (Jennifer Lawrence) erwacht, muss sie feststellen, dass außer ihr nur Jim Preston (Chris Pratt) auf dem Raumschiff Avalon bei Bewusstsein ist. Sie sind zwei von insgesamt 5.000 Passagieren und mehr als 200 Besatzungsmitgliedern, die auf dem Weg zu einer neuen Welt sind, um diese zu besiedeln. Auf Grund einer Fehlfunktion der Hyperschlafkammer wurde Jim als erster aufgeweckt und wie beide feststellen müssen, nehmen die Fehlfunktionen an Bord des Schiffes zu. Während sie sich an die Einsamkeit zu gewöhnen versuchen, droht der Avalon ein kritischer Systemausfall. Und dieser würde nicht nur Aurora und Jim das Leben kosten, sondern alle Menschen an Bord ...


Kritik:
Man erkennt schnell, was die Beteiligten in Morten Tyldums Science Fiction-Film Passengers gesehen haben, das sie zum Mitmachen bewog. Nicht nur, dass der Filmemacher zuvor für seine Arbeit an The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben [2014] für den Oscar nominiert wurde, die Idee eines Überlebenskampfs zweier auf einem Kolonisierungsraumschiff gestrandeten Menschen, klingt überaus vielversprechend. Die Umsetzung ist dabei durchaus gelungen, offenbart jedoch einige Lücken, die nur größer werden, je länger man darüber nachdenkt.

Jim Preston und Aurora Lane sind als einzige Menschen auf dem Raumschiff Avalon bei Bewusstsein. Die 5.000 übrigen Passagiere befinden sich wie die mehr als 200 Crewmitglieder im Hyperschlaf. Kein Wunder, von der mehr als 120 Jahre dauernden Reise zum Planeten "Homestead II", den die Menschen neu kolonisieren wollen, sind erst 30 Jahre vergangen, als Jim und Aurora aufwachen. Ohne eine Möglichkeit, sich wieder in den Hyperschlaf zu versetzen, müssen sie sich zum einen mit dem Leben in geteilter Einsamkeit arrangieren und sehen sich andererseits einer immer größer werdenden Anzahl an Fehlfunktionen der vollautomatisierten Avalon gegenüber. Die nehmen dabei nicht nur für sie, sondern für alle Passagiere an Bord lebensbedrohliche Formen an.

Dass Jim ein Mechaniker ist, er die System-Handbücher der Avalon entdeckt und ein Händchen für allerlei technische Probleme hat, kommt ihm nur bedingt zugute, denn die wichtigen Bereiche des Schiffes, wie beispielsweise die Quartiere der Crew, sind unerreichbar verriegelt. Aurora ist Autorin und hatte geplant, als erste eine der neuen menschlichen Kolonien zu besuchen, ein Jahr dort zu leben und zur Erde zurückzukehren, um darüber zu berichten. Dass sie dafür insgesamt 250 Jahre brauchen würde, nimmt sie in Kauf, um etwas erzählen zu können, was niemand vor ihr geschafft hat. Dass sie beide viel zu früh aufgewacht sind, stellt in gewissem Sinne ein Todesurteil für sie dar. Sie werden die neue Heimat nie erreichen.

Zieht man in Betracht, dass sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen müssen und Jim und Aurora von Chris Pratt und Jennifer Lawrence gespielt werden, hätte es sie beide bedeutend schlimmer treffen können. Ihr einziger Ansprechpartner ist der Barkeeper der Avalon, der Androide Arthur. Der eigentliche Clou der Story sei an dieser Stelle nicht verraten, doch er sorgt – verständlicherweise – für den größtmöglichen Konflikt zwischen Aurora und Jim. Dass Passengers hieraus kein Geheimnis macht, offen mit der Thematik umgeht, beraubt den Film gewissermaßen einer Überraschung, die Zusehern im späteren Verlauf die Handlungen einer Figur hätte in ganz anderem Licht erscheinen lassen. Hier vergibt Autor Jon Spaihts, der auch die Vorlage für Prometheus - Dunkle Zeichen [2012] lieferte, eine große Chance.

Eine weitere ist die Tatsache, dass die immer größer werdenden Systemfehler der Avalon den beiden wachen Passagieren zwar auffallen, aber insbesondere Jim als Fachmann keine Überlegungen nach der Ursache anstellt. Anstatt eine Bedrohung nicht nur für die beiden Hauptcharaktere, sondern die gesamte Mission aufzubauen, deren Intensität immer stärker wird, konzentriert sich Tyldum darauf, tolle Bilder in den Situationen zu finden, die sich aus den Fehlern ergeben. Sieht man das Schwimmbecken in Schwerelosigkeit, dann ist dies in der Tat beeindruckend. Allerdings hätte auch die Möglichkeit bestanden, einen Grund zu liefern, weswegen Jim explizit aufgeweckt wurde.

Stattdessen wartet der Film bis zum dritten Akt, um vor dem Hintergrund dieser lebensbedrohenden Situation ein Finale zu entwerfen, das innerhalb von wenigen Minuten das Tempo anzieht und bei dem Jim die Lösung sofort offensichtlich ist. Das passt von der Atmosphäre her nicht wirklich zum Rest der Erzählung und ist schon deshalb nicht wirklich spannend, da jeder einzelne Moment nach dem bekannten Schema dieser Filme abläuft.
So auch das tatsächliche Ende von Passengers, bei dem die Entscheidung einer Figur nicht wirklich nachvollziehbar bleibt und mehr Gewicht besitzen würde, hätte sie sich anders entschieden. Lässt man diese Punkte außer Betracht, gelingt Regisseur Morten Tyldum ein handwerklich tadelloser und unterhaltsamer Film, der zwar nie so tiefgründig wird, wie er gern sein möchte, der aber trotzdem die Frage aufwirft, wie man sich an der Stelle der Hauptfiguren verhalten hätte.


Fazit:
Man mag an Passengers viel kritisieren, das Design und der Look des Film sind jedoch über jeden Zweifel erhaben. Zwar erinnern die vielen hellen, sauberen Flächen sowie die holographischen Displays an die Axiom in Pixars WALL·E - Der letzte räumt die Erde auf [2008], doch dazu trägt auch Thomas Newmans Score bei. Sowohl Jennifer Lawrence als auch Chris Pratt gelingen die verschiedenen Facetten ihrer Figuren überaus gut, die Chemie zwischen ihnen fühlt sich ebenso stimmig an wie ihr Zerwürfnis glaubhaft. Morten Tyldum gelingen an Bord der Avalon eindrucksvolle Bilder und er erzählt auf unterhaltsame Weise eine Geschichte, die eine tiefergehende Frage aufwirft. Das ist weder so philosophisch wie Interstellar [2014], noch so packend wie Der Marsianer - Rettet Mark Watney [2015]. Gelungen ist es trotzdem.
 


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