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Final Destination [2000]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. November 2005
Genre: Horror / Thriller

Originaltitel: Final Destination
Laufzeit: 98 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: James Wong
Musik: Shirley Walker
Darsteller: Devon Sawa, Ali Larter, Kerr Smith, Tony Todd, Kristen Cloke, Seann William Scott, Daniel Roebuck, Roger Guenveur Smith, Chad Donella, Amanda Detmer, Brendan Fehr


Kurzinhalt:
Zusammen mit der ganzen Schulklasse macht sich Alex Browning (Devon Sawa) auf dem Weg zum Flughafen, um eine Maschine nach Frankreich für einen Schulausflug zu erwischen. Doch vor dem Abflug hat Alex die Vision des Absturzes der Maschine – als er die anderen Passagiere davor warnen will, wird er zusammen mit einigen anderen Schülern, sowie einer Lehrerin aus der Maschine gebracht. Wenige Momente später, explodiert das Flugzeug in der Luft.
Es vergeht ein Monat, in dem Alex für seine Eingebung nicht nur vom FBI argwöhnisch beäugt wird. Doch dann stirbt einer der Überlebenden durch einen mysteriösen Unfall; durch Zufall kommt Alex zusammen mit seiner Mitschülerin Clear (Ali Larter) dahinter, dass sie den Absturz ansich nicht hätten überleben dürfen, und der Tod sie sich nun nachträglich holt. Die Frage ist nur, wer der nächste ist – und ob es Alex erneut gelingt, den Plan des Todes zu durchkreuzen ...


Kritik:
Ansich muss die Arbeit an Final Destination für die Autoren und Produzenten Glen Morgan und James Wong ein einziges Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein, nicht nur, dass sich beide seit ihrer Arbeit als Produzenten der erfolgreichen Mystery-Serie Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI [1993-2002] kannten, sie waren auch beide Teil des Autorenstabs der leider wenig erfolgreichen düsteren Serie Millennium - Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst [1996-1999]. Während ihrer langjährigen Tätigkeit trafen sie auch auf Darsteller Tony Todd und Kristen Cloke, die beide in Final Destination zu sehen sind, auch Chad Donella hatte einen Gastauftritt in Akte X, und nicht zuletzt war das Drehbuch von Jeffrey Reddick ursprünglich als Episode für die FBI-Agenten Mulder und Scully entwickelt worden, wurde dann jedoch verworfen und von Reddick zusammen mit Morgan und Wong als eigenständiger Kinofilm ausgebaut.

Das mag auch erklären, weswegen alle Beteiligten das Übersinnliche und Übernatürliche schneller akzeptieren, als irgendjemand anders. Wovon das Skript jedoch abgesehen von der grundsätzlichen Atmosphäre lebt, ist die Art und Weise, wie aus alltäglichen Situationen mit dem verwunschenen Quäntchen Pech tödliche Unfälle entstehen, die meist alles andere als abwegig sind.
Was trotz vieler wirklich guter Szenen bei Final Destination jedoch im Gedächtnis bleiben wird, ist die Eröffnungssequenz mit Alex Vorahnungen, den zahlreichen Hinweisen und einer Absturzvision, die an schockierender Realität kaum zu übertreffen ist. Die Stimmung, die die Autoren dabei aufbauen, ist so subtil wie effektiv, und doch bemerkt man wenig später, dass die nach dem Absturz fortgeführte Story inhaltlich nicht mit der Prämisse mithalten kann.
So entpuppen sich die vermeintlich sympathischen Figuren entweder als flache Charaktere (Billy Hitchcock), oder aber sie agieren in ihren Überzeugungen ohne rationale Überlegungen, bestes Beispiel hierfür ist die Hauptfigur Alex. Die Charakterszenen sind es auch meist, die zusammen mit dem nur selten überzeugenden Dialog den schwächsten Eindruck hinterlassen, wohingegen die fortan gründlich vorbereiteten Unfälle einen Großteil der Story einnehmen. Die sind den Autoren auch sicherlich gut gelungen, einige der Szenarien sind in der Tat verblüffend und erschreckend; doch während diese Abschnitte in sich eine enorme Spannung aufbauen, lässt der gesamte Film ein wenig die durchgehende Dramaturgie vermissen.
Aus diesem Grund hinterlässt die Vorlage einen zwiespältigen Eindruck, vermag mancherorts zu überzeugen und offenbart andererseits große Lücken, die aber mit anderen Mitteln im Film überdeckt werden.

