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Jason Bourne [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. August 2016
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Jason Bourne
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: Großbritannien / China / USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Paul Greengrass
Musik: David Buckley, John Powell
Darsteller: Matt Damon, Tommy Lee Jones, Alicia Vikander, Vincent Cassel, Julia Stiles, Riz Ahmed, Ato Essandoh, Scott Shepherd, Bill Camp, Vinzenz Kiefer, Stephen Kunken


Kurzinhalt:

In Griechenland untergetaucht, verdingt sich Jason Bourne (Matt Damon), der einst in einem speziellen CIA-Programm als perfekter Agent und gewissenloser Killer ausgebildet wurde, mit Faustkämpfen, bis die frühere Geheimdienstanalytikerin Nicky Parsons (Julia Stiles) auf ihn zukommt. Sie hat die CIA gehackt und dabei Akten gesichert, die ein weiteres Puzzlestück in Jasons Vergangenheit darstellen könnten. Als sie ihn damit konfrontiert, geraten beide in das Visier von CIA-Direktor Dewey (Tommy Lee Jones), der zusammen mit Heather Lee (Alicia Vikander) und dem Elite-Agenten Asset (Vincent Cassel) Jagd auf Jason und Nicky macht. Dabei steht die Markteinführung einer von Aaron Kallor (Riz Ahmed) entwickelten Plattform für Soziale Medien kurz bevor, die die CIA mitfinanzierte – und bei der sie sich eine Hintertür offenhalten will ...


Kritik:
So schön es auch ist, Matt Damon wieder in der Rolle zu sehen, die er vor beinahe 15 Jahren zum ersten Mal so gelungen verkörperte, seine Rückkehr zum Agenten ohne Erinnerung, dem Titel gebenden Jason Bourne, ist eine teils frustrierende Erfahrung. Das liegt nicht an ihm, sondern daran, dass Regisseur Paul Greengrass keine wirklich neue Geschichte erzählt. Er tut dies außerdem auf eine Art und Weise, dass selbst hartgesottenen Zusehern schon nach kurzer Zeit die Augen schmerzen.

Seit seinem ersten Regieeinsatz in der Filmreihe in Die Bourne Verschwörung [2004] hat man sowohl im Kino, wie auch in einschlägigen Fernsehserien schon einiges gesehen, was wackelige Handkameraführung anbelangt. Bei Greengrass' Umsetzung des Verschwörungsthrillers war die ständig bewegte, hakelige Optik Teil der Erzählung und zumindest im Heimkino konnte man dem Geschehen besser folgen als auf der großen Leinwand. Für Jason Bourne, dessen wichtigste Actionmomente in der Nacht spielen, hat er diesbezüglich die sprichwörtliche Latte noch eine Stufe höher gelegt. Zum Leidwesen der Zuschauer. Die ruhigen Momente allein sind bereits so fahrig eingefangen, dass man das Gefühl haben mag, die Verantwortlichen für die Kameraführung hätten unter Schüttelfrost gelitten. In der Action jedoch ist das mitunter so unübersichtlich, dass man am liebsten wegsehen möchte, um nicht seekrank zu werden.

Zur ständigen Bewegung kommt hier noch hinzu, dass Greengrass einige Szenen mit Gegenlicht einfängt, so dass man nur zwei dunkle Gestalten miteinander kämpfen sieht, aber nicht weiß, wer wer ist. Die teils bewusst unscharfen Einstellungen und die rasend schnellen Schnitte tun ihr Übriges, um die Übersicht vollständig zu zerstören.
Haben die letzten beiden Teile der Agentenreihe durch die Kameraführung insofern profitiert, da sie dem Geschehen etwas unmittelbares verlieh, man Teil der Situation und gewissermaßen dem Adrenalinrausch der Figuren ausgesetzt war, versteht man hier nicht, wie Jason oder sein größter Widersacher Asset selbst noch wissen können, was sie tun.

