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Stirb an einem anderen Tag [2002]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Lars Adrian  |   Hinzugefügt am 09. Dezember 2002
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Die Another Day
Laufzeit: 132 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Lee Tamahori
Musik: David Arnold
Darsteller: Pierce Brosnan, Halle Berry, Toby Stephens, Rick Yune, Rosamund Pike, Judi Dench, John Cleese, Michael Madsen, Samantha Bond


Kurzinhalt:
Bei einem Auftrag in Nordkorea wird der Geheimagent ihrer Majestät, James Bond (Pierce Brosnan), enttarnt und inhaftiert. 14 Monate später gelangt er beim einem Gefangenenaustausch wieder frei.
Bond ist davon überzeugt, dass seine Mission sabotiert wurde, und er macht sich auf die Suche nach demjenigen, der dafür verantwortlich war, auch wenn dies von M (Judi Dench) nicht unbedingt erwünscht ist.
Sein erster Anhaltspunkt ist der Koreaner Zao (Rick Yune), der an Bonds Festnahme beteiligt war. Bei seinen Ermittlungen stößt der britische Spion zudem auf die zwielichtige Jinx (Halle Berry), den Diamantenmillionär Gustav Graves (Toby Stephens) und dessen Assistentin Miranda Frost (Rosamund Pike). Wie all das jedoch mit dem jüngsten Projekt von Graves, "Icarus", zusammenhängen soll, kann Bond sich anfangs nicht erklären – und wenig später könnte es zu spät sein.


Kritik:
"Oh, dear!" Dieser Satz, der in einer Szene des Filmes (Original-Fassung!) von Bond gegenüber Graves geäußert wird, könnte auch als Leitspruch für diese Kritik gelten. "Oh, dear!"

Einen James-Bond-Film zu bewerten, fällt immer ein wenig schwer. Erstens ist die Reihe schon aufgrund ihrer Thematik und Machart sicher nicht jedermanns Sache. Meist lassen sich Leute in zwei Kategorien einteilen: die einen, die die Filme mögen, und die anderen, die sie hassen. Zweitens gibt es die Reihe nun schon seit immerhin 40 Jahren, und jeder neue Film muss sich zwangsläufig mit seinen Vorgängern messen lassen.
Dieser Problematik waren sich die Autoren und Produzenten von Stirb an einem anderen Tag offensichtlich bewusst, denn der ganze Film wirkt wie der krampfhafte Versuch, mit so vielen Bond-Traditionen wie möglich zu brechen, und gleichzeitig ein neues, offensichtlich jüngeres Zielpublikum zu erschließen.
Angsichts des Ergebnisses sollten sich die Macher jedoch die Frage stellen, ob dieses Vorgehen wirklich klug war. Denn die bisherigen Filme waren allesamt sehr erfolgreich und konnten auf ein treues Stammpublikum zurückgreifen, wofür – sicherlich nicht unerheblich – eben die genannten Traditionen mitverantwortlich waren. Ob Stirb an einem anderen Tag ein ähnlicher Erfolg beschert sein wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

Schon zu Beginn wird deutlich, dass alles ein wenig anders ist, als gewohnt:
Das Gewehrlauf-Logo, mit dem überlicherweise jeder James-Bond-Film anfängt, ist nicht nur etwas schneller, sondern auch computeranimiert; und die Kugel, die Bond mit seiner Pistole abfeuert, steuert durch den Gewehrlauf direkt auf den Zuschauer zu.
Auch wenn dies nur eine kleine unbedeutende Veränderung ist, erscheint es mir symptomatisch für den ganzen Film. Dass Bond aus mehreren Metern Entfernung mitten in den Gewehrlauf seines Gegners schiessen kann, ist schlicht eine durch und durch blödsinnige Idee.

Darauf folgt die sogenannte Pre-Title-Action-Sequenz, an deren Ende Bond nach einer Verfolgungsjagd auf Hovercrafts in Gefangenschaft gerät. Grunsätzlich gäbe es an der Szene nichts auszusetzen. Sie ist, was Kamera und Schnitt angeht, routiniert inszeniert und die Action recht interessant. Leider sieht man aber bei fast jeder Nahaufnahme, dass die richtigen Darsteller vor Blue-/Green-Screens agieren, und am Ende wird die Modell-Arbeit beim Staudamm doch allzu offensichtlich; die "Waschbecken"-Effekte am Schluss von GoldenEye [1995] lassen grüßen. Zudem erinnert der ganze Szenen-Aufbau stark an den "Waffenbasar" am Anfang von Der MORGEN stirbt nie [1997], war dort aber deutlich origineller und besser inszeniert.

