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Ladykillers [2004]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 2. Oktober 2018
Genre: Komödie / Krimi / Thriller

Originaltitel: The Ladykillers
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Tom Hanks, Irma P. Hall, J.K. Simmons, Tzi Ma, Marlon Wayans, Ryan Hurst, Diane Delano, George Wallace, John McConnell, George Anthony Bell, Greg Grunberg


Kurzinhalt:

Der erste Eindruck, den die alleinstehende Witwe Marva Munson (Irma P. Hall) von dem vornehm gekleideten und eloquent klingenden Professor G.H. Dorr (Tom Hanks) gewinnt, ist überaus positiv. Darum vermietet sie ein Zimmer an ihn und gestattet ihm, zusammen mit Freunden in ihrem Keller zu musizieren. Dabei ahnt sie nicht, dass Dorr in Wirklichkeit kein Musiker ist, sondern mit Sprengmeister Garth Pancake (J.K. Simmons), dem Universaltalent des General (Tzi Ma) sowie Gawain MacSam (Marlon Wayans) und Lump Hudson (Ryan Hurst) einen Überfall plant. Ihr Ziel ist der Tresorraum eines nahegelegenen Casinos, in den sie von Munsons Keller aus einen Tunnel graben. Als die rüstige Dame ihr Vorhaben entdeckt, stellt sie sie vor die Wahl: Entweder sie geben das Geld zurück, oder sie ruft die Polizei. Damit ist klar, dass Mrs. Munson verschwinden muss. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht …


Kritik:
Die schwarzhumorige Komödie Ladykillers der Brüder Ethan und Joel Coen (Fargo - Blutiger Schnee [1996]) ist ein Remake der gleichnamigen britischen Krimikomödie aus dem Jahr 1955. Aus London nach Mississippi verlegt, bleibt die Story im Grunde dieselbe. Aber während das Original in der zweiten Hälfte an Zugkraft eingebüßt hatte, ist es der Auftakt, der hier merklich schwächer ausfällt, so dass der Coup dieser zusammengewürfelten Gaunertruppe am Ende gar nicht mehr wirklich interessiert.

An deren Spitze steht Professor Goldthwaite Higginson Dorr, der sich auf eine Zeitungsannonce hin ein Zimmer bei der verwitweten Marva Munson nimmt. Ihr erzählt er zwar, dass der Herrenbesuch, den er regelmäßig erhält, alles Musiker sind, die sich in ihrem Keller zum Proben zusammensetzen. Tatsächlich allerdings planen sie, das schwimmende Casino in der Nähe zu überfallen, indem sie vom Keller aus einen Tunnel direkt in den ausgelagerten Tresorraum des Casinos graben. Doch ist das nur die halbe Geschichte von Ladykillers. Der Filmtitel rührt schließlich daher, dass Mrs. Munson dem Treiben auf die Schliche kommt und sich die tollpatschigen Gauner nach dem Coup der resoluten Zeugin entledigen müssen.

So unterhaltsam das klingt und so beeindruckend die Besetzung ausfällt, was die Coen-Brüder daraus machen, ist am Ende im besten Fall ernüchternd. Das liegt zum größten Teil daran, dass es ihnen nicht gelingt, die Grundidee auf Spielfilmlänge auszubauen. Die Bemühungen der Gangster, Mrs. Munson aus dem Weg zu räumen, beginnen erst im letzten Drittel. Bis dahin wird das Publikum mit zahlreichen Monologen des selbstverliebten und schwülstig daherredenden Professor Dorr vertröstet. Tom Hanks in einer solchen Rolle zu sehen, ist zwar durchaus überraschend, aber der besondere Charme seiner Figur, sich aus allerlei Situationen herauszureden, verfliegt spätestens nach der dritten Szene, in der ihm genau das gelingt.
Seine Crew wird anfangs in voneinander vollkommen unabhängigen Szenen vorgestellt, in denen aber einzig der General (schweigsam verkörpert von Tzi Ma) seine tatsächliche Fähigkeit bereits unter Beweis stellen kann. Dass sie alle auf eine Annonce reagiert haben, wird in einem Nebensatz erklärt – ein Auswahlprozess durch Dorr findet somit nicht statt.

Statt das fehlende Talent der Gauner im Stile von Safecrackers oder: Diebe haben's schwer [2002] zu inszenieren und Dorr und seine Kollegen zur Improvisation zu zwingen, was für viele humorvolle Momente hätte sorgen können, geht bis auf einen Zwischenfall der Coup vollkommen glatt. Der Humor selbst soll offensichtlich durch Hanks’ skurrile Verkörperung des Drahtziehers und die vulgären Kommentare von Gawain MacSam sichergestellt werden. Aber während ersteres nur dafür sorgt, dass man mit den Charakteren nicht wirklich mitfiebern kann, wirken die vielen Schimpftiraden lediglich aufgesetzt und reißen eher aus dem an sich gelungen zeitlosen Design des Films.
So kommt die Geschichte so lange nicht in Fahrt, bis der Coup bereits stattgefunden hat. Sieht man sich dann Szenen wie die vollständige Predigt des Gemeindepfarrers an, schleicht sich das Gefühl ein, dass sie nur deshalb enthalten ist, um die Laufzeit von Ladykillers zu verlängern. Inhaltlich notwendig ist sie ebensowenig wie die Nebenhandlung um MacSam, der sich bei seinem ehemaligen Boss entschuldigen muss.

Dass die Geschichte viel Potential für eine sehr schwarzhumorige Komödie bietet, ist unbestritten. Darsteller wie J.K. Simmons oder Tzi Ma sind in solch ungewohnten Rollen durchaus sehenswert. So wie auch Tom Hanks’ Darbietung, die jedoch dafür sorgt, dass man stets Zuschauer bleibt und sich nicht an der Seite der glücklosen Gauner fühlt. Darum plätschert die Geschichte die erste Stunde über eher zähflüssig vor sich hin und nimmt das Publikum ebenso wenig mit wie der Humor, der zum Stil der übrigen Erzählung nicht so recht passen mag. Der letzte Akt hingegen lässt erkennen, was Ladykillers hätte sein können und vermutlich auch sein wollte. Da ist es bedauerlicherweise schon zu spät.


Fazit:
Den Gaunern in Ladykillers dabei zuzusehen, wie sie ohne Komplikationen einen Überfall durchführen, ist in etwa so, wie jemand anderen bei einem perfekten Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ zu beobachten – es macht leider keinen Spaß. In der Rolle des palavernden Professor Dorr darf Tom Hanks zwar eine andere Figur verkörpern als diejenigen, in denen man ihn sonst sieht, aber sie darf außer ihrem rhetorischen Repertoire nichts zum Besten geben. Dorr gerät nie in Verlegenheit oder unter Zugzwang, ebenso wenig, wie man über die übrigen Räuber überhaupt etwas erfährt. Während die Story ohne dramaturgische Höhepunkte dahinmäandriert, bleibt auch der Humor weitgehend auf der Strecke, sieht man von den Schimpftiraden ab, die mehr aus dem Geschehen reißen, als den Drehbuchautoren und Regisseuren Ethan und Joel Coen wohl bewusst war. Das Ergebnis ist eine Komödie, die nie witzig genug ist, während der Krimi nicht in Fahrt kommt. Im letzten Drittel gewinnen beide Aspekte zwar merklich, nur hat das Publikum bis dahin längst das Interesse verloren.
 


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