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Octopussy [1983]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. Oktober 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Octopussy
Laufzeit: 131 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 1983
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Glen
Musik: John Barry
Darsteller: Roger Moore, Maud Adams, Louis Jourdan, Kristina Wayborn, Kabir Bedi, Steven Berkoff, David Meyer, Tony Meyer, Desmond Llewelyn, Robert Brown, Lois Maxwell, Michaela Clavell, Walter Gotell


Kurzinhalt:
Gerade von einer Mission zurück, wird der britische Agent James Bond (Roger Moore) von seinem Vorgesetzten M (Robert Brown) beauftragt, den Tod des Agenten 009 zu untersuchen. Dieser starb in der britischen Botschaft im geteilten Berlin und trug die Fälschung eines wertvollen Fabergé-Eis bei sich. Da das Original in Kürze bei Sotheby's versteigert werden soll, sucht Bond von dort an neue Anknüpfungspunkte und findet sie im afghanischen Prinz Kamal Khan (Louis Jourdan), dem er nach Indien folgt.
Nachdem Bond Khan auf das Ei anspricht, versuchen Khans Helfer, darunter auch Gobinda (Kabir Bedi), Bond aus dem Weg zu räumen. Welche Rolle Khans Begleiterin Magda (Kristina Wayborn) dabei spielt, ist Bond zunächst unklar. Auch weiß er noch nicht, dass Khan im Auftrag der geheimnisvollen Octopussy (Maud Adams) arbeitet. Außerdem ist in diese Machenschaften auch der russische General Orlov (Steven Berkoff) verwickelt, dessen tödliche Pläne zwar seiner Meinung nach der Überlegenheit der Sowjetunion dienen sollen, der aber entgegen ausdrücklicher Anweisung von General Gogol (Walter Gotell) handelt ...


Kritik:
Mehr als mancher Teil der Agentenreihe greift der dreizehnte Film um Spion James Bond auf das damals aktuelle Weltgeschehen zurück. Durch eine Sequenz in Ostberlin und dem Grenzübertritt von der DDR zur BRD in einem Zug erhält man ebenso einen Einblick in die Politik vor 30 Jahren, wie durch die Darstellung der Streitigkeiten inmitten der russischen Armee zur Zeit des Kalten Krieges. Aus eben diesem Grund scheint Octopussy mehr gealtert als andere Thriller aus jener Zeit.

Ähnlich ergeht es Roger Moore in der Hauptrolle. Damals 56 Jahre alt, fehlt seinen Actionmomenten viel von der Dynamik früherer Filme. Insofern überrascht es nicht, dass sowohl in Verfolgungsjagden, wie auch in Kampfszenen der Agent meist aus größerer Entfernung, oder aber von der Kamera abgewandt zu sehen ist – das Stuntdouble lässt sich dadurch besser kaschieren. Es ist ein Prozess, den die Produzenten in Sean Connerys letzten Tagen als britischer Geheimagent durch eine beschleunigte Bildwiedergabe aufzuwiegen versuchten. Überzeugend war es allerdings nicht. Doch gleicht das Drehbuch diesen Umstand hier dadurch wieder aus, dass eine überzeugende und überraschend verschachtelte Agentenstory erzählt wird, deren Wendungen nicht alle absehbar sind.
Sie beginnt mit dem Tod des Agenten 009, der die Fälschung eines sehr kostbaren Fabergé-Eis in seinem Besitz hatte. Als wenig später das Original auf einer Auktion versteigert werden soll, bietet Bond mit und kommt damit Kamal Khan auf die Spur. Was der Agent allerdings nicht weiß: Auch Khan arbeitet nur in Auftrag, während der Leiter des russischen Geheimdienstes, Gogol, damit beschäftigt ist, General Orlov unter Kontrolle zu halten, der die geplanten Abrüstungsgespräche mit der Nato zu boykottieren gedenkt.