Nach Bonds Inhaftierung kommt der Vorspann mit dem Titelsong von Madonna, der schon im Vorfeld die Fans in zwei Lager gespalten hat. Für mich persönlich ist Madonnas "Die Another Day" kein Song im eigentlichen Sinne, sondern lediglich unerträgliches elektronisches Geklimper ohne tatsächliche Melodie mit einer fast ununterbrochen vom Vocoder verzerrten Stimme. Kaum zu glauben, dass dieselbe "Sängerin" in den Achtzigern netten Pop mit einer angenehmen Stimme hervorgebracht hat. Selbst diejenigen, denen das neue Stück gefällt, müssen wohl zugeben, dass es sich vielleicht um einen passablen modernen Madonna-Song handelt, als Bond-Titel-Song aber vollkommen unpassend ist, und nicht mal im Ansatz die Qualität bisheriger Bond-Lieder erreicht oder sich zumindest entfernt an ihnen orientiert. Wer auch immer entschieden hat, dass dieser "Song" für den Titel verwendet wird, sollte sofort seinen Hut nehmen müssen.
Während des Vorspanns zeigt sich noch ein weiteres Novum: Erstmals wird in der Titel-Sequenz die eigentliche Geschichte des Films weitererzählt. So ist – zwischen sich lasziv im Takt der "Musik" bewegenden Frauen – immer wieder Bond zu sehen, wie er vom nord-koreanischen Militär während seiner Gefangenschaft gefoltert wird. Prinzipiell ist gegen eine solche Handlungsentwicklung nichts einzuwenden, auch wenn sie für einen Bond-Film eher ungewöhnlich ist. Wie das aber gezeigt wird, halte ich dem Thema gegenüber für gänzlich unangebracht und respektlos. Die Folterung von Gefangenen ist eine ernste Angelegenheit, die man nicht einfach zur Unterhaltung während eines Titelsongs missbrauchen darf.

Da passt es nur ins Bild, dass Bond auch nach den 14 Monaten Gefangenschaft immer noch einen coolen Spruch auf den Lippen hat. Oder dass, nachdem er wieder freigekommen ist, eine Dusche und Rasur reichen, um den ganzen Schmutz und Schmerz wegzuwaschen. Von weiteren körperlichen oder gar seelischen Wunden keine Spur! Bond ist auch nach einer solch schlimmen Zeit ganz der Alte.
James-Bond-Filme haben zwar nie den Anspruch erhoben, bis in die letzte Kleinigkeit realistisch zu sein und gewisse Übertreibungen und Überzeichnungen waren schon immer an der Tagesordnung. Aber Bond war bisher trotzdem ein Mensch. In Stirb an einem anderen Tag wirkt er dagegen meistens wie ein Übermensch oder Comic-Superheld.

Das Bedauerliche an diesem Film ist, dass es trotz allem Negativen auch ein paar Dinge gibt, die durchaus gefallen können:
Die Grundstory – eine ernsthafte Spionage-Geschichte – ist ansich recht interessant und von der reinen Thematik sogar spannend, insbesondere das Element, dass M Bond nicht helfen will, da sie vermutet, er hätte während der Folter geheime Informationen preisgegeben.
Die beiden Hauptbösewichte Graves und Zao sind vielschichtiger als viele ihrer Vorgänger.
Einige Anspielungen unter anderem auf frühere Bond-Abenteuer (z.B. das Bond-"Museum" in einer verlassenen Londoner U-Bahn-Station) bieten eine Fundgrube für Kenner und Fans.
Überraschenderweise ist Madonnas Cameo-Auftritt als lesbische Fechtlehrerin wirklich komisch.
Der brilliant gefilmte, mitreißende Schwertkampf zwischen Bond und Graves macht viel Spaß und raubt dem Zuschauer den Atem.
Mit Jinx, verkörpert von Oscar-Preisträgerin Halle Berry (Monster's Ball [2001]), wird Bond die stärkste Frauenfigur zur Seite gestellt, die bislang in der Reihe zu sehen war. Sie sieht nicht nur umwerfend aus, sondern bekommt sogar eine Menge zu tun, inklusive einer kleinen Hommage an Ursula Andress' ersten Auftritt in James Bond 007 jagt Dr. No [1962].
John Cleese, der den 1999 bei einem Autounfall gestorbenen Desmond Llewelyn ablöst, ist ein würdiger Nachfolger in der Rolle des Q und liefert die wenigen gelungenen witzigen Sprüche. Weshalb er aber – wie aus dem Abspann ersichtlich, im Film selbst wird dies nicht erwähnt – seit Die Welt ist nicht genug [1999] von "R" zu "Q" befördert wurde, bleibt unverständlicherweise ohne Erwähnung. Ebenso schwach finde ich, dass man nicht einmal daran gedacht hat, Desmond Llewelyn zu Beginn des Abspanns mit einem "In Memory of" zu gedenken. Auf der DVD zu Die Welt ist nicht genug befindet sich zwar ein kurzer Zusammenschnitt der besten Szenen mit ihm als Q, doch das ist meines Erachtens nicht wirklich ausreichend, um einem derart beliebten Charakter und Darsteller gerecht zu werden.
Obwohl die Sponsoren die riesige Summe von 120 Millionen Dollar für Product-Placement ausgegeben haben, erscheint die Werbung längst nicht so aufdringlich wie in den letzten beiden Filmen.
Und auch die Idee, Bond durch eine länger andauernde Gefangenschaft mehr Charaktertiefe zu verleihen, ist ja grundsätzlich gut.

