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Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben [1990]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Dezember 2019
Genre: Science Fiction / Horror / Drama

Originaltitel: Flatliners
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1990
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Joel Schumacher
Musik: James Newton Howard
Besetzung: Kiefer Sutherland, Julia Roberts, Kevin Bacon, William Baldwin, Oliver Platt, Kimberly Scott, Joshua Rudoy, Benjamin Mouton, Aeryk Egan, Kesha Reed, Hope Davis


Kurzinhalt:

Medizinstudent Nelson Wright (Kiefer Sutherland) hat sich ein kühnes Experiment überlegt, das ihn entweder berühmt machen, oder dafür sorgen wird, dass er der Universität verwiesen wird. Mithilfe seiner Kollegen David (Kevin Bacon), Joe (William Baldwin) und Randy (Oliver Platt) will er selbst erleben, was mit den Menschen geschieht, wenn sie sterben. Mit-Studentin Rachel (Julia Roberts) soll dabei seinen Tod überwachen und ihn zusammen mit den anderen zurückholen, während das ganze Experiment mit Videokameras dokumentiert wird. Nelsons waghalsiger Versuch gelingt, aber während die anderen begierig darauf sind, seine Erfahrungen selbst zu erleben, spürt er erste Nebenwirkungen. Es gibt, wie er feststellt und den anderen verschweigt, Grenzen, die man nicht überschreiten sollte …


Kritik:
In Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben versuchen fünf Medizinstudenten herauszubekommen, was nach dem Tod mit den Menschen geschieht. Doch statt eines philosophischen Ansatzes darüber, was sie nach dieser Schwelle erwartet, ist Filmemacher Joel Schumacher mehr daran interessiert, was sie überhaupt veranlasst, diese Grenze überschreiten zu wollen. Dank der namhaften Besetzung ist das auch heute noch sehenswert. Nicht zuletzt, weil der Film mehr auf die Stimmung, denn Erklärungen setzt.

Angeführt wird die ungleiche Truppe vom zielstrebigen, geradezu egoistisch erfolgsorientierten Nelson Wright. Aus welchem Grund auch immer, hat er es sich zum Ziel gesetzt, mit seinen wissenschaftlichen Erfahrungen aus erster Hand berühmt zu werden, was geschieht, wenn man stirbt. Dafür soll sein Herzschlag künstlich ausgesetzt und er selbst, nachdem er eine Minute lang offiziell klinisch tot gewesen ist, von seinen Kollegen wieder zum Leben erweckt werden. Für seine Idee kann er den Schürzenjäger Joe Hurley und Randy Steckle gewinnen. David Labraccio, der für die Reanimation verantwortlich sein wird, ist ein brillanter Kopf, der von der Universität suspendiert wurde, weil er sich nicht an die Regeln gehalten hat. Rachel Mannus soll Nelson überhaupt erst ins „Jenseits“ befördern. Sie alle haben eine unterschiedliche Motivation, ihm zu helfen und sie alle scheuen eingangs die Beteiligung – bis Nelsons Experiment gelingt und sie alle es versuchen wollen.

Nun wäre die Geschichte von Flatliners nur halb so interessant, wenn Nelsons Experiment keine Auswirkungen auf sie alle hätte. Die Konsequenzen bekommen er und all diejenigen, die es ihm gleichtun, schnell zu spüren, denn was sie im Tod erleben, erscheint nicht so friedvoll, wie man gemeinhin vermuten würde. Als wäre das nicht genug, bringen sie alle etwas aus dem Jenseits mit zurück. Regisseur Schumacher lässt sogar bei Nelson selbst offen, ob es ausschließlich die wissenschaftliche Neugier ist, die ihn zu dem Experiment motiviert. Ist dies bei David ausgesprochen der Fall und stellt Rachel mit einem persönlichen Anspruch an ihre Erfahrung den exakten Gegenpol dar, scheint Nelson zwischen ihnen zu stehen. Wie absurd es klingt, dass sie sich bei dem Experiment hinsichtlich der Dauer im Jenseits überbieten wollen, unterstreicht das Drehbuch auf gelungen Weise. Dass keine der Figuren vollständig ausgearbeitet ist, verzeiht man ihm insofern, da vier der fünf Charaktere eine entsprechende Wandlung durchleben dürfen. Hier macht sich auch die Besetzung bezahlt, die von Kiefer Sutherland und Kevin Bacon solide angeführt wird. Dass Oliver Platt hinter Julia Roberts und William Baldwin zurückstehen muss, ist allerdings bedauerlich.

Dafür setzt Joel Schumacher auf eine aussagekräftige Optik, die nicht nur durch leuchtende Neonfarben beeindruckt, sondern die Farbgebung merklich als Teil der Erzählung verwendet. Die vielleicht größte Gefahr, der sich der Filmemacher dabei stellen muss, ist, in welche Richtung er die Erzählung thematisch lenken möchte. Mit fünf Medizinstudenten als Protagonisten wäre es sowohl ein Leichtes, die Mythen vom Leben nach dem Tode als solche zu entlarven, oder die Figuren ihre wissenschaftlichen Prinzipien hinterfragen zu lassen, wenn sie sich etwas gegenübersehen, was sich mit religiösen Anschauungen erklären ließen. Wie Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben dies auflöst, sei an dieser Stelle nicht verraten. Es soll genügen zu sagen, dass das Publikum genügend Denkanstöße erhält, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und vor allem zu überdenken, was man in diesem Leben noch tun kann oder sollte.

Als klassischer Horrorfilm gerät Flatliners was die Umsetzung anbelangt, zu zahm, überzeugt dafür allerdings mit einer durchweg dichten Atmosphäre. Für ein Drama werden die Figuren zu wenig beleuchtet, selbst wenn sie eine spürbare Entwicklung erfahren. Am Ende ist der Film eine Mischung von beidem, die dank der jungen Star-Besetzung auch heute noch funktioniert. Dies mag kein Klassiker sein, aber es ist ein Film, der zum Nachdenken anregt, ohne sich auf einfache Klischees zurück zu ziehen. Das ist mehr, als manch andere Genrevertreter von sich behaupten können.


Fazit:
Gerade in Anbetracht der talentierten Besetzung wird deutlich, dass die Hintergrundgeschichten der Figuren kaum ausgearbeitet sind sowie das nach absehbarem Muster ablaufende Mysterium dessen, was sie erlebt haben und was sie nun tun sollten, wenig überrascht. Doch dank der stimmungsvollen Optik und des dezenten Soundtracks gelingt Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben eine unheimliche, mystische Stimmung, die auch dank des Szenenaufbaus überzeugt. Vor allem erzählt Regisseur Joel Schumacher trotz des Einschlags des Horror-Genres einen Film, der seinen Figuren die Chance gibt, aus ihren Fehlern zu lernen. Das ist nicht nur mehr, als viele andere Produktionen ihren Charakteren zugestehen, es ist der Thematik vielmehr angemessen. Auch deshalb erscheint Flatliners wie ein Film aus einer anderen Zeit. Doch das ist kein Kritikpunkt, sondern macht ihn trotz seiner Schwächen nur empfehlenswert.
 


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