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Mallrats [1995]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 23. Juni 2003
Genre: Komödie

Originaltitel: Mallrats
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1995
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Kevin Smith
Musik: Ira Newborn
Darsteller: Jeremy London, Jason Lee, Shannen Doherty, Claire Forlani mit Priscilla Barnes und Michael Rooker


Kurzinhalt:
Der Comic-Fan Brodie (Jason Lee) und sein Kumpel T.S. (Jeremy London) habe beide dasselbe Problem: Am gleichen Tag haben ihre Freundinnen Brandi (Claire Forlani) und Rene (Shannen Doherty) dank der Unreife der beiden Jungs mit ihnen Schluss gemacht.
Um ihren Frust und die langsam einsetzende Betrübnis darüber zumindest kurzfristig vergessen zu können, gehen die beiden in die Mall – ein riesiges Einkaufszentrum – um ein wenig "abzuhängen" und den Kopf wieder frei zu bekommen. Dort treffen sie aber nicht nur auf Rene, die sich unter Brodies eifersüchtigem Blick mit dem Widerling Shannon (Ben Affleck) einlässt, sondern auch auf Brandi, die bei einer live ausgestrahlten TV-Show ihres fiesen Vaters (Michael Rooker) an einen der drei männlichen Kandidaten "versteigert" werden soll.
Da sie ihre angeknacksten Egos aufpolieren und ihre Freundinnen zurückgewinnen wollen, schmeißen sich die plötzlich alles andere als lethargischen Freunde mit Feuereifer ins Zeug, kräftig unterstützt von ihren meist bekifften und stets tumben Kumpels Jay (Jason Mewes) und Silent Bob (Kevin Smith), die sich an einer Sabotage der Flirtshow versuchen...


Kritik:
Mallrats ist die zweite Arbeit des aus New Jersey stammenden Autors und Regisseurs Kevin Smith, der knappe zwei Jahre zuvor seinen selbstfinanzierten Debütfilm Clerks – Die Ladenhüter [1994] vorgelegt hatte, der einschlug wie eine Bombe. Mit ihm begründete er seinen bald darauf folgenden Ruf als Kult-Regisseur, von denen es in dieser Art Anfang/Mitte der Neunziger Jahre nur wenige gab.
Andere Beispiele von Senkrechtstartern, die ihre eigenen Ideen und Drehbücher verfilmten und sich so ihren persönlichen kleinen Kosmos erschufen, der schnell eine treue Fangemeinde fand, waren Robert Rodriguez (Debütfilm El Mariachi [1992]) und Quentin Tarantino (Debütfilm Reservoir Dogs – Wilde Hunde [1992]).
Trotz stark unterschiedlicher Stoffe (wobei sich die stellenweise doch recht gewalttätigen Balladen von Rodriguez und Tarantino noch am ehesten vergleichen lassen) gehören alle drei genannten Filme in die kurze Liste bemerkenswerter Einstände, die aufgrund pfiffiger Einfälle und intelligenter Dialoge, vor allem aber schrägen Charakteren neue Akzente setzten und Publikum und Kritiker gleichermaßen begeistern konnten.
Der offensichtliche Nachteil dabei ist, dass man sich damit die Messlatte enorm hoch legte.
Rodriguez beispielsweise, der aufgrund seines Erstlings einen Vertrag bei Columbia erhielt, musste nach El Mariachi mit Roadracers - Bad Boys Never Die [1994] eine Auftragsarbeit nachliefern, die zudem auf einem fremden Buch beruhte und dementsprechend zwar nett aber in keiner Weise bemerkenswert war, und trotz einiger Regie-technischer Kniffe keinen "echten Rodriguez" darstellte.

Nach Clerks machte sich Smith, der sich durch den Erfolg seines Erstlings und dem damit einhergehenden Studio-Vertrag ebenfalls unter einem gewissen Erwartungsdruck befand, an die Arbeit zu seinem zweiten Film, für den er freilich erneut selbst das Drehbuch schrieb und den er auch nicht mehr selbst zu bezahlen hatte – wenngleich das Budget natürlich trotzdem minimal war. Im Gegensatz zu Clerks war der Film auch nicht mehr in Schwarz/Weiß und das Ensemble wurde entsprechend prominenter besetzt, wobei Smith viele Bekannte aus Clerks mit in den neuen Film nahm, dabei aber fast ausnahmslos in neuen Rollen besetzte.
Wider Erwarten wurde Mallrats kein großer Hit, wie er vom Studio sicher erwartet worden war, wobei die Zuschauerzahlen nicht einmal schlecht waren und die Kosten locker wieder eingespielt wurden. Die Kritiker jedoch hatten nicht viele nette Worte für die Komödie übrig und zerrissen bei Mallrats das in der Luft, was sie kurz zuvor bei Clerks noch geliebt hatten.
Dabei ist der Film alles andere als schlecht. Im Gegenteil!