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz in Hollywood, dass die Darsteller eines erfolgreichen Teen-Horror-Films die Früchte ihrer Arbeit nur selten selbst kosten dürfen, und so verwundert es auch nicht, dass kaum einer der Beteiligten nach Final Destination groß von sich reden machte.
Auch Devon Sawa, der wenige Jahre zuvor immerhin in Casper [1995] einen Kurzauftritt feierte und seither mit wenig erfolgreichen Projekten glänzte, konnte seither keine großen Rollenangebote für sich verbuchen. Dabei mimt er hier alles andere als schlecht, überzeugt mit einer sehr natürlichen, wenn auch leicht überdrehten Herangehensweise an die ungewöhnliche Situation. Doch gerade wenn ihn die Panik überkommt, er sich dem Moment schutzlos ausgeliefert sieht, spielt er überaus glaubhaft, wie auch seine Kollegin Ali Larter, die zwar in Final Destination 2 [2003] einen Auftritt hat, hier jedoch deutlich mehr gefordert ist. Auch sie macht ihre Sache gut.
Einer der wenigen, die mit einer genügend großen Portion Skepsis an die Thematik herangehen, und gerade deswegen trotz ihres eher unsympathischen Charakters verständlich bleiben, ist Kerr Smith, der zwar ebenfalls nur wenig zu sehen ist, aber einen durchweg guten Eindruck hinterlässt. Anders verhält es sich aber mit American Pie [1999]-Darsteller Seann William Scott, dem das komödiantische Talent sichtlich im Weg steht bei der ansich sehr ernsten Ausgangslage. So sorgen seine witzigen Szenen zu Beginn zweifelsohne für eine angenehme Auflockerung, doch wenn sich der Plan des Todes aufzeigt und von den Überlebenden einer nach dem anderen an einem Unfall stirbt, stört sein aufgedrehtes Verhalten zusehends.
Auch Kristen Cloke, die in Millennium einige ausgezeichnete Szenen hatte, scheint hier unnötig unterkühlt und doch unterfordert. Das mag einerseits daran liegen, dass sie kaum etwas zu tun bekommt, andererseits, weil das Verhalten ihrer Figur kaum verständlich gemacht wird. Auch sie ist sicherlich zu mehr fähig, wird aber leider nicht gefordert – verheiratet ist sie übrigens mit Glen Morgan.
Anders Chad Donella, der zwar nur kurz zu sehen ist, aber eine der grausamsten Szenen im Film erlebt, und diese mit einer erschreckenden Glaubwürdigkeit verkörpert. Er macht seine Sache sehr gut, man hätte ihn allerdings auch gern länger im Film gesehen.
Der Gastauftritt von Tony Todd ist zwar wirklich gelungen und von dem bekannten Horror-Darsteller ansprechend verkörpert, aber letztlich auf Grund der Atmosphäre effektiver, als auf Grund der darstellerischen Leistungen.
So macht der Cast einen gemischten Eindruck, dass alle Beteiligten den Ansprüchen gewachsen sind, steht außer Frage, ebenso aber auch, dass viele deutlich mehr hätten tun können und wollen, dies jedoch nicht durften und mussten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zeigen die Darsteller durchweg solide bis sehr gute Leistungen und tragen sichtlich zur Stimmung des Films bei.

Handwerklich überrascht Regisseur James Wong zusammen mit Kameramann Robert McLachlan und Cutter James Coblentz (beide hatten bereits an Millennium gearbeitet) durch eine sehr solide Inszenierung, die nicht nur viele interessante Szenenübergänge bietet, sondern vor allem durch viele ungewöhnliche Kameraperspektiven zu fesseln weiß. So orientieren die Macher die Optik des Films zu Beginn noch an ihrem Hauptcharakter, ändern jedoch bei den lange vorbereiteten Unfällen den Blick darauf, wie die Fallen des Todes ausgelegt werden, um wenig später zuzuschnappen.
Auch der Second Unit-Director Thomas J. Wright ist bereits aus zahlreichen TV-Projekten (darunter Akte X und Millennium) bekannt, und folgt der durchweg interessanten und ungewöhnlichen Handschrift des Regisseurs, der sein Spielfilmdebüt in erstklassig choreografierte Bilder taucht und die Zuschauer so an das Geschehen fesselt, auch wenn das Drehbuch inhaltlich sichtlich abgebaut hat.
So bleibt auch das Finale nicht zuletzt durch die sehr gute Kamera- und Schnittarbeit durchweg sehr spannend, auch wenn im Film selbst die Dramaturgie auf Grund des gestörten drei-Akt-Aufbaus ein wenig leidet. Gerade im Bereich der modernen Horror-Filme ist eine derart ausgefeilte Umsetzung inzwischen selten geworden, und aus diesem Grund so angenehm erfrischend.

