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Kampf der Welten [1953]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. März 2005
Genre: Science Fiction

Originaltitel: The War of the Worlds
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1953
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Byron Haskin
Musik: Leith Stevens
Darsteller: Gene Barry, Ann Robinson, Les Tremayne, Robert Cornthwaite, Sandro Giglio, Lewis Martin, Houseley Stevenson Jr., Paul Frees, William Phipps, Jack Kruschen, Cedric Hardwicke


Kurzinhalt:
Als eines Tages im ländlichen Amerika ein Meteor niederschlägt, ist Dr. Clayton Forrester (Gene Barry) der einzige, der dahinter mehr vermutet, als einen Gesteinsbrocken aus dem All. Doch wenig später, die Oberfläche ist noch glühend heiß, öffnet sich das Objekt und heraus schwebt eine fremdartige, fliegende Maschine. Für die Ortsansässigen ist klar, dass dieses Objekt vom Mars stammen muss, immerhin ist der Planet der Erde näher, als es für die nächsten 20 Jahre sein wird.
Doch ehe Forrester mit den Fremden Kontakt aufnehmen kann, eröffnet das UFO das Feuer auf die Passanten mit einem alles vernichtenden Hitzestrahl. Zusammen mit Sylvia Van Buren (Ann Robinson) und ihrem Onkel, Pfarrer Collins (Lewis Martin) flüchtet Forrester in die Kleinstadt und erwartet die Ankunft des Militärs.
Doch als General Mann (Les Tremayne) eintrifft und mit allen Mitteln versucht, der Lage Herr zu werden, muss er einen schweren Rückschlag einstecken. Unterdessen landen immer mehr dieser seltsamen Zylinder auf der Erde, aus denen wenig später neue UFOs steigen. Der Krieg der Welten hat begonnen, und die Menschen sind der Übermacht nicht gewachsen ...


Kritik:
Als H.G. Wells Science Fiction-Klassik-Roman Der Krieg der Welten 1898 in Großbritannien erschien, war das Buch überraschenderweise kein großer Erfolg, aus heutiger Sicht gehört es zu den einflussreichsten und bedeutendsten Werken in der Fiction-Literatur. Erst Orson Welles Radiosendung im Jahr 1938 ließ den Mythos um den Kampf der Welten wieder aufleben. Das Studio "Paramount" wollte den Künstler sogar dazu bewegen, mit dem Stoff sein Filmdebut zu feiern, doch Welles war daran nicht interessiert. Erst zu Beginn der 1950er Jahre, mit einem beachtlichen Budget von zwei Millionen Dollar, wurde das Filmprojekt in Angriff genommen – aus heutiger Sicht ist das Endergebnis sicherlich mehr als nur angestaubt, dass der Großteil der Produktionskosten allerdings in die Spezialeffekte geflossen sind, sieht man deutlich. Hierfür gab es nicht nur zurecht einen Oscar, die Trickaufnahmen sind bisweilen wirklich sehr gut gelungen und können auch aus heutiger Sicht in manchen Einstellungen noch standhalten.

Woran es aber letztlich gehapert hat, abgesehen von den Darstellern, war ein vernünftiges Drehbuch, denn auch auch wenn die Macher hier überraschenderweise die Welt außerhalb der USA noch ein wenig in Betracht gezogen haben, vollzieht sich die Invasion der Marsmenschen doch mehr als nur schleppend, von der krude eingestreuten Liebesbeziehung und den fürchterlich flachen Dialogen ganz zu schweigen.
So kommt die Geschichte um die Marsianer zwar recht flott in Fahrt (gleichwohl beim Prolog mit den Planeten im Sonnensystem die Venus nicht erwähnt wird), und grundsätzlich haben sich die Macher am der Romanvorlage orientiert, wenn jedoch der Physiker auf den Plan gerufen wird und dieser sich als universal einsetzbares Lexikon mit Fachkenntnis in Marsologie erweist, das Militär wirklich jeden noch so unwichtigen Zivilisten in seine Operationen einweiht, und (wie in einer solchen Art Film wohl üblich) die Atombombe auf amerikanischem Boden eingesetzt wird – ohne dass die Menschen in der Umgebung sich darum große Sorgen machen würden –, dann wird deutlich, dass das Skript von Drehbuchautor Barré Lyndon bei weitem nicht die Raffinesse eines Alfred Hitchcock-Filmes besitzt, der übrigens für die Regie im Gespräch war.
Was der Vorlage zudem fehlt ist jegliche Spannung, so wird nie ganz deutlich, wie viele Städte die Marsianer bereits vernichtet haben, wie viel Panik unter der Bevölkerung ausgebrochen ist – wo H.G. Wells Buch verblüfft und überzeugt, nämlich wie schleppend sich die Nachricht von der Invasion verbreitet, wie in panischer Aufruhr die Menschen fliehen und all das aus der Sicht eines normalen, namenlosen Bürgers gezeigt wird, setzt der Film zwar brennende Kulissen und fremdartig aussehende Marsmenschen ein, die Subtilität und die ständige Bedrohung geht jedoch verloren. Zu allem Überfluss können auch die Figuren nicht überzeugen, von manchen erfährt man nicht einmal einen Namen.

