skip to content

Paranormal Activity [2007]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Mai 2010
Genre: Horror

Originaltitel: Paranormal Activity
Laufzeit: 86 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Oren Peli
Sound: Mark Binder
Darsteller: Katie Featherston, Micah Sloat, Mark Fredrichs, Amber Armstrong, Ashley Palmer


Kurzinhalt:
Es sind unerklärliche Dinge, die Micah (Micah Sloat) und Katie (Katie Featherston) in ihrem Heim widerfahren. Gegenstände, die sich bewegen, Türen, die sich von selbst schließen und öffnen – Geräusche, die aus Katies Alpträumen zu entstammen scheinen. Um hierfür handfeste Beweise zu finden, dokumentiert Micah die Tage und Nächte auf Video. Sie zeigen, wie sich Etwas immer mehr Zugang zu ihrem Heim verschafft. Die Phänomene werden intensiver und schließlich sogar physischer Natur.
Auf der Suche nach Hilfe scheinen sie auf sich allein gestellt.
Es ist das Video, das die Polizei sicherstellt, nachdem etwas Grauenvolles geschehen ist.


Kritik:
Was nützen die schaurigsten Gruselgeschichten, wenn sie nicht wahr sind? Ein jeder genießt es, sich ab und an bei einer Horrorgeschichte richtig gruseln zu lassen. In Filmform ist dies zunehmend schwieriger, weil sich die derzeitige Generation Filmemacher entweder darauf beschränkt, die Zuschauer mit billigen Schockeffekten für den Moment zu erschrecken, oder aber sie mit Splatterstreifen überschwemmt, die in ihrer Masse und Machart meist mehr für Lachen als für Gänsehaut sorgen. Man kann sich darüber amüsieren, weil man weiß, dass es nicht real ist und die auf der Leinwand zerfleischten Menschen nach dem Dreh wieder auf der Straße umherwandeln. Oren Peli versucht mit seinem Horrorfilm Paranormal Activity einen anderen Ansatz: was, wenn der Horror real wäre? In einer Zeit, in der selbst Videokameras gestochen scharfe Bilder in High Defenition aufnehmen können, kann man den Zuschauern so vorgaukeln, was auf einem sorgsam geschnittenen Heimvideo zu sehen ist, ist auch tatsächlich so passiert. Die Werbekampagne pries den billig produzierten Streifen an, als wäre es Beweismaterial, das bei einer andauernden Ermittlung von der Polizei sichergestellt wurde. Ein Realitätsanspruch wurde erhoben, der dem Publikum weismachen will, was gezeigt wird, ist tatsächlich so passiert – und das wäre doch dann letztendlich sehr unheimlich.

Durch die Videokamera, mit der Micah die Geschehnisse in seinem Haus einfängt, bekommt man als Zuseher einen Einblick in das Privatleben der beiden Protagonisten geboten, die von übernatürlichen Kräften tyrannisiert zu werden scheinen. Man ist somit ein bisschen Voyeur, ist sowohl bei intimeren Momenten anwesend, wie auch bei den nervenzehrenden, in denen Micah und Katie dem Zusammenbruch nahe sind. Gleichzeitig ist man durch die Kamera aber auch gegängelt, bekommt immer nur einen Ausschnitt zu sehen, ohne aber das ganze Bild zu Gesicht zu bekommen. Dadurch bleiben einem auch Situationen vorenthalten, was einen nur noch neugieriger macht.
Micah und Katie sind gerade dadurch, dass sie verängstigt sind, dass sie nicht auf alles eine Antwort wissen, sympathisch. Es unterscheidet sie nicht viel von anderen Paaren, außer dass sie eben etwas Außergewöhnliches erleben, was sicherlich einen jeden ängstigen würde. Ihr Schicksal interessiert und auch, was aus ihnen wird lässt einen nicht unberührt. Insbesondere dann, wenn die unheimlichen Mächte in ihr Leben eingreifen und sich ihrer bemächtigen. Paranormal Activity funktioniert in jenem Moment auch sehr gut. Das letzte Drittel des als Heimvideo vermarkteten Horrorfilms überzeugt durch eine sehr gruselige Atmosphäre, die man sich aber schon weitaus früher gewünscht hätte. Zwar passieren auch zuvor schon unheimliche Dinge, nur greifen diese nie die Figuren selbst an. Diesbezüglich verschenkt die durchaus interessante Ausgangsidee viel Potential, auch wenn die ersten 60 Minuten schnell vergehen. Wer aber letztlich auf eine richtige Konfrontation hofft, darauf, dass Katie und Micah einen Weg finden, sich zu wehren, der wird enttäuscht. Eine Auflösung wird einem vorenthalten.

Regisseur Oren Peli nutzt die Kamera geschickt, um dem Zuseher genau zu zeigen, was er beobachten soll, ohne gleichzeitig aber zuviel vorweg zu nehmen. Er lässt Katie Featherston und Micah Sloat so natürlich wie möglich erscheinen, zeigt ihre Beziehung als alltäglich, ohne sie übermäßig zu beschönigen oder mit Konfliktpotential zu belasten. Gelungen ist auch das Sound-Design, das bei jedem Auftritt des Dämon mit einem tiefen Grummeln für Unbehagen sorgt. An der Machart von Paranormal Activity gibt es nichts zu bemängeln, hat man sich denn mit dem dokumentarischen Touch abgefunden. Ob der notwendig ist, muss jeder für sich entscheiden, auch wenn dadurch sicherlich niemand geblendet werden kann, das Gezeigte für bare Münze zu nehmen. Sieht man den kurzweiligen Horrorfilm als den Marketingerfolg, der er sein sollte, kann man den Machern nur gratulieren. Mit einer etwas temporeicheren Erzählung und einem früheren Auftreten der bösartigen Macht, wäre zweifelsohne ein packenderer Film möglich gewesen. Interessant und dank sympathischerer Figuren wie beim verwandten Blair Witch Project [1999] auch unterhaltsamer ist er allemal, nur nicht so beängstigend.


Fazit:
Wen würde es nicht reizen, auf Film festgehaltene Beweise für übersinnliche Phänomene zu Gesicht zu bekommen. Dass es zugleich noch Furcht einflößende Bilder eines Dämons sind, der Katies Nächte zu einem lebendig gewordenen Alptraum werden lässt, unter denen auch Micah zu leiden hat, macht die Ausgangslage auf eine beunruhigende Art und Weise nur verlockender. Aber während es der durchaus gut getricksten Produktion gelingt, die Figuren dem Zuschauer nahe zu bringen, bleibt leider die Bedrohung für sie auf der Strecke.
So ist Paranormal Activity zwar im letzten Drittel durchaus unheimlich, aber nur sehr selten wirklich beängstigend. Nach den Vorschusslorbeeren hätte man hier mehr erwartet, zumal hierüber auch der dokumentarische Stil nicht hinweg tröstet, der schon auf Grund der zu günstig platzierten Kamera dennoch nie real wirkt.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.