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Mission: Impossible - Phantom Protokoll [2011]

Wertung:  5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Dezember 2011
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Mission: Impossible - Ghost Protocol
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Brad Bird
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Michael Nyqvist, Vladimir Mashkov, Samuli Edelmann, Ivan Shvedoff, Anil Kapoor, Léa Seydoux, Josh Holloway, Pavel Kris, Miraj Grbic, Ilia Volok


Kurzinhalt:
Es ist eine brisante Mission, wegen der IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) von Jane Carter (Paula Patton) und Benji Dunn (Simon Pegg) befreit wird. Doch während zu Beginn alles nach Plan verläuft, scheint jemand das Team in eine Falle gelockt zu haben. Auf Grund der internationalen Auswirkungen, wird Ethan Hunt zwar von seinem Vorgesetzten aufgenommen, das IMF allerdings wird zerschlagen und er selbst samt seiner Kollegen als Verräter gehandelt. Dabei ist noch lange nicht vorbei, was Kurt Hendricks (Michael Nyqvist), in Geheimdienstkreisen auch bekannt als Cobalt, begonnen hat.
Sein Ziel ist nicht, das IMF zur Strecke zu bringen, sondern einen internationalen Krieg zu beginnen, durch den die Welt "bereinigt" werden soll. Dafür benötigt er jedoch ein Dokument, das die Attentäterin Moreau (Léa Seydoux) in ihrem Besitz hat. Sie soll es an Hendricks' Mittelsmann Wistrom (Samuli Edelmann) übergeben – es scheint die einzige Möglichkeit, wie Hunt und sein Team, das durch den Analytiker William Brandt (Jeremy Renner) unfreiwillig ergänzt wird, an das Dokument und letztlich an Hendricks herankommen können ...


Kritik:
An welchem Maßstab soll man einen Film wie Mission: Impossible - Phantom Protokoll messen? Jeder einzelne Film der Reihe hat bisher etwas vermissen lassen und seit Mission: Impossible III [2006] hat allenfalls Das Bourne Ultimatum [2007] dem Agententhrillergenre ein Highlight beschert. Würde man Phantom Protokoll innerhalb der Mission: Impossible-Reihe einordnen wollen, stünde er fraglos an Platz eins – auch wenn John Woos Actionoper Mission: Impossible II [2000] mehr Spaß gemacht hat. Regisseur Brad Bird (Ratatouille [2007]), für den dies der erste reale Spielfilm ist, kombiniert die verschiedenen Elemente der Vorgängerfilme, erschafft eine Bedrohung, mit der wir uns identifizieren können, isoliert das IMF-Team um Ethan Hunt, das wieder einmal auf sich allein gestellt ist, und zeigt uns gleichzeitig Bilder, die wir so noch nie gesehen haben. Wenn Tom Cruise 450 Meter über dem Boden an einer Glasfassade des Burj Khalifa Hotels in Dubai mit nur einer Hand baumelt, erscheint das schlicht unmöglich – und doch sehen wir, dass er es ist und kein Computertrick.

