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Gefährliche Brandung - Point Break [1991]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 17. Juli 2016
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Point Break
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: USA / Japan
Produktionsjahr: 1991
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Kathryn Bigelow
Musik: Mark Isham
Darsteller: Patrick Swayze, Keanu Reeves, Gary Busey, Lori Petty, John C. McGinley, James Le Gros, John Philbin, Bojesse Christopher, Julian Reyes, Daniel Beer


Kurzinhalt:

Seit Jahren wird Kalifornien von einer Gruppe Bankräuber heimgesucht, die sich die Ex-Präsidenten nennt. Die vier Männer verstecken sich hinter Masken bekannter, ehemaliger US-Staatsmänner und schlagen nur in den Sommermonaten zu. Sie benötigen nie länger als eineinhalb Minuten pro Raub und hinterlassen keine Spuren. Der karriereorientierte FBI-Agent Johnny Utah (Keanu Reeves) wird direkt von der Akademie dem erfahrenen Agenten Pappas (Gary Busey) zugewiesen. Der vermutet, dass die Täter Surfer sind und so schleust sich Utah undercover in die Szene ein. Über die Surferin Tyler (Lori Petty) trifft Johnny die eingeschworene Gruppe um Bodhi (Patrick Swayze), doch je länger er ermittelt, umso mehr identifiziert sich Johnny mit der Lebensweise der Sportler. Und der Sommer ist beinahe vorbei ...


Kritik:
Es gibt viele Filme, die treffend das Gefühl eines unendlichen Sommers einfangen. Kaum einem gelingt es dabei so gut, den Scheitelpunkt herauszuarbeiten, wenn aus dem unbeschwerten Abenteuer tödlicher Ernst wird, wie Kathryn Bigelows Gefährliche Brandung. Angesiedelt im Surfer-Milieu in Kalifornien, ermittelt darin der aufstrebende FBI-Agent Johnny Utah verdeckt, um eine Gruppe Bankräuber auszuheben, die seit Jahren ihr Unwesen treiben. Die Werbezeile des Films behält dabei durchaus recht: Es ist 100 % pures Adrenalin.

Der Grünschnabel Utah wird direkt von der Akademie weg dem erfahrenen, wenn auch unbeliebten Agenten Pappas zugeteilt, der den Bankräubern seit Jahren auf den Fersen ist. Sie schlagen nur im Sommer zu, ihre Überfälle dauern nie länger als 90 Sekunden und sie nehmen nur, was bei den Schaltern in den Kassen liegt. Ihm und Utah bleiben vier Wochen, um die Bande zu schnappen, ehe sie wieder für ein Jahr abtauchen wird. Da Pappas die Täter im Surfer-Milieu vermutet, schleust sich Utah, der nie zuvor auf einem Surfbrett gestanden hat, dort ein.

Über die Surferin Tyler gerät Johnny an eine Clique, die von dem charismatischen Bodhi angeführt wird. So sehr er ein Adrenalinjunkie ist, so sehr ist er auf der Suche nach der Erleuchtung, die ihm die perfekte Welle bringen soll. Für ihn ist Surfen eine Religion, ein Pfad auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Regisseurin Bigelow nimmt sich die Zeit, die eingeschworene Truppe, an die Utah gerät, mit ihren besonderen Umgangsformen und ihrem ganz eigenen Weltbild, intensiv zu schildern. Johnny schlittert in diese Gesellschaft hinein und verliert sich trotz seines Pflichtbewusstseins darin. Worauf Gefährliche Brandung dabei zusteuert, sollte den meisten Zusehern bereits klar sein, aber auch wenn die unausweichliche Konfrontation kommt, der Weg dorthin ist hier ebenso entscheidend, wie in welcher Art sich der Konflikt entlädt.

Verliert sich Johnny in dieser Gruppe, sieht, wie die Personen auf einander eingeschworen sind und etwas suchen, was er bis dahin ebenfalls nicht gefunden hat, ist das auch dank der fantastischen Surfsequenzen und dem spürbaren Hitzewabern beinahe hypnotisch ansteckend. Umso härter ist der Schnitt, wenn dieses unbeschwerte Gefühl von einem gezeigten Bankraub unterbrochen wird, in dem vier Täter, die allesamt Masken von ehemaligen US-Präsidenten tragen, gezielt und skrupellos vorgehen.

Wie schon erwähnt, wird Point Break, so der Originaltitel, seinem Slogan mehr als gerecht und so gehören die Actionsequenzen zu den besten, die es dieser Art gibt. Die Verfolgungsjagd zu Fuß durch Hinterhöfe und Häuser besitzt ein derart hohes Tempo und ist so hervorragend eingefangen, dass man allein vom Zusehen außer Puste gerät. Sieht man später die Figuren bei einem koordinierten Fallschirmsprung, schießt der Puls erneut in die Höhe, schlichtweg, weil die Stunts – zumindest erkennbar – ohne Trickeffekte auskommen. Ruft Patrick Swayze "Adios amigo!" in die Kamera und lässt sich rückwärts aus dem Flugzeug fallen, dann bekommt man ein flaues Gefühl im Bauch, weil er es war und kein Double. Springt kurz darauf Keanu Reeves ohne Fallschirm hinterher, spannt sich auch beim Publikum jeder Muskel an.

Gefährliche Brandung ist ein hervorragend eingefangener Actionthriller mit Momenten, die einem auch 25 Jahre später noch einen Schauer über den Rücken jagen. Die Regisseurin zieht das Tempo in den richtigen Momenten an und verlässt sich auf ihre tolle Besetzung, um die Geschichte zum Leben zu erwecken. Das ist – trotz der mitunter ausladenden Zeitlupenaufnahmen und sich wiederholenden Szenen im Meer, die die Geschichte nicht wirklich voranbringen – heute so spannend wie damals. Angesichts der Tatsache, dass viele heutige Filmemacher diese Art Film offensichtlich nicht mehr beherrschen, ist es umso sehenswerter.


Fazit:
Dem trockenen Humor und den lakonischen Sprüchen merkt man schnell an, zu welcher Zeit Gefährliche Brandung - Point Break entstanden ist. Filmemacherin Kathryn Bigelow erzählt eine Thrillerstory, die eine Brücke zwischen dem unbeschwerten Sommer und einer Gruppe zielstrebiger Bankräuber schlägt. Mehrmals mitzuerleben, wie die Stimmung kippt und wie im letzten Akt der Bogen von Seiten der Schurken überspannt wird, macht hier ebenso den Reiz aus, wie die fantastisch eingefangenen Surfszenen, oder die umwerfenden und den Puls in die Höhe treibenden Actionsequenzen. Dass man bei alledem die Darsteller jeweils erkennt, sie also selbst diese Momente zum Leben erwecken, macht das Gezeigte nur noch authentischer. Patrick Swayze und Keanu Reeves entwickeln dabei Charaktere, die vielschichtiger sind, als man zunächst erwarten würde und die viel mehr Facetten andeuten, als man hier gezeigt bekommt. Das macht Spaß zuzusehen und veredelt einen Actionthriller, der auch nach einem Vierteljahrhundert stellenweise noch sprachlos macht.    


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