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Nice Guy [1997]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. August 2002
Genre: Action / Komödie

Originaltitel: Yatgo ho yan
Laufzeit: 94 min.
Produktionsland: Australien / Hong Kong / USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Sammo Hung
Musik: Peter Kam, J. Peter Robinson
Darsteller: Jackie Chan, Richard Norton, Miki Lee, Karen McLymont


Kurzinhalt:
Das Fiasko eines missglückten Drogendeal wird von einem Kamerateam unter Leitung von Reporterin Diana (Gabrielle Fitzpatrick) gefilmt. Doch das Team wird von den Gangstern entdeckt, die natürlich darauf aus sind, das Videoband zurück zu bekommen.
Über Umwege landet das Band bei dem bekannten Fernsehkoch Jackie (Jackie Chan), der Diana vor den bösen Jungs gerettet hat. Jackie weiß gar nicht, dass er das Band hat und als die Bösewichte Diana ausfindig machen und sie ihnen sagt, dass das Band bei Jackie ist, gerät der kampferfahrene Asiate natürlich in Gefahr. Schlimmer noch: seine Freundin Miki (Miki Lee) wird von den Gangstern entführt und sie drohen sogar, sie zu töten, wenn Jackie das Band nicht besorgt. Die Polizei ist keine große Hilfe, also muss es Jackie mit den Schurken im Alleingang aufnehmen.


Kritik:
Jackie Chan
, mit gebürtigem Namen Kong-sang Chan, das ist mehr als nur einer der bekanntesten asiatischen Actionstars – das ist der Inbegriff von halsbrecherischen Stunts, die das Publikum in Staunen versetzen, und der Name steht ebenso sehr für das bekannte Hong-Kong-Action-Kino, das er selbst sehr stark geprägt hat.
Doch darüber hinaus steht der bekannte Hong-Kong-Stil meist für völlig unpassende Komik, teils völlig unverständliche Gewaltdarstellungen und eine geradezu verbrecherische Sorgfalt, wenn es darum geht, jeglichen Ansatz von Story zwischen den Action-Sequenzen herauszuhalten.

Das Produktionsteam bekam, auf Grund des Chaos und der Zerstörung (insbesondere bei dem Haus im Finale) ein lebenslanges Drehverbot in dem Teil von Australien, in dem der Film entstand – besser wäre es, dem Produktionsteam in dieser Konstellation zu verbieten, jemals wieder einen Film zu drehen.
Jackie Chan hat nicht zuletzt in Rush Hour [1998] und der Fortsetzung bewiesen, dass er wirklich witzig sein und zugleich seine unglaublichen Stunts vorführen kann – die Filme bewiesen aber auch, dass tolle Unterhaltung mit Witz und Charme nicht völlig ohne Story auskommen muss. Sicher war die Geschichte der beiden Blockbuster nicht tiefgehend oder fordernd, aber die Regie, Kamera und Schnitt konnten über den Mangel an richtiger Substanz erfolgreich hinwegtrösten.

Anders leider in Mr. Nice Guy, der in den USA gerade einmal 12 Millionen Dollar einspielte – Produktionskosten wurden bei dem Projekt vorsichtshalber nicht angegeben.

Die Story konzentriert sich darauf, ein Klischee nach dem anderen auszuwalzen und dem Zuschauer zwischen Rennen – Kämpfen – Schiessen – Rennen durchschnittlich ganze drei Minuten Zeit zum Durchatmen zu geben. In diesen 180 Sekunden kommt dann auch die Story so richtig in Fahrt ... oder, nein, doch nicht. Als wäre die Story um den Fernsehkoch (rein zufällig ein Meister in asiatischer Kampfkunst, was natürlich – im Gegensatz zu Alarmstufe: Rot [1992] – nicht einmal vernünftig erklärt wird), der ein Video eines missglückten Drogendeals in die Hände bekommt, nicht schon hanebüchen genug, nacheinander werden auch noch alle vorhersehbaren Wendungen eingebaut – wer hätte denn ernsthaft nicht geahnt, dass Jackies Freundin Miki, die gerade erst in Melboure angekommen ist, von den Verbrechern entführt wird und diese daraufhin von dem Koch das Band einfordern?

Das Drehbuch taugt also nicht wirklich viel – vermutlich war es gerade einmal 2 Seiten lang (ein grober Umriss der Story, die Dialoge und Kampfszenen schienen ohnehin improvisiert).

Als wäre das nicht schlimm genug, können auch die Darsteller nicht überzeugen. Sicher ist Jackie Chan kein oscarreifer-Schauspieler – zumindest durfte er davon bisher nicht viel zeigen – aber dermaßen überdreht in manchen Szenen und gekünstelt in anderen hat man ihn selten gesehen. Seine Kampfszenen sind erstklassig und auch ein paar Sprüche können wirklich für Lacher sorgen, aber abgesehen von ihm versinkt der Rest der Besetzung in einheitlicher Unfähigkeit, angefangen bei den Bösewichten bis hin zur naiven Reporterin.

