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Hautnah - Die Methode Hill: "Schlussblende" [2002]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Dezember 2003
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: Wire in the Blood: "Shadows Rising"
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: -

Regie: Nick Laughland
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Mark Letheren, Alan Stocks, Mark Penfold, Doreene Blackstock, Tom Chadbon, John Michie, Doon Mac Kichan, Tom Fisher


Kurzinhalt:
In einem abgeschiedenen See wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, der Mord an ihr liegt allerdings schon Jahre zurück. Jegliche Hinweise wurden durch das Wasser zerstört – so zieht Polizeipräsident John Brandon (Tom Chadbon) den Psychologen Tony Hill (Robson Green) zu Rate. Als eine zweite Leiche im See gefunden wird, vermutet Hill einen Serienmörder.
Gleichzeitig arbeitet Carol Jordan (Hermione Norris), die seit ihrer letzten Zusammenarbeit mit Hill nicht viel von ihm gehört hat, an einem anderen Fall, in den das berühmte Moderatorenpaar Jack (John Michie) und Amanda Vance (Doon Mac Kichan) verwickelt sind. Allem Anschein nach trachtet jemand Amanda nach dem Leben und wird zunehmend gewalttätiger. Als eine enge Mitarbeiterin der Moderatoren in ihrem Haus ermordet wird, droht die Situation zu eskalieren – doch Hill entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen dem Stalker, der Amanda Vance nachstellt, und den Morden an den Mädchen im See.


Kritik:
Sapphismus – lesbische Liebe; daran ist nichts Verwerfliches, auch wenn es in manchen Gesellschaften immer noch als etwas "Abartiges" ausgegrenzt wird. Die meisten Männer können die Liebe unter Frauen sogar leichter akzeptieren, als Homosexualität unter Männern. Und doch hat man beim Ansehen von Schlussblende, dem zweiten Teil der Methode Hill-Reihe, das Gefühl, als würden die Macher diese "schmutzigen Triebe" in höchstem Maße verurteilen.
Den Engländern haftet wie den Amerikanern das Klischee der Homophobie an, die in allen anderen Ländern jedoch ebenso (stark) vertreten ist. Dass gerade die Krimis in Buch- oder Filmform Klischees, die sich daraus ergeben, immer bestätigen müssen, ist nicht nur ärgerlich, es ist schlicht und ergreifend unzeitgemäß. Bereits im Lied der Sirenen [2002] wurde ein abwertender Blick in die Schwulenszene geworfen, und die Beteiligten als potentiell gefährlich und sadomasochistisch veranlagt dargestellt. Im zweiten Fall geht man da sogar noch einen Schritt weiter: Nicht nur, dass Homosexuelle Männer offensichtlich gewaltbereit- und gewaltwillig sind, Lesben kommen nicht viel besser weg. Die wenigen Szenen, die eine lesbische Liebschaft porträtieren, werden mit erhobenem Zeigefinger dargestellt und lassen das alles in einem "schmutzigen Licht" erscheinen.
Man hat beinahe das Gefühl, als würden alle Verbrechen in England von Schwulen begangen.

Das ist auch gleichsam das Hauptproblem des Skripts, das sich in der ersten Stunde hauptsächlich darauf versieht, den Hintergrund des vermeintlichen Täters zu beschreiben und alle Urängste der Zuschauer betreffend der Homosexuellen zu schüren. Als später jedoch klar wird, dass Hill einen Fehler beging, kommt urplötzlich wirklich beklemmende Spannung auf, gleichwohl sich alles immer noch wie eine Klischeeversammlung anfühlt.
Der eigentliche Ausgangspunkt ist dabei nicht schlecht gewählt, die Idee zwei völlig unterschiedliche Fälle zusammenzuführen ist zwar nicht neu, aber interessant genug. Und auch die Tatsache, dass Hill und Jordan seit den Geschehnissen des ersten Teils nicht mehr miteinander gesprochen haben, lässt viel Raum für Charakterentwicklungen offen – wenn es die denn gäbe. Doch am Ende der 95 Minuten befindet sich die Beziehung zwischen Hill und Jordan genau an dem Punkt, an dem sie begann.
Eine Weiterentwicklung bekommt man hier leider ebenso wenig geboten wie irgendwelche Hintergrundinformationen zu den beiden Hauptcharakteren. Wo die Lynnley Mysteries sehr viel Zeit darauf verwandten, den Hintergrund des Ermittlerduos in den Vordergrund zu stellen, sieht es bei der Methode Hill leider sehr düster aus. Möglich, dass dies in den Romanen anders gewichtet ist, doch die Filmumsetzung kostet es Glaubwürdigkeit.
Das heißt nicht, dass Hill und Jordan nicht weiterhin sympathisch wären, ganz im Gegenteil; besonders Hill überzeugt nach wie vor durch seine Natürlichkeit, doch etwas mehr an Privatem hätte sicher nicht geschadet.
Der Rest des Drehbuchs scheint gerade aus dem Grund unnötig in die Länge gezogen, besonders da in den ersten 60 Minuten bis auf ein, zwei Angriffe nicht viel geschieht. Die Dialoge können immerhin überzeugen.