Bei den Darstellern sieht es leider nicht viel besser aus; Gene Barry gelingt es immerhin zu Beginn, recht überzeugend zu spielen, auch wenn er leider nicht mehr als einen Gesichtsausdruck zeigen darf. Ann Robinson gehört zu den größten Schwachpunkten im Film, ihre übertriebene Mimik stechen leider bisweilen mehr heraus, als die Darsteller um sie herum – allerdings ist sie an der diesen Sommer startenden Produktion Krieg der Welten [2005] unter der Regie von Steven Spielberg ebenfalls beteiligt.
Von den übrigen Darstellern hat weder Lewis Martin als Pfarrer Collins, noch Les Tremayne als General Mann wirklich etwas zu tun, sie mimen ihre Figuren aber mit der notwendigen Überzeugungskraft, ebenso wie die zahlreichen Statisten.

Inszenatorisch gibt sich Regisseur Byron Haskin souverän, wobei ihm seine Erfahrung als Effekte-Spezialist (unter anderem bei Arsen und Spitzenhäubchen [1944]) sicherlich von Nutzen war. Zu seinen weiteren Regiearbeiten zählen unter anderem Vierzehn Jahre Sing Sing [1948] und Notlandung im Weltraum [1964]. Kamera und Schnitt sind zwar bei weitem nicht so innovativ wie beispielsweise bei Hitchcock, doch die Bildauswahl ist gut gelungen, überzeugt sowohl mit weit entfernten Einstellungen, als auch klaustrophobisch nahen Aufnahmen.
Die Verschmelzung der Trick- und Realaufnahmen zählen hier verständlicherweise zu den Höhepunkten.
Verantwortlich für die Spezialeffekte ist Gordon Jennings, der auch die oscargekrönten Tricks in Der jüngste Tag [1951] fertigte. Für Kampf der Welten musste man gleich aus den Vollen schöpfen und die Zuschauer sowohl mit Miniaturaufnahmen, als auch Mattepaintings und gezeichneten Effekten überraschen. Dabei machte die damalige Technik den Machern allerdings einen Strich durch die Rechnung. Ursprünglich sollten die Maschinen der Marsianer nämlich wie im Buch auf Beinen laufen, was sich aber als zu teuer herausstellte. Dann war gedacht, dass sie auf sichtbaren elektrischen Strahlen "gehen" würden, die über Funken an der Unterseite der Maschinen sichtbar sein sollten. In den ersten Einstellungen ist dies auch zu sehen, bis die Trickkünstler erkannten, dass die Brandgefahr beim Dreh zu hoch war. Die an Fäden bewegten UFOs sehen dabei nicht nur ganz gut aus, bis auf die letzten Einstellungen sind die Führungsseile auch gut versteckt – um Kosten zu sparen sind die beiden Crash-Aufnahmen der UFOs am Schluss in Wirklichkeit nur eine Aufnahme, von der ein anderer Kamerawinkel genommen und das Bild anschließend gespiegelt wurde.
Herausgekommen sind wirklich gute Tricks, die zu ihrer Zeit zurecht Maßstäbe setzten; und im Vergleich zu vielen Computertricks aus der heutigen Zeit, sehen die Modellaufnahmen der UFOs bedeutend realistischer aus.

