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Nur 48 Stunden [1982]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 1. April 2017
Genre: Action / Thriller / Komödie

Originaltitel: 48 Hrs.
Laufzeit: 96 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1982
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Walter Hill
Musik: James Horner
Darsteller: Nick Nolte, Eddie Murphy, Annette O'Toole, Frank McRae, James Remar, David Patrick Kelly, Sonny Landham, Brion James, Kerry Sherman, Jonathan Banks, James Keane, Tara King, Greta Blackburn, Margot Rose, Denise Crosby


Kurzinhalt:

Bei einer Routinekontrolle stößt San Francisco-Polizist Jack Cates (Nick Nolte) mit seinen Kollegen auf den entflohenen Häftling Ganz (James Remar), der zusammen mit seinem Komplizen Billy Bear (Sonny Landham) zwei weitere Polizisten erschießt. Um Ganz aufzuspüren, geht Cates einen Deal mit einem von Ganz' früheren Bekannten, Reggie Hammond (Eddie Murphy), ein, der die längste Zeit einer Haftstrafe bereits verbüßt hat. Unter Cates' Aufsicht wird Reggie für 48 Stunden aus dem Gefängnis entlassen, um Jack zu helfen. Dabei hat Reggie ein ganz eigenes Interesse daran, dass Ganz gefunden wird und auch seine "Zusammenarbeit" mit Cates gestaltet sich alles andere als einfach. Aber nur gemeinsam können sie Ganz rechtzeitig finden ...


Kritik:
Mit Nur 48 Stunden startete Regisseur nicht nur die Karriere des Stand-up-Comedian Eddie Murphy auf der großen Leinwand, sondern auch des Buddy-Films, wie wir ihn heute kennen. Die Formel um zwei ungleiche Partner, die zusammengeworfen werden und nur gemeinsam zum Ziel kommen können, ist seither kaum verändert und funktioniert auch 35 Jahre später immer noch. Selbst wenn sich keine Actionkomödie heute so politisch unkorrekt präsentieren könnte wie der Klassiker damals.

Im Zentrum steht San Francisco-Polizist Jack Cates, dessen erster Auftritt bereits genügend Gründe bietet, um ihn an sich abstoßend zu finden. Harmonisch ist sein Umgang mit seiner Freundin Elaine nicht gerade, er trinkt (sowohl vor, als auch im Dienst), raucht und scheint selbst nur wenig Achtung vor dem Gesetz zu haben, wenn er es nicht für sinnvoll erachtet. Eher zufällig trifft Cates auf den entflohenen Häftling Ganz, der bei seiner Flucht mit Hilfe von Billy Bear kurz zuvor zwei Polizisten ermordet hat. Auch diese Begegnung endet für Gesetzeshüter tödlich und so macht sich Cates daran, Ganz unter allen Umständen dingfest zu machen. Hierfür greift er auf die Hilfe eines von Ganz' ehemaligen Komplizen zurück, Reggie Hammond, der zweieinhalb Jahre einer dreijährigen Haftstrafe verbüßt hat und immer noch im Gefängnis sitzt.

Es vergeht erstaunlich viel Zeit, ehe Nur 48 Stunden Cates mit seinem "Partner" zusammenbringt. Steht Nick Nolte dem 20 Jahre jüngeren Eddie Murphy schließlich gegenüber, könnte der Kontrast nicht größer sein. Weniger auf Grund der Hautfarbe, als auf Grund der Persönlichkeit. Es bleiben Cates 48 Stunden, in denen er mit Reggies Hilfe Ganz finden kann, ehe er Reggie zurück ins Gefängnis bringen muss.
Man könnte nun erwarten, dass Walter Hill die Situation verkompliziert, dadurch, dass Reggie sich der Rückkehr ins Gefängnis entziehen will. Dabei entpuppt sich der quirlige, wortgewandte Reggie als Gegenstück zum impulsiven Cates und hält sich durchweg an die Abmachung. Es dauert eine gewisse Zeit, bis das Sprüchefeuerwerk zwischen den beiden beginnt, aber hat es einmal angefangen, scheint es kaum mehr aufhören zu wollen.