Die Darstellerleistungen einzuschätzen gestaltet sich leider sehr schwer, und das nicht auf Grund dessen, was sie zeigen, sondern was man im Deutschen zu hören bekommt. Während Robson Green routiniert synchronisiert wurde, und Hermione Norris immer noch ordentlich aus dem Lautsprecher tönt, sieht es mit den anderen Darstellern leider nicht so rosig aus.
Insbesondere Mark Letheren als Kevin Geoffries und Alan Stocks als Don Merrick wirken fade und leblos, ebenso Doreene Blackstock, die ohnehin kaum zu sehen ist.
Einzig Tom Chadbon kann überzeugen, doch seine Rolle würde man sich ebenfalls größer wünschen.
Es ist traurig zu sehen, wie eine sterile und lieblos-lustlose Synchronisation einen Film abwerten kann, da helfen auch die sauber übersetzten Dialoge nicht.

Die Inszenierung wirkt ebenso solide, auch wenn mit einigen brutalen Szenen nicht gegeizt wird. Die malerische und melancholische Landschaft hätte man jedoch mehr mit einbeziehen können.
Die Gespräche werden sehr statisch eingefangen, sind dafür aber auch sauber geschnitten. Einen besseren Spannungsaufbau hätte man sich durchaus gewünscht.
Alles in allem ist die Umsetzung routiniert gelungen, was nicht negativ zu verstehen ist.

Die Musik hält sich einmal mehr angenehm im Hintergrund, und einmal mehr kommt das Grundthema leider sehr wenig zur Geltung.

Wer sich nach den eineinhalb Stunden Thriller-Unterhaltung im Sessel räkelt wird feststellen, dass die erhoffte Steigerung seit dem ersten Teil leider ausgeblieben ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, mehr Zeit zwischen den Dreharbeiten verstreichen zu lassen, anstatt die Serie wirklich als solche abzudrehen. So beweisen die Macher nicht genügend Mut, ihren Charakteren Hintergrund zu verleihen, oder ihre Beziehung zu vertiefen.
Stattdessen badet der Fall zu Beginn in Klischees, um anschließend völlig neue Wege zu gehen. Das ist zwar durchaus überraschend und dreht die Spannungsschraube auch merklich nach oben, doch wirken die Ermittlungen zu lang und zu unschlüssig.
Was der Titel Schlussblende mit der Geschichte zu tun hat ist überdies schleierhaft.


Fazit:
Die Gefahr ist groß, an dieser Stelle das Fazit von Das Lied der Sirenen zu wiederholen. Erneut ist es Robson Green zu verdanken, dass man aufmerksam bei der Sache bleibt, und erneut wirkt der Fall, den das Ermittlerteam bearbeitet wie aus Versatzstücken bekannter Fälle zusammengesetzt. Die Methoden, die zur Lösung führen sind weder innovativ, noch neuartig, stattdessen ahnt man zu Beginn des Finales schon, wie das Ganze ausgehen wird.
Zum Abschalten ist es zu interessant, angesichts anderer Thriller-Serien-Kost im TV wundert es aber nicht, dass der britische Sender einige Zeit brauchte, um sich über eine mögliche Fortsetzung der Reihe klar zu werden.


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