Im Zentrum stehen – wie so oft bei Jugendkomödien – zwei sympathische Loser-Typen, die von ihren Freundinnen verlassen wurden und zunächst so tun, als würde ihnen das nichts ausmachen, die aber schließlich doch erkennen, was sie an ihnen und der Liebe hatten und alles dafür in Bewegung setzen, um die Fehler wieder auszubügeln.
Zugegeben, das klingt nicht nach einer sensationellen neuen Story, und das ist sie freilich auch nicht. Vielmehr geht es in dem Film aber darum, wie die Geschichte erzählt wird. Und zwar sehr gut, wobei sich Mallrats dank der tollen Figuren und schrägen Dialoge wohltuend von vergleichbaren Stoffen abhebt. Denn auch wenn die Unterhaltungen sich meist um Nonsens drehen, so machen sie es doch auf sehr hintergründige Weise, die für Kenner von zum Beispiel der Comic-Szene, eine ganze Reihe Lacher und Denkanstösse liefern.

Dabei sind die beiden Hauptfiguren Brodie (Comic-Freak, Game-Konsolen-Liebhaber und mit einer beachtlichen Angst vor seiner Mutter ausgestattet) und T.S. (unentschlossen und in den Augen seiner Freundin viel zu unsensibel) nur Teil einer großen, untereinander vielfach verbundenen Gruppe von skurrilen Gestalten, wie zum Beispiel Brandis strengem Vater, Modegeschäft-Leiter Shannon, der beständig daran arbeitet, Rene an einer "sehr unfeinen Stelle zu penetrieren", Tricia (die ein Buch über die Langeweile männlicher Orgasmen schreibt und dafür kräftig "recherchiert"), eine Oben-ohne-Wahrsagerin oder William, der einen harten Kampf mit einem 3D-Plakat austrägt. Auch gibt es ein Widersehen mit den Kumpels Jay und Silent Bob, die bereits in Smiths ersten Film Teil des Ensembles waren.
Entsprechend seinem vorherigen und den bis heute folgenden Filmen setzt Smith nicht alleine auf eine oder zwei zentrale Figuren, und die sind auch keineswegs perfekt. Sie werden es auch nicht unbedingt im Verlaufe des Films, um so ihr Happy End zu bekommen. Es sind "richtige Menschen" mit ihren (vielen) Fehlern aber auch kleinen Stärken.

Dafür hat er eine ganze Riege interessanter Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera versammelt, die allesamt zu ihrer Bestform auflaufen.
Die als Biest verschrieene Shannen Doherty war nie witziger und darf sogar kurz ihre (bis vor dem miesen Charmed - Zauberhafte Hexen [seit 1998]) bekannteste Rolle aus Beverly Hills, 90210 [1990-2000] aufs Korn nehmen.
Jeremy London (Party of Five [1994-2000]) ist ebenfalls gut und Jason Lee (Almost Famous - Fast berühmt [2000]) überragend und unzweifelhaft Sympathieträger des Films, auch wenn sein Brodie sicherlich noch den größten Knacks im Kopf hat.
Claire Forlani (Rendezvous mit Joe Black [1998]) ist schlicht zauberhaft, Ben Affleck (Good Will Hunting [1997]) zwar ein wenig blass, überzeugt aber als teuer gekleidetes Ekelpaket und Michael Rooker (Cliffhanger - Nur die Starken überleben [1993], The Replacement Killers - Die Ersatzkiller [1998]) hat die zweifelhafte Ehre, Mittelpunkt der wohl ekligsten Szene zu sein (Stichwort Schoko-Brezeln).
Regisseur Smith selbst versucht sich als Silent Bob dieses Mal permanent am "Jedi-Gedankentrick", um durch die "Macht", eine Zigarette zum Schweben zu bringen, während Kumpel Jason Mewes wieder wie ein Maschinengewehr drauf los plappert, ohne Rücksicht auf Verluste oder so etwas wie eine Schamgrenze zu nehmen.
Eine ziemlich kleine Rolle hat hier auch Joey Lauren Adams als Gwen, die sich mit der Hauptrolle im nächsten Kevin Smith-Film (Chasing Amy [1997]) selbst ein Denkmal setzte.
Zwei besonders gelungene, da unglaublich witzige Auftritte haben Brian O'Halloran, der in Clerks die Hauptrolle gespielt hatte, als "Kandidat drei" Gill und Stan Lee als er selbst. Besonders letztgenannter, Erfinder zahlloser Marvel-Comichelden wie Der unglaubliche Hulk, X-Men oder die Fantastischen Vier, nimmt sich gekonnt selbst auf die Schippe und sorgt mit der Pointe auf seinen langen Vortrag über Liebe und verpasste Gelegenheiten für einen der schönsten Lacher des Films.

