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Last Christmas [2019]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 6. November 2019
Genre: Drama / Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: Last Christmas
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Paul Feig
Musik: Theodore Shapiro
Besetzung: Emilia Clarke, Henry Golding, Emma Thompson, Michelle Yeoh, Boris Isakovic, Lydia Leonard, Maxim Baldry, Lucy Miller, Madison Ingoldsby, Margaret Clunie


Kurzinhalt:

Für Kate (Emilia Clarke) ist 365 Tage im Jahr Weihnachten – gezwungenermaßen. Sie arbeitet als Elfe in einem Geschäft, das die kitschigste Weihnachtsdekoration der ganzen Welt in London vereint. Ihre Chefin nennt sich selbst nur Santa (Michelle Yeoh) und hat sie eingestellt, weil sie eine der besten Verkäuferinnen war. Doch seit sie nach einem längeren Ausfall wieder zurück ist, ist Kate nicht mehr dieselbe. Nach wie vor versucht sie, ihre Gesangskarriere zu starten und hangelt sich von einer Übernachtungsmöglichkeit zur nächsten, immer darum bemüht, nicht zurück zu ihrer Mutter Petra (Emma Thompson) zu müssen und um Hilfe zu bitten. Als sich ihr Leben einem immer schneller werdenden Abwärtstrend bewegt, trifft Kate auf Tom (Henry Golding). Der beinahe unnatürlich fröhliche junge Mann scheint an der zynischen Kate interessiert, auch wenn sie dies anfangs nicht erwidert. Als sie schließlich doch mehr Zeit miteinander verbringen, merkt Kate, dass ihr der Kontakt zunehmend guttut. Allerdings verschwindet Tom immer wieder tagelang und ist auch telefonisch nicht erreichbar …


Kritik:
35 Jahre, nachdem Sänger George Michael mit Wham! in „Last Christmas“ einen der unverwüstlichsten Weihnachtshits veröffentlichte, bringt Filmemacher Paul Feig eine gleichnamige, weihnachtliche Komödie auf die Leinwand. Es darf bezweifelt werden, dass sich das Publikum ähnlich nachhaltig an Last Christmas erinnern wird. Trotz der namhaften Beteiligten ist es vielmehr die Art Film, bei der man bereits Gefahr läuft, sie zu vergessen, noch bevor im Kinosaal das Licht wieder angeht.

Basierend auf einer Story von Emma Thompson und ihrem Ehemann Greg Wise, wobei sie auch am Drehbuch mitgeschrieben hat und selbst eine Rolle übernimmt, beginnt Last Christmas mit einem kurzen Prolog in Jugoslawien im Jahr 1999. Dort singt ein Mädchen derart talentiert im Kirchenchor, dass es ihrer Mutter die Freudentränen in die Augen treibt. Nach einem Schnitt stellt die Geschichte die Protagonistin im London des Jahres 2017 vor. Nachdem die Familie nach Großbritannien geflohen war, nannte sich Katarina nur noch Kate, ist inzwischen 26 Jahre jung und voller Ambitionen, ihre Gesangskarriere wahr werden zu lassen. Doch sie ist chaotisch, unkonzentriert, hangelt sich durch ihren gesamten Freundeskreis auf der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, weil sie keine eigene Bleibe mehr hat. Gleichzeitig verbringt sie jede Nacht mit einem anderen Mann, vermasselt jede nur erdenkliche Situation und weigert sich beständig, Anrufe ihrer Mutter entgegenzunehmen.

Zu Beginn von Last Christmas ist Kate keine einfache Person. Zynisch und auf eine geradezu zerstörerische Art und Weise egoistisch, ruiniert sie nicht nur jedes Vorsingen, sondern ist auch bei ihrer Arbeit als Elfe in einem Weihnachtsdekorationsshop derart unkonzentriert, dass ihre Arbeitgeberin, die sich nur Santa nennt, eines Morgens vor einem vollkommen verwüsteten Laden steht. Die junge Frau hat ihren Weg verloren und ist sich dessen nicht einmal bewusst. Das Drehbuch deutet an, dass Kate nicht immer so gewesen ist. Auf Grund einer schweren, inzwischen überwundenen Krankheit, deretwegen sich ihre Mutter besorgt andauernd bei ihr meldet, wurde sie so. Was es damit auf sich hat, dürfte dem aufmerksamen Publikum nach kurzer Zeit bereits klar sein.
In ihrem Zustand trifft Kate auf Tom, der als regelrecht leuchtend fröhlicher Mensch immer das Positive selbst in den kleinsten, alltäglichen Dingen sieht und damit das genaue Gegenteil von Kate darstellt. Als sie ihn immer wieder zufällig trifft und feststellen muss, dass er mangels Handy nicht ständig erreichbar ist, findet sie Interesse an dem sonderbaren Mann, der abends in einem Obdachlosenheim aushilft.

