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Johnny English [2003]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Juni 2003
Genre: Komödie

Originaltitel: Johnny English
Laufzeit: 88 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Peter Howitt
Musik: Ed Shearmur
Darsteller: Rowan Atkinson, John Malkovich, Natalie Imbruglia, Ben Miller, Douglas McFerran, Tim Pigott-Smith, Tim Berrington


Kurzinhalt:
Johnny English (Rowan Atkinson) gehört zur Elite des MI-7 – des britischen Secret Service ... in seinen Träumen. In Wirklichkeit ist er nur ein Agent, wie alle anderen, und ein nicht besonders heller noch dazu.
Als allerdings der legendäre Agent One bei einer Mission ums Leben kommt und auch die anderen Top-Spione bei seiner Beerdigung ausgeschaltet werden, ruft Pegasus (Tim Pigott-Smith), der Leiter von MI-7, widerwillig English auf den Plan.
Der muss mit seinem Gehilfen Bough (Ben Miller) die restaurierten Kronjuwelen ihrer Majestät beschützen, die wieder in den Londoner Tower kommen.
Doch erwartungsgemäß werden die Juwelen geklaut und der Agent ohne Ahnung muss den Fall so schnell wie möglich lösen. Dabei stößt er immer wieder auf die undurchsichtige Lorna Campbell (Natalie Imbruglia). Als Verantwortlichen für den Diebstahl hat er allerdings den reichen Industriellen (und noch schlimmer: Franzosen) Pascal Sauvage (John Malkovich), einen Bilderbuch-Schurken, im Verdacht.


Kritik:
Für Darsteller Rowan Atkinson muss es wie ein Traum gewesen sein: Nachdem er einen kleinen Part in dem Bond-Ableger James Bond 007 - Sag niemals nie [1983] hatte und als feiger, inkompetenter Agent Johnny English in Werbespots für die Barclay-Kreditkarte Anfang der 90er Jahre aufgetreten war, konnte er nun diesen Agenten endlich auf der großen Leinwand spielen.
Doch damit ging er genau in die Richtung zurück, die er als tolpatschiger Mr. Bean Jahre lang gegangen ist, und die Rolle scheint auch nach dem Kinofilm Bean - Der ultimative Katastrophenfilm [1997] an ihm zu haften.
Dass er nicht bereit ist, dies ein Leben lang zu spielen, bewies er damit, dass er keine weiteren TV-Episoden mehr produzieren möchte, auch wenn er seine Stimme für die seit letztem Jahr laufende Bean -Zeichentrickserie leiht.
In ernsten Rollen hatte der britische Darsteller leider wenig Erfolg, da ihn die Zuschauer so nicht akzeptieren wollten; vielleicht gelingt ihm ja mit Johnny English der Sprung in ein neues Franchise, in Großbritannien spielte der Film immerhin knapp 20 Millionen Pfund ein.

Dass die Agentenkomödie von den Machern des Bean-Films auch durchaus Züge eines "ernsthaften" Spionagefilms aufweist, ist im übrigen den beiden Autoren Neal Purvis und Robert Wade zuzuschreiben, die an den beiden Filmen James Bond 007 - Die Welt ist nicht genug [1999] und James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag [2002] mitgeschrieben haben. Denn abgesehen von den zahlreichen Gags in JE (so die werbewirksame Abkürzung von Johnny English), kann vor allem die Grundgeschichte überzeugen.
Die Story ist nicht nur witzig, sondern bietet sogar einige wirkliche Überraschungen; was der Bösewicht mit seinem Plan nämlich beabsichtigt, ist lange Zeit nicht ersichtlich, dafür aber umso durchtriebener. Auch die Actionszenen hätten aus einem richtigen Bond-Film stammen können, allerdings zeigt sich hier dennoch, dass JE eben doch eine Komödie und kein Agentenfilm ist.
Die Actionsequenzen beginnen zwar recht vielversprechend und können mitreißen, allerdings steigert sich das Ganze nie zu einem explosiven Feuerwerk, sondern wird nach wenigen Minuten (manchmal nur Sekunden) zu einer komödiantischen Auflösung gebracht. So macht die Stadtverfolgungsjagd mit dem Aston Martin auf dem Abschleppwagen zwar Spaß, man wünscht sich allerdings, dass die Idee in einem richtigen Actionfilm aufgegriffen und zu einem besseren Abschluss gebracht wird.

