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Jack Lennox – Einer zieht die Fäden [2003]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Februar 2004
Genre: Krimi

Originaltitel: The Planman
Laufzeit: 133 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: John Strickland
Musik: Nick Bicât
Darsteller: Robbie Coltrane, Celia Imrie, Neil Dudgeon, Vincent Regan, John McGlynn, Graham Crowden, Mathew Zajac, Frank Miller


Kurzinhalt:
Als Anwalt ist Jack Lennox (Robbie Coltrane) eine Koryphäe auf seinem Gebiet, er gewinnt selbst Fälle, bei denen die Schuld seiner Mandanten erwiesen ist. Doch genau das ist das Problem: die Unfähigkeit seiner Kundschaft verärgert ihn so sehr, dass er seinem jüngsten Beklagten, dem ehemaligen Polizisten Jim Townsend (Vincent Regan) davon erzählt, wie man einen perfekten Überfall durchführen könnte, ohne erwischt zu werden. Townsend gibt die Information weiter und wenige Tage später ist der Überfall vollzogen. Doch Townsend und seine Männer wollen mehr, und da Lennox genügend Ideen hat, gibt er sich als Planmann hinter den Kulissen und schiebt den Räubern immer wieder Aufträge zu.
Schon bald ist die Polizei unter Leitung von Brian Richards (Neil Dudgeon) der Räuberbande auf den Fersen, doch damit nicht genug ist Lennox Ehefrau' Gail Forrester (Celia Imrie), die mit Richards eine Affäre begonnen hat, die Politikerin, die Richards Einsatztruppe mehr Geld zur Verfügung stellt, um das Organisierte Verbrechen unter Kontrolle zu bringen.
Schon bald beginnt das Kartenhaus über Lennox zusammen zu fallen, da wird er von Richards auch noch enttarnt ...


Kritik:
In über sechzig Produktionen spielte Robbie Coltrane inzwischen mit, sein erstes Engagement war 1980, seither spielte er in vielen Kino- und TV-Produktionen – sein massiges Auftreten hat ihn dabei sicherlich zu gewissen Teilen auf die Rollen festgelegt.
Ein Durchbruch gelang ihm allerdings in der britischen Krimiserie Für alle Fälle Fitz [1993-1996], in der er einen Polizeipsychologen mimte. Nach wenigen Fällen hängte er den Job allerdings an den Nagel, da er auf die Rolle nicht festgelegt werden wollte. Anschließend kamen Auftritte in zwei James Bond-Filmen als Widersacher und Helfer des Doppelnull-Agenten. Auch hier hat er die meiste Zeit schon absolviert. Auf Serien möchte sich Anthony Robert McMillan, so sein bürgerlicher Name, eigentlich nicht festlegen lassen; und doch übernahm er dankend die Rolle des Rubeus Hagrid in den Harry Potter-Filmen. Zwischen den Romanverfilmungen findet er immer wieder Zeit für eine TV-Produktion, so wie in diesem Fall Jack Lennox – Einer zieht die Fäden. Gewann er für Cracker, so der Originaltitel der Fitz-Reihe, aber Jahr für Jahr Preise, wurden die Auszeichnungen seither selten. Auf für The Planman gab es keinen, und das lässt sich beim Ansehen auch recht einfach erklären: denn trotz seines routinierten Auftretens gibt es nur wenige Szenen, in denen Coltrane über sein Standard-Repertoire hinaus spielt. Meistens scheint er sich vielmehr genauso wie der Zuschauer zu langweilen.

