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Ice Age 2 - Jetzt taut's [2006]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. Mai 2006
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: Ice Age: The Meltdown
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Carlos Saldanha
Musik: John Powell
Originalstimmen: Ray Romano, John Leguizamo, Denis Leary, Seann William Scott, Josh Peck, Queen Latifah, Will Arnett, Jay Leno, Chris Wedge, Peter Ackerman


Kurzinhalt:
Das Eis, das so lange Zeit bis zum Horizont reichte, scheint auf dem Rückzug. Zusammen mit einer Herde der unterschiedlichsten, urzeitlichen Tierarten haben es sich das Mammut Manny (Ray Romano), das Faultier Sid (John Leguizamo) und der Säbelzahntiger Diego (Denis Leary) in einem Tal gemütlich gemacht.
Doch die Idylle scheint vor einem jähen Ende zu stehen, denn ein gewaltiger Damm aus Eis, der das Wasser vom Tal fern hielt, scheint in Kürze zu brechen; so macht sich die Karawane auf den Weg ans andere Ende des Tals, wo laut zwielichtigen Aasgeiern ein Schiff auf die Tiere warten wird, das ihnen Sicherheit vor den Wassermassen verspricht. Unterwegs begegnen Manny – der das letzte Mammut zu sein scheint –, Sid und Diego der Mammutdame Ellie (Queen Latifah), die aus unerfindlichen Gründen der Meinung ist, sie wäre ein Opossum und die beiden kleinen Opossums Crash (Sean William Scott) und Eddie (Josh Peck) wären ihre leiblichen Brüder. Auch dieses Trio schließt sich der Gruppe an, die nicht ahnt, dass nicht nur das Wasser selbst, sondern Raubfische, die im Eis seit ewigen Zeiten eingeschlossen waren und nun durch die Schmelze freikommen, eine große Gefahr für sie darstellen. Die Zeit bis zum Bruch des Damms wird knapp, und auch Manny scheint die Zeit auszugehen, denn alle Versuche, Ellie näher zu kommen scheitern schon daran, dass sie denkt, sie wäre ein Opossum.
Von allen unbeobachtet versucht das Säbelzahneichhörnchen Scrat (Chris Wedge) im Tal verzweifelt, eine Nuss in seinen Besitz zu bringen – und bewegt sich dabei immer weiter auf den bald brechenden Damm zu ...