Musikalisch zeigt sich Leith Stevens sehr zurückhaltend, von bombastischen orchestralen Tönen ist recht wenig zu hören, auch wenn die Musik mit vielen in der Zeit entstandenen Scores austauschbar wäre. Dabei ist die Musik aber glücklicherweise ebenso wenig aufdringlich, wie leider auch charakteristisch – vergleicht man sie beispielsweise mit dem klassischen Soundtrack zu Die Zeitmaschine [1960] von Russell Garcia.
Trotzdem passt die Musik ganz gut zu den Szenen, wenn auch keine nennenswerten Themen darin vorkommen.

Dass Kampf der Welten und Die Zeitmaschine mehr als nur der Romanautor verbindet wird deutlich, wenn man hinter die Kamera blickt: War George Pal hier noch als Produzent verantwortlich, nahm er bei Die Zeitmaschine schon auf dem Regiestuhl Platz – die Recht hierfür erhielt er von H.G. Wells Erben, nachdem sie mit Kampf der Welten so zufrieden waren. Ansicht hätte er sich jedes von Wells Werken aussuchen können, entschied sich aber für den Zeitreisenden.
Für diese Wells-Verfilmung war außerdem geplant, das Finale ab dem Einsatz der Atombombe in 3D zu drehen, was sich jedoch als zu kostspielig herausstellte. Mit einem weiteren Problem hatte das Studio "Paramount" zu kämpfen, denn zwei Tage nach Drehbeginn wurde bekannt, dass die Rechte des Studios (erworben bereits 1934) ansich schon verfallen waren. So wurde der Dreh kurzzeitig gestoppt, ehe man sich mit H.G. Wells Nachkommen geeinigt hatte.

Sieht man sich aus heutiger Zeit Kampf der Welten an, zaubern manche Einstellungen einem zweifelsohne ein Lächeln aufs Gesicht. Doch das nicht aus Mitleid heraus, sondern weil sich die Macher damals mit so vielen Ideen und Improvisationskunst weiterhelfen mussten, dass es erstaunlich ist, wie einheitlich das Werk doch aussieht. Ein Griff zum Computer als Allzwecklösung für jegliche Probleme war eben nicht möglich.
Und das investierte Budget sieht man dem Film auch wirklich an, leider wurde wie so häufig in jener Zeit an den Darstellern und dem Drehbuch gespart. So entpuppt sich die großangelegte H.G. Wells-Verfilmung zwar als Effektreigen für Fans, doch die Stimmung des Buches wurde leider nicht gut eingefangen. Im direkten Vergleich mit dem ebenfalls nicht werkgetreuen Die Zeitmaschine gewinnt George Pals Filmumsetzung aber ohne Schwierigkeiten.


Fazit:
Dass die Effekte einen Oscar gewannen verwundert nicht, auch wenn sich seit King Kong und die weiße Frau [1933] ansich nicht so viel getan hat. Doch dank der Masse, den wirklich gut umgesetzten Ideen wie dem Hitzestrahl und auch der gut eingefangen Bruchlandung von einem Zylinder (von den in Flammen stehenden Wolkenkratzern ganz zu schweigen), bleibt Kampf der Welten in Erinnerung.
Wenn man sich hingegen die schauspielerischen Leistungen ansieht, sieht es nicht so gut aus; zwar haben die dank des nicht sehr pointiert geratenen Drehbuchs kaum eine Veranlassung, sich anzustrengen, aber auch bei Jack Arnolds B-Film Klassikern wie Die Unglaubliche Geschichte des Mr. C [1957] oder Tarantula [1955] hatten sich die Mimen mehr ins Zeug gelegt. So bleibt trotz der spannungsarmen 90 Minuten ein solider, inhaltlich schwacher, aber wirklich gut gemachter B-Film in Erinnerung, der H.G. Wells Romanvorlage zwar nicht wirklich gerecht wird, aber das Invasionsszenario für die Zeit gut einfängt.
Inhaltlich eher mau, aber technisch ein Klassiker.


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