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Mary Poppins [1964]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. März 2014
Genre: Musik / Komödie / Animation

Originaltitel: Mary Poppins
Laufzeit: 139 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1964
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Robert Stevenson
Musik: Richard M. Sherman, Robert B. Sherman, Irwin Kostal
Darsteller: Julie Andrews, Dick Van Dyke, David Tomlinson, Glynis Johns, Karen Dotrice, Matthew Garber, Hermione Baddeley, Reta Shaw, Elsa Lanchester, Arthur Treacher, Reginald Owen, Ed Wynn, Jane Darwell


Kurzinhalt:
Im Kirschbaumweg 17 wohnt die Familie Banks. Vater Banks (David Tomlinson) ist Banker und den ganzen Tag darum bemüht, den Lebensunterhalt für sich, seine Frau (Glynis Johns) und die Kinder Jane (Karen Dotrice) und Michael (Matthew Garber) zu verdienen. Umso wichtiger ist es ihm, dass Zuhause alles seine Ordnung hat. Als er erfährt, dass das Kindermädchen – wie viele vor ihr – gekündigt hat, ist er alles andere als erfreut. Doch von den Bewerberinnen auf seine Zeitungsannonce ist niemand übrig, außer Mary Poppins (Julie Andrews), die vor der Tür steht.
Gegen ihr einnehmendes Wesen kommt Mr. Banks nicht an und so ist sie kurzum das neue Kindermädchen. Jane und Michael fallen sofort die magischen Fähigkeiten von Mary Poppins auf und so wundert es sie nicht, dass der Straßenmusiker Bert (Dick Van Dyke) sie und Mary auf ein Abenteuer in einem seiner Straßenbilder einlädt. Es wird nicht ihr letztes sein ...


Kritik:
Die Entstehungsgeschichte des Musicalklassikers Mary Poppins ist so interessant, dass sich das Studio entschloss, sie mit Saving Mr. Banks [2013] eigenständig selbst zu verfilmen. Fünfzig Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung hat das zauberhafte Kindermädchen ganze Generationen von Zuschauern begleitet. Die Reaktionen darauf könnten unterschiedlicher kaum sein. Während die einen das Märchen als erfolgreichen, magischen Familienfilm feiern – darunter auch die Academy, welche den Film mit 13 Nominierungen und immerhin fünf Oscars bedachte –, erstickt für andere die Grundgeschichte unter einem kunterbunten Zuckerguss. Die Autorin der Buchreihe, auf der Mary Poppins basiert, Pamela L. Travers, gehört zu letzterer Kategorie.

Angesiedelt im London des Jahres 1910 weist die Umsetzung viele Unterschiede zur Vorlage auf. Sei es, dass Figuren wie Bert, die Banks-Eltern oder das Auftreten derselben stark angepasst wurden, oder allein schon, dass Mary Poppins viel freundlicher dargebracht wird, als im Buch. Sie tritt in das Leben der Familie Banks, die vom Familienvater nach eigener Aussage streng geführt wird. Seine Frau, Mrs. Banks, hat wie ihr Gatte kaum Zeit für die Kinder, engagiert sich aber aktiv für die Rechte der Frauen. Die bisherige Nanny der Kinder Jane und Michael hat nach den vielen Querelen mit den Sprösslingen das Handtuch geworfen und so lässt Mr. Banks nach einer neuen Kinderfrau inserieren. Die Annonce, die seine Kinder geschrieben haben, zerreißt er und wirft sie in den Kamin.
Doch tags darauf steht die resolute Mary Poppins vor ihrer Tür und hat den zerrissenen Brief der Kinder in der Hand. Von ihrer Bestimmtheit vollkommen überrumpelt, kann Mr. Banks nicht anders, als sei einzustellen. Spätestens, wenn sie aus ihrer Reisetasche Lampen und Kleiderständer zaubert, die darin unmöglich Platz haben können, und mit einem Fingerschnipp das Kinderzimmer dazu bringt, sich selbst aufzuräumen, ist Michael und Jane klar, dass Mary anders ist, als alle anderen Kindermädchen.

Die vielen Songs stimmen darauf ein, was noch folgen wird. Zusammen mit Mary Poppins und Bert, der mal Straßenmusikant, mal Schornsteinfeger ist, erleben die Kinder allerlei Abenteuer, die sie in eine Straßenmalerei führen oder hoch über die Dächer der Stadt. Die Moral, die sich hinter Mary Poppins verbirgt, ist dabei alles andere als leicht zu entdecken. Die ganz jungen Zuschauer werden die fantasievollen Szenarien zwar aufnehmen, aber nur schwer erkennen, dass dies für Jane und Michael eine Möglichkeit ist, sich selbst zu beschäftigen, wenn ihre Eltern keine Zeit für sie finden. Und bis die Läuterung für Mr. Banks kommt, vergehen zwei Stunden, in denen im Grund genommen "nur" das junge Publikum angesprochen wird. Das ist kein Vorwurf, doch machen es sich die Filmemacher damit sehr einfach.

Was für sie spricht ist die Tatsache, dass die Songs sehr eingängig sind und auch schwungvoll dargebracht werden. Dass sich die Melodien festsetzen liegt aber auch daran, dass es nur wenige sind, die entsprechend variiert und mit anderem Text vorgetragen werden. Dadurch gelingt immerhin auch der Zungenbrecher "Supercalifragilisticexpialigetisch", der einem noch lange nachwirkt – vielleicht aus Stolz, weil man ihn gemeistert hat.
Doch die Fröhlichkeit, die insbesondere Dick Van Dyke mit einem beinahe schon befremdlichen Dauergrinsen darbringt, wirkt insbesondere für ältere Zuschauer ebenso überzogen, wie manche Showeinlagen zu lang. Hier fallen einem zum Beispiel "Schritt und Tritt" bei den Schornsteinfegern und "Ich lach so gern" mit dem fliegenden Onkel Albert ein. Hätte sich Studioboss Walt Disney dazu durchringen können, den Film eine halbe Stunde kürzer zu halten, würden sich diese und andere Momente nicht so merklich ziehen. Der Aussage hätte es keinen Abbruch getan und das Zielpublikum würde es vermutlich ebenfalls danken.


Fazit:
Die eigentliche Lektion hat Mr. Banks zu lernen. Bis es soweit ist, vergeht allerdings einige Zeit. Es sieht streckenweise sogar so aus, als hätte er gar nichts mehr zu tun. Julie Andrews verleiht Mary Poppins eine magische, vertraute und doch fremde Note, die für jung und alt faszinierender kaum sein könnte. Den Gegenpol zu ihrem ruhigen, gefassten Erscheinen bildet Dick Van Dyke, mit dem man sich arrangieren sollte, wenn man nicht vorzeitig abschalten möchte.
Als farbenfrohes, langes Märchen mit fantastischen und fantasievollen Ausflügen der Kinder mit ihrer Nanny, wird Mary Poppins auch die nächsten Jahrzehnte überdauern. Die Trickeffekte überzeugen immer noch, waren damals sogar bahnbrechend. Wer sich auf den Zuckerschock einstellt, wird sich vielleicht daran erinnern, wie das Leben war, als er/sie den Film zum ersten Mal gesehen hat. Jener Charme begleitet die Geschichte um die zauberhafte Mary Poppins immer noch. Er macht den Film zeitloser, als man es vermuten würde.


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