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Hautnah - Die Methode Hill: "Verlorene Seelen" [2006]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 09. November 2007
Genre: Krimi

Originaltitel: Wire in the Blood: "Hole in the Heart"
Laufzeit: 82 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: A.J. Quinn
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Simone Lahbib, Mark Letheren, Emma Handy, Peter Sullivan, Mark Penfold, Daud Shah, Michael Cochrane, Felix Scott, Anthony Debaeck, Aaron Crisp, Bob Kingdom


Kurzinhalt:
Für den Psychoanalytiker Dr. Tony Hill (Robson Green) geht die Verwandlung von Kurt Merrick (Felix Scott) an sich zu schnell. Erst vor wenigen Tagen hat Tony den jungen Mann davon abgehalten, von einem Hochhaus zu springen. Und nach einigen Sitzungen hat er seine depressive Phase bereits überwunden – und befindet sich auf einem Höhenflug.
Während der Polizeiberater darüber noch grübelt, wird er schon zum Tatort eines neuen Falles gerufen. Doch Tonys Analysen gefallen der Ermittlerin Alex Fielding (Simone Lahbib) und ihrem Team nicht. Tony vermutet Mord mit anschließendem Selbstmord und sieht die Ursprünge in einem Sektenritual. Wenig später geschieht ein ähnlich grausames Verbrechen.
Es scheint fast so, als würde ein Unbekannter im Hintergrund diese Mord-Selbstmord-Attentate befehligen, doch zu welchem Zweck? Als sich schließlich das genaue Ausmaß der Serie offenbart, stehen weit mehr Leben auf dem Spiel ...


Kritik:
Diejenigen Zuschauer, die eine Serie schon länger verfolgen, werden grundsätzlich hellhörig, wenn urplötzlich Figuren vorgestellt werden, die entweder sehr detailliert ausgearbeitet werden, oder aber mit der Hauptperson auch noch bekannt sind – zuvor aber nie erwähnt wurden. Meist hat dies zur Folge, dass die entsprechende Figur nicht nur im fortlaufenden Fall eine große Rolle spielt, sondern auch eine der Schlüsselcharaktere zur Auflösung sein wird.
Leider schafft es der jüngste Fall aus der Reihe Hautnah – Die Methode Hill nicht, dieses Klischee zu brechen und gestaltet sich somit trotz einer eigentlich sehr packenden und auch interessanten Handlung dennoch vorhersehbar – mit einer überraschenden Wendung am Schluss.

Das Skript selbst setzt einmal mehr auf den unterdrückten Voyeurismus des Zusehers und präsentiert besonders ausgefallene und auch grausame Mordszenarien, die zwar nicht gezeigt, aber im Nachhinein mehrmals beleuchtet werden. So bekommt man im Vorfeld lediglich die Vorbereitungen gezeigt und auch die Opfer nach der Tat; die erschreckendsten und brutalsten Bilder entstehen allerdings im Kopf des Publikums.
Dank der grundsätzlich sehr gelungenen Dialoge und der verschiedenen Persönlichkeiten, die hier sehr weit ausgearbeitet werden vermag die Vorlage durchaus zu überzeugen, zumal die religiös-fanatischen Hintergründe leider universell den Zahn der Zeit treffen. Und das nicht nur im Bezug auf solche Sekten im Nahen Osten, sondern in allen Teilen der Welt – und mit ungeahnten Kräften auch in unseren Breiten. Und doch spielen sich viele Zufälle ab in Verlorene Seelen. Wer sich damit arrangiert, kann sich auf die spannende Dramaturgie des TV-Films einlassen und wird hier nicht enttäuscht. Mit jedem neuen Opfer steigt nicht nur der Einsatz, sondern verdichten sich auch die Anzeichen für den größten Coup des schemenhaften Hintermanns, der diese Todesboten auf ihre grausamen Missionen schickt.
Das Finale schließt dabei erfreulicherweise wieder einen Bogen zum Beginn des Films – und greift damit das Thema Suizid wieder auf, das sich wie ein roter Faden durch den Fall zieht. Manche Elemente mögen dabei nicht wirklich notwendig gewesen sein, nichtsdestotrotz zeichnet sich der dritte Fall der Staffel durch eine straffe Erzählung und eine erfreulich komplexe Geschichte aus, die man mit einigen wenigen Änderungen so auch problemlos auf der großen Leinwand hätte zeigen können.

