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Independence Day: Wiederkehr [2016]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Juli 2016
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Independence Day: Resurgence
Laufzeit: 120 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Roland Emmerich
Musik: Harald Kloser, Thomas Wanker
Darsteller: Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Jessie T. Usher, Bill Pullman, Maika Monroe, Sela Ward, William Fichtner, Judd Hirsch, Brent Spiner, Vivica A. Fox, Angelababy


Kurzinhalt:

Vor 20 Jahren entging die Erde nur knapp der Vernichtung durch einen Angriff von übermächtigen Außerirdischen. Seither herrscht Frieden in der Welt und mit der geborgenen Technologie hat man die Waffen so weit entwickelt, dass man hofft, einem erneuten Angriff standhalten zu können. Doch als David Levinson (Jeff Goldblum) entdeckt, dass ein damals gelandetes Schiff ein Notsignal abgesetzt hat, ist es bereits zu spät. Die Frage ist, ob es ihm, dem Ex-Präsidenten Whitmore (Bill Pullman), der ebenso wie der Wissenschaftler Dr. Okun (Brent Spiner) die Aliens spüren kann, gelingt, zusammen mit einer neuen Generation Piloten wie Dylan Hiller (Jessie T. Usher) und Jake Morrison (Liam Hemsworth), den Untergang der Menschheit bei der Rückkehr der Aliens abzuwehren ...


Kritik:
Für mehr als die Hälfte ist Independence Day: Wiederkehr ein überraschend unterhaltsamer Popcorn-Film mit einigen interessanten Einfällen und einer Zerstörungswut, die sich hinter dem inzwischen 20 Jahre alten ersten Film nicht zu verstecken braucht. Das dauert an, bis sich das Drehbuch der sage und schreibe fünf Autoren an einen Punkt manövriert, an dem alles entschieden ist und das Problem entsteht, dass Hollywood Filme so nicht enden lässt. Was folgt enttäuscht dermaßen, so dass selbst die mittelmäßigen Tricks kaum auffallen.

Nun könnte man sagen, anders erging es Filmemacher Roland Emmerich mit Independence Day [1996] seinerzeit auch nicht, um die Auflösung der drohenden Vernichtung der Menschheit nicht "kreativ" zu nennen. Allerdings besaß die Idee damals zumindest auf Grund ihrer H.G. Wells'schen Anlehnung einen gewissen Charme. Das Problem der lange spekulierten Fortsetzung spiegelt sich gut an der Musik wider, die hier nicht aus der Feder von David Arnold stammt, sondern von Harald Kloser und Thomas Wanker. Sie greifen einige der bekannten und einprägsamen Themen wieder auf und streuen sie in ähnlichen Situationen ein. Doch der Score selbst besitzt so wenig Wiedererkennungswert wie Einfallsreichtum.

Ähnlich ergeht es dem Skript, das 20 Jahre nach dem schicksalshaften Tag am 4. Juli 1996 eine Rückkehr der zerstörerischen Aliens zelebriert. Nur wie soll man es toppen, wenn beim letzten Mal die ganze Welt in Flammen stand, Wahrzeichen explodierten und Feuerwalzen durch die Hochhausschluchten bekannter Metropolen pflügten? Emmerichs Antwort ist hier so simpel, dass er sie bereits im Trailer verrät: Es ist viel größer als beim letzten Mal.
So umspannt das Alienraumschiff den gesamten Atlantik und sorgt dafür, dass ganze Städte aus den Angeln gehoben und auf anderen Kontinenten wieder fallengelassen werden. Man könnte auch sagen, es wäre am Ende einfacher, den Planeten zu verlassen und woanders neu anzufangen, als hier wieder alles aufzubauen. Die Menschheit hat mit Hilfe der außerirdischen Technologie weiterentwickelte Waffen entworfen, die aber dennoch nicht ausreichen, die neuerliche Invasion aufzuhalten.

So liegt es wie zuvor am Erfindungsreichtum einiger weniger, den drohenden Untergang abzuwenden. Das klingt zum Teil wie ein Remake des Vorgängers und tatsächlich spielt es sich großteils auch so ab, bis hin zur Aufopferung beim Finale. Von der Erzählstruktur her orientiert sich Independence Day: Wiederkehr so stark am ersten Teil, dass man sich fragen muss, weshalb man sich den zweiten überhaupt ansehen sollte. Umso mehr, da die bekannten Darsteller wie Jeff Goldblum oder Bill Pullman in ihren Rollen zwar für ein nostalgisches Wiedersehen sorgen, aber zu wenig in Aktion zu sehen sind. Manche sind kaum zwei Minuten vor der Kamera. Stattdessen wird die Fackel hier an eine jüngere Besetzung übergeben, die von einem Liam Hemsworth angeführt wird, der wenn überhaupt, dann nur beweist, dass er seinem Bruder Chris weder hinsichtlich der Ausstrahlung, noch der Selbstironie das Wasser reichen kann. Jessie T. Usher macht seine Sache gut, lässt jedoch das Unbeschwerte seines Filmvaters, damals gespielt von Will Smith vermissen. Der fehlt in der Fortsetzung bedauerlicherweise.

Für Vieles entschädigt Brent Spiner als der wiederbelebte Wissenschaftler Okun, doch ihm sämtliche Scherze in der ersten Filmhälfte aufzuladen, wirkt ebenso plump wie die gestelzten und unnötig witzigen Einlagen im letzten Drittel. Independence Day: Wiederkehr ist bis zu dem Moment wirklich gelungen, da es für die Menschheit am schlimmsten steht. Nur was unsere Welt an sich braucht, nämlich die Aussicht, dass wir es gemeinsam schaffen können, das erscheint hier so abgegriffen und pathetisch, dass man nicht weiß, ob es mit Augenzwinkern erzählt, oder als Satire gemeint ist.


Fazit:
So gelungen die Trickeffekte insbesondere auf dem Mond aussehen, so erschreckend und zunehmend offensichtlich sind die Bluescreen-Effekte im Verlauf des Films. Dabei beginnt Roland Emmerich seine erste eigene Fortsetzung überaus vielversprechend, versieht sie wie gewohnt mit einigen prägnanten Perspektiven und kann viele der bekannten Darsteller zurückbringen. Nur erscheinen die neuen Figuren noch blasser als die vertrauten und wenn sich die Geschichte auch inhaltlich wiederholt, verliert Independence Day: Wiederkehr einen Großteil von seinem Reiz. Am Ende kommen einem die zwei Stunden hier deutlich länger vor als die zweieinhalb vor 20 Jahren und es bleibt das Gefühl, all das bereits unterhaltsamer gesehen zu haben. Selbst die ikonische Ansprache des US-Präsidenten will er toppen und scheitert trotz zweier Versuche. Deshalb ist der Film noch lange nicht schlecht, nur macht er – wie das Popcorn, das zu ihm passt – einfach nicht satt.    


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