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Imperium [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. April 2017
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Imperium
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Daniel Ragussis
Musik: Will Bates
Darsteller: Daniel Radcliffe, Toni Collette, Tracy Letts, Sam Trammell, Nestor Carbonell, Chris Sullivan, Seth Numrich, Pawel Szajda, Devin Druid, Burn Gorman, Adam Meier


Kurzinhalt:

Als FBI-Agentin Angela Zamparo (Toni Collette) erfährt, dass radioaktives Material gestohlen wurde, vermutet sie im Gegensatz zu ihren Kollegen keinen islamistischen Hintergrund, sondern eine rechtsradikale Gruppierung um den lautstarken Dallas Wolf (Tracy Letts). Sie wirbt den FBI-Agenten Nate Foster (Daniel Radcliffe), undercover zu ermitteln und schleust ihn in einer kleinen Gruppe um Vince Sargent (Pawel Szajda) ein. Nate erhält über sie Zugang sowohl zu Dallas, aber auch zu der bedeutend militanteren Splittergruppe von Andrew Blackwell (Chris Sullivan) und dem bürgerlich auftretenden Gerry Conway (Sam Trammell). Nicht nur, dass die Zeit zunehmend knapper wird, die Gruppen vermuten Spitzel überall und so gerät Nate zunehmend unter Druck ...


Kritik:
Das ruhig erzählte Thrillerdrama Imperium wirft einen beunruhigenden Blick auf eine Parallelgesellschaft, die nur weil sie weniger wahrnehmbar ist als manch andere extremistische Gruppierung, bei weitem nicht weniger aktiv ist. Oder weniger gefährlich. In einer Rolle, die sein bemerkenswertes Repertoire um neue Facetten erweitert, lässt sich Daniel Radcliffe undercover bei einer rechtsextremen Organisation einschleusen, die verdächtigt wird, eine schmutzige Bombe zu bauen. Nicht nur der Realitätsbezug ist hier beängstigend.

Dabei wirkt der eher schmächtige Radcliffe in der Rolle des FBI-Agenten Nate Foster im ersten Moment merklich fehl am Platz. Wenn Nate der Agentin Angela Zamparo, die ihn für den Undercoverjob rekrutieren möchte, entgegnet, dass er nur mit Mühe seinen Fitnesstest geschafft hat, nehmen wir ihm dies ohne jeden Zweifel ab. Selbst wenn er sich die Haare schärt und mit einer aufgeplusterten Jacke mit den übrigen Skinheads und Neonazis zusammensitzt, unterscheidet er sich merklich von ihnen. Und doch hat er etwas mit ihnen gemein: Er wirkt vom ersten Moment an wie ein Außenseiter, jemand, der nicht dazugehört. Ihn in der verschlossenen Gruppierung einzuschleusen, die Agentin Zamparo verdächtigt, einen Anschlag mit einer mit radioaktivem Material versetzten Bombe zu planen, geht deshalb auf, weil sie dieses Gefühl verbindet.

Regisseur Daniel Ragussis beobachtet durch Nates Augen diese Gesellschaft, die – abseits der Auftritte bei Märschen und dergleichen, bei denen die breite Öffentlichkeit sie wahrnimmt – Pläne schmiedet und ihre Ideologien nicht nur untereinander verbreitet, sondern auch der kommenden Generation einpflanzt. Zersplittert in verschiedenen Fraktionen, die eine unterschiedlich radikale Vorgehensweise favorisieren, deutet Imperium verschachtelte Netzwerke an. Mit anzusehen, wie Nate Schicht für Schicht dieses Netzes abträgt, um dann festzustellen, dass sich noch viel mehr dahinter verbirgt, ist beeindruckend aufgebaut.

Filmemacher Ragussis verzichtet darauf, zu zeigen, ob sich Nate dieser Umgebung zunehmend verbunden fühlt. Es gibt keinen Konflikt seinerseits, dass er diejenigen Menschen wird verraten müssen, mit denen er so viel Zeit verbracht hat. Insofern kommen bestimmte Wandlungen mit bestimmten Nebenfiguren am Ende etwas plötzlich und es würde nicht wundern, wenn Imperium an sich einen bedeutend komplexeren Aufbau gehabt hätte.
In der vorliegenden Form deutet das Drehbuch viele Ebenen nur an, anstatt sie tatsächlich zu beleuchten. Auch wird nie deutlich, wie die in der Gesellschaft als Ingenieure, Ärzte oder Anwälte verankerten Extremisten ihren Alltag bestreiten. Spielen sie ihrer Umgebung dann etwas vor, oder versuchen Sie ebenfalls, das Meinungsbild der anderen zu färben?

Hier lässt das Dramaelement merklich an Tiefe vermissen, zumal abgesehen von Nate Foster kaum eine Figur über das offensichtlichste hinaus beleuchtet wird. Auch er bleibt abgesehen von einer äußerst plumpen Vorstellung, bei der Agentin Zamparo ihm seinen eigenen Lebenslauf in fünf knappen Sätzen vorhält, überaus blass. Dass wir uns dennoch für ihn interessieren, selbst wenn eine Bedrohung für seine Tarnung nur selten aufkommt, liegt an der zehrenden Darbietung von Daniel Radcliffe. Ihm kann man nur gratulieren, während Toni Collette bedauerlicherweise zu wenig gefordert ist.


Fazit:
Fehlt dem Film als Drama in gewisser Weise eine emotionale Wucht, kommt auch der Thrilleraspekt von Imperium nur wenig in Fahrt. Das liegt daran, dass es dem Film kaum gelingt ein Gefühl für die verstrichene Zeit zu erzeugen. Wissen wir zu Beginn, dass das hochradioaktive Caesium-Isotop gestohlen wurde, würde man auch vermuten, dass diejenigen, die es entwendet haben, es demnächst einsetzen wollen. Doch wie viel Zeit Nate undercover verbringt, wird nie klar. Ebenso ist die Bedrohung, dass er enttarnt werden könnte, zu selten greifbar. Aber auch wenn keine der beiden Genres vollends ausgelotet werden, das Porträt, das Daniel Ragussis zeichnet, ist nichtsdestoweniger beunruhigend und deshalb nicht nur auf Grund der tollen Darbietung von Daniel Radcliffe sehenswert.
 


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