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Killing Season [2013]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Februar 2014
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Killing Season
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA / Belgien
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Mark Steven Johnson
Musik: Christopher Young
Darsteller: Robert De Niro, John Travolta, Milo Ventimiglia, Elizabeth Olin, Diana Lyubenova, Kalin Sarmenov, Stefan Shterev


Kurzinhalt:
Vor 20 Jahren war Benjamin Ford (Robert De Niro) als Soldat im Bosnienkrieg gewesen. Es ist ein Erlebnis, das ihn traumatisiert hat. Inzwischen lebt er allein zurückgezogen in einer Hütte in den Bergen. Mit seinem Sohn Chris (Milo Ventimiglia) hat er nur wenig Kontakt und lehnt auch ab, als er und seine Frau Sarah (Elizabeth Olin) Benjamin zur Taufe ihres Sohnes einladen.
Eines Tages, auf dem Weg in die nächste Apotheke, um neue Schmerzmittel gegen seine Kriegsverwundung zu kaufen, begegnet Ford dem Touristen Emil Kovac (John Travolta), der ihm sogar dabei hilft, sein liegen gebliebenes Auto zu reparieren. Die zwei Jäger beginnen sich anzufreunden und verabreden sich tags darauf auf eine gemeinsame Jagd. Dann offenbart Kovac allerdings seine wahren Absichten und nimmt Ford ins Visier. Es beginnt ein Kampf um Leben und Tod ...


Kritik:
Die Ausgangsidee von Killing Season war offensichtlich gut genug, zwei hochkarätige Hollywoodstars anzulocken und einen Regisseur, dem zumindest ein wirklich guter Film in seiner Karriere gelungen ist. Das Drehbuch allerdings bringt es nie fertig, diese auch zu verdienen. Mehr noch, bei einer Nettospielzeit von gerade einmal 80 Minuten – denn 10 Minuten dauert allein der Abspann – erwartet den Zuschauer nicht einmal ein durchgehender Spannungsbogen. Eine windige Auflösung gibt es obendrein.

Auf was für eine Art Film man sich einlässt, sieht man dabei schon zu Beginn, der mit einem Rückblick zum Ende des Bosnienkriegs im Jahr 1995 beginnt. Texttafeln, die mit Bildern unterlegt werden, informieren von Gräueltaten, die an der Zivilbevölkerung verübt werden, bis die US-Streitkräfte und NATO-Truppen eingegriffen haben, um den Konflikt zu beenden. Auf einem Hügel werden sieben Männer exekutiert, offensichtlich von den Befreiungstruppen. Wer dabei nach dem ersten Schuss in den Hinterkopf noch nicht verstanden hat, was dieses Szenario zu bedeuten hat, dem zeigt Regisseur Mark Steven Johnson den tödlichen Schuss gleich fünf weitere Male. Sei es, um das Gezeigte länger, oder den Thriller brutaler werden zu lassen, als er ohnehin schon ist.
Etwas ähnliches geschieht nach knapp der Hälfte des Films erneut, wenn zwei ohnehin schon grausame Foltersequenzen dadurch noch schlimmer gestaltet werden, dass Johnson sie einem wiederholt bildlich vor Augen führt. Zuerst am einen, dann am anderen Jäger.

Nach dem Auftakt führt Killing Season in das heutige Belgrad, wo John Travolta als Emil Kovac (im Deutschen glücklicherweise ohne Akzent und mit richtiger Synchronstimme) für viel Geld Dokumente erhält, die persönliche Profile von NATO-Soldaten enthalten. Daraufhin sucht er in den Appalachen Benjamin Ford auf, gespielt von Robert De Niro in einer stärker physisch als mimisch fordernden Rolle. Geplagt von Schmerzen in seinem Bein – ein Überbleibsel seiner Militärzeit – lebt er in den Wäldern einsam und zurückgezogen, macht viele Fotografien und scheint auf eine Erlösung zu warten, die aber nicht zu ihm kommt, wenn er nicht danach sucht.

Wer nach den ersten 10 Minuten noch nicht durchschaut hat, dass Ford einer der Schützen auf jenem Hügel war und Kovac derjenige, dem er in den Rücken geschossen hat, der wird diese Information ohnehin schneller vergessen, als man "Spoiler" sagen kann. Nachdem sich Kovac mit Ford augenscheinlich angefreundet hat und beide gemeinsam auf die Jagd gehen, offenbart er sich und fasst Benjamin ins Ziel, um sich zu rächen. Was folgt ist für beide Darsteller zweifellos körperlich anstrengend. Wenn Kovac sein Opfer niedergestreckt hat, erwartet man eigentlich, dass die Geschichte vorbei ist – nur ist dann bei Killing Season gerade einmal Halbzeit.

Wenig später dreht das Skript den Spieß um und wartet mit einem Moment auf, bei dem man sich an Rambo [1982] erinnert fühlt. Es beginnt mit der Vorbereitung einfacher, aber effektiver Waffen aus dem, was der Wald einem zur Verfügung stellt und endet mit dem Gefühl, dass der alles entscheidende Zweikampf nun beginnen würde. Doch auch dieser ist kurz danach vorbei, sodass Filmemacher Johnson von Neuem beginnt, Spannung aufzubauen.
Dazwischen unterhalten sich die beiden Kriegsveteranen viel. Darüber, wie der Krieg sie verändert hat, wie grausam es auf allen Seiten eines Krieges zugeht und dass der Gedanke an Rache Kovac überhaupt am Leben gehalten hat. Es sind Gespräche, die nicht Neues zutage fördern und die spätestens, wenn Kovac über den Beweis Gottes durch die begangenen Kriegshorror philosophiert, ins Lächerliche abdriften.

Aber trotzdem gelingt es den beiden Hollywood-Urgesteinen, denen man ihr Alter von 60, bzw. 70 Jahren nicht ansieht, all das so gut es geht unterhaltsam zu gestalten. Dem ist sogar bis kurz vor Schluss so, bis bekannt wird, welche Kriegsverbrechen einer von ihnen tatsächlich begangen hat. Dieser Figur dann jedoch einen so versöhnlichen Abschluss zu gönnen, ist ebenso unbefriedigend, wie absurd – immerhin könnte das Spiel dadurch von vorn beginnen. Es verstärkt nur den Eindruck, dass Killing Season in der Durchführung der Idee dahinter nie gerecht wird. Weder auf dem Papier, noch als Film.


Fazit:
Robert De Niro und John Travolta tun zwar nicht ihr Bestes, wohl aber ihr Notwendigstes, um ihre Figuren bei Killing Season zum Leben zu erwecken. Dass die Charaktere weder besonders vielschichtig sind, noch handfeste Überraschungen zu ihnen warten, können sie jedoch nicht ändern. Sogar die handwerkliche Umsetzung von Mark Steven Johnson kann überzeugen, auch wenn die Bilder in Dunkelheit und Bewegung digital verschmiert wirken. Der unnatürliche und aufdringliche Farbfilter verstärkt den Effekt noch, schmälert aber nicht die raue Schönheit der abgelegenen Natur.
Mit alldem könnte man sich arrangieren, wenn das Aufeinandertreffen dieser Männer dem gerecht würde. Doch statt einem Showdown, beginnt das Skript den Spannungsbogen mehrmals von vorn, wobei die Entscheidung Fords – und diejenigen, die den Film gesehen haben, werden mit der Beschreibung etwas anfangen können –, überhaupt erst die Limonade zu mischen, schon absurd ist. Wäre es nicht um die Darsteller, gäbe es keinen Grund, hier einzuschalten. Und wenn man länger darüber nachdenkt, sind sie auch nicht Grund genug.


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