Das Drehbuch möchte zwar in Ansätzen eine interessante Geschichte erzählen, scheitert aber im Endeffekt an zu vielen Krankheiten. Da wäre zum einen die ungewohnte und völlig übertriebene Laufzeit von über zwei Stunden, die auch noch auf zwei Teile aufgeteilt wurde. Ein 100 Minuten Film hätte hier völlig ausgereicht.
Zwar geben sich die Autoren Iain Crook und Stuart Hepburn durchaus Mühe, den Charakteren Tiefe zu verleihen, bis auf Hauptcharakter Lennox bleibt der Rest der Beteiligten aber flach. Seine Ehefrau Gail wirkt wie das Abziehbild eines Klischeepolitikers, der Polizeikommissar Richards darf in die Fußstapfen der "dämlichen Polizisten" der Filmgeschichte treten, der große Sprüche klopft aber wenig im Oberstübchen zu bieten hat, und die übrigen Darsteller sind ohnehin nur Nebencharaktere.
Einzig Lennox, den seine eigene Existenz langweilt, wird passend ins Licht gesetzt. Seine Verärgerung über die Dummheit der Leute, die er täglich verteidigen muss führt ihn zur Schlussfolgerung, dass man es ja besser machen kann – ein Gedanke, der jedem Menschen schon einmal gekommen ist. Diese Überfälle aus dem Hinterhalt zu planen hat auch durchaus seinen Reiz, nur versäumt es das Skript dann, den Zuschauer nach 10-Minütiger Planunsphase von Seiten Jack Lennox auch mit dem wirklichen Überfall zu belohnen.
Stattdessen beobachtet man die Beteiligten nur bei der eiligen Flucht – den Überfall selbst, was eigentlich gestohlen wurde, wird nie deutlich. Insbesondere beim Überfall auf die Bank gegenüber des Polizeipräsidiums ist das sehr ärgerlich, da der Überfall (der gut fünf oder zehn Minuten hätte dauern können) auf Grund des gefährlichen Settings einiges an Spannung in die Geschichte hätte bringen können.
Einzig der letzte Coup wird in voller Länge gezeigt, und ausgerechnet der ist mit dem Schauplatz Flughafen, dem Einsatz von Helicoptern und der fast schon irrwitzig großen Beute in Gold so abgehoben, dass jeder Realitätsbezug aus den vorangegangenen 100 Minuten verloren geht.
Grundproblem der nicht existenten Spannung ist auch, dass Lennox an den eigentlichen Überfällen nicht beteiligt ist. Er gerät nur dadurch in Gefahr, dass er enttarnt werden könnte, doch mit den Räubern sympathisiert man als Zuschauer ja nicht.
Abgerundet wird das unförmige Drehbuch durch einen Schluss, der keiner ist; wer sollte nach den Geschehnissen des Finales Richards daran hindern, mit seinen Beweisen an die Öffentlichkeit zu gehen? Oder: jetzt erst recht, da er ohnehin alles verloren hat? Was wird aus dem korrupten Ex-Cop Townsend? Wieso sollten die Räuber jetzt nicht alles daran setzen, Lennox bezahlen zu lassen?
Mit einer pseudo-versöhnlichen Kahn-Fahrt in den Sonnenuntergang sollen all diese Überlegungen weggewischt werden – tatsächlich fragt man sich aber, wieso ein schon schwacher Film ein noch schwächeres Ende verpasst bekommt.

An den Schauspielern kann es nicht gelegen haben, einzig Vincent Regan wirkt durch sein übereifriges Schauspiel des Jim Townsend überfordert, beziehungsweise fehlplatziert. Mit Neil Dudgeon gelang den Produzenten ein guter Fang für Polizeichef Richards, der die Ironie und Komik seines Charakters auch bei ernster Mine gut zum Ausdruck bringt.
Celia Imrie war für die Rolle der Gail Forrester ebenfalls eine gute Wahl, gleichwohl sie nur wenig ihres Könnens zeigen darf. Sie steht buchstäblich im Schatten des einzigen Hauptdarstellers: Robbie Coltrane.
Er lässt zwar in vielen Szenen das Leuchten in seinen Augen vermissen, blüht aber in den wichtigen Szenen, darunter dem Beginn im Gerichtssaal und während des Finales genügend auf, um die Gefühlswelt seines Charakters zum Ausdruck zu bringen. Eine bessere Wahl hätten die Produzenten nicht treffen können, gleichwohl auch er mehr leisten kann, als er es hier darf. Denn neben seinem gelangweilten Dasein und seinen bösartigen Bemerkungen (unter anderem beim Abendessen mit "Freunden") kommen zwei Dinge leider zu kurz: zum einen seine Verzweiflung, wenn er erkennt, dass ihm die Situation über den Kopf gewachsen ist, und zum anderen seine Wut, wenn er von der Affäre seiner Frau erfährt. Vielmehr fügt er sich zu schnell in jedes Schicksal, das ihn ereilt – hier wäre Potential gewesen das leider nicht genutzt wird.

