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Kiss Kiss, Bang Bang [2005]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. November 2005
Genre: Komödie / Krimi

Originaltitel: Kiss Kiss, Bang Bang
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Shane Black
Musik: John Ottman
Darsteller: Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok, Larry Miller, Rockmond Dunbar, Shannyn Sossamon, Angela Lindvall


Kurzinhalt:
Der Kleinganove Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) stolpert bei seiner Flucht in Los Angeles zufällig in ein Vorsprechen für einen neuen Film – und bekommt prompt die Rolle. Nun soll er bei dem Privatdetektiv Gay Perry (Val Kilmer) Unterricht nehmen, um für seinen Film gewappnet zu sein.
Doch die beiden stoßen schon bei ihrer ersten gemeinsamen Nacht unfreiwillig auf eine Leiche, und als Harrys Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan), eine eher erfolglose Schauspielerin, ihn um Hilfe bittet, im Glauben Harry sei ein wirklicher Detektiv, nimmt er den Auftrag an – und hört wenig später von einer weiteren Leiche, während die erste, die er zusammen mit Perry entdeckte, urplötzlich in seinem Badezimmer liegt.
So versuchen Perry und Lockhart, die beiden Fälle gleichzeitig zu lösen und geraten dabei nur noch tiefer in eine Intrige, die bei den Reichen und Mächtigen ihren Ursprung hat, und bei der die Verantwortlichen keine Schwierigkeiten darin sehen, einen kleinen Verbrecher und einen Privatdetektiv aus dem Weg zu räumen ...


Kritik:
Mit seinem ersten Skript, das er im Alter von nur 22 Jahren schrieb, reformierte Shane Black die Buddy-Comedy im Kino und begründete mit Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis [1987] eines der erfolgreichsten und angesehensten Action-Thriller-Komödien-Franchises; es folgten weitere Skripts, in denen Black erneut skurrile Figuren vorstellte und mit ungeahntem Wortwitz agieren ließ; für die Vorlage zu Last Boy Scout - Das Ziel ist Überleben [1991] erhielt er 1,75 Millionen Dollar, die höchste Summe bis dahin für einen Drehbuchautor. Nachdem er die Vorlage für Tödliche Weihnachten [1996] verkaufte, zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, davon überzeugt, dass seine eigenen Skripts seinen Anforderungen nicht mehr gerecht waren. Es dauerte neun Jahre, bis Black sich in der Traumfabrik zurückmeldete, und das nicht nur mit einem neuen Drehbuch, sondern auch seiner Absicht, es selbst zu inszenieren.

Dabei finden sich in Kiss Kiss, Bang Bang sehr viele verschiedene Einflüsse, und auch die Story selbst ist ebenso so sehr Film-Noir wie Satire auf dasselbe Genre und Hollywood im Allgemeinen. Teilweise basierend auf Brett Hallidays Rman "Bodies Are Where You Find Them" unterteilt Black seinen Film in Kapitel (inspiriert vonRAymond Chandler-Stories, die er las, als er das Drehbuch verfasste) und nimmt schließlich sogar einen bekannten Namen als Titel; angeblich wurde der fiktive Spion James Bond in den japanischen Medien als "Mr. Kiss-Kiss-Bang-Bang" bezeichnet, entsprechend seiner zwei Hauptmerkmale.
Die eigenwillige Erzählweise, die Shane Black dabei für sein Regiedebüt wählt, ist im ersten Moment sicherlich schwer zu akzeptieren, denn nicht nur, dass der Film von Hauptfigur Harry Lockhart erzählt wird, dieser hält das Geschehen mitunter an, spult zurück, überspringt andere Teile und richtet sich schließlich direkt in die Kamera. Ob dies wirklich notwendig war, darüber lässt sich sicher streiten, es lenkt jedoch nicht unerheblich vom größten Manko des Films ab, der Story.
Diese ist zwar mitunter abstrus-witzig, aber derart gekünstelt und konstruiert, dass man als Zuschauer seine Mühe hat, sich darauf einzulassen. Sicherlich ist auch dies Teil der beabsichtigten parodistischen Züge des Films, erschwert jedoch den Einstieg in eine der schwärzesten Komödie der letzten Jahre. Die stärksten Momente zieht Black dabei aus den Wortgefechten zwischen Harry und Gay, wobei die Wortgewandtheit und die trockene Art von Gay Perry neue Maßstäbe in dem unterrepräsentierten Genre der Film-Noir-Komödien setzt. Dass in Sachen Witz und Humor auch die weibliche Hauptrolle nicht unterfordert bleibt, ist Black hoch anzurechnen, dem allerdings in seiner ungewöhnlichen Buddy-Comedy ein starker Bösewicht fehlt.
Gäbe es nicht einige höchst überflüssige und erzwungene Szenen, die sich zudem auf eben jenes bekannte Klischeegebiet begeben, das Black mit seinem Skript ansich vermeiden möchte, könnte man die Vorlage als krude, absurde aber höchst unterhaltsame Farce auf Detektiv-Filme und den Glanz Los Angeles' im Allgemeinen bezeichnen; doch durch die höchst unterschiedlichen Schwerpunkte innerhalb des Films – beispielsweise ist die erste Hälfte deutlich witziger und einfallsreicher als die zweite – und einen unnötig in die Länge gezogenen Schluss fallen auch die Schwächen des Drehbuchs auf, die vermieden hätten werden können.
Was bleibt ist eine erfrischend spritzige Vorlage mit einigen sehr guten, einfallsreichen und schrägen Figuren, sowie einer Story, die trotz der komplizierten Erzählweise ansich einfacher ist, als es den Anschein hat. Die inhaltlichen (man denke an die Folterszene) und dramaturgischen Schwächen gleicht Black durch einen Wortwitz aus, der im wahrsten Sinne Seinesgleichen sucht.

