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Infernal Affairs II – Die Geburt einer Legende [2003]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Dominik Starck  |   Hinzugefügt am 19. August 2005
Genre: Thriller

Originaltitel: Infernal Affairs II / Miu Gaan Diy II / Wu Jian Dao II
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: Hongkong
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andrew Lau, Alan Mak
Musik: Chan Kwong Wing
Darsteller: Anthony Wong, Eric Tsang, Carina Lau, Francis Ng, Edison Chen, Shawn Yue, Hu Jun


Kurzinhalt:
Hongkong im Jahr 1991: Superintendant Wong (Anthony Wong) und der Gangster Sam (Eric Tsang) pflegen eine gefährliche Freundschaft in unsicheren Zeiten. Zwei Männer, die auf verschiedenen Seiten stehen und doch einiges gemeinsam haben.
Im Schatten eines Machtwechsels an der Spitze der Triaden beginnt parallel dazu für die beiden jungen Männer Lau Kin Ming (Edison Chen) und Chan Wing Yan (Shawn Yue) eine schicksalhafte Karriere als Maulwürfe auf der jeweils anderen Seite. Ming, der sich zudem in Mary (Carina Lau), die Frau seines Bosses Sam, verliebt, fängt bei der Polizei an, während sich Yan, der sich als Halbbruder des neuen Triaden-Oberhauptes Hau (Francis Ng) entpuppt, bei den Banden einschleust.
1997: In dem Jahr, in dem Hongkong seinen Status als Kronkolonie Englands verliert und an die Volksrepublik China zurückfällt, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu, und die Leben der Maulwürfe und Machthaber werden sich – genau wie Hongkong und das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse – für immer verändern ...


Kritik:
Nach dem sensationellen Erfolg von Infernal Affairs [2002] war eine Fortsetzung sehr schnell beschlossene Sache, wobei man allerdings vor dem Problem stand, dass der Film die Geschichte der beiden Maulwürfe Lau und Yan auf zwar tragische, aber relativ endgültige Weise aufgelöst hatte, und eine Weiterführung der Ereignisse wenig sinnvoll oder interessant erschien.
Der konsequente, nächste Schritt war folgerichtig, dass man die Fortsetzung als Prequel konzipierte, welches die Vorgeschichte des ersten Teils erzählen sollte. Dass es da Einiges zu berichten gab, machte im Grunde schon der erste Film deutlich, denn zwischen dem Eintreten der Maulwürfe in die Polizeischule – beziehungsweise in die Triaden-Bande – und der finalen Konfrontation der beiden Männer liegen viele Jahre, die im ersten Film bestenfalls angerissen wurden. So erhält der Zuschauer in diesem zweiten Film einen tiefen Einblick in die Geschehnisse der Jahre 1991 bis 1997, wobei der Film seinen Höhepunkt und Showdown vor dem Hintergrund der Übergabe Hongkongs von England an China erlebt.

Wirklich gute Fortsetzungen sind indes bekanntermaßen leider sehr selten und stehen in keinem Verhältnis zu der schieren Quantität an Sequels, die derzeit den Kino- und Heimkino-Markt überfluten. Insbesondere gilt dieser Qualitätsverlust gerade für Prequels, die meist zusätzlich mit dem Problem zu kämpfen haben, dass man als Zuschauer ja bereits weiß, wohin die Geschichte führt, weil man den ersten, inhaltlich in der Zukunft liegenden Film schon gesehen hat. Nur wenige Beispiele gelungener, "fortsetzender" Prequels gibt es, und im Zusammenhang mit Infernal Affairs II muss hier selbstverständlich Der Pate II [1974] genannt werden, der zwar kein reines Prequel ist, sich jedoch nicht zuletzt hinsichtlich der komplexen Geschichte in Bezug auf die Mafia damit vergleichen lässt. Und das Erstaunliche dabei: Infernal Affairs II hält diesem Vergleich stand und schafft es, nicht nur als hervorragendes Prequel zu überzeugen und einen der besten Vertreter dieser Gattung Film überhaupt abzuliefern, sondern das Werk braucht sich selbst hinter seinem eigenen brillanten Vorgänger nicht zu verstecken.

Zu verdanken ist das in hohem Maße natürlich der kreativen Crew, die sich zum großen Teil aus denselben Leuten rekrutierte, die zuvor den Erstling zum Erfolg und Ereignis gemacht hatten. So schrieb erneut Regisseur Alan Mak zusammen mit Felix Chong das Drehbuch, welches er dann zusammen mit dem auch produzierenden Andrew Lau inszenierte. Wie gehabt, zeichnet Lau in Zusammenarbeit mit Kameramann Ng Man Ching (der Lai Yiu Fai nach dem ersten Film ablöste) für die großartigen, düsteren Bilder verantwortlich.
Die elegisch-melancholische Musik stammt wieder von Chan Kwong Ming, womit die gelungene, den Zuschauer in ihren Bann ziehende Atmosphäre des Films komplettiert wäre.

Einen recht harten Schnitt unternahmen die Autoren allerdings hinsichtlich des eigentlichen Fokus der Geschichte, denn die Hauptfiguren des ersten Teils, Lau und Yan, spielen hier nur eine untergeordnete Nebenrolle. Ihre beiden berühmten Darsteller Andy Lau (House of Flying Daggers [2004]) und Tony Leung (Hero [2002]) tauchen erst gar nicht auf, stattdessen treten Edison Chen und Shawn Yue, die bereits im ersten Film in den Rückblicken diese Rollen gespielt hatten, in die etwas zu großen Fußstapfen der Ausnahmeschauspieler.
Das Zusammenspiel von Lau und Leung wird jedoch durch würdige Nachfolger ersetzt, denn das Hauptaugenmerk der Fortsetzung liegt auf dem Polizisten Wong, der einmal mehr von dem fantastischen Anthony Wong (The Untold Story [1992], The Mission – Ihr Geschäft ist der Tod [1999]) verkörpert wird, sowie dem (noch) rangniedrigeren Triaden Sam, für den wie zuvor Eric Tsang (Hongkong Love Affair [1996], Gen-X Cops [1999]) gewonnen werden konnte. Die Beziehung dieser beiden Männer, die geprägt ist von gegenseitigem Respekt und die beinahe so etwas wie eine gefährliche Freundschaft pflegen, ist im Zentrum der Aufmerksamkeit und funktioniert als Story-Element überraschend gut, obwohl die Protagonisten später zu recht erbitterten Gegnern werden.

