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Money Monster [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 26. Mai 2016
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Money Monster
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jodie Foster
Musik: Dominic Lewis
Darsteller: George Clooney, Julia Roberts, Jack O'Connell, Dominic West, Caitriona Balfe, Giancarlo Esposito, Christopher Denham, Lenny Venito, Chris Bauer, Dennis Boutsikaris, Emily Meade


Kurzinhalt:

In seiner Live-Fernsehshow "Money Monster" gibt Moderator Lee Gates (George Clooney) jeden Werktag Anlagetipps und kommentiert das Geschehen an der Wall Street. Einer seiner todsicheren Tipps war die Aktie der Firma IBIS Global Capital, die von Walt Camby (Dominic West) geleitet wird. Nach einem kometenhaften Aufstieg brach die Aktie ein. Von einem Moment auf den anderen verloren die Anleger 800 Millionen Dollar. Einer von Ihnen ist der Paketfahrer Kyle (Jack O'Connell), der bei laufender Sendung Lee als Geisel nimmt. Er hat all sein Erspartes verloren und will von Lee Antworten erhalten. Während die Polizei vorrückt, versucht die Regisseurin der Sendung, Patty (Julia Roberts), von der Public Relations-Leiterin von IBIS, Diane Lester (Caitriona Balfe), Informationen über die angebliche Computerpanne zu erhalten, die den Kurssturz verursacht hat. Niemand scheint genaue Antworten parat zu haben und während Camby nicht erreichbar ist, geht Lee die Zeit aus ...


Kritik:
Es verbergen sich einige traurige Wahrheiten in Money Monster, der neuen Regiearbeit von Jodie Foster, die zuletzt Mel Gibson in Der Biber [2011] inszenierte. Sie widmet sich hier einem Thema, das so alltäglich geworden ist, dass die Absurdität dahinter in der Informations- und Medienflut, die tagein tagaus auf uns niederprasselt, oft verloren geht. Wohin verschwindet das Geld an den Börsen, wenn die Kurse in den Keller rutschen? Und wieso tun sie es überhaupt? Ihre Antwort, so vereinfacht sie hier auch ist, ist durchweg sehenswert.

Auch und vor allem dank der beteiligten Darsteller, angeführt von einem eingangs überdrehten und gleichzeitig weinerlichen George Clooney als reicher TV-Gastgeber Lee Gates der Sendung "Money Monster", in der er tagtäglich Anlagetipps gibt, für deren Richtigkeit er jedoch keine Gewähr übernimmt. Eines Tages platzt der bewaffnete Kyle in seine Live-Show und zwingt ihn, eine Sprengstoffweste anzulegen. Sein Ziel ist eindeutig: Kyle hat alles Ersparte verloren, weil er auf Lees Rat gehört hat. Nun will er Antworten.

Die Situation ist an sich simpel und dürfte vielen der geprellten Anleger rund um die Welt aus der Seele sprechen. Firmenchefs und Vorstandsmitglieder, die hochtrabend verkünden, "die Verantwortung zu übernehmen" werden mit Boni abgespeist, die den lebenslangen Verdienst der meisten Normalbürger weit übersteigen. Doch dass hinter jedem Börsencrash im Zweifel Existenzen stehen, Altersvorsorgen oder Anlagen der Kinder oder Enkelkinder, interessiert in unserer schnelllebigen Zeit nicht. Wer möchte die Verantwortlichen nicht zur Rede stellen? Kyle tut genau das, vor laufenden Kameras. Doch der verunsicherte Lee hat keine Antworten, er hat vielmehr das wiederholt, was der CEO der Aktiengesellschaft IBIS Global Capital, Walt Camby, ihm vorgegeben hat – bis der Aktienkurs der Firma über Nacht eingebrochen war und die Investoren 800 Millionen Dollar kostete. Camby, der sich in der aktuellen Sendung zu dem Vorfall äußern sollte, den die Firma auf einen Computerfehler schiebt, erscheint jedoch nicht.

