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Jack Reacher [2012]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. Juli 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Jack Reacher
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Christopher McQuarrie
Musik: Joe Kraemer
Darsteller: Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora, Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall


Kurzinhalt:
Fünf Menschen hat James Barr (Joseph Sikora) mit seinem Scharfschützengewehr ermordet. Davon ist der Staatsanwalt Alex Rodin (Richard Jenkins) überzeugt und wird die Todesstrafe fordern. Der Polizist Detective Emerson (David Oyelowo) hat die Beweise sichergestellt und Barr festgenommen, was noch fehlt ist ein Geständnis. Doch stattdessen notiert Barr nur die Aufforderung, dass man Jack Reacher (Tom Cruise) herholen soll. Untergetaucht und nicht zu finden, gibt dieser sein Leben abseits der Gesellschaft auf, als er von Barrs Tat hört.
Im Gegensatz zu Barrs Anwältin Helen Rodin (Rosamund Pike), die lediglich die Todesstrafe abwenden will, ist Reacher nicht so gnädig. Doch nachdem er sich als ehemaliger Major der Militärpolizei die Beweise nochmals ansieht, kommen ihm Zweifel an Barrs Schuld. Es scheint beinahe, als wären vier der fünf Opfer zufällig ausgewählt worden, während der Anschlag nur einer Person galt. Doch warum? Je weiter Reacher gräbt, umso mehr gerät er ins Visier derjenigen, die Barr womöglich nur etwas anhängen wollen. Und auch Helen schwebt in Gefahr ...


Kritik:
Die Romanfigur Jack Reacher, wie sie von Autor Lee Child beschrieben ist, ist beinahe zwei Meter groß, dunkelblond und mit eisblauen Augen. Gespielt wird sie vom 1,70 Meter großen, dunkelhaarigen Tom Cruise – dass Kenner der Buchreihe um den ehemaligen Major der Militärpolizei der United States Army mit der Wahl des Darstellers im Vorfeld nicht glücklich waren, ist nachzuvollziehen. Doch lässt man die körperlichen Gegebenheiten außer Acht, bringt Cruise genau diese bedingungslose Autorität und Präsenz mit, die man sich bei einem Mann wie Jack Reacher vorstellt, der kein Pardon duldet und sich mühelos gegen fünf Angreifer zur Wehr setzen kann. Mit Jack Reacher verfilmt Regisseur und Autor Christopher McQuarrie allerdings nicht den ersten Roman, sondern den neunten. Das erklärt auch, weshalb man die wichtigsten Informationen zu Reachers Werdegang in einer Unterhaltung der beiden Nebencharaktere Alex Rodin und Detective Emerson erfährt, anstatt sie mitzuerleben.

Der Film beginnt mit einem grausamen Verbrechen, bei dem fünf Menschen von einem Scharfschützen getötet werden. Scheinbar wahllos hat er seine Opfer ausgesucht und dankenswerterweise findet die Polizei unter der Leitung von Emerson am Tatort genügend Beweise, um wenig später James Barr festnehmen zu können. Er passt ins Profil, verlangt aber, vor jeder Aussage, Jack Reacher zu sprechen, der allerdings wie vom Erdboden verschwunden ist. Noch bevor seine Anwältin Helen Rodin ihn befragen kann, wird Barr ins Koma geprügelt. Als Reacher unaufgefordert bei Staatsanwalt Rodin und dem Polizisten Emerson erscheint, hofft Helen auf einen Ansatzpunkt, um ihren Mandanten vor der Todesstrafe zu bewahren. Doch der ehemalige Soldat ist nicht erschienen, um Barr zu retten, sondern um ihn unter die Erde zu bringen.
Als er dennoch Ermittlungen anstellt, stößt er auf Ungereimtheiten, die sich zu Zweifeln addieren. Manche Stationen des Thrillers zeichnen sich dabei weit im Voraus ab, die Motive hinter dem Anschlag halten sich aber lange Zeit im Dunkeln.

Es ist ebenso erstaunlich wie mutig, dass Jack Reacher den Opfern Platz einräumt. Nicht nur demjenigen, das offensichtlich Ziel des Schützen war, sondern allen. Was man über sie erfährt, erzählt von ganz normalen Menschen mit normalen Leben. Doch sie sind es, von denen man bei tatsächlichen Anschlägen dieser Art leider immer wieder in der Zeitung liest. Auch beweist McQuarrie viel Taktgefühl, wenn es sowohl um die schockierende Eröffnungssequenz geht, wie auch um den Rückblick, der den Angriff des Schützen aus Sicht der Opfer zeigt. Während viele Produktionen heute Gewalt zelebrieren, blendet er vorher ab oder lenkt die Kamera auf etwas anderes. Auch die Actionszenen mit Reacher selbst, der alles andere als zimperlich mit seinen Gegnern umgeht, sind erfreulicherweise bei weitem weniger brutal, als es bei anderen Filmen der Fall ist.

Während die Geschichte und die Filmvorschau auf einen Actionstreifen schließen lassen, verbirgt sich hinter Jack Reacher tatsächlich ein Thriller, der durch die Auftritte von Robert Duvall und Werner Herzog ebenso veredelt wird, wie durch Tom Cruise getragen. Dabei mimt er Reacher nicht als unbesiegbaren Übermenschen, was bei einer überraschend humorvollen Sequenz einer Prügelei in einem Badezimmer offensichtlich wird, aber dennoch als unnahbare Ikone, deren Auslegung von Recht und Gerechtigkeit trotzdem fragwürdig bleibt.
Dass das Finale durch einen Faustkampf im klassischen Machogehabe versinkt, sei ihm verziehen. Die besonnene und übersichtliche Inszenierung setzt mehr auf Atmosphäre und Spannung, denn auf fahrige Action. Angesichts zittriger Explosionsorgien in sonstigen Produktionen mag dies langsam wirken, es ist in jedem Fall eine willkommene Abwechslung.


Fazit:
Ohne den Schwerpunkt der ernsten und in Bezug auf die Opfer des Scharfschützenanschlags durchaus respektvoll umgesetzten Geschichte zu verlieren, beweist Regisseur Christopher McQuarrie in leichten Momenten zwischen Tom Cruise und Rosamund Pike, dass ihm das Spiel mit den Figuren liegt. Die trockenen Kommentare von Jack Reacher an anderer Stelle runden den kantigen Charakter ab.
Das macht Jack Reacher in mancherlei Hinsicht durchaus altmodisch. Die Musik ist kein Staccato aus basslastigen, pompösen Synthesizerklängen – eine wichtige Actionsequenz kommt sogar ganz ohne Musik aus –, die Gewalt passiert hauptsächlich abseits der Kamera und der vermeintliche Held schreckt am Ende auch vor zweifelhaften Entscheidungen nicht zurück. Dass Jack Reacher dabei zum Held gemacht wird, ist nicht zu leugnen, auch wenn er kurz vor Schluss etwas anderes behauptet. Das verleiht dem Film eine Aussage, die schwierig zu rechtfertigen ist, aber zur Figur passt. Sieht man ihn als harten Thriller, ist er tadellos gemacht, gut gespielt und wenn auch nicht unvorhersehbar, dann zumindest durchweg unterhaltsam und oft spannend.


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