Die Darsteller danken dies mit exzellenten Leistungen, allen voran die beiden Hauptdarsteller Robert Downey Jr. und Val Kilmer, die beide in Hollywood einen schweren Stand haben; auf Grund von Exzessen, Drogen- und Alkoholproblemen und dem Ruf allgemein eher schwierig am Set zu sein.
Als freundschaftliche Geste verzichtete Val Kilmer während des gesamten Drehs auf Alkohol am Set, um seinen Partner Downey Jr. nicht in Versuchung zu führen; vor Drehbeginn musste Kilmer außerdem 25 Kilogramm, die er für Alexander [2004] zugelegt hatte, wieder abspecken. Seine Darbietung des homosexuellen Privatdetektivs ist dabei so unterschwellig wie klassisch gelungen, verzichtet auf die offensichtlichen, klischeebeladenen Witze und überrascht mit einer sehr guten, gut gelaunten und mimisch abwechslungsreichen Personifizierung, die der von Robert Downey Jr. sogar noch überlegen ist.
Doch auch er lässt kaum Wünsche offen, vielmehr scheint ihm die Rolle des Verlierers wider Willen auf den Leib geschrieben, und er spielt sie mit einer Überzeugungskraft, wie schon lange nicht mehr. Den beiden Hauptakteuren zuzusehen ist dabei eine wahre Freude, ihre Wortgefechte gehören zu den besten, die es in den letzten Jahren im Kino zu sehen gab – und die Tatsache, dass es derer wirklich viele im Laufe der 100 Minuten gibt, spricht für das Skript.
Auch Michelle Monaghan macht ihre Sache gut, wirkt in ihrer Ausdrucksweise und ihrem Auftreten sehr natürlich und bringt auch die schwierigeren Szenen gekonnt zur Geltung. Selbiges gilt auch für die Nebendarsteller, von denen jedoch allenfalls Corbin Bernsen heraussticht, der aber nur sehr kurz zu sehen ist.
Der Cast scheint durchweg motiviert und auch gut gelaunt, was insbesondere dem Spiel der drei Hauptfiguren zugute kommt. Auch an der übrigen Besetzung gibt es nichts zu bemängeln.