Neben der rein produktionstechnischen Qualität ist der Film ohnehin ein Fest der Schauspiel-Kunst und nicht zuletzt die großen Leistungen der Hauptdarsteller machen diesen Film zu etwas Besonderem. Neben Wong und Tsang, die beide bereits als beste Schauspieler bei den "Hong Kong Film Awards" ausgezeichnet wurden, ist hier in erster Linie Francis Ng (Color of the Truth – Zeit der Rache [2003], The Mission – Ihr Geschäft ist der Tod) zu nennen, der trotz einer zur Schau gestellten inneren Ruhe mit einer extremen Intensität spielt. Unter der fast freundlichen Oberfläche des Biedermannes lauert jederzeit spürbar die Präsenz eines sehr gefährlichen Mannes.
Gut bleiben auch Carina Lau in der Rolle der Mary, sowie Hu Jun als aufrechter Cop Luk, der seinem hier noch nicht so erhaben korrekten Kollegen Wong in Punkto Gesetzestreue Einiges voraus hat.
Wie erwähnt, können die beiden Jungstars Edison Chen und Shawn Yue bei dieser Klasse nicht ganz mithalten, gerade dann nicht, wenn man sie direkt mit Lau und Leung vergleicht. Dennoch leisten sie sich keine groben Aussetzer und geben sich sichtlich Mühe. Hier fehlt es einfach noch an der nötigen Erfahrung, welche die anderen Darsteller mit in die Produktion einbringen konnten.

Mehr noch als sein Vorgänger, erweist sich Infernal Affairs II eher als spannendes Drama, denn als Action-Thriller. Die komplexe, verschachtelte Geschichte erfordert vor allem in der ersten halben Stunde hohe Aufmerksamkeit und bietet selbst in ihrem weiteren Verlauf viele Fall- und Hintertüren.
Die einzigen Mankos sind die Fülle an handelnden Figuren, die es schwer macht, wirklich mit allen Charakteren emotional verbunden zu sein, sowie die Tatsache, dass man letztlich eben trotzdem weiß, was das Schicksal für die Hauptfiguren bereithalten wird, da man den ersten Teil schon kennt.

Entsprechend Teil eins hat das Label MC One den zweiten Teil ebenfalls als Doppel-DVD-Special-Edition auf den Markt gebracht (die erste Auflage als Digi-Pack und die zweite im üblichen Amaray-Case).
Der Film präsentiert sich dabei in sehr guter Bild- und Ton-Qualität (deutscher Ton in DTS 5.1 Surround und Dolby Digital 5.1 Surround, sowie Kantonesisch in Dolby Digital 5.1 Surround) und wird von einem Audio-Kommentar von Besetzung und Crew begleitet. Auf der Bonus-DVD finden sich außerdem ein "Making Of", eine Featurette, geschnittene Szenen, sowie Trailer, Galerien und einige Outtakes. Alle Extras sind mit optionalen Untertiteln versehen und für den Hauptfilm gibt es ferner Untertitel für Hörgeschädigte.

Abschließend noch ein Wort zu den verschiedenen Titeln des Films, der ursprünglich in Hongkong einfach als Wu Jian Dao II aufgeführt wurde (womit also der Titel des ersten Films wie üblich durch die Ziffer des weiteren Teils ergänzt wurde), dann aber im asiatischen Raum auch als Miu Gaan Diy II vertrieben wurde (an dieser Stelle versagen leider die Fremdsprachenkenntnisse dieses Autors). Als internationalen Titel wählte man dann erwartungsgemäß Infernal Affairs II, und in Deutschland erschien die DVD mit dem internationalen Titel sowie dem Untertitel Die Geburt einer Legende, was sich auf den Werbe-Text eines Original-Trailers bezieht.
Das ZDF wiederum greift für die deutsche Free-TV-Erstausstrahlung seine eigene Titelgebung erneut auf, die beim ersten Film dazu führte, dass der chinesische Originaltitel "Wu Jian Dao" zum übersetzten Untertitel wurde – Infernal Affairs – Die achte Hölle. Dem Prinzip treu bleibend wurde das Prequel nun Infernal Affairs – Abstieg in die achte Hölle betitelt, wobei man kurioserweise auf jede Form der Bezifferung verzichtete.


Fazit:
Wenn dies überhaupt möglich ist, so übertrifft Infernal Affairs II seinen Vorgänger in einigen Punkten sogar noch.
Ungewöhnlich für ein Prequel, weiß die verschachtelte, vielschichtige Geschichte zu fesseln und zu überraschen, obgleich man sich nach dem ersten Teil über das weitere Schicksal vieler Figuren bereits im Klaren ist. Unter versierter Regie bietet die Darsteller-Riege Schauspielkunst höchster Klasse, wobei sie das Glück hat, sich auf ein hervorragendes Drehbuch stützen zu können.
Infernal Affairs II ist ein düsteres, melancholisches, hartes und dabei emotional dramatisches Meisterwerk asiatischer Polizei-Thriller des neuen Jahrtausends.


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