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Love Is All You Need [2012]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 5. Mai 2019
Genre: Drama / Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: Den skaldede frisør
Laufzeit: 116 min.
Produktionsland: Dänemark / Schweden / Italien / Frankreich / Deutschland
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Susanne Bier
Musik: Johan Söderqvist
Darsteller: Trine Dyrholm, Pierce Brosnan, Molly Blixt Egelind, Sebastian Jessen, Paprika Steen, Kim Bodnia, Micky Skeel Hansen, Christiane Schaumburg-Müller, Frederikke Thomassen, Ciro Petrone


Kurzinhalt:

Obwohl sie sich erst seit einigen Monaten kennen, haben Astrid (Molly Blixt Egelind) und Patrick (Sebastian Jessen) beschlossen, zu heiraten. Die Feier soll in wenigen Tagen in Italien stattfinden, auf einem Anwesen, das Patricks Vater Philip (Pierce Brosnan) gehört. Der lebt und arbeitet in Kopenhagen und reist ebenso wie Astrids Mutter Ida (Trine Dyrholm) für die Hochzeit nach Italien. Die hat gerade ihre Behandlung gegen Brustkrebs erfolgreich abschließen können und ihren Mann Leif (Kim Bodnia) im Akt mit der Buchhalterin ertappt. Bereits am Flughafen treffen Ida und Philip aufeinander, aber auch wenn beider Eindruck voneinander nicht sehr positiv ist, lernen sie während der Tage, die zur Hochzeit führen, einander kennen und verstehen – mehr als es Leif und Philips Schwägerin Benedikte (Paprika Steen), die ein Auge auf ihn geworfen hat, recht ist …


Kritik:
Zu sagen, Love Is All You Need wäre eine merklich europäische, romantische Komödie, ist weder ein Lob, noch als Kritik gemeint. Die dänische Filmemacherin Susanne Bier, die zuletzt mit der Mini-Serie The Night Manager [2016] und Bird Box - Schließe deine Augen [2018] von sich reden machte und für das preisgekrönte dänische Drama Brothers - Zwischen Brüdern [2004] verantwortlich zeichnet, präsentiert keine konventionelle Liebesgeschichte und vor allem mit zwei Personen, die man eingangs lediglich als Nebenfiguren vermuten würde. Herausgekommen ist eine Dramödie mit vielen leisen Untertönen, getragen von zwei fantastischen Darbietungen, die mit dem internationalen und irreführenden Titel jedoch nichts zu tun hat.

Im Original „Die kahlköpfige Frisörin“ genannt, steht die an Krebs erkrankte Mutter zweier Kinder, Ida, im Zentrum der Geschichte. Durch die Behandlung hat sie ihre Haare verloren und trägt im Alltag eine Perücke. Die Nachricht ihrer Ärztin ist ermutigend, die Chemotherapie abgeschlossen, als sie ihren Mann Leif mit „Thilde aus der Buchhaltung“ in flagranti erwischt – ein paar Tage, bevor sie zur Hochzeit ihrer Tochter Astrid nach Italien fliegen wollen. Am Flughafen beschädigt sie das Auto des verwitweten Unternehmers Philip, nicht ahnend, dass er der künftige Schwiegervater ihrer Tochter sein wird. Als wäre das nicht genügend Konfliktstoff für die kommende Familienfeier, taucht Leif mit Thilde in Italien auf, Philip wird von seiner penetranten Schwägerin Benedikte offen umgarnt und Astrid ist sich nicht sicher, ob ihr Verlobter Patrick überhaupt an ihr interessiert ist.

Mit der Hochzeit an der italienischen Küste, Philips Zitronenbaumplantage und dem romantisch rustikalen Ambiente in dem großen Anwesen, zusammen mit den Hochzeitsvorbereitungen und der atmosphärischen Musik, erinnert Love Is All You Need merklich an die Leinwandadaptionen von Mamma Mia! [2008] – mit der großen Ausnahme, dass diese inhaltlich eher geradeheraus sind, während bei Regisseurin Bier so viele verschiedene Dinge zusammenkommen, dass es anfangs schwierig ist, zu erkennen, in welche Richtung sich all das entwickeln soll. Dabei ist das sich abzeichnende (und in der Auflösung wenig überraschende) Beziehungsdrama zwischen Astrid und Patrick nicht die eigentliche Geschichte. Vielmehr geht es um die von ihrem Kampf gegen den Krebs geprägte Ida, die von Trine Dyrholm mit einer solch unverblümten Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gespielt wird, dass lediglich ihr stets erkennbarer Stolz noch mehr überrascht. Dem gegenüber präsentiert der Film in Philip einen Mann, der nach außen unterkühlt und distanziert auftritt, da er den Verlust seiner Frau nach wie vor nicht verwunden hat. Einzig Ida gegenüber gibt er sich offen und versucht sogar, ihr Komplimente zu machen.