Leider werden all diese interessanten Ansätze durch die schon erwähnten und noch eine Reihe weiterer Unglaubwürdigkeiten verschenkt.
Exemplarisch seien hier nur zwei von Qs Spielereien erwähnt:
James Bonds neuer Wagen, der Aston Martin Vanquish, ist ohne Frage eines der schönsten Autos, die derzeit für (sehr viel) Geld zu haben sind. Trotzdem hatten die Autoren die dämliche Idee, dieses Vehikel mit einem Unsichtbarkeitsmodus auszustatten. Dadurch kann man die Szenen mit dem Wagen nicht einmal genießen.
Desweiteren hat Q eine neue Virtual-Reality-Brille erfunden, die den Träger wie auf einem "Holo-Deck" agieren lässt. Im Film wird das gleich zweimal gezeigt, und die Simulationen sind realistischer als alles, was in den nächsten 20 Jahren technisch möglich ist.
Solche Gimmicks passen vielleicht in Star Trek, in einem Agenten-Action-Thriller, der schließlich ernstgenommen werden will, hat dergleichen schlicht nichts zu suchen. Hier wurde mit Stirb an einem anderen Tag die Grenze zur reinen Science-Fiction überschritten; etwas, das schon bei Moonraker [1979] zu Recht viel Kritik auf sich gezogen hat.

Dazu kommen eine kurze Traum-Sequenz, die in einem Bond-Film einfach unpassend ist, und eine Menge Ungereimtheiten oder Logikbrüche.

Im Finale wandelt sich das Ganze gar ins völlig Lächerliche. Die letzten 20 Minuten des Filmes sind inhaltlich überflüssig und dermaßen übertrieben, dass der Zuschauer sich fragt, ob er nun einen Action-Thriller oder einen Fantasy-Film sieht:
Da wird das Flugzeug, in dem sich Bond, Jinx und die Bösewichte befinden, von der inflationär eingesetzten Super-Waffe "Icarus" getroffen und zum Großteil verbrannt. Trotzdem fliegt es noch ganze 15 Minuten in der Luft, ohne abzustürzen. Dann lassen sich Bond und Jinx mit einem Hubrauscher aus dem Flugzeug zu Boden fallen, und kurz vor dem Aufprall schaltet Bond noch die Rotorblätter ein. Natürlich gerade rechtzeitig, um den Sturz abzufangen. Und die Rotorblätter reißen selbstverständlich nicht ab!
Dagegen war der Hubschrauber, der in Mission Impossible [1996] an den Tunnelwänden anstieß, ja geradezu realistisch.
In Island hätte der Film mit dem Eispalast aufhören sollen, stattdessen wird er zum Ende hin unerträglich dumm. Der letzte Abschnitt wirkt extrem aufgesetzt; als ob die Macher kurz vor Veröffentlichung das Gefühl gehabt hätten, der Film wäre zu kurz geworden und bräuchte noch einen großen Knall-Effekt am Schluss.