Kritik:
Vor vier Jahren gelang der Animationsschmiede Blue Sky Studios mit Ice Age [2002] ein Überraschungserfolg und der Durchbruch als eigenständiges Animationsstudio; zuvor hatten die Beteiligten bei "normalen" Hollywood-Produktionen wie Star Trek: Der Aufstand [1998] oder Fight Club [1999] für die Spezialeffekte gesorgt. Ice Age verblüffte die Zuschauer damals mit einer stellenweise hintersinnigen Geschichte vor einem interessanten Hintergrund – und einem "Gastdarsteller", der mit seiner nie enden wollenden Suche nach der großen Nuss die Lachtränen in die Augen des Publikums trieb.
Eine Fortsetzung war recht schnell nach Veröffentlichung beschlossen, und auch wenn das Studio mit Robots [2005] zuerst einen anderen Animationsfilm fertig stellte – wenn auch mit weniger großem finanziellem Erfolg – begannen die Arbeiten an Ice Age 2 vor beinahe vier Jahren. Nun mag man sich als Zuschauer fragen, weswegen diese lange Vorlaufzeit nicht dazu genutzt wurde, der Fortsetzung zu aller erst eine vernünftige Geschichte samt einem ausgereiften Drehbuch zu verpassen. Dass so viel Zeit auf eine Feinabstimmung der Technik verwendet wurde kann kaum sein, denn die sieht nicht bedeutend besser aus als in Teil eins.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, nach welchem Muster Filmemacher vorgehen, wenn sie sich daran machen, eine Fortsetzung ins Rollen zu bringen. Die Autoren von Ice Age 2 (und derer gab es immerhin drei) setzen die Geschichte des Films zweifelsohne bewusst einige Zeit nach dem ersten Film an, um sich auch später (ganz der Tradition von Disney entsprechend) die Option offen zu halten, die Zeit dazwischen mit anderen Filmen, Büchern oder Spielen auffüllen zu können.
So ist nicht so recht bekannt, wie das ungleiche Trio bestehens aus Manny dem Mammut, Sid dem Faultier und Diego dem Säbelzahntiger überhaupt in jenes kleine Freizeitparadies gekommen ist, noch wird irgendwann im Film darauf eingegangen, wovon sich die ganzen unterschiedlichen Kreaturen im Tal eigentlich ernähren. Nach einer merklich langen Exposition kommt die Geschichte schließlich in Fahrt, die dabei aber so einfach gehalten ist, dass sie selbst einem Kinderpublikum zu simpel sein dürfte – selbst die Macher scheinen erkannt zu haben, dass die Story für einen abendfüllenden Spielfilm kaum ausreicht, anders ist es nicht zu erklären, dass innerhalb von 10 Minuten zwei Musical-Einlagen im Film zu sehen sind, die aber eigentlich überhaupt nicht notwendig wären.
Die komödiantischen Highlights liefert dabei einmal mehr der Eiszeitnager Scrat und sein verzweifeltes Bestreben, das Objekt seiner Begierde endlich in Händen halten zu können. An Einfallsreichtum sind diese Episoden auch kaum zu überbieten und es ist unverständlich, dass sich das Studio entschloss, zwei der Szenen beinahe 1:1 in den Trailern zum Film zu zeigen. Auch das Faultier Sid sorgt immer wieder für witzige Momente, auch wenn einem als Kenner des ersten Films auffallen wird, dass gerade Sids pseudo-witzigen Sprüche und Gesänge darüber, dass Manny vermutlich das letzte Mammut auf Erden ist, nicht wirklich witzig klingen, sondern vielmehr verletzend, taktlos und bösartig. Über dieses Stadium hatte sich die Figur im ersten Film bereits hinaus entwickelt und es ist unverständlich, weswegen die Autoren den Charakter hier stellenweise noch bedeutend einfältiger gestalten, als im Vorgängerfilm.
Es verwundert zudem, dass in Ice Age 2 die Tiere weit weniger animalisch gezeigt werden, als noch vor vier Jahren. Waren sie damals in ihren Bewegungen und Haltungen großteils noch von ihrer physischen Erscheinung beschränkt, haben sich die Macher hier dazu entschlossen, den Comic-Anteil bei den Figuren gewaltig nach oben zu schrauben. So sieht man nun, dass Mammuts die weltbesten Taucher sind und außerdem gekonnt auf Bäume klettern können. Dass verschiedenste Urzeitviecher eine Wildwasserbahn außerdem zu schätzen wissen, fällt dabei ebenso wenig ins Gewicht, wie dass es urplötzlich blaue und grüne Mammuts und Faultiere während der Eiszeit gab.
In Ice Age erfuhr man als Zuschauer immerhin ein wenig über die natürliche Umgebung und die Gewohnheiten der gezeigten Tiere, all das haben die Macher bei der Fortsetzung über Bord geworfen und präsentieren einen comiclastigeren Film, der aber inhaltlich bedeutend weniger Substanz besitzt. Die Entwicklung der Figuren ist absehbar und die Erkenntnis von Ellie so unspektakulär wie löchrig – die Story selbst erscheint aber viel zu einfach und formelhaft, so dass abgesehen von den gelungenen Scrat- (und mitunter auch Slapstick-) Einlagen hauptsächlich Kinder auf ihre Kosten kommen werden.