Wer bei dem Titelthema des Films im ersten Moment an Danny Elfman denkt, liegt falsch und doch richtig; Komponistin Shirley Walker war jahrelang als Orchestratorin für den bekannten Musiker verantwortlich, so auch bei Batman [1989] und der zugehörigen Fortsetzung. In der Tat erinnert das minimalistische Thema ein wenig an Elfman, bleibt jedoch in der Instrumentierung klassischer und auch angenehm zurückhaltend, doch mit der düsteren Thematik gleichzeitig kraftvoll.
Zum Projekt kam Walker im übrigen über ihre Arbeit an der kurzlebigen Science-Fiction-Serie Space: 2063 [1995-1996], die von Wong und Morgan entwickelt worden war. Ihr Score für Final Destination ist dabei so eingängig wie unterschwellig, unterstützt die Szenen gekonnt, ohne die spannenden Momente vorweg zu nehmen. Für Fans ist gerade deswegen die DVD zum Film interessant, da eine isolierte Soundtrack-Spur inklusive einem Kommentar der Komponistin enthalten ist.

Käufer der DVD erhalten als Bonus zudem einige gelöschte Szenen, die eine zusätzliche Storyline erzählen, die dem Film allerdings einen unpassenden Ausgang beschert hätten – in der veröffentlichten Form konnte Final Destination zudem weltweit knapp das sechsfache seines Produktionsbudgets von 20 Millionen Dollar einnehmen und war für das Studio damit ein voller Erfolg.
Ob es aber notwendig war, eine Fortsetzung in Angriff zu nehmen, muss man als Zuschauer je für sich entscheiden. Durch den erfrischend anderen Ansatz ist Regisseur James Wong sicherlich ein wirklich guter, interessanter und sehr gut gemachter Horror-Film gelungen, der durch die Spannung und die Atmosphäre zusammen gehalten wird. Vom Skript selbst hätte man sich aber stellenweise etwas mehr versprochen, gerade angesehen von inzwischen zum Klassiker erhobenen Horror-Filmen wie Scream – Schrei! [1996], die zudem mit sehr guten Figuren glänzten. Dahingehend enttäuscht Final Destination, auch wenn es dem Unterhaltungswert des Films nicht schadet. Schließlich ist es aber das durchweg sehr gute Handwerk, das einem in Erinnerung bleibt, und für das die Macher zurecht viel Lob erhielten.


Fazit:
Was wäre, wenn der ganz individuelle Todestag schon seit der Geburt feststeht, und es der Tod gar nicht gern sieht, wenn man seine Pläne durchkreuzt? Wenn er all diejenigen, die ihm im letzten Moment von der Schippe gesprungen sind, nach der Reihe zu sich holt?
Die Ausgangslage ist zweifelsohne faszinierend, und angesichts der hervorragenden Anfangssequenz auch entsprechend dargebracht; doch beginnt sich das Einmaleins der munteren Todeskandidaten-Schnitzeljagd erst einmal zu entfalten, weicht die durchgehende Spannung schnell einem Popcorn-Gefühl, das insbesondere dem Auftakt nicht gerecht wird. Die einzelnen Unfallszenarien sind dabei nicht nur exzellent vorbereitet, sondern auch in ihrer Durchführung so grausam wie schockierend.
Wenn jedoch die Figuren nur selten über das durchschnittliche Maß hinaus zu überzeugen vermögen, und die Dialoge bisweilen gefährlich nahe an der Grenze zur Absurdität pendeln, stört das schlichtweg den Gesamteindruck. All das verzeiht man Ko-Autor und Regisseur James Wong in seinem Kinodebüt aber deshalb, weil es ihm mit einer sehr einfallsreichen Inszenierung gelingt, die offensichtlichen Schwächen zu überdecken, und den Unterhaltungswert an die erste Stelle zu setzen. Dass er hierfür auf einen sehr atmosphärischen Score und erstklassige Sets zurückgreifen kann, hat ihm ohne Zweifel geholfen, sichert Final Destination aber gewiss einen Platz unter den einfallsreichsten und bestgemachten Filmen des Genres in den letzten Jahren.


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