Als Zuschauer könnte man mit solchen Dummheiten und Übertreibungen leben, wenn das Gezeigte wenigstens gut gemacht wäre.
Doch auch handwerklich ist Stirb an einem anderen Tag bestenfalls durchschnittlich, in vielen Szenen sogar richtig schlecht:
Sets, wie zum Beispiel der Eispalast in Island, sehen billig und studiomäßig aus.
Bei vielen Action-Sequenzen ist die Arbeit mit Modellen allzu offensichtlich, ob es sich nun um einen Wasserfall zu Beginn in Nord-Korea, eine Vielzahl von Explosionen, oder erneut den Eispalast handelt.
Selbst der ohnehin nicht völlig gelungene GoldenEye, war in dieser Hinsicht überzeugender.
Statt auf Stunts und "echte" Action zu setzen, wird erstmals in großem Umfang auf Spezial-Effekte aus dem Computer zurückgegriffen, die in den meisten Fällen miserabel aussehen, und sogar für Laien als CGI (Computer Generated Images) identifizierbar sind. So "reitet" Bond mit einem selbst gebastelten Surfboard und provisorischem Fallschirm auf einer riesigen Tsunami-Welle, die so künstlich erscheint, dass der vor einem deutlich sichtbaren Blue- oder Green-Screen gefilmte Brosnan nicht einmal nass wird. Auch die Flugzeug-Sequenz könnte direkt aus einem miesen Computer-Spiel stammen.
Kamera und Schnitt sind oft wirr und bieten nur selten die Übersicht, die für einen guten Action-Film von Nöten ist. Besonders während einer Verfolgungsjagd zwischen Bonds Aston Martin und Zaos Jaguar wird durch überflüssige Zwischenschnitte jegliches Tempo aus der Szene genommen.
Unmotivierte Schauplatz- und Szenenwechsel fallen da kaum mehr ins Gewicht.
Außerdem setzt der Regisseur häufig die aus Matrix [1999] bekannten Kamerafahrten und Zeitlupen ein, die hier natürlich unpassend und überflüssig sind. Das mag vielleicht gerade "In" sein, verleiht dem Film aber nicht den zeitlosen Charme, der die wahren Bond-Klassiker wie Goldfinger [1964] geprägt hat.
Das Gleiche gilt für den Score, der erneut von David Arnold stammt. Während mir seine Musik zu Der MORGEN sirbt nie und Die Welt ist nicht genug sehr gut gefallen hat, erschien sie mir in Stirb an einem anderen Tag uninspiriert und bisweilen zu elektronisch.
Die Inszenierung ist also gründlich misslungen und man kann nur hoffen, dass Lee Tamahori nie wieder bei einem James-Bond-Film Regie führen darf, was wirklich erstaunt, denn auf sein Konto gehen auch der hervorragende atmosphärische Krimi Mulholland Falls – Nach eigenen Regeln [1996] und der routinierte, aber spannende Thriller Im Netz der Spinne [2001], an Talent sollte es also eigentlich nicht mangeln.
Vielleicht wäre Brett Ratner, der angeblich nach Brosnans Wunsch zunächst der Regisseur werden sollte, die bessere Wahl gewesen. Immerhin kann Ratners aktueller Film Roter Drache [2002] vor allem handwerklich überzeugen.

Was die Schauspieler angeht, ist Pierce Brosnan meines Erachtens immer noch der beste Bond-Darsteller nach Sean Connery, und er agiert auch in Stirb an einem anderen Tag souverän; allerdings lässt er den Verve vermissen, den er noch im letzten Film an den Tag gelegt hat.
Da verwundert es nicht, dass Toby Stephens und Rick Yune als seine Gegenspieler mehr Akzente setzen können.
Das durchwachsene Drehbuch von Neal Purvis und Robert Wade, die ja immerhin auch an dem ungleich gelungeneren Die Welt ist nicht genug mitgeschrieben haben, gibt den Darstellern aber auch gar keine Gelegenheit, überragende Leistungen zu erbringen: Zu eindimensional die Figuren; zu flach die Dialoge; von einer tatsächlichen Charakter-Entwicklung keine Spur.
M wirkt hier nicht wie eine Geheimdienstchefin, die um das Wohl ihrer Agenten bemüht ist, sondern in erster Linie stur und abweisend. Anders als in Die Welt ist nicht genug wird Judi Denchs Talent als hervorragende Darstellerin nicht im Geringsten genutzt.
Michael Madsen, eigentlich ein guter Schauspieler, der sich durch seine Lässigkeit auszeichnet, wird in wenigen belanglosen Szenen vergeudet. Weshalb er im Vorspann überhaupt erwähnt wird, ist mir ein Rätsel.
Samantha Bond hat nur kurze Auftritte als Miss Moneypenny. Und obwohl sie von Bonds Geiselnahme mitgenommen sein müsste, darf sie leider in keiner gemeinsamen Szene mit ihm auftreten. Beim Schlussgag des Filmes mit ihr können wahre Fans nur ungläubig den Kopf schütteln, als (scheinbar) eine weitere Bond-Tradition gebrochen wird.
Lediglich Halle Berry als Jinx kann dem Kinobesucher in ein paar Szenen den Spaß vermitteln, den er sich eigentlich während des ganzen Films verspricht. Sie sorgt dafür, dass Stirb an einem anderen Tag über weite Strecken überhaupt erträglich bleibt. Allerdings wirkt die als "heißer" angepriesene Sex-Szene zwischen Bond und Jinx eher unnötig, denn prickelnd.
Angeblich sind sogar Spin-Offs mit Jinx als Hauptcharakter geplant, was durchaus interessant sein könnte, sollten die Filme handwerklich nicht so enttäuschen.
Neben Halle Berry verblasst die zwar gutaussehende, aber unterforderte Rosamund Pike als undurchschaubare Miranda Frost ziemlich.

