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Fast & Furious: Hobbs & Shaw [2019]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 31. Juli 2019
Genre: Action / Komödie / Thriller

Originaltitel: Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: David Leitch
Musik: Tyler Bates
Darsteller: Dwayne Johnson, Jason Statham, Idris Elba, Vanessa Kirby, Helen Mirren, Eiza González, Eddie Marsan, Eliana Sua, Cliff Curtis, Lori Pelenise Tuisano, John Tui, Joshua Mauga, Joe Anoa’i


Kurzinhalt:

Ein hochgefährliches Virus wurde gestohlen. Milliarden Menschenleben stehen auf dem Spiel. Für den Diebstahl und den Mord an ihren eigenen Kollegen soll die junge MI6-Agentin Hattie (Vanessa Kirby) verantwortlich sein. Um sie zu finden, heuert die CIA zwei Spezialisten an, die – ohne es zu wissen – zusammenarbeiten sollen: Spezialagent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und den ehemaligen Elite-Soldaten Deckard Shaw (Jason Statham). Dass beide einander nicht ausstehen können, macht den Auftrag nicht einfacher. Zu allem Überfluss ist Hattie Shaws Schwester und die Verbrecherorganisation „Eteon“ ebenfalls hinter ihr und dem Virus her. Deren Anführer Brixton (Idris Elba) ist Hobbs und Shaw nicht nur körperlich überlegen, sondern auch mit weitreichenden technischen Mitteln ausgestattet. Um die Welt zu retten, bleiben ihnen nur wenige Tage Zeit. Aber um an Brixtons Söldnerarmee vorbeizukommen, müssen sie nicht nur an einem Strang ziehen, sondern vorher ihre eigene Fehde überwinden, um tatsächlich zusammen zu arbeiten …


Kritik:
Nach beinahe einem halben Dutzend überaus erfolgreicher Filme des Fast & Furious-Franchise scheint ein logischer Schritt, dieses Filmuniversum in Soloabenteuern der beliebtesten Figuren zu erweitern. Beim Publikum hoch im Kurs stehen seit jeher der von Dwayne Johnson gespielte Spezialagent Luke Hobbs und der von Jason Statham verkörperte Ex-Elitekämpfer Deckard Shaw. Da die beiden in der Filmreihe die zündendsten Wortgefechte bestreiten, klingt es nach einer guten Idee, sie in einem eigenständigen Film auf- und gegeneinander antreten zu lassen. Insbesondere, da die Verantwortlichen hinter der Kamera großteils dieselben sind, ist es erstaunlich, wie viel Esprit die Figuren hier einbüßen. Trotz des überwiegenden Unterhaltungswerts, ist Fast & Furious: Hobbs & Shaw bestenfalls eine Randnotiz der Film-Reihe.

Dabei beginnt Filmemacher David Leitch, der zuletzt mit Deadpool 2 [2018] von sich reden machte, überaus vielversprechend. Nach einem kurzen Teaser, der den mit kybernetischen Elementen und Gentherapie leistungs- und widerstandsfähiger gemachten Supersoldaten Brixton vorstellt, werden die zwei so unterschiedlichen Hauptfiguren Hobbs und Shaw ins Rampenlicht gestellt. In einer Montage mit geteiltem Bildschirm (und auf die jeweilige Figur abgestimmten Farbfiltern) wird dabei ihr Tagesablauf gezeigt, der unterschiedlicher kaum sein könnte, am Ende aber zum selben Ergebnis führt. Beide werden rekrutiert, die in London untergetauchte Hattie zu finden. Zu ihrem Unverständnis sollen Hobbs und Shaw dabei zusammenarbeiten. Das sorgt erwartungsgemäß für Verstimmung unter den beiden sowie den ein oder anderen verbalen Schlagabtausch.
Doch hier offenbart sich bereits ein grundlegendes Problem von Hobbs & Shaw, denn während die Kabbeleien der beiden in der Filmreihe nur ein Aspekt des Humors darstellten, verlässt sich Leitch vollständig darauf. Das geht soweit, dass Johnson nicht einmal gegenüber den Schurken mit lockeren Sprüchen aufwarten darf. Steht nicht weniger als das Schicksal der Welt auf dem Spiel, erscheinen die sich inhaltlich wiederholenden Auseinandersetzungen des ungleichen Duos überdies schlicht fehlplatziert.