Man kann Nur 48 Stunden hierbei vorwerfen, dass viele der Kommentare rassistisch, sexistisch oder diskriminierend sind, von der gezeigten, von Cates ausgehenden Polizeibrutalität ganz zu schweigen. All diese Punkte sind oberflächlich betrachtet sogar richtig, werden bei genauem Hinsehen jedoch überraschenderweise anders aufgelöst. So die diskriminierenden Bemerkungen, die Cates gegenüber Reggie fallen lässt, um sie später selbst zu entkräften, oder die abfälligen Kommentare der beiden gegenüber zwei augenscheinlich zusammenlebender Frauen, bei denen sich die Situation jedoch als ganz anders herausstellt (und die Kommentare des Buddy-Duos somit als leere Phrasen enttarnt). Schließlich sei auch erwähnt, wie abfällig zum großen Teil über Frauen gesprochen wird, was sich jedoch aus der Frustration der beiden Männer an ihrem – insbesondere in Reggies Fall Sexual- – Leben mit dem anderen Geschlecht ergibt.

Filmemacher Walter Hill gelingt es gerade auf Grund des offensichtlichen Machogehabes, die Charaktere dahinter auszuarbeiten. Er tut das auf eine so amüsante Art und Weise, sobald die ansteckende Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren greift, dass man angesichts der vielen One-Liner aus dem Lachen nicht herauskommt. Dem entgegen stehen die teils harten Gewaltspitzen, die in den kommenden Jahren klassische Buddy-Filme wie die Lethal Weapon-Reihe ebenso auszeichnen sollten, um trotz der lockeren Dialoge die Ernsthaftigkeit der Geschichte zu untermauern.

Das Ergebnis ist ein Film, dessen Schwachpunkt merklich die Bösewichte sind. In der Rolle des skrupellosen Ganz macht James Remar zwar eine gute Figur, bekommt aber recht wenig zu tun. Was aus der weiblichen Geisel wird, die er und Billy Bear gefangen nehmen, erfährt man beispielsweise gar nicht. Auch gelingt es der Erzählung nicht vollständig, alle offensichtlichen Lücken in der Story zu überspielen. Hierfür entschädigt ein Duo, das sich hervorragend ergänzt mit einem Nick Nolte, dessen Cates stets unendlich genervt erscheint, als würde er seinen Job nur deshalb machen, weil er der Meinung ist, dass es niemand anders so gut kann. In seiner sehenswerten, ersten Leinwandrolle gelingt Eddie Murphy eine bessere Balance zwischen Komik und Ernst, als später in seiner Karriere. Sie beide machen Nur 48 Stunden zu einem Klassiker, dessen Charme die letzten drei Jahrzehnte überstanden hat.


Fazit:
Wenn Komponist James Horner auf die Überholspur wechselt, zieht auch Regisseur Walter Hill sein Erzähltempo merklich an. Gleichzeitig hält er sich beim Aufbau der Shootouts und der Actionszenen aber merklich zurück und steigert so die Spannung mehr. Dass er Nur 48 Stunden nicht damit enden lässt, wie Cates Reggie ins Gefängnis zurückbringt, lässt die Geschichte auf einer positiven Note ausklingen. Zuseher, die viele Klischees – bis hin zum überdrehten Polizeichief – wiederentdecken sollten bedenken, dass diese Klischees hier erst etabliert wurden. Herausgekommen ist ein harter Actionthriller mit vielen lustigen Momenten und zwei Figuren, die hervorragend zusammenpassen und deren Darsteller Eddie Murphy und Nick Nolte sich ebenso nahtlos ergänzen. Ihr Charme benötigt keine Nostalgie, um auch heute noch überzuspringen.
 


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