Selbst der Humor und die Ironie, oftmals eine Stärke der Bond-Filme, kommen zu kurz. Die meisten Einzeiler, die witzig sein sollen, sind unkomische Rohrkrepierer, bei denen man nachwievor das Drehbuchpapier rascheln hört, und das sogar in der englischen Original-Version. In der deutschen Sychronfassung leiden die Dialoge noch mehr.

Der erste James-Bond-Film mit Pierce Brosnan, GoldenEye, war ein passabler Einstand mit deutlichen Schwächen; der zweite, Der MORGEN stirbt nie, ein brilliantes Action-Abenteuer ohne den typischen Bond-Charme. Die Welt ist nicht genug hat bewiesen, dass auch heute noch ein hervorragender Bond-Film – sowohl mit moderner Action, als auch einer guten Geschichte, lebendigen Charakteren und dem alten Flair – möglich ist.
Brosnans vierter Auftritt, der 20. James-Bond-Film zum 40. Geburtstag der Kino-Legende sollte etwas ganz Besonderes werden.
In der Tat: Stirb an einem anderen Tag wurde etwas Besonderes.
Was die Produzenten dazu bewegt hat, ausgerechnet im Jubiläumsjahr das bisherige Erfolgsrezept großteils über Bord zu werfen, wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Dabei sollten Barbara Broccoli (Tochter des 1996 gestorbenen "Ur"-Bond-Produzenten Albert R. "Cubby" Broccoli) und ihr Mann Michael G. Wilson nach nunmehr sechs beziehungsweise zehn James-Bond-Filmen mittlerweile eigentlich genug Erfahrungen gesammelt haben.
Für wahre Bond-Fans der alten Garde ist der Film eine riesige Enttäuschung und für Liebhaber gut-gemachter Action-Filme unbefriedigend, da Action und Spezial-Effekte meist unterdurchschnittlich geraten sind.
Letztere dürften sogar bei xXx - Triple X [2002] besser aufgehoben sein, denn dort stimmt zumindest das Handwerk. Und den alten Bond-Charme kann Stirb an einem anderen Tag auch nicht vermitteln.


Fazit:
Zusammenfassend kann man sagen, dass Stirb an einem anderen Tag trotz ein paar netter Ideen letztendlich vielleicht ein mittelmäßiger Action-Streifen, als James-Bond-Abenteuer jedoch eine einzige Katastrophe ist.
Dieser Film ist für mich der mit deutlichem Abstand schlechteste der ganzen Reihe, und das, obwohl ich wirklich ein Fan bin.
Damit passt er aber in das Kinojahr 2002, in dem misslungene Fortsetzungen an der Tagesordnung waren, siehe Men in Black II [2002], Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger [2002] oder Blade II [2002]. Man kann nur hoffen, dass es zum Ende des Jahres hin besser wird, wenn Der Herr der Ringe – Die zwei Türme [2002] oder Star Trek – Nemesis [2002] anlaufen.
Wenn die Produzenten auf dem Weg weitergehen, den sie mit Stirb an einem anderen Tag erstmals beschritten haben, war dies der letzte James-Bond-Film, den ich im Kino gesehen habe. Und ich hoffe, dass James Bond dann endlich in seinen wohlverdienten Ruhestand geschickt wird.


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