Mit London, Indien und Deutschland scheinen die für gewöhnlich sehr exotischen Schauplätze hier weniger "exklusiv", doch gelingt es den Machern, Octopussy damit ein sehr greifbares Flair zu verleihen. Umso realer ist auch die Bedrohung, der sich Bond im letzten Drittel gegenübersieht.
Selbst die vielen Actionmomente sind nicht in dem Maße überspitzt, wie es noch vor In tödlicher Mission [1981] der Fall gewesen war. Vielleicht auch, da die Produzenten mit Sag niemals nie [1983] Konkurrenz aus ihren eigenen Reihen bekamen. Auf dem Bond-Film Feuerball [1965] basierend, wartet jener Thriller, in dem Sean Connery nochmals als James Bond (aber außerhalb der Reihe der Produzenten Albert R. Broccoli und Michael G. Wilson) auftritt, ebenfalls mit einer greifbaren Geschichte auf. Der Dank bei Octopussy ist eine dichte Atmosphäre, aus der einzig die auffälligen Bluescreen-Effekte die Zuschauer immer wieder herausreißen. Das ist umso bedauerlicher, da die Stunts, die dazwischen zu sehen sind, wirklich atemberaubend aussehen.

Bis die Titel gebende Figur vorgestellt wird, vergeht viel Zeit und selbst, wenn Octopussy, von der aus Der Mann mit dem goldenen Colt [1974] bekannten Maud Adams verkörpert, in Erscheinung tritt, bleiben ihre Motive doch ein Rätsel. Wie bereits zu Beginn mit Khans Begleiterin Magda scheinen die Loyalitäten in diesem Milieu nie eindeutig und es ist bis kurz vor Schluss ausgesprochen schwierig, die Bösewichte der Story tatsächlich auszumachen.

Vieles von dem, was die Reihe um den britischen Geheimagenten von ihren Wurzeln entfernt hat, rücken die Produzenten hier gerade. Die Story überzeugt, auch wenn sie erst dann packt, sobald die Bedrohung wirklich Gestalt annimmt. Selbst der Gehilfe des Schurken Khan bleibt in Erinnerung. Doch so gelungen all das ist und so viel Mühe sich die Filmemacher mit den Actionszenen geben, wirklich frische Impulse gibt es hier nicht. Waghalsige Manöver am fliegenden Flugzeug sind ebenso bekannt, wie Autoverfolgungsjagden und ausgerechnet die von der Idee her erstklassige Konfrontation auf dem fahrenden Zug enttäuscht durch offensichtliche Spezialeffekte. Das macht den aufwändigen Octopussy nicht zu einem mittelmäßigen Film, im Vergleich zu anderen Produktionen jener Zeit liegt der Actionthriller immer noch um Klassen vorn. Aber es verstärkt den Eindruck, dass die Reihe mit ihrer Stammbelegschaft hinter und vor der Kamera an dem Punkt angekommen ist, dass sich nur schwer neue Ideen finden lassen.


Fazit:
Die explosive Eröffnungssequenz in Lateinamerika setzt die Messlatte bezüglich der Action so hoch an, dass die restlichen zwei Stunden dem nicht gerecht werden. Dabei verbirgt sich hinter Octopussy eine glaubhafte und im letzten Drittel durchaus spannende Agentenstory, die durch die gezeigte Situation in der Welt ebenso gewinnt, wie sie deshalb überholt wirkt. Roger Moore gibt den süffisanten Agenten routiniert, aber weniger agil. Es ist eine Mischung, die sich im Film selbst wiederfindet.
Regisseur John Glens zweiter Bond-Film fängt das Flair der unterschiedlichen Umgebungen in Europa und Indien gelungen ein. Und auch wenn die Actionsequenzen nicht in dem Sinne groß konzipiert sind, wie man dies aus anderen Teilen gewohnt sein mag, die Stunts sind aufwändig und erstklassig gemacht. Es stören nur die auffälligen Einstellungen der Spezialeffekte, in denen meist 007 zu sehen ist. Dafür entschädigen der eingängige und gelungene Score von John Barry und die ungewohnten Frauenporträts. Hätte man nicht das Gefühl, die meisten Situationen so ähnlich in einem anderen Film der Reihe schon gesehen zu haben, würde Octopussy mühelos frischer wirken. Die Konkurrenz stellt er in jedem Fall in den Schatten.


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