Eine tolle Ergänzung des Duos ist Vanessa Kirby als ebenso taffe wie humorvolle Hattie, hinter der die beiden ungleichen Männer her sind, da sie ein programmierbares Virus, genannt „Schneeflocke“ gestohlen und ihr Team umgebracht haben soll. Stilistisch bildet sie einen willkommenen Gegenpol zu den sich ständig raufenden Alpha-Männchen. Was Hobbs nicht weiß, die untergetauchte MI6-Agentin ist Shaws Schwester. Um das Virus an sich zu bringen, hat sie zu einer Lösung gegriffen, die Filmfans an Mission: Impossible II [2000] erinnern wird. Man muss jedoch dazu sagen, dass dessen Regisseur John Woo mehr aus der Ausgangslage zu machen verstand.
Am Ende geht es bei Hobbs & Shaw somit um die Rettung der Welt, eine biologische Waffe und – wie bei den Fast & Furious-Filmen üblich, Familie. Aber während die Filmreihe die überzogene Action ernstnimmt und inhaltlich zuletzt waschechte Thriller präsentierte, trimmt David Leitch seinen Film mit ständigem Klamauk verkrampft auf witzig. Wenn aber alle Actionszenen lustig sein sollen und auch die Hauptfiguren nie das Gefühl vermitteln, es würde etwas auf dem Spiel stehen, wieso sollten die absurden Action-Sequenzen dann überhaupt fesseln?

Auch wenn damit zu rechnen ist, dass die Macher den ein oder anderen Gastauftritt einer aus der Filmreihe bekannten Figur einbauen, die zwei größten Cameos sind auf Verbindungen des Regisseurs und von Dwayne Johnson zurückzuführen. Nur passen diese zwei Gastakteure stilistisch nicht zum Rest des Films und nehmen darüber hinaus viel zu viel Platz mit ihren Szenen ein. Es ist, als wären dies Momente aus jeweils anderen Filmen und hier nur deshalb enthalten, weil man die bekannte Person vor die Kamera bekommen hat. Das machen auch die beiden Szenen während und nach dem Abspann nicht wieder wett.
Zu guter Letzt enttäuschen auch manche Actionszenen, die sich zu sehr auf arg offensichtliche Trickeffekte verlassen und statt interessanter Einfälle nur mehr Explosionen bieten. Dass beispielsweise der Beginn des Finales vollkommen verwackelt inszeniert ist, macht es ebenso weniger besser wie die Tatsache, dass immer wieder kleine Übergänge zu fehlen scheinen. So sind von einem Schnitt zum anderen Personen an anderen Stellen oder Waffen und Geräte da oder weg. Auch deshalb ist Hobbs & Shaw am Ende deutlich weniger mitreißend als die letzten Filme derjenigen Reihe, der dieser hier entsprungen ist.


Fazit:
Dass die Hintergründe der beiden Titel gebenden Figuren weiter ausgebaut werden, ist im Grunde eine gute Idee. Aber die Art und Weise, wie es geschieht, enttäuscht. Das liegt nicht an den beiden Hauptdarstellern, nur müssen sie gefühlt zwei Stunden lang denselben Witz wiederholen. Nach dem zigten Mal klingen ihre Kabbeleien nur aufgesetzt und fad. So ergeht es viel von dem Humor hier, allem voran den gekünstelten, prominenten Gastauftritten. Dass die Action-Höhepunkte wenig fesseln, liegt zum einen daran, dass die wenigsten „echt“ aussehen, aber auch daran, dass Regisseur David Leitch keine einzige solche Sequenz auf mehreren Ebenen entwirft. Sie sind alle, man kann es nicht anders sagen, zu eindimensional und vorhersehbar.
Das bedeutet nicht, dass man sich bei Fast & Furious: Hobbs & Shaw nicht durchaus amüsieren kann. Mit dem richtigen Publikum und in der richtigen Stimmung, ist das erste Spin-off der Fast & Furious-Reihe tolle Unterhaltung ohne jeglichen Anspruch. Aber er ist weder so gelungen wie die vergangenen fünf Filme des Franchise, noch ein Beitrag, den man sich auf Grund des Spaß-Faktors öfter ansehen wird. Für Einsteiger in dieses Filmuniversum eignet er sich auf Grund der Verbindungen damit nur bedingt. Bedenkt man, wie lange jene Filme brauchten, um zu entscheiden, was sie sein wollten, besteht auch hier noch Hoffnung. Als reine Actionkomödie funktioniert Hobbs & Shaw jedenfalls nur bedingt. Als Fast & Furious-„Snack“ bis zum nächsten regulären Teil der Reihe ist dagegen nicht viel einzuwenden.
 


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