Viel Kritik mussten vor vier Jahren die Sprecher des ersten Blue Sky Studios-Spielfilms über sich ergehen lassen, insbesondere wenn man sich das exzellente Voice-Acting der oscarprämierten Disney/Pixar-Animationsfilme ansieht.
Diesbezüglich gibt es für die Fans der Originalfassung eine gute Nachricht, denn sowohl John Leguizamo, der dem Faultier Sid die Stimme leiht, als auch der Sprecher von Diego, Denis Leary, scheinen bedeutend engagierter, als im Vorgänger. Einzig der Comedy-Star Ray Romano (Alle lieben Raymond [1996-2005]) macht erneut einen recht künstlichen Eindruck. Sind sie zu dritt zu hören, beziehungsweise zu sehen, scheint das Zusammenspiel aber gut zu klappen, wobei die Szenen mit Leguizamo und Leary stimmiger klingen.
Mit Queen Latifah fand sich zudem eine weitere bekannte Aktrice im Tonstudio ein, und auch sie macht eine ordentliche Arbeit, auch wenn man sich wünschen würde, sie hätte ein paar ruhige, bedächtige Momente zugeschrieben bekommen, die ihr mehr Talent abverlangt hätten.
Seann William Scott und Josh Peck überzeugen zwar als Opossum-Brüder, auch wenn die Einführung ihrer Figuren so überdreht wie unpassend nervig geraten ist. Dass Scrat ohne die von Chris Wedge beigesteuerten Geräusche nur halb so witzig wäre, steht außer Frage, und man kann ihm für seine gelungene Arbeit nur danken.
Auch der Entertainer Jay Leno, der bereits in Robots einen Gastauftritt genoss, liefert eine tadellose Darbietung ab. Die stimmliche Besetzung erreicht in der Tat nicht die Klasse von Pixars Monstar AG [2001] oder Toy Story [1995], leistet aber gute Arbeit und wirkt deutlich motivierter, als im ersten Film.

An der handwerklichen Umsetzung gibt es an sich nichts zu bemängeln, Kamera und Schnitt sind routiniert, wenn auch überraschend statisch; von den bewegten Kamerafahrten bei Pixars Die Unglaublichen – The Incredibles [2004] oder DreamWorks Animations Madagascar [2005] ist hier nichts zu sehen; ein so authentisches Filmflair wie in Final Fantasy – Die Mächte in Dir [2001] sucht man ebenfalls vergebens. Die Inszenierung ist somit klassisch, aber wenig einfallsreich und lediglich beim Finale mit den Geysiren gibt es Bilder zu sehen, die einem im Gedächtnis bleiben.
Die Technik selbst ist aber in Hinblick auf die Konkurrenztitel enttäuschend und gegenüber Ice Age kaum verbessert. Die Animation der Figuren scheint flüssiger und unverständlicherweise bei den Mammuts eher auf die Muskelpartien der Tiere zugeschnitten als beim Säbelzahntiger Diego. Die Hintergründe sind allerdings so karg geraten, dass man sich sehnsüchtig an die üppigen Dschungelszenarien bei Die Unglaublichen erinnert; der Boden und das Eis wirken in den meisten Bildern einfach texturiert und ohne wirklich nennenswerte Oberflächenmerkmale. Auch das Wasser im Film macht einen uneinheitlichen Eindruck, wobei die Wasserspritzer schlichtweg nicht überzeugen können. Das fließende Wasser bei der Flut und auch die Unterwasser-Aufnahmen sehen hingegen wirklich sehr gut aus, ebenso das nasse Mammut-Fell. Auch Scrats Fell scheint detaillierter als in Teil eins, wohingegen Sid und Diego gar nicht verändert wirken. Ein Highlight ist außerdem der Kurzauftritt des Mammut-Babys, das als einzige Figur im Film so knuffig und knuddelig ausgefallen ist, wie man es unter anderem von Pixars Protagonisten gewohnt ist.
Technisch hinterlässt Ice Age 2 für versierte Zuschauer also einen zwiespältigen Eindruck und scheint schlichtweg nicht auf der Höhe der Zeit, auch wenn Madagascar noch weniger zu bieten hatte.

