skip to content

Hautnah - Die Methode Hill: "Ich bin dein Erlöser" [2004]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. November 2004
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: Wire in the Blood: "Sharp Compassion"
Laufzeit: 85 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Terry McDonough
Musik: The Insects
Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Mark Letheren, Jane Dixon, James Lailey, Alan Stocks, Emma Handy, Tom Chadbon, Sally Edwards, Mark Penfold


Kurzinhalt:
Cindy Benson (Jane Dixon) wird mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert; der Täter ist von Tony Hill (Robson Green) schnell ausgemacht und einem schnellen Abschluss des Falles durch Carol Jordan (Hermione Norris) steht nichts im Weg – doch Benson stirbt in der folgenden Nacht, wie es scheint auf Grund einer Komplikation im Hospital.
Doch Hill und Jordan forschen weiter und entdecken einen Mörder in den Reihen des Krankenhaus-Personals, der in den letzten Wochen mehrere Menschen auf dieselbe Weise umgebracht hat. Während die Indizien auf einen geplanten, islamischen Terroristenangriff deuten, sieht Hill den Täter mit anderen Motiven. Dabei vergisst der Doktor, dass er auch an der Universität eine Arbeitsstelle hat, die ihm aber auf Grund der ständig verschobenen Vorlesungen und seiner häufigen Abwesenheit gekündigt werden soll.
Als sich das Innenministerium in die Ermittlungen einschaltet, eskaliert der Fall und Tony Hill bleibt nicht viel Zeit, den Täter aufzuspüren – als auch noch Polizeichef Brandon (Tom Chadbon) erkrankt, fehlt Jordan zudem jegliche politische Rückendeckung.


Kritik:
Mit sechs Millionen Zuschauern bei der britischen Erstausstrahlung im Frühjahr war Ich bin dein Erlöser zwar nicht die stärkste Episode der zweiten Staffel, konnte aber dennoch die Spitzenposition als meist gesehene Sendung zu der Uhrzeit behaupten. Danach ging es in die Sommerpause, ehe im September diesen Jahres die Dreharbeiten an der dritten Staffel begannen, die im Frühjahr 2005 auf der BBC ausgestrahlt wird. Als Fan kann man hierzulande nur hoffen, dass das ZDF erneut so schnell reagiert, wie bei der zweiten Season, denn mit Terry McDonoughs Fernsehfilm überzeugt Hautnah einmal mehr durch eine gute, überraschende Geschichte, sehr guten Figuren und einer spannenden Umsetzung – auch wenn der Film optisch mehr verwirrt, als überzeugt.

Das Skript aus der Feder von Niall Leonard verblüfft dabei schon in den ersten Minuten mit einer gar nicht unüblichen Einstellung: Back to the roots. Leonard verlässt sich darauf, dass die Zuschauer wieder ein Gefühl dafür bekommen wollen, wie es in Tony Hills Kopf aussieht, wie er sich in den Verstand des Mörders hinein versetzt, aber auch, wie er darunter leidet, gefangen in Vorstellungen, die er nicht unterdrücken kann – an sich ist er das Opfer seiner Begabung, was im Verlauf der 85 Minuten auch sehr gut herausgearbeitet wird. Dass Hill grundsätzlich eine tragische Figur ist, wird an einer kurzen Bemerkung seinerseits sehr deutlich, wenn er meint, dass er eigentlich Menschen heilen wollte. Man kann nur hoffen, dass die Autoren das zum Anlass nehmen, ihn in der dritten Staffel weiter zu beleuchten und vielleicht sogar seine Vergangenheit mehr heraus zu stellen.
Die übrige Story um einen Mörder im Krankenhaus beherbergt nicht nur ein klaustrophobisches Panikgefühl, das wohl jeden Zuschauer bei der bloßen Vorstellung eines derartigen Täters überkommt, sondern ist auch wendungsreich und interessant umgesetzt. Die falschen Fährten führen den Zuschauer regelmäßig aufs Glatteis, die Kritik an den vorschnellen und kurzsichtigen Geheimdienstpraktiken, die nur um den eigenen Ruf bemüht sind und anschließend erwarten, dass die Polizisten für ihre Fehler gerade stehen, ist geschickt eingebaut und auch das Team um DCI Jordan kommt mehr zum Zug. Das Drehbuch überzeugt somit nicht nur durch differenzierte und facettenreiche Charaktere, es bereichert auch bekannte Figuren um neue Aspekte und überzeugt mit einer folgerichtigen Geschichte, die keine Sprünge aufweist, oder zu schnell erzählt wird. Sogar einen kleinen Cliffhanger haben sich die Macher aufgehoben, der die Wartezeit auf die dritte Staffel nicht unbedingt angenehmer gestaltet.

