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Hercules (Extended Cut) [2014]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Mai 2015
Genre: Action / Fantasy

Originaltitel: Hercules
Laufzeit: 101 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Brett Ratner
Musik: Fernando Velázquez, Johannes Vogel
Darsteller: Dwayne Johnson, Ian McShane, John Hurt, Rufus Sewell, Aksel Hennie, Ingrid Bolsø Berdal, Reece Ritchie, Joseph Fiennes, Tobias Santelmann, Peter Mullan, Rebecca Ferguson, Isaac Andrews


Kurzinhalt:

Er ist eine Legende: Herkules (Dwayne Johnson), Sohn von Göttervater Zeus und damit Halbgott, hat Abenteuer bestanden, die Stoff von Sagen sind. Zu verdanken hat er das unter anderem seinem Neffen Iolaus (Reece Ritchie), der die Geschichten so lebendig erzählt, dass Herkules' Ruf ihm schon vorauseilt. Von Ergenia (Rebecca Ferguson), Tochter des Königs von Thrakien, Cotys (John Hurt), wird Herkules gebeten, das Land gegen den plündernden Rhesus (Tobias Santelmann) und seine Armee zu verteidigen. Ihm werden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, sodass er seine Gegner verhext und für sich kämpfen lässt. Herkules willigt ein, nicht ahnend, in welche Art Konflikt er damit eingreift ...


Kritik:
Sieht man sich den Trailer zu Hercules nach dem Film an, dann ist es, als hätten die Ersteller der Vorschau einen anderen Film bewerben wollen als den, den man gerade gesehen hat. Auch wenn die Gründe nachvollziehbar sind, umso bedauerlicher, dass Regisseur Brett Ratner nicht die Art leichtfüßige, übertriebene Fantasy-Action gelungen ist, die einem versprochen wird. Stattdessen verliert sein Film nach dem ersten Drittel aus den Augen, was er eigentlich sein wollte, oder hätte sein können.

Zu Beginn blitzt dabei so viel Selbstironie durch, dass man fast übersehen könnte, welche durchaus treffenden Aussagen der Film eigentlich trifft. Von Piraten gefangengenommen, erzählt Iolaus, der Neffe des legendären Herkules, von dessen 12 Aufgaben, die der Sohn des Göttervaters Zeus und einer Menschenfrau bewältigt hat. Es sind Sagen, die viele der Piraten und vermutlich jeder Mann, Frau und Kind im ganzen Land schon gehört hat. Entsprechend verunsichert sind die Kämpfer, als Herkules aus den Rauchschwaden auf sie zutritt. Bei dem darauffolgenden Kampf ist Herkules jedoch nicht allein – der Trupp, der nie von seiner Seite weicht, ist kampferfahren und selbst in Unterzahl sind sie den Angreifern mühelos gewachsen. Herkules selbst ist eine Legende, aber an sich ist alles ein Schwindel.

Die Ausgangslage ist so einfallsreich wie interessant. Umso mehr, da Hercules mit allen Mythen und Sagengestalten aufräumt, gegen die der Halbgott bereits in die Schlacht gezogen sein soll. Als er mit seinem Gefolge als Söldner von König Cotys von Thrakien angeheuert wird, um den tyrannischen Rhesus zur Strecke zu bringen, der auf dem Vormarsch sein soll, steigt somit die Anspannung. Immerhin ist Herkules ein Mensch aus Fleisch und Blut wie jeder andere. Doch nachdem er sich mit Cotys schnell trainiertem Heer Rhesus' Schergen beim Stamm der Bessi stellt, entwickelt sich der Film in eine andere, sehr vorhersehbare Richtung.

Sie vorwegzunehmen würde heißen, all denjenigen den Spaß am Zusehen zu nehmen, die unvoreingenommen Herkules' Abenteuer gegenüberstehen. Nur so viel sei verraten, nachdem das Drehbuch den heldenhaften Herkules sogar als Marketing-Artikel ausschlachtet, indem Rüstungen, Helme und Schwerter an die Soldaten ausgegeben werden, mit denen sie besser kämpfen sollen, beginnt Hercules in der zweiten Filmhälfte, sich viel ernster zu nehmen, als ihm gut tut.
Gleichzeitig nimmt die Qualität der Spezialeffekte sichtbar ab, so dass man sich stellenweise beinahe an Dwayne Johnsons unsäglichen Auftritt als Skorpionkönig in Die Mumie kehrt zurück [2001] erinnert fühlt. Je mehr die Selbstironie zurückgefahren wird, umso unpassender sind die klischeebeladenen Dialoge und die uninspirierten Actionszenen. Die austauschbare Musik tut ihr übriges dazu.

Steht die Armee Thrakiens Rhesus Kämpfer gegenüber, erinnert das allein vom Aussehen her zunehmend an unzählige computergenerierte Schlachten, wie man sie seit Der Herr der Ringe [2001-2003] unzählige Male gesehen hat. Die um drei Minuten erweiterte Fassung von Hercules zeigt dabei deutlich mehr Blut als die Kinoversion, doch gerade bei der anfänglichen Bessi-Schlacht wiederholen sich die Einstellungen so oft, dass man sich fragen muss, ob Regisseur Ratner unbedingt auf eine Laufzeit größer 90 Minuten kommen musste. Die interessanteren, neu hinzugefügten Szenen betreffen Herkules' Hintergrund mit seiner Familie. Auch hier stellt sich die Frage, weshalb der Film im letzten Drittel alle offenen Fragen beantworten muss, anstatt sich Ideen für weitere Geschichten offen zu halten.


Fazit:
Interessenten sollten vorgewarnt sein, dass Hercules nicht die Legenden nacherzählt, sondern danach ansetzt. Die Comicverfilmung präsentiert eingangs einen Helden, der an sich keiner ist, ehe auch dieser Ansatz am Ende über Bord geworfen wird. Im ersten Drittel ist das dank der leichtfüßigen Erzählung und des gelungenen Humors durchaus unterhaltsam, doch je ernster der Film wird, umso vorhersehbarer wird er auch.
Dwayne Johnson als Herkules zu besetzen, ist nicht nur die logischste, sondern auch die beste Entscheidung von Filmemacher Brett Ratner. Seine Actioninszenierung ist teils fahrig, meist jedoch so altbekannt, dass nie wirklich Spannung aufkommt. Die zunehmend offensichtlicher werdenden Spezialeffekte erinnern an die gleichnamige Fantasy-Serie aus den 1990er-Jahren. Für ein "guilty pleasure" ist das nicht trashig genug, für empfehlenswert gute Actionunterhaltung reicht es aber auch nicht.    


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