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Gothika [2003]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 25. Januar 2009
Genre: Horror

Originaltitel: Gothika
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Mathieu Kassovitz
Musik: John Ottman
Darsteller: Halle Berry, Robert Downey Jr., Charles S. Dutton, John Carroll Lynch, Bernard Hill, Penélope Cruz, Dorian Harewood, Bronwen Mantel, Kathleen Mackey


Kurzinhalt:
Nach einer deprimierenden Sitzung mit Insassin Chloe Sava (Penélope Cruz) ist die Psychotherapeutin Dr. Miranda Grey (Halle Berry) auf dem Weg zu ihrem Ehemann Douglas (Charles S. Dutton), der seinerseits das Institut leitet, in dem sie tätig ist. Um einem auf der Straße stehenden Mädchen (Kathleen Mackey) auszuweichen, verursacht Miranda einen Unfall und wacht Tage später in einer Zelle wieder auf.
Ihr Kollege Pete Graham (Robert Downey Jr.) erklärt ihr, dass die Polizei sie am Tatort eines grausamen Verbrechens gestellt hätte. Miranda selbst kann sich nur bruchstückhaft erinnern. Als sie erneut Erscheinungen des Mädchens hat, beginnt sie selbst an ihrem Verstand zu zweifeln, bis sie sie auf einem Bild wiedererkennt. Ihr Name war Rachel Parsons und angeblich beging sie vor Jahren Selbstmord. Miranda muss nun das Geheimnis um Rachels Tod herausfinden, wenn sie nicht selbst an der Situation verrückt werden will ...


Kritik:
Gothika ist ein Gruselfilm und in dem Bezug wird er seinem Titel zumindest gerecht, der sich bei dem englischen Ausdruck für die früher veröffentlichten Schauergeschichten, "gothic stories", bedient. Drehbuchautor Sebastian Gutierrez scheint das allerdings mehr als wörtlich zu nehmen, denn es reicht nicht, dass die Geschichte gruselig ist, auch die Personen wirken schauerlich, die Umgebung ist düster, der Regen selbst scheint unheimlich und das Institut, in dem Dr. Grey arbeitet, könnte glatt einer Horrorgeschichte entsprungen zu sein. Man wird als Zuschauer sozusagen vom ersten Moment an auf eine gruselige Atmosphäre getrimmt, die auch durchweg gehalten wird. Nur mit dem Nachteil, dass man als Zuseher irgendwann gegen die schicke Optik und die Erschreckeffekte abstumpft und sich Gedanken zur Geschichte selbst macht. Und das sollte man besser nicht tun.

Dass sich der Autor zuvor und auch danach immer wieder am Horrorgenre versucht, sei ihm nicht genommen. Doch sollte er vielleicht sein nächstes Projekt damit beginnen, gewisse Regeln festzulegen, die einerseits Sinn ergeben, aber auch nicht gebrochen werden. So ergeben sich in Gothika ganz enorme Schwierigkeiten daraus, dass der Geist von Rachel Parsons erst Jahre wartet, ehe sie aktiv wird, sich dann aber nur durch den Körper einer anderen Person (Dr. Greys) zu artikulieren weiß, aber dennoch für sie Türen öffnen und mit der normalen Welt interagieren kann. Auch kann sie wie beim Finale anderen Menschen erscheinen – also wieso sollte sie dann nicht selbst Rache an ihren Peinigern nehmen, sondern sich Jahre später einer fremden Person bemächtigen?
Wenn Miranda von sich aus übersinnlich begabt sein soll, ist das ein Storyaspekt, der schlichtweg nicht herausgearbeitet wurde. Weswegen sie für ihre Taten am Ende auch nicht zur Rechenschaft gezogen wird, ist hingegen eine ganz andere Frage, die aber ebenso offen bleibt. Ob sie nun zum Tatzeitpunkt für ihre Handlungen verantwortlich war, oder nicht, wird ein Gericht samt Geschworenen jedenfalls nicht beeindrucken.
Ganz ohne Frage leidet man mit ihr, immerhin weiß man als Zuseher ebenso wenig wie sie, wieso all das mit ihr passiert und wer dahinter steckt. Und man fragt sich auch wie sie, was der sehr mächtige und wütend bösartige Geist von Rachel an sich von ihr will. Nur dass Miranda diese Frage erst sehr spät stellt. Das mag auch daran liegen, dass die Gespräche der Figuren nicht die intelligentesten sind und selten die Fragen gestellt werden, die ein normaler Mensch stellen würde, um schneller zum Ziel zu kommen. Wenn die empirisch und betont logisch veranlagte Dr. Grey schließlich meint, "Ich bin nicht wahnsinnig! Ich bin besessen!", dann entbehrt das nicht einer gewissen Komik. Nur dass diese eigentlich nicht beabsichtigt ist.