Die Darsteller, allen voran Robson Green, der hier vielleicht die beste Leistung der letzten vier Episoden aufbringt, danken die gute Vorlage mit einem engagierten und überzeugenden Spiel. Green bei Hills Gedankengängen zu beobachten, zu sehen wie sein innerer Kampf und sein Wunsch, den Menschen mit seiner Polizeiarbeit zu helfen, nach außen dringen, ist faszinierend und tragisch, vor allem aber sehr gut gespielt.
Hermione Norris steht dem in nichts nach, die sympathische Darstellerin bringt das Ringen um Loyalität gegenüber Hill und Pflichtgefühl gut zum Ausdruck und ist auch der Rolle der Abteilungsleiterin problemlos gewachsen.
Mark Letheren und Alan Stocks haben hier zwar endlich etwas mehr zu tun, man hätte sich aber gewünscht, dass ihre Szenen etwas weiter ausgearbeitet wären – die Spannungen zwischen den beiden Figuren verdeutlichen die Akteure überzeugend, wenn gleich sie keine Meisterleistung erbringen müssen.
Einen überzeugenden Auftritt hat auch Sally Edwards, die ihre Rolle als Kate Lloyd erneut aufleben lassen darf; der übrige Stab ist gut und treffend besetzt, passt vor allem aber harmonisch in die Geschichte und kann restlos überzeugen.

Inszenatorisch überrumpelt Regisseur Terry McDonough seine Zuschauer in den ersten fünf Minuten mit einer ständig verwackelten Handkamera, die dabei wirklich für Übelkeit sorgt, ehe sich der handwerkliche Aspekt glücklicherweise wieder fängt. Dennoch erscheint Ich bin dein Erlöser sehr seltsam fotografiert und geschnitten; mit einer erzwungenen Bildersprache, die das Geschehen häufig einrahmt, Schnitten, die ab und an einem Videoclip, dann jedoch wieder einem normalen Film ähneln, macht McDonough zwar einen interessanten, aber doch nicht überzeugenden Eindruck.
Das geht sogar so weit, dass die Inszenierung den schwächsten Aspekt dieser Episode der Krimireihe darstellt. In den mit Farbfiltern verfälschten Sequenzen, die die Gedankenwelt der Hauptfigur darstellen mag der Stil noch passen, wenn man aber bei normalen Szenen nie so recht weiß, ob es sich jetzt um die Perspektive des Mörders handelt, oder ob das Bild etwas bestimmtes hervorheben soll (dann aber erkennt, dass keines von beidem zutrifft), erscheint die visuelle Umsetzung unnötig gezwungen und in einem Maße anspruchsvoll, wie sie schlichtweg nicht ist.

The Insects vertonen dagegen auch die letzte Episode der zweiten Staffel gekonnt, untermalen die Szenen mit einer ruhigen, unterschwelligen und häufig sehr beunruhigenden Musik, streuen aber dennoch die bekannten Themen für Hautnah und auch die Tony Hill-Melodie, um die Stimmung der Szene passend zu setzen.
Musikalisch ist diese Episode besser gelungen, als Das Recht zu schweigen [2004], lässt aber dennoch die Innovation in der musikalischen Thematik vermissen.

Nach den nur vier Fällen ist die zweite Season der beliebten, britischen Krimiserie schon wieder vorbei und als Zuschauer wirft man mit gemischten Gefühlen einen Blick zurück; leider waren nicht alle Teile so gut, wie dieser und ein Grund hierfür mag sein, dass die Autoren und die Filmcrew in den wenigen Wochen der jährlichen Zusammenarbeit gar nicht genügend Zeit haben, um sich auf einander einzuspielen.
Insofern kann man nur abwarten, ehe in einem Jahr die nächsten Episoden um den verschrobenen, aber sympathischen und melancholischen Psychologen im Dienst der Polizei über den Bildschirm flimmern. Dass sich das Warten lohnt haben zwei außergewöhnlich gute Episoden der zweiten Staffel bewiesen und Ich bin dein Erlöser ist eine davon.


Fazit:
Auch wenn Regisseur Terry McDonough bei der Schauspielführung ein Glücksgriff gelingt und er alle Beteiligten zu Höchstleistungen anspornt, sein verkrampft anspruchsvoller Inszenierungsstil und insbesondere die ersten, stetig verwackelten und Übelkeit erregenden Minuten liegen schwer im Magen.
Dafür überzeugt das Drehbuch von Ich bin dein Erlöser aber mit einigen sehr guten Einfällen, einer guten und ausgenutzten Grundgeschichte und zahlreichen falschen Fährten, auf die man auch dann reinfällt, wenn man den Täter schon zu kennen glaubt. Für Kenner der Krimiserie sind die Einblicke in die Psyche des Mörders ebenso faszinierend, wie die neuen aufgedeckten Hintergründe der Hauptfiguren. Neue Zuschauer dürfen sich hier auf einen eindringlichen, gut gespielten und spannenden Krimi freuen, während Fans gespannt warten, ob irgendwelche Darsteller in der nächsten Staffel fehlen werden.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.