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Invictus - Unbezwungen [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. August 2010
Genre: Unterhaltung / Drama

Originaltitel: Invictus
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Clint Eastwood
Musik: Kyle Eastwood, Michael Stevens
Darsteller: Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge, Patrick Mofokeng, Matt Stern, Julian Lewis Jones, Adjoa Andoh, Marguerite Wheatley, Leleti Khumalo


Kurzinhalt:
Nach beinahe drei Jahrzehnten politischer Gefangenschaft kommt Nelson Mandela (Morgan Freeman) frei. 1994 wird er zum ersten farbigen Präsidenten Südafrikas gewählt und sieht sich vielen Aufgaben gegenüber. Sei es die Wirtschaftslage oder die Kriminalität, Vieles scheint seinen Ursprung in der nach wie vor tief sitzenden Rassentrennung zu haben, auch wenn die Apartheid offiziell aufgehoben wurde. Mandela sieht in der kommenden Rugby-Weltmeisterschaft, deren Gastgeberland Südafrika ist, eine Möglichkeit, die Bevölkerung zusammen zu schweißen über die Grenzen der Hautfarben hinweg. Größtes Hindernis dabei ist die südafrikanische Rugbymannschaft, in der nur ein farbiger Spieler auf dem Platz steht und die bei den weißen Teilen der Bevölkerung beliebt, bei den Farbigen aber nicht zuletzt durch die Farben der Trikots als Überbleibsel der Apartheid gesehen wird.
Im Gespräch mit dem Kapitän der Mannschaft, François Pienaar (Matt Damon), erklärt Mandela, welche Chance in der Weltmeisterschaft besteht. Ein Sieg würde nicht nur den Pokal für Pienaars Truppe bedeuten, sondern vielleicht auch ein Umdenken in den Köpfen der Menschen Südafrikas.


Kritik:
Oftmals gelingt es geschichtlich angehauchten Filmen nicht, in dem Maße mitzureißen, wie fiktive Geschichten. Grund dafür ist, dass man als interessierter Zuseher bereits weiß, wie die Geschichte enden wird. Clint Eastwoods ungewöhnlicher Invictus fällt aus diesem Schema. Zwar wissen diejenigen, die sich für den Rugby-Sport interessieren bereits im Vorfeld, wer die Weltmeisterschaft 1995 in Südafrika gewonnen hat, doch ist dieses Ergebnis nicht der Kern des Films. Vielmehr geht es darum zu verstehen, wie ein Staatsmann, der 27 Jahre in Gefängniszellen verbracht hat und im Anschluss zum Oberhaupt Südafrikas gewählt wurde, die Größe aufbringt, sich an seinen ehemaligen Peinigern nicht zu rächen, sondern für ein neues Südafrika zu plädieren, in dem Farbige und Weiße gleichermaßen beheimatet sind. Nelson Mandelas Charisma einzufangen, war den Filmemachern offensichtlich sehr wichtig, denn auch wenn abgesehen von der Rugby-Weltmeisterschaft die übrigen politischen Inhalte seiner Amtszeit nur gestreift werden, ist das Staatsoberhaupt doch zentraler Kern der Erzählung.
Zum Präsidenten Südafrikas gewählt, sieht sich Mandela vielen Herausforderungen gegenüber. Die vielleicht dringlichste ist die Zerrissenheit seiner Nation. Nach Jahrzehnten der Apartheid sitzt der Hass Tief: bei den Farbigen auf Grund der Ungerechtigkeiten, die ihnen angetan wurden, bei den Weißen, weil sie vermuten, dass ihnen nun widerfahren wird, was bislang von ihnen ausging. Ebenso groß ist die Erwartungshaltung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Mandelas erste Amtshandlung ist es, die Mitarbeiter der letzten weißen Regierung nicht aus dem Regierungsgebäude zu jagen, sondern sie zur Mitarbeit aufzufordern. Solch ungewöhnliche Schachzüge des energiegeladenen Denkers gibt es viele, auch wenn Clint Eastwood sie meist in Bezug auf die Weltmeisterschaft vorstellt. Doch auch hier bleibt immer klar, worum es Mandela tatsächlich geht, nämlich ein Land zu schaffen, in dem die Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe unterschieden werden, oder sie selbst danach unterscheiden. Es ist ein kühner Traum, bei dessen Umsetzung ihm das Sportgroßereignis 1995 helfen soll. Die schwelenden Unstimmigkeiten des gemischten Sicherheitsteams des Präsidenten stehen dabei stellvertretend für das gesamte Land. Die Begeisterungsfähigkeit einer solchen Sportmeisterschaft erlebt man alle vier Jahre, wenn die Straßen während internationaler Fußballspiele wie leergefegt sind. Bei Invictus verschwimmen die Farben auf den Zuschauerrängen, wenn die Menge den siegenden Mannschaften zujubelt.