Auch die zahlreichen Gags im Film sind ein zweischneidiges Schwert, so gibt es ein paar Szenen, bei denen man vor Lachen kaum mehr Luft bekommt – zum Beispiel beim "schlappen" Einbruch in Sauvages Büro –, die Kloakenwitze hingegen sind völlig überflüssig, überdreht und unnötig. In diesen Momenten schlägt der Humor des Bean-Films durch, der die Witze aus der TV-Reihe derart überstrapazierte, dass wahre Bean-Fans damals schon oft wegsehen mussten.
Zudem laufen viele Gags in Johnny English nach demselben Schema ab, was auf Dauer etwas langweilig wird; das ist am offensichtlichsten, wenn Johnny English einmal mehr den Besserwisser markieren möchte und einer Gruppe von Beteiligten etwas erklären will, wobei er die wahre Erklärung, die allen anderen längst ins Auge springt, übersieht. Während dies das erste Mal noch spaßig ist, wirkt das sich wiederholende Muster im Verlauf des Films recht einfallslos. Das versuchen die Macher zwar dadurch zu kompensieren, dass English sich aus seiner dummen Schlussfolgerung herauszureden versucht, doch in dem Moment ist die Luft aus der Szene schon lange raus.
Es wäre vielleicht besser und deutlich witziger gewesen, wenn English ein eher "normaler" Agent gewesen wäre, der sich durch unglückliche Umstände und seinen Hang zur Tolpatschigkeit in die Bredouille bringt (was in einigen Situationen ja gekonnt angedeutet wird), anstatt dass sich der Zuschauer ständig fragt, wie es dieser chaotische Clown überhaupt geschafft hat, beim MI-7 aufgenommen zu werden.
So wirkt er zwar charmant (wie der ganze Film), aber wenn man mitansehen muss, dass er lieber sein geliebtes England vor die Hunde gehen lässt, anstatt Profis die Arbeit übernehmen zu lassen, sammelt er nicht gerade Sympathiepunkte ein.
Diese Mängel erscheinen hier vielleicht schlimmer, als sie im Film letztendlich sind, denn abgesehen von den bisweilen überzogenen Gags, die einfach nicht zünden wollen, auch wenn sei mehrmals wiederholt werden, gibt es Vieles, worüber man in Johnny English herzhaft lachen kann. Für eine Fortsetzung sollten die Schwachpunkte des Skripts allerdings ausgemerzt werden. Dann wäre ohne Weiteres auch eine höhere Wertung möglich.

Dass sich Rowan Atkinson auf diese Rolle gefreut hat, sieht man ihm in jeder Sekunde im Film an: Seit Jahren hat er nicht mehr mit derart viel Esprit und Elan gespielt, wie hier. Die Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert und ihm steht sein neuer Anzug wirklich gut. Gerade er macht die bisweilen arg peinlichen Momente im Film erträglich und bringt viele Sprüche und Witze so passend auf den Punkt, dass man allein an seiner Art zu reden, seinen Bewegungen oder seinem Blick in einen Lachanfall ausbrechen könnte. Dies ist seine Rolle, und er hat nicht vor, sie wieder abzugeben – richtig so!
Es war daher mit Sicherheit nicht einfach, einen Bösewicht zu finden, der Atkinson vor der Kamera gewachsen ist. Wenn man allerdings John Malkovich mit französischem Akzent seine Weltherrschaftspläne vortragen sieht und hört, kann man die Produzenten nur beglückwünschen: Selten war der preisgekrönte Darsteller so witzig und parodistisch wie hier. Nicht erst bei seinem Wutausbruch am Schluss kommen einem die Lachtränen, Malkovich ist hier nicht zu schlagen und komischer denn je.
Dass Ben Miller als Englishs Gehilfe Bough dabei das Nachsehen hat, versteht sich also von selbst; allerdings kann auch er voll und komödiantisch überzeugen und hat allein durch seine Aufgabe im Film viele Sympathien auf seiner Seite.
Ähnlich ergeht es Natalie Imbruglia, die hierzulande verständlicherweise weniger aus der australischen Soap-Opera-Serie Neighbours bekannt ist, in der sie von 1991 bis 94 mitspielte, sondern als die Sängerin, die 1998 mit der Cover-Version von "Torn" einen Hit landete. Doch da ihr zweites Album weniger erfolgreich lief, widmet sie sich nun offensichtlich wieder der Schauspielerei und verdreht mit ihrem aufreizenden Auftreten in Johnny English den männlichen Zuschauern den Kopf. Wer nun aber denkt, sie sei nicht mehr als ein attraktiver Teil der Filmausstattung, irrt. Denn obwohl sie aufgrund der One-Man-Show von Atkinson mehr oder weniger unterfordert st, spielt sie ihre Rolle wirklich gut, gibt sich Mühe und könnte mit etwas Übung auch anspruchsvollere Rollen übernehmen. Für den Charakter der Lorna Campbell eignet sie sich jedenfalls sehr gut.