Handwerklich gerät Shane Blacks Regieerstling beinahe schon klassisch, kommt ohne Zeitraffer oder Zeitlupen aus, doch spielt der Regisseur ganz offensichtlich mit Farbfiltern, was schon insofern nicht verwundert, da Kameramann Michael Barrett auch für den Pilotfilm und einige Episoden der Thriller-Serie CSI: Miami [seit 2002] verantwortlich zeichnet.
An der Optik selbst gibt es nichts auszusetzen, gespickt mit einigen interessanten Perspektiven, ausgefeilten Kamerafahrten und einem überaus schmutzen Look für die Glamour-Stadt, wirkt die Umsetzung selbst erfreulich konventionell, von den etwas ungewöhnlichen Schnitten auf Grund der Erzählweise aber einmal abgesehen, die aber lange nicht die Unerträglichkeit der letzten Tony Scott-Filme erreicht. Auch in den temporeicheren Szenen passen sich Kamera und Schnitt gekonnt an, ohne aber den ansich recht langsamen Erzählrhythmus des Films zu stören.
Musikalisch gibt sich Komponist John Ottman eher zurückhaltend, untermalt das Geschehen mit einer lockeren Melodie, die aber in den ersten Szenen zurück tritt und somit nicht stört, sondern tragische Situationen auch als solche wirken lässt. Abgesehen davon ist der Score zwar sehr gut zu den Bildern ausgewählt und bringt gerade die satirischen Elemente zum Vorschein, bleibt im Endeffekt aber nicht im Gedächtnis.

Wie das Regiedebüt von Shane Black an den Kinokassen aufgenommen werden wird, steht derzeit noch in den Sternen, in den USA wird der Film erst in Kürze veröffentlicht, in Deutschland konnte Kiss Kiss, Bang Bang die Zuschauer nicht begeistern, was vielleicht auch daran liegt, dass auf Grund der niedrigen FSK-Freigabe ein falsches Bild des Films gezeichnet wird, denkt man bei Lethal Weapon doch eher an einen knallharten Actionthriller. Auch Kiss Kiss, Bang Bang ist in der vorliegenden Version keinesfalls für Kinder geeignet, weder auf Grund der Gewaltdarstellung, noch der obszönen Gespräche oder des Schwarzen Humors, der ohnehin meist nur Erwachsenen erschließen wird.
Der mangelnde Erfolg ist aber sicherlich zum Teil auch auf den durchwachsenen Eindruck zurück zu führen, den Blacks Werk hinterlässt. Während der Unterhaltungswert des Films zweifellos gegeben ist, enttäuscht die ansich simple Story dadurch, dass ihr ein charismatischer Bösewicht gänzlich fehlt, und auch die Ermittungsarbeit des Buddy-Teams nimmt kaum einen Stellenwert ein. Dafür ist der Film durchweg mit erstklassigen Dialogen gespickt, absurder Situationskomik und zweier Hauptdarsteller in Topform, die auch die inhaltlich schwachen Momente gekonnt überspielen.


Fazit:
Es dauerte beinahe zehn Jahre, bis sich Shane Black wieder in der Traumfabrik zurückmeldete (von dem Skript zu A.W.O.L. [1999] einmal abgesehen), und sein Regieeinstand ist ihm in der Tat gelungen, wenngleich nicht makellos.
Einerseits überzeugt seine Vorlage durch einen längst vergessen geglaubten Wortwitz und eine sehr bösartige Komik, wobei gleichzeitig die Seitenhiebe auf Los Angeles und das Detective-Noir-Genre gut gelungen sind, andererseits scheint die Story unnötig wirr und doch seicht, manche Witze zu gezwungen und jenseits des guten Geschmacks, wohingegen die ernste zweite Hälfte des Films einen anderen Schwerpunkt besitzt.
Dass Kiss Kiss, Bang Bang dennoch durchweg unterhält liegt nicht zuletzt an den beiden Hauptdarstellern Robert Downey Jr. und Val Kilmer, die beide nicht nur offensichtlich viel Spaß beim Dreh hatten, sondern sich gerade bei ihren witzigen Szenen zu Höchstleistungen anspornen. Dass diese Art von Humor nicht jedermanns Geschmack trifft, ist unbestritten, und wer einen ernsthaften Film-Noir erwartet, wird zweifelsohne enttäuscht werden – für all diejenigen, die eine Parodie auf Buddy-Comedys im Allgemeinen, Film-Noir im Speziellen und schlicht einen durchweg unterhaltsamen Krimi für Erwachsene sehen wollen, ist Blacks Regiedebüt aber eindeutig eine Empfehlung wert.


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