Clint Eastwood ist ein ausgezeichneter Filmemacher, der sich nicht an moderne Konventionen gebunden fühlt, dass in regelmäßigen Abständen eine temporeiche Sequenz die Zuschauer auf Trab halten soll. Er erzählt Invictus - Unbezwungen als kluges Dialogdrama, bei dem man viele Informationen nur mitbekommt, wenn man aufmerksam zusieht. Sei es der Hintergrund um Mandelas Ehefrau und Kinder, die er Jahre zuvor auf politischen Druck hin verlassen hatte. Oder wie es bedeutend länger dauerte, die Rassentrennung in den Köpfen der älteren Menschen aufzulösen, während jüngere dem meist offener gegenüber standen. Die erste Filmhälfte konzentriert sich dabei auf Mandela als Figur, auf die Erwartungen, denen er in seinem Amt gegenüberstand und seine Hoffnungen und Ziele. Die zweite Hälfte zeigt auf, wie es dem Sport und der Mannschaft bildenden Wirkung desselben gelingt, die Menschen einheitlich zusammen zu bringen, und welchen Tribut es von dem damals immerhin schon 77jährigen Mandela abverlangt. Eastwood lässt den charismatischen Präsidenten prägnant und pointiert seine Agenda vortragen, ohne dass er dabei überheblich wirken würde. Es gelingt dem Filmemacher, an der Person Mandela Interesse zu wecken, auch wenn einem Vieles zum Werdegang vorenthalten bleibt.
Gespielt wird der Staatsmann von Morgan Freeman, der nicht nur die erste Wahl Mandelas selbst gewesen ist, sondern vielleicht der einzige Darsteller, der jene Größe und jene Aura in der Rolle mit transportieren kann. Ihm gelingt dies ebenso gut wie Matt Damon, der als Rugby-Spieler François Pienaar keine Wünsche offen lässt. Dass sich die übrige Besetzung aus unbekannten Schauspielern zusammen setzt, tut der Produktion gut. Sie wirkt authentisch und selbst in den Sportszenen realistisch. Die Spannung zieht Invictus aus der Faszination für die Figuren und der elektrisierenden Situation in einem Land, das auf eine unvorstellbare Weise zerrissen ist – und dies vor einer malerischen Kulisse. Weil das Hauptaugenmerk nicht auf dem Ergebnis der Geschichtsstunde liegt, sondern auf ihren Auswirkungen, packt die Erzählung auch, wenn man den Sieger der Rugby-Weltmeisterschaft bereits kennt.


Fazit:
Selbst im begrenzten Format einer Fernsehaufzeichnung merkt man Nelson Mandela an, dass er zu den wenigen Menschen auf dem Planeten gehört, die eine ganz besondere Aura umgibt. Eine Güte, die von den prägenden Erfahrungen in seinem Leben nicht zerstört wurde, sondern daran gewachsen ist. Anhand seiner Entscheidungen und Absichten, die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika zu nutzen, um das entzweite Land zu vereinen, wollte Filmemacher Clint Eastwood die Figur Mandela greifbar machen. Ihm ist mehr gelungen.
Erstklassig gespielt, veranschaulicht Invictus - Unbezwungen wie schwierig für alle Seiten die Umstellung nach dem offiziellen Ende der Apartheid ist. Auch zeigt es den Traum Mandelas eines einheitlichen Südafrikas und wie er diesen erreichen wollte. Dabei entzieht sich Eastwood den Zwängen einer betont tempolastigen Erzählung und richtet sich an ein ruhiges, nachdenkliches Publikum. Dieses wird den Film auch als so wertvoll einschätzen wie er ist.


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