Dabei verblüfft, dass die Geschichte zwar mit Budapest, Moskau, Dubai und Mumbai quer über den Globus führt, aber nur sehr kurz in die USA ausweicht. Wir werden noch vor dem Vorspann mitten ins Geschehen geworfen und sehen den tödlichen Ausgang eines Auftrags, bei der Ethan Hunt gar nicht beteiligt ist. Wir hören mit ihm zusammen, was vorgefallen ist, und wie gefährlich seine Mission ist, sollte er sie annehmen. Sein Team vereint ihn erneut mit dem Techniker Benji Dunn, der nun auch aktiv im Einsatz ist. Außerdem Jane Carter, die hofft, so eine persönliche Rechnung begleichen zu können. Unfreiwillig stößt William Brandt als weiteres Mitglied hinzu und trägt ein Geheimnis bei sich, das durchaus überrascht, und vor allem: Interessiert.
Nachdem das Team im Kreml in eine Falle tappt, wird das IMF aufgelöst, Ethan und die anderen als Verräter gebrandmarkt und es liegt an ihnen, ohne Hilfe auf Unterstützung den Drahtzieher des Komplotts an der Durchführung seines Plans zu hindern. Wie es der Geschichte gelingt, mit dieser Ausgangssituation einen Sandsturm in Dubai und einen Zweikampf in einem modernen, automatisierten Parkhaus unterzubringen, wird erstaunlich plausibel dargelegt. Ethan Hunt und sein Team sind nach dem Einsatz in Moskau ständig am improvisieren, und nach jedem Rückschlag fragen wir uns, wie sie jetzt noch den Anschluss schaffen wollen. Mission: Impossible - Phantom Protokoll entwickelt schon vor dem Vorspann eine ungeheure Dynamik, die nicht durch schnelle Schnitte, ein Blitzlichtgewitter am Bildrand oder eine ständige Wackelkamera erzeugt wird. Bird inszeniert seinen Agententhriller klassisch und dennoch temporeich. Die meisten Szenen wie das Finale oder der Austausch in Dubai werden auf mehreren Ebenen erzählt und es liegt am Team, das Problem zu lösen. So sehr Tom Cruise durch sein Charisma und seine Körperbeherrschung überzeugt, dass der vierte Einsatz des Agententeams gelingt, liegt an allen vier Beteiligten.

Der ernste Ansatz trägt der veränderten Welt, in der wir leben, Rechnung, ist jedoch nicht so düster geraten, wie bei Mission: Impossible III. Das liegt einerseits an der Chemie zwischen den Figuren, aber auch daran, wie unmöglich manche Situationen vom Konzept her sind. Michael Giacchinos packende Musik macht sich das ikonische Thema von Lalo Schifrin zunutze und erzeugt auch dann Geschwindigkeit, wenn wir am liebsten kurz innehalten wollten, um nachzudenken, was gerade nicht hätte funktionieren können. Dabei sind die technischen Spielereien, die das IMF zur Verfügung hat, zwar immer noch Zukunftsmusik, aber nicht fantastischer, als das, was uns bisher in Ethan Hunts Welt begegnet war.
Phantom Protokoll ist fraglos der beste Agententhriller, seit Jason Bourne nach Hause gekommen ist. Wer sich auf eine ernste Geschichte mit einem realistischen Hintergrund einlässt, aber keinen trockenen Spionagefilm erwartet, wird durch packende Action und ein gelungenes Team mit sympathischen Figuren unterhalten. Dabei ist es trotzdem wichtig, aufmerksam am Ball zu bleiben, wer wo und weshalb dorthin gereist ist, um was zu tun und wen zu treffen. Es scheint beinahe, als hätte Regisseur Brad Bird, dessen Filme sich bislang immer durch die Ideen und die Figuren ausgezeichnet haben, sich vorgenommen, die Charaktere nicht den Actionperlen unterzuordnen. Das ist ihm gelungen – und es ergibt einen bemerkenswert besseren Film, als man ihm in dem Genre zugetraut, oder überhaupt erwartet hätte.


Fazit:
Wenn Brandt immer wieder die Zeit durchgibt, während Ethan Hunt beinahe einen halben Kilometer über dem Erdboden am höchsten Gebäude der Welt klettert, steigt nicht nur dessen Puls. Und auch das Finale bleibt extrem spannend, weil immer wieder Dinge geschehen, die man nicht vorhersehen würde. Es ist schon lange her, dass das Publikum bei einem Actionthriller so mitgefiebert hat.
Mission: Impossible - Phantom Protokoll macht auf Grund des ernsten Hintergrunds und der kompromisslosen Umsetzung nicht so viel Spaß, wie der zweite Teil der Reihe, ist jedoch eindeutig der bessere Film. Vor allem ist er einfallsreich und durchgehend hervorragend umgesetzt und damit das Actionhighlight dieses Kinojahres. Diese Sequenzen bettet er in die Geschichte um die Figuren ein, und nicht umgekehrt. Dass es Regisseur Brad Bird gelingt, nicht nur dem Genre selbst, sondern insbesondere den Charakteren Leben einzuhauen und gleichzeitig mit Bildern zu überraschen, die uns staunen lassen, war die eigentlich unmögliche Mission. Er hat sie mit Bravour gemeistert.


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