Dass Verlorene Seelen auch trotz der kleinen Mängel zu überzeugen vermag, liegt wieder einmal an den Darstellern, die ihre Sache nicht nur sehr gut machen, sondern ihren Rollen auch durch subtile Momente Tiefe verleihen. Dass Emma Handy keine emotionalen Nachwirkungen oder nicht einmal körperliche Male von ihren Strapazen der letzten Ermittlung davon getragen hat, ist leider ein Phänomen, das man bei vielen Serien beobachten kann, die von keinem zentralen Autorenstab koordiniert werden – das hätte man ausnutzen müssen und können, um die Figur voran zu bringen.
Gerade Tony Hill–Darsteller Robson Green macht seine Sache aber erneut gut, zieht den Zuschauer durch seine fast schon greifbaren Gedankengänge bei den Brainstorming-Versuchen in seinen Bann und lässt seine Figur in den letzten Minuten in einem Gefühlschaos zurück, das die Wartezeit zur nächsten Episode noch länger erscheinen lässt.
Doch auch Simone Lahbib mimt ihre Rolle mit der gewohnten Überzeugung und darf wieder kleine Details zu ihrem Charakter offenbaren, die sich mit der Zeit zu einem größeren Gesamtbild zusammenfügen werden.
Bei den Nebendarsteller Peter Sullivan, Mark Penfold, Daud Shah, Michael Cochrane, Felix Scott und Anthony Debaeck lassen sich ebenfalls keine Schwachpunkte ausmachen.

Handwerklich versucht sich Regisseur A.J. Quinn an einer anderen Herangehensweise als bei den ersten beiden Fällen dieser Staffel. Statt auf eine ständig wackelnde Handkamera und kaum nachvollziehbare Schnittfolgen zu setzen, baut er auf eine besonnene, ruhige, beinahe schon lethargische Inszenierung, die mit vielen Zeitlupen, längeren Einstellungen und in Bezug auf die Morde schon rituelle Perspektiven setzt.
Somit verstärken sich die Eindrücke einer brutalen Sekte auch auf unterbewusster Ebene, insbesondere, wenn man die besonnene Methodik der Attentäter beobachtet.
An Kamera und Schnitt gibt es eigentlich nichts zu bemängeln, außer dass gerade die Rückblenden zu den Taten ein wenig zu oft eingestreut werden, und so auch effekthascherisch wirken.

Die Musik von The Insects passt auf Grund der atmosphärischen Elemente nicht nur sehr gut, sondern unterstreicht auch die unheimliche Stimmung des Falles noch zusätzlich – nicht zuletzt dank der choralen Klänge. Gleichzeitig werden die bekannten Themen zu Hill selbst und der Reihe wieder eingebracht, um einen Bezug zu den übrigen Episoden herzustellen.

Was bleibt ist ein durchweg gelungener Fall, der aber mit einigen Änderungen noch ein Stück besser hätte sein können. Es ist dennoch erstaunlich, wie zielsicher die Autoren und Darsteller hier an ihren Figuren feilen, ohne sich solche Fehltritte zu leisten, wie sie in anderen Serien öfters vorkommen. Dass die Aktualität des Themas bei Verlorene Seelen eine große Rolle spielt, steht außer Frage und der TV-Krimi spielt gerade deshalb mit den Ängsten der Zuschauer – vor einem solchen Anschlag ist man nicht nur nie gewarnt, sondern auch nie sicher.


Fazit:
Die Figur des Tony Hill wirkt auf Grund seiner autistischen Charakterzüge immer ein wenig unnahbar und distanziert – selbst bei den grausamsten Taten eher von der Motivation und des Geisteszustands der Täter fasziniert, als mit den Opfern und ihren Hinterbliebenen mitfühlend. Umso wichtiger sind deshalb die letzten Momente des Falls, die nach langer Zeit wieder einmal eine Veränderung im Verhalten des Psychoanalytikers anklingen lassen.
Der Fall selbst zeichnet sich einerseits durch seine spannende Dramaturgie, andererseits durch wirklich gute Darstellerleistungen in allen Bereichen aus. Auch die Dialoge können überzeugen, ebenso wie die Hintergründe der Taten. Und doch sind es die vielen Zufälle in Verlorene Seelen, die Stammzuschauern hier ein wenig die Unterhaltung trüben. So sind einfach zu viele bekannte Figuren verstrickt, ohne dass hierzu jemals zuvor etwas angekündigt worden war.
Dank der letzten Momente kann der Fall dieses Manko allerdings wiedergutmachen und überzeugt als bislang beste Ermittlung des noch jungen Teams Hill/Alex Fielding. Schön wäre es, wenn das Staffelfinale dies noch übertrifft.


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