Auch mit miserablen Schauspielern könnte man in einem solchen Film leben, wären nicht derart eklatante Fehler gemacht worden.
Zum einen hat Jackie kein einziges Mal gefragt, was eigentlich auf dem Videoband gezeigt wird, damit die Bösewichte es auf sich nehmen, andere Menschen zu töten. Dann wird das Video abgespielt (aufgenommen hinter einem Verschlag in einem dunklen Lagerhaus), aber dort sieht man genau dieselben Szenen, die man als Zuschauer wenige Minuten zuvor (bei dem Fiasko) selbst gesehen hat. Mit denselben Geräuschen, Schnittfolgen (was bei einer Videokamera so gar nicht möglich wäre), usw. – so etwas ist in meinen Augen schlichtweg stümperhaft.

Am zweitpeinlichsten sind in diesem Film allerdings Ton und Musik. Die Musik klingt entweder zu leise oder zu laut oder zu fröhlich, kann jedoch nie überzeugen. Der Ton, besser, die Toneffekte, sind derart lächerlich, dass es schon nicht mehr lustig ist. Die Schläge (ins Gesicht, den Bauch) von und auf Jackie hören sich an, als wären sie den Bud Spencer-Filmen der 70er und 80er Jahre entnommen. Gekünsteltes "Oh" und "Oioioi" gar nicht mitgerechnet. Wirklich erbärmlich wird es, wenn man wie aus Zeichentrickfilmen zwitschernde Vögel hört, sobald einer der Schläger getroffen wird.
Vor allem passt dieser comicähnliche Stil überhaupt nicht zu den recht brutalen Szenen, die immer wieder eingestreut sind.

Um den Film jedoch völlig zu verderben bedarf es der "hohen Kunst" von Regisseur Sammo Hung, sowie seinem Kameramann und Cutter. Kameraführung und Schnitt sind dermaßen erbärmlich, dass man dafür beinahe schon wieder eine (negative) Auszeichnung vergeben sollte. Eine dermaßen stümperhafte Arbeit, was Szenenaufbau (nicht vorhanden), Spannung (ebenfalls nicht vorhanden) und Actioninszenierung angeht, habe ich selten gesehen. Keinerlei Übersicht, keine Aktion vermag wirklich mitzureißen.

Billig, dämlich, auf Krampf witzig und typisch für die Sorte Hong-Kong-Filme, die hierzulande zu Recht üblicherweise nur in verstaubten Videothekenregalen erscheinen.

Mich als Fan von Jackie Chan zu bezeichnen wäre übertrieben, ich sehe ihn recht gern und meiner Meinung nach gehören seine Stuntszenen zu den gefährlichsten und besten, die je gemacht wurden.
Wie auch ein Actionfilm im Hong-Kong-Stil mit ihm wirklich Spaß machen kann, hat der recht unterhaltsame Rumble in the Bronx [1995] bewiesen.
Doch dass auch er ohne ein Drehbuch und einen Regisseur, der die Action vernünftig in Szene zu setzen vermag, völlig unnütz sein Leben aufs Spiel setzt (und das tut er bei manchen Szenen in der Tat), das bewies dieser Film so eindrucksvoll, dass ich gar nicht wissen möchte, wie viel die Fernsehzeitschriften von den Sendeanstalten bekommen haben, um diesen Müll als "Tipp des Tages" zu verkaufen.

Im Kino wurde dieses Schundmachwerk von den meisten Kritikern als Unterdurchschnitt bewertet, im Fernsehen wird es über den grünen Klee gelobt – als ob ein Film bei der Fernsehausstrahlung besser werden würde als im Kino?!

Sicher trägt die miserable deutsche Synchronisation ihren Teil dazu bei, dass ich hin und wieder nur unverständig den Kopf schütteln konnte – an den nervtötend schlechten Zeitlupen (und dem ganzen Rest) ist die Übersetzung aber definitiv nicht schuld.


Fazit:
Hoffnungslos überbewertet und eine maßlose Enttäuschung, auch wenn man nur auf Unterhaltung aus ist. Die eineinhalb Punkte gibt es für die Stunts (die man trotz der erbärmlichen Kamera- und Schnittarbeit manchmal genießen konnte) und für das Finale, in dem eine 1,5 Millionen Dollar teure Villa mit sichtlichem Spaß zerstört wird. Hier sieht man den Materialaufwand, obwohl man sich als Zuschauer nicht wirklich daran erfreuen kann.
Jackie-Fans werden sich ohnehin nicht "bekehren" lassen und genießen die Trash-Orgie – alle anderen werden sich – wie ich – fragen, wieso so etwas überhaupt produziert wird und dann den Schneideraum in diesem Zustand je verlassen durfte.


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