Die Inszenierung unter der Regie von John Strickland bewegt sich auf gehobenem Fernsehniveau. Zwar vermeidet er hektische Wackelkamera-Einsätze, dafür gibt es aber auch sehr wenig Kameraschwenks oder -fahrten zu sehen; von ausgetimten Schnittfolgen oder allgemeinen Panorama-Aufnahmen der Landschaft ist ebenfalls nichts zu sehen.
So wirken Kamera und Schnitt etwas behäbig, als wären sie stark an das Budget gebunden gewesen, mitreißend oder spannend ist die Inszenierung leider ebenso wenig geraten.
Die Musik von Nick Bicât ist auf den ersten Blick schwer einzuschätzen, zwar wirkt das Thema zu Beginn zu elektronisch, innerhalb des TV-Films ändert sich das glücklicherweise, so dass die Musik recht gut zu den Szenen passt. Ein durchgängiges Thema lässt die Umsetzung aber dennoch vermissen.

Ein leidiges Thema ist nach wie vor die deutsche Synchronisation, denn während Robbie Coltrane mit Wolfgang Hess wirklich gekonnt und gut eingedeutscht wurde, macht die restliche Synchronarbeit einen zwiespältigen Eindruck.
Neben einem guten Dialogdrehbuch finden sich leider völlig unpassende deutsche Sprecher wie Crock Krumbiegel, der in keiner einzigen Rolle, die er spricht überzeugt – als Synchronsprecher ist er leider kategorisch ungeeignet. Auch die übrigen Nebencharaktere können nicht überzeugen, das größte Manko ist aber die Aufnahmequalität: wie beim ZDF üblich klingt die deutsche Tonspur wie im Studio aufgenommen.
Geräusche und Gespräche hören sich grundsätzlich genau gleich an, egal ob die Personen im Gerichtssaal, im Wohnzimmer oder im Auto sitzen, oder gar an der frischen Luft sind. Diese Sterilität raubt der deutschen Sprachfassung beinahe jede Glaubwürdigkeit und zieht die Qualität des gesamten TV-Films sichtlich in Verruf.

Was am Ende bleibt sind zwei lange 70 Minuten-TV-Filme, bei denen man nach dem ersten Teil sichtlich mehr erwartet hätte. Doch leider hatten die Beteiligten weder den Mut zu einem handfesten Drama mit einem negativen Ausgang, noch zu einem richtigen Krimi, in dem es auch spannend zugehen würde.
Stattdessen dümpelt die Story viel zu lange vor sich hin, ehe es zum Schluss hin langatmig dargebotene Action gibt, die niemanden vom Hocker reißt, und die in ihrer Aufmachung so abgehoben und unrealistisch erscheint, dass die ganze Planarbeit von Jack Lennox keinen Sinn mehr macht.
Britische TV-Produktionen können, das haben viele Beispiele gezeigt, wirklich mitreißen und Spaß machen, hier war keines von beidem der Fall.


Fazit:
Immer wieder überrascht Robbie Coltrane durch seine Rollenauswahl – und in den letzten Jahren leider selten mit dem Ergebnis, das man sich wünschen würde. Zwar liegt es im Falle von Jack Lennox nicht an ihm, dass die Produktionen nicht halten kann, was sie verspricht, im Endeffekt wird man das Gefühl aber nicht los, dass sich Coltrane ständig unter Wert verkauft.
Ohne ihn wäre The Planman gar unhaltbar gewesen, angesichts der Tatsache, dass die gesamte Serie Für alle Fälle Fitz inzwischen für knapp 60 Euro auf DVD zu haben ist, sollte man bei diesem TV-Film hier lieber Stromkosten sparen und das Geld für eine der besten britischen Krimiserien anlegen.


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