Es gibt einen Moment, in dem Philip Ida vom Tod seiner Frau erzählt und meint, er habe den Verlust überwunden, doch Pierce Brosnans Augen das genaue Gegenteil dessen sagen, so dass man das Gefühl bekommt, die Grenze zwischen dem Darsteller und der Rolle würden verschwimmen. Immerhin hatte der irische Darsteller seine erste Frau ebenfalls verloren. Eine andere Einstellung, in der die von der Brustoperation gezeichnete Ida ohne Perücke oder Kleidung aus dem Wasser steigt, wäre in einer Hollywood-Produktion undenkbar, verleiht dem tragischen Aspekt jedoch einen greifbaren Bezug. Wie würdevoll und trotzdem ungeschönt Susanne Bier den Moment einfängt, ist beeindruckend und prägt entsprechend merklich die Beziehung der beiden Figuren.
Die ist es auch, die Love Is All You Need durchaus sehenswert macht. Zu sehen, wie sich Ida und Philip näher kommen, sie den Trubel der Hochzeit gewissermaßen ausblenden und erkennen, dass nichts den aktuellen Moment, den man verpasst, zurückbringen wird, ist nicht nur schön, sondern ebenso gelungen. Den Humor zieht der Film aus alltäglichen Situationen oder regelrecht peinlicher Momente, die durch Philips Schwägerin Benedikte entstehen.

Das macht das Geschehen zwar glaubhaft, ohne ausufernde Dramatik, aber es hilft nicht darüber hinweg, dass viele Nebenhandlungen wie diejenige um Leif und Thilde, oder Idas Sohn Kenneth, geschweige denn Astrid oder Patrick, am Ende irgendwo hinführen. Selbst bei Benedikte bleibt das Gefühl, als würde ein Abschluss für die Figur fehlen. Mit den vielen Handlungsfäden scheint sich Love Is All You Need schlicht zu übernehmen, auch wenn man ebenso behaupten kann, dass im wirklichen Leben auch nicht alle losen Enden an einem Wochenende zusammengeführt werden. Es lässt das Publikum dennoch nicht so zufrieden zurück, wie man es nach den Ereignissen gerne wäre.


Fazit:
Filmemacherin Susanne Bier widmet sich in ihrer toll fotografierten, romantischen Dramödie zwei Personen, die sich vermutlich nie gefunden hätten, würde das Schicksal sie nicht zusammenführen. Dass es dem Witwer Philip gelingt, gerade an dem Ort neue, schöne Erinnerungen zu machen, wo ihn alles daran erinnert, was er verloren hat, ist ein schönes Bild. Auch dass die Krebsüberlebende Ida von einem neuen Menschen in ihrem Leben die Bestätigung erhält, die sie benötigt, um ihren veränderten Körper annehmen zu können. All das wird in Love Is All You Need am Ende nicht mit einem „und sie lebten glücklich …“ aufgelöst. Vielmehr enthält die Geschichte vielen Figuren einen wirklichen Abschluss vor, auch da das Drehbuch mit zahlreichen Nebenhandlungen aufwartet, die nicht zu Ende geführt werden. Dies mag nicht die Art Film sein, die man sich bei dem Titel oder nach den ersten Minuten vorstellen mag, aber er hat neben tollen Momenten auch eine Aussage, die Mut macht, getragen von zwei bemerkenswerten Darbietungen. Dass insbesondere die synchronisierte Fassung etwas holprig wirkt, da die Eigenheiten der zweisprachigen Originalfassung in der Übersetzung verloren gehen, sollte man wissen. Ein Film mit feinen Schattierungen, für ein reifes Publikum.
 


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