Zu sehen, wie Clooneys Lee gegenüber Kyle die Kontrolle über die Situation gewinnt, sie gewissermaßen ihre Plätze tauschen, ist toll gelungen. Regisseurin Foster gibt ihren Darstellern genug zu tun, ohne dass diese sich jedoch gegenseitig aushebeln. Vielmehr ergänzen sich die beiden Hauptfiguren gekonnt, ergänzt durch Julia Roberts, die als Aufnahmeleiterin von "Money Monster" das Geschehen beobachtet und in gewisser Weise lenkt.
Die bedrohliche Situation gewinnt somit von Anfang an weiter an Fahrt, wobei Money Monster trotz des Themas erstaunlich viel (wenn auch trockenen) Humor bietet. Fordert Lee Gates sein Millionenpublikum auf, gemeinsam Aktien des gebeutelten IBIS Konzerns zu kaufen und sei es nur, um sein eigenes Leben zu retten, dann ist die Pointe ebenso traurig wie wahr. Jodie Foster zieht die Spannungsschraube gekonnt an und präsentiert ihren Thriller mit vielen gelungenen Momenten. Dass die Geschichte selbst viele vertraute Elemente bereithält und auch der Ablauf großteils vorhersehbar ist, kann man ihr dabei kaum zum Vorwurf machen.

Ebenso wenig, dass die Story mehr als nur ein Thriller sein will und sich anschickt, die Hintergründe des Kurssturzes auszuloten. Immerhin bringt er so die komplexen Mechanismen hinter den Börsengeschäften in vereinfachter Form auf den Punkt. Vordergründig scheint er dabei die Ursache in Form eines Bösewichts zu personifizieren, doch diese oft geäußerte Kritik erhält Money Monster zu Unrecht. Wer sowohl Cambys Ausführungen wie auch den Szenen der Zuschauer, die das Live-Spektakel in Bars und sonst wo verfolgen, Aufmerksamkeit schenkt, der sieht, dass Jodie Foster es sich nicht so einfach macht.

Die Schuldigen sind nicht allein in den Chefetagen der Konzerne zu suchen, denen Profite wichtiger sind als Schicksale. Auch bei gewissenlosen Praktiken bestimmen Angebot und Nachfrage das Handeln der Menschen. Sieht man die letzten Minuten von Money Monster, dann kann man Fosters ernüchternde Feststellung, die Menschen lassen sich auch von dieser Wahrheit durch jede Kleinigkeit ablenken, wohl nur teilen.


Fazit:
Wie lange ist die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen heute, wenn im Sekundentakt Nachrichten geschrieben, Posts "geliked" werden oder abwechselnd Hashtag-Themen beim Kurznachrichtendienst Twitter hoch im Kurs sind? Die Kritik, die Jodie Foster an ihrem Publikum übt, ist ebenso laut wie an den Firmen, deren Profite einen höheren Stellenwert einnehmen als ihre soziale Verantwortung. Showmoderator Lee Gates ist Teil dieses Systems, selbst wenn er Unabhängigkeit vorgaukelt, Kyle eines der vielen Opfer, die in den Mühlen zermahlen wurden.
Die Punkte, die Money Monster vorbringt sind alle richtig und von einem sehr gut aufgelegten Cast, angeführt von George Clooney, Julia Roberts und Jack O'Connell, ansprechend dargebracht. Nur bietet der Film inhaltlich wenig Neues und verläuft – von einigen kleinen Wendungen wie dem Auftritt von Kyles Freundin Molly abgesehen – in absehbaren Bahnen. Wer sich daran nicht stört, wird eineinhalb Stunden auf hohem Niveau und mit einer eindeutigen Botschaft spannend unterhalten. Man kann nur hoffen, dass die Aussage länger anhält und nicht gleich wieder in der Informationsflut untergeht.    


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