Überhaupt ist das Werk voll gestopft mit liebevollen Anspielungen und Zitaten für Comic- und Filmfans, und damit eben besonders diesen auch empfohlen, obgleich jemand, der mit den bunten Heften nichts am Hut hat, dennoch seinen Spaß haben kann – vorausgesetzt, man ist nicht zu empfindlich in Sachen Wortwahl, denn diese ist hin und wieder recht derb und brachte dem Film eine berechtigte Freigabe ab 16 Jahren ein.
Oft zielt der Mallrats-Humor streng unter die Gürtellinie, bleibt dabei aber immer nah am Leben und verschafft dem Zuschauer zwischendurch auch immer wieder die eine oder andere fast philosophische Aussage über die wichtigen Dinge des Lebens wie eben Sammel-Editionen von The Amazing Spider-Man, Romantik in den Universal Studios, Florida und ... ach ja: der Liebe natürlich.
Die Figuren und Situationen sind einfach derart entwaffnend ehrlich und sympathisch, dass man selbst geschmackliche Entgleisungen wie die "Stinkehand" und Brodies On-Stage-Geschichte über den Beinahe-Flugzeugabsturz verzeihen kann.
Alleine die vielen sinnig-unsinnigen Diskussionen über Dinge wie das Sexleben von Superman, die Frage ob Bäckereiläden zur Fresszeile gehören oder als autonome Einheiten innerhalb der Mall gerechnet werden müssen, oder was um alles in der Welt man mit dem unbeschäftigten Arm bei der Löffelchenstellung anfängt, machen den Film schon sehenswert. Und wer sich schon immer nach dem Sinn einer Show im Stile von Herzblatt gefragt hat, der wird im Finale Tränen lachen.
Cineasten bekommen darüber hinaus Anspielungen zu Filmen wie Star Wars [1977], Batman [1989], Superman [1978] und vielen mehr um die Ohren gefeuert.

Nach einem noch etwas bedächtigen Anfang hat einen der Film spätestens dann in seinen Bann gezogen, wenn Brodie und T.S. in der Mall aufkreuzen und ihre Odyssee durchs Unglück ins Glück beginnt.
Die Mall selbst ist überhaupt eine gute Wahl als Kulisse für den Film und trennt ihn schon dadurch von den immergleichen Highschool-Komödien, die die Filmlandschaft in schöner Regelmäßigkeit überschwemmen.
Kevin Smiths Regie gelang sehr solide; vielleicht nicht weltbewegend innovativ, dafür beweist er erneut, dass er ein begnadeter Autor ist und bedient den Zuschauer hier mit einer humoristisch unkorrekten aber wirklich witzigen Komödie, über die man auch beim wiederholten Ansehen noch herzhaft lachen kann.


Fazit:
Dieser Film wird sicher nicht in die Annalen der intellektuellen und tiefschürfenden Kunstfilme eingehen, aber das will er auch gar nicht.
Stattdessen bekommt man garantiert eineinhalb kurzweilige Stunden und herzhaftes Lachen in einem Film serviert, den jeder Freund entwaffnend ehrlicher Debatten über Liebe und Sex, Comics und Filme gesehen haben sollte.
Ein herrlich respektloser und doch auch hintergründiger und detailverliebter Spaß für alle, die kein zu sensibles Gemüt haben, was die oft heftige Wortwahl angeht.


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