Abgesehen von der Musik, die zum großen Teil aus dem Repertoire des Sängers George Michael stammt, der am ersten Weihnachtsfeiertag im Jahr 2016 an einem Herzinfarkt verstarb, finden sich auch in der Geschichte viele Parallelen zum Leben des Künstlers. Dazu zählt auch, dass dieser sich ebenfalls in Obdachlosenheimen engagiert haben soll. Als Tom dies Kate vorschlägt, lehnt sie ab. Kann sie ihn wenig später jedoch nicht finden, beginnt sie, einen Blick hineinzuwerfen und erwirtschaftet mit ihrem Gesangstalent Spenden für das Heim. Dass Last Christmas aufzeigt, wie Kate auf den richtigen Weg zurückfindet, ist kein Kritikpunkt. Ihre Entwicklung ist sogar gut gelungen und nicht zuletzt dank des vorweihnachtlich geschmückten London versprüht Filmemacher Paul Feig mitunter eine geradezu heimelige Stimmung. Zu bemängeln ist jedoch, wie diese Wandlung erzählt wird und was währenddessen auf der Strecke bleibt.

Kehrt Kate schließlich nach Hause zurück, gäbe es in dem angespannten Haushalt ihrer Eltern sowie dem, was diese nicht über ihre Schwester Marta wissen, genügend Raum für Konflikte. Diese werden auch angedeutet, aber nie aufgegriffen. Last Christmas ist erzählt wie eine Sitcom, bei der das Lachen vom Band nicht eingespielt wird. Der Humor ist über weite Strecken auf so unnatürliche Weise gestellt, dass sich normale Menschen in diesen Situationen niemals so verhalten oder ausdrücken würden. Zusammen mit der an sich richtigen Aussage, die von der Hauptfigur sogar nochmals in Worte gefasst wird, als wäre das Publikum nicht in der Lage, sie anhand ihrer Wandlung zu verstehen, hinterlässt das den Eindruck, als würden die Macher ihr Publikum für einfältig halten. Eine emotionale Wucht entwickeln sie so nie und beenden ihre Geschichte auf einer Note, dass wäre dies ein Song, man ihn in absehbarer Zeit nicht noch einmal würde anhören wollen.


Fazit:
Es gibt Liebesdramen, die nehmen derart unvorhergesehene Wendungen, dass es das Publikum buchstäblich kalt erwischt. Stadt der Engel [1998] ist ein solcher Fall. Filmemacher Paul Feig, dessen Filme aufs Geratewohl Hit oder Flop sein können, erzählt seine weihnachtliche Liebeskomödie derart selbstbewusst, als wäre sie cleverer, als sie ist. Dabei weiß das Publikum spätestens nach der ersten halben Stunde, worauf all das hinauslaufen wird. Bis es soweit ist, harmonieren Emilia Clarke und Henry Golding so hervorragend zusammen, dass es eine Freude ist, ihnen zuzusehen, selbst wenn ihre Figuren lange Zeit auf der Stelle treten. Kommt Kate schließlich voran, gibt es keinen richtigen Auslöser, vielmehr entwickelt sie sich, weil das Drehbuch es ihr vorgibt. Das heißt nicht, dass der Film keine – für die Jahreszeit passende – Stimmung verbreiten würde. Die Botschaft, so offensichtlich vorgetragen sie auch ist, ist durchaus richtig. Nur eben zu dick aufgetragen. Last Christmas fühlt sich an wie der zuckersüße Weihnachtskeks, den man zum Schluss zu viel isst, so dass man gar nicht recht unterscheiden kann, wonach er geschmeckt hat. In Erinnerung bleibt er so auch nicht.
 


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