Für das Drehbuch zeichnet nicht mehr Tony Gilroy verantwortlich, dessen Das Bourne Vermächtnis [2012] ohne Matt Damon inhaltlich wie filmisch enttäuschte. Zusammen mit seinem Cutter Christopher Rouse liefert Regisseur Paul Greengrass selbst die Vorlage für Jason Bourne, die den geflohenen Eliteagenten der CIA im selbst gewählten Exil wiederfindet. Dort verdient er sich seinen Lebensunterhalt mit Kämpfen (was gewissermaßen und vermutlich unfreiwillig an John Rambos Schicksal erinnert). Er wird von der ehemaligen Analystin Nicky Parsons kontaktiert und so erneut in Geheimprogramme der CIA verstrickt. Dort gibt es mit Tommy Lee Jones einen neuen Direktor und mit Alicia Vikander eine ambitionierte junge Frau, die davon überzeugt ist, Bourne zurück zur Agency bringen zu können. Aber auch einen weiteren Elite-Agenten, gespielt von einem physisch extrem bedrohlich wirkenden Vincent Cassel, der eines der Highlights des Films darstellt. Zwei der Figuren sind mit Jasons Vergangenheit verbunden, auch wenn er noch nicht weiß, wie.

So folgt Jason Bourne dem – nach dem Ende von Das Bourne Ultimatum [2007] überraschend – ziel- und ruhelosen Jason, der in Europa und den USA den Brotkrumen seiner Vergangenheit nachjagt, während CIA-Direktor Dewey ein neues Projekt mit der Sozialen Medienplattform des Milliardärs Aaron Kalloor verfolgt. Das mag zwar in Bezug auf Spionage im privaten Bereich und der derzeit allerorts diskutierten Bedrohung der Privatsphäre politisch aktuell sein, es macht den Thriller inhaltlich aber merklich länger als es sein müsste und viel wichtiger, es bringt keine neuen Argumente zu einer Diskussion, die in Dokumentationen und Berichten besser aufgearbeitet wird.

Würde man diese Teile herausnehmen, wäre der Film nicht nur eine halbe Stunde kürzer, sondern durch den inhaltlichen Fokus auf Jasons Vergangenheit deutlich packender. Es würde an der handwerklichen Umsetzung, die noch fahriger, noch wackeliger ist, als in den letzten Teilen, zwar nichts ändern, aber vielleicht könnte man damit besser umgehen. Dass Jason Bourne im Vergleich zu den bisherigen Instanzen der Reihe einen geradezu erschreckend angestiegenen Grad an Toten und Verletzten vorweist, die beispielsweise bei der finalen und vom Aufbau her eindrucksvollen Verfolgungsjagd in Las Vegas im "Vorbeigehen" als Kollateralschaden gezeigt werden, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Trotz der globalen Auswirkungen, waren die Agenten bisher darum bemüht, im Verborgenen zu operieren und außer ihren Zielen keine zivilen Verluste zu verursachen. Das scheint hier passé – oder die Autoren hat es schlicht nicht gekümmert.


Fazit:
Es ist nicht, dass Filmemacher Paul Greengrass keine Ideen für einen vierten Film um den von Matt Damon nach wie vor toll und in seiner Mimik und Gestik vielschichtig verkörperten CIA-Agenten Bourne hätte. Sein Aufeinandertreffen mit Nicky und ihre gemeinsame Flucht in Griechenland besitzt eine unvermittelt bedrohliche Atmosphäre mit einem fantastischen Spannungsaufbau. Auch das Finale von Jason Bourne steht dem in nichts nach. Nur scheinen sich die Ideen auf einzelne Sequenzen zu beschränken, während die Hintergrundgeschichte der Figur keine neuen Aspekte hinzufügt. Das zusätzlich angebrachte Element der Spionage in den Sozialen Medien ist zwar aktuell, aber so oberflächlich dargebracht, dass man nicht einmal erfährt, was sich die CIA davon wirklich verspricht. Trotz der zweifelsohne aufwändigen und packenden Umsetzung, bei der man hier mehr als je zuvor Gefahr läuft, ein Schleudertrauma durch die wacklige Kamera und die ständigen Schnitte davonzutragen, erweckt das Wiedersehen mit dem Agenten den Eindruck, als wäre es nicht deshalb zustande gekommen, weil man Trilogie wirklich etwas hinzuzufügen hatte. Nur in dem Fall hätte man es auch bleiben lassen können.    


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