Die Inszenierung von Regisseur Peter Howitt, der unter anderem für den Thriller Startup [2001] verantwortlich zeichnet, ist komödiengerecht gehalten und durchgängig routiniert. Patzer erlaubt sich der Filmemacher keine, und liefert stattdessen sogar ein paar interessante Kameraeinstellungen.
Den Komödienstil erkennt man – wie bereits erwähnt – auch an der Actioninszenierung, die zwar prinzipiell mitreissen kann, aber insgesamt doch ein wenig zu distanziert und ruhig wirkt.
Zumindest ist eine saubere Umsetzung gelungen, bei der auch die Spezialeffekte überzeugen können – bei dem ordentlichen Budget von 45 Millionen Dollar kein Wunder. Erfreulicherweise spielte der Film noch vor dem US-Start bereits 50 Millionen wieder ein.

Für die Musik konnten die Macher Ed Shearmur verpflichten, der bislang unter anderem für die Komödien Der Diamanten-Cop [1999] und Miss Congeniality [2000] aktiv wurde. Für Johnny English schuf er ein rasantes, eingängiges und schön anzuhörendes Thema, das zum Film passt; der Soundtrack ist deutlich gelungener, als derjenige zu Sirb an einem anderen Tag, der mit einfallslosen Kopien bisherigen Bond-Themen und ärgerlichen Modernisierungen enttäuschte. Shearmur hatte hier die Möglichkeit, etwas Neues zu beginnen und nutzte diese Gelegenheit.
Mit von der Partie ist auch Robbie Williams, der das Titellied zum Film liefert. Der harmlose Brit-Pop ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ebenfalls ein Ohrwurm und frei von Nebenwirkungen, im Gegensatz zu Madonnas unbarmherzigen Gekreische zu Die Another Day, unter das die Künstlerin unverständlicherweise freiwillig ihren Namen setzte.
Dass bei JE zudem noch die Band Bond mit von der Partie war (sie ist sogar bei Sauvages Party im Hintergrund zu sehen), macht den Parodiefaktor des Films perfekt.

Doch wo die Musik punktet, muss man Abstriche bei der deutschen Synchronfassung machen; wenn die zahlreichen Ausschnitte aus der Endsynchronisation eines verdeutlicht haben, dann dass Johnny English auf deutsch eine Folter für Ohren und Geist ist.
Dabei trifft das Synchronstudio ansich keine große Schuld, es ist schlicht nicht möglich, Rowan Atkinson in irgendeiner Form vernünftig in eine andere Sprache zu übersetzen. Die Art und Weise, wie er in einer Sekunde dick aufgetragen seine Meinungen kundtut, und in der nächsten schwächlich versucht, sich zu entschuldigen und rauszureden, ist im Original schon akustisch ein Genuß.
Hinzu kommt der grandiose John Malkovich, der mit einem urkomischen, französischen Akzent den Schurken zum Besten gibt. Wenn er sich von der Wut schon in die Verzweiflung steigert, kann man als Zuhörer nicht anders, als loszulachen.
Deshalb man nur jedem raten, JE nicht in der synchronisierten Fassung anzuschauen, sondern im Zweifel die (eventuell sogar untertitelte) Originalversion vorzuziehen. Zwar ist der Film nicht schwer zu verstehen, für ungewohnte/ungeübte Ohren können manche Dialoge dabei allerdings im Sprachwirrwarr enden.

Mit 88 Minuten ist Johnny English nicht gerade ein langer Film, dafür aber auch nie langweilig und immer witzig.
Als Bond-Parodie deutlich gelungener, als Stirb an einem anderen Tag als Bond-Film, präsentiert die Komödie von der großen Insel eine interessante und witzige Story, die Mut zur Selbstironie beweist und dem Zuschauer ein sehenswertes Ensemble bietet. Angeführt von Atkinson und Malkovich ist der erste Agentenfilm mit Johnny English in der Hauptrolle trotz einiger Mängel zweifelsohne eine der besseren Komödien des Jahres.
Fans der Genres sollten bei einer Originalvorstellung unbedingt zuschlagen, die Synchronfassung ist nur Masochisten zu empfehlen.


Fazit:
Es zünden leider nicht alle Gags in Peter Howitts Agentenkomödie, doch diejenigen, die es tun, tun es richtig. Insgesamt überzeugen genügend Witze, um den Zuschauer bei Laune zu halten und spaßige eineinhalb Stunden zu garantieren.
Zu verdanken ist das (neben der guten Story) hauptsächlich Rowan Atkinson, der hier ohne Abstriche ideal besetzt ist und auch die peinlicheren Momente im Film zu retten vermag.
Für eine Fortsetzung von Johnny English sollten die Macher dennoch den Hauptcharakter weniger dümmlich gestalten und den Agententeil zumindest in dem Ausmaß beibehalten, wenn nicht vergrößern. Fäkalgags oder peinliche Possen wie aus dem Bean-Film sollten ebenfalls verschwinden – dann wäre die Agentenkomödie fast perfekt.
Unterhaltung mit ein wenig Anspruch und großem Lachfaktor, die deutlich kurzweiliger und gelungener geraten ist, als der letzte James Bond-Film.


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