Weswegen die Produzenten nicht erneut David Newman für die Musik engagierten, ist unverständlich, immerhin unterstützte sein gelungener Score im ersten Film gekonnt die ruhigen, wie die temporeichen Sequenzen.
John Powell gibt sich zwar Mühe, die im ersten Film eingeführten Themen mit einzuweben – so ist sowohl das Trek-Thema, wie auch die Melodie, die bei Mannys Erzählung in Ice Age zu hören ist hier vertreten – etabliert dabei aber kein eigenständiges Leitmotiv für den Score. Die Musik passt gut zu den Szenen und bietet sowohl gelungene laute, wie auch leise Stücke, ist aber im Film generell eine Nuance zu laut eingespielt.
Denkt man außerdem an Powells kongenialen, weil witzigen, einfallsreichen, verspielten, temporeichen und doch pointiert kraftvollen Soundtrack zum Animationsknetfilm Chicken Run - Hennen rennen [2000] kann man nicht umhin zu bemerken, dass kein Thema von Ice Age 2 im Gedächtnis bleibt, sobald man das Kino verlassen hat.

Was man nach den eineinhalb Stunden aus dem Kino mitnimmt sind viele Eindrücke, von denen einem die meisten schon bekannt vorkommen. Die Story ist freundlich ausgedrückt sehr schlicht und dabei ebenso zusammenhanglos wie mit Fragen versehen, die nie beantwortet werden. Die Figuren wirken im Vergleich zu Teil eins mitunter noch weniger weit entwickelt und auch die Gags zünden nicht immer. Weswegen die flache Geschichte außerdem auf 90 Minuten ausgewalzt werden musste – was nur durch überflüssige Szenen wie die immens lange Einführung der Opossums oder die Musical-Einlagen gelang – wird das Geheimnis der Macher bleiben, im Gedächtnis haften bleibt aber wie zu erwarten war Scrat und seine irrwitzigen Abenteuer.
Davon abgesehen kommt einem bei Ice Age 2 alles irgendwie vertraut vor, ohne aber richtig Charme entwickeln zu können und sollten sich die Macher angesichts des durchschlagenden Erfolgs für einen dritten Teil entscheiden, sollten sie sich erst um ein vernünftiges Drehbuch kümmern – mit der nicht ganz aktuellen Tricktechnik kann man sich als Zuschauer ohne weiteres anfreunden, mit so wenig Substanz als erwachsener Zuschauer aber kaum.


Fazit:
Die Sprecher wirken sichtlich motivierter als vor vier Jahren und auch die Technik hat sich ein wenig verbessert, wenn auch keine Quantensprünge zu sehen sind. Dass aber die Entwicklung Figuren auf der Stelle tritt oder gar einen Rückschritt macht ist schlichtweg ärgerlich. Ebenso wie das unausgegorene Drehbuch, dem es nicht einmal gelingt, die alles entscheidende Frage am Ende zu beantworten: Was machen die Tiere nun, da das Eis geschmolzen ist?
Es ist bedauerlich, dass momentan einzig das Animationsstudio Pixar in der Lage scheint, eine Geschichte zu erzählen, die sowohl Kinder, als auch Erwachsene unterhält, sie dabei aber auf ganz verschiedenen Ebenen anspricht. Hinter Ice Age 2 verbirgt sich ein Kinderfilm und als solcher ist er auch gelungen – nur im Vergleich zu Teil eins weit weniger einfallsreich und mit kaum erinnernswerten Szenen.
Die wirklich erstklassigen Episoden mit dem Eiszeitnager Scrat hätte man sich ebenso gut als Vorfilm bei anderen Kinostarts vorstellen können. Hier hat es vielmehr den Eindruck, als hätten die Filmemacher ihren Film um diese Sketche herum gestrickt – und das im Hinblick auf Ice Age weit weniger erfolgreich, wenn auch unterhaltsam.


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