Dank Halle Berry fiebert man mit Miranda schließlich doch noch mit. Nur das Mitleid für ihre Situation verpufft nach einer gewissen Zeit. Vielleicht auch, weil sie keinen richtigen Widersacher hat. Gothika ist ein Film voller Opfer und ohne offensichtlichen Täter. Robert Downey Jr. ist ein Opfer einer nicht erfüllten Liebe, Bernard Hill das Opfer einer geraubten Elternschaft, Penélope Cruz das Opfer eines doch nicht ganz eingebildeten Dämons, Kathleen Mackey das offensichtlichste Opfer und Charles S. Dutton ein Opfer, über das man zu Beginn zu wenig erfährt, als dass sein Verlust sonderlich schmerzen würde.
Für einen Horrorfilm dieser Art geben sich die Darsteller die notwendige Mühe, um die mitunter hanebüchenen Dialogzeilen routiniert herunterzurattern, doch preisverdächtige Leistungen sind keine vertreten. Über den Hintergrund ihrer Figuren, ihre Persönlichkeit, erfährt man grundsätzlich zu wenig, als dass ihr Schicksal wirklich packen würde.

Dafür kleidet der französische Regisseur Mathieu Kassovitz, Die purpurnen Flüsse [2000], den Film in überaus schicke Bilder, bewegt die Kamera durch Wände, Türen und Fenster, bleibt immer in Bewegung und verfällt doch nicht der hektischen Wackelorgie, die viele Filme heutzutage heimsuchen. Dass die Farben dunkel und ausgewaschen wirken, war wohl beabsichtigt und es unterstützt die gruselige Atmosphäre ohne Frage.
Doch sieht man sich im Vergleich dazu Filme wie Poltergeist [1982] oder Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt [1999] an, in denen normale Menschen in einer normalen Umgebung urplötzlich in eine gruselige Situation gebracht werden, sie Etwas gegenüberstehen, das in ihr Weltbild nicht zu passen scheint, erweist sich das als bedeutend bedrohlicher und unheimlicher, als was Gothika einem bietet.
So mag der Film handwerklich keine Wünsche offen lassen, inhaltlich dürftig und mit einem unnötig actionreichen Finale versehen sein, es wirkt ein Schockmoment nicht Furcht einflößend, wenn man vom ersten Moment an darauf vorbereitet wird.
Diesbezüglich hilft auch der uneinheitliche aber an sich gute Score von John Ottman weiter, der mit einem lauten Instrumenteneinsatz die Erschreckeffekte genretypisch unterstreicht.


Fazit:
Von der ersten Einstellung an auf Grusel gestylt, bleibt bei Gothika am Ende auch nicht mehr übrig, als ein gut gemachter, formelhafter und auf schaurigen Horror getrimmter Film, dessen Schockmomente immer dann eingestreut sind, wenn die Genrekonvention es erfordert. Ob die Grundgeschichte mehr Potential besessen hätte, sei dahingestellt. Die Auflösung und der Hintergrund um Rachel und ihre Leidensgenossinnen scheinen arg konstruiert und die offensichtliche Allmacht der Geister lässt einen nur fragen, weswegen sie denn nicht alles selbst macht, statt Besitz von Miranda ergreifen zu müssen.
Eine routinierte und unterfordert Halle Berry, farblose Nebendarsteller und eine Story, die keinen Sinn ergibt heißen nicht zwangsläufig, dass Mathieu Kassovitz' Gruselfilm nicht für einen unterhaltsamen Abend ausreicht. Doch auch in diesem Genre gibt es Perlen, die einen so sehr packen, dass man beim Abspann noch nicht loslassen kann. Und zu diesen gehört Gothika leider nicht.


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