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Erkenne deinen Feind [2007]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Januar 2012
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: Know Thine Enemy
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2007
FSK-Freigabe: -

Regie: Graham Theakston
Musik: Andy Price
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, Paul Hickey, Michael Feast, Shaun Parkes, Mark Bonnar, James D'Arcy, Honeysuckle Weeks, Barbara Wilshere, Robin Kermode, Eleanor Gecks, Joel Dommett, Lorraine Stanley, David Earl, Kit Jackson


Kurzinhalt:
Vor knapp zwei Wochen verschwand eine jugendliche Schülerin. Nun wird ihre Leiche in einem abgeschiedenen Teich entdeckt. Die Obduktion ergibt, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Hinweise auf den eigentlichen Tatort oder die Täter gibt es kaum. Dann verschwindet Kelly Stevens (Eleanor Gecks), die in etwa im gleichen Alter ist. Inspector Lynley (Nathaniel Parker) vermutet denselben Täter und setzt alle Hebel in Bewegung, das Mädchen schnellstens zu finden. Sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten. Eine Zeugin will ein Pärchen mit einem Geländewagen gesehen haben, das mit Kelly gesprochen hat.
Gegen den Rat seiner Kollegin Barbara Havers (Sharon Small) versucht Lynley durch einen Fernsehaufruf einen Keil zwischen die vermeintlichen Täter zu treiben. So kommen die Ermittler auf Tania (Honeysuckle Weeks) und Guy Thompson (James D'Arcy), die ins Täterprofil passen würden, wobei Tania offensichtlich Opfer von häuslicher Gewalt wurde. Als bekannt wird, dass Kelly Diabetikerin ist und ohne ihr Insulin sterben wird, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Havers darauf setzt, aus Tania durch ihr Einfühlungsvermögen Informationen zu bekommen, während Lynley Guy im Verhör unter Druck setzt ...


Kritik:
Mit Erkenne deinen Feind verabschiedet sich das britische Ermittlerduo bestehend aus Inspector Lynley und Sergeant Havers nach sechs Jahren aus dem Fernsehen. Ihr Erfolg in vielen Teilen der Welt sei unbestritten, auch wenn nicht alle Fälle gleichermaßen überzeugen konnten. Dass in den Figuren und dem Konzept noch Potential steckt, beweisen die Macher gerade hier und das nicht nur, weil sie das Geschehen vom ländlichen Idyll weg in die Stadt verlagern. Den Polizisten offenbart sich ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es immer einen Verlieren zu geben scheint. Das einzig bedauerliche daran ist, dass die Produzenten die Reihe nicht auf einer persönlicheren Note für die Figuren enden lassen. Man hat so beinahe das Gefühl, als würden sie sich morgen wie am ersten Tag zur Arbeit treffen.

Der Fall beginnt mit dem Auffinden einer seit etwa zwei Wochen vermissten Schülerin. Die Teenagerin wurde in einem See versenkt und vor ihrem Tod auch Opfer eines Sexualverbrechens. Während Inspector Lynley alle Hände voll zu tun hat, diesen Fall aufzuklären, verschwindet die Schülerin Kelly Stevens. Lynley vermutet denselben Täter, obgleich ihm sein Vorgesetzter rät, beide Fälle separat zu betrachten. Als er erfährt, dass Kelly an Diabetes leidet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Dabei muss sich Lynley nicht nur gegen seinen Vorgesetzten durchsetzen, sondern gerät auch mit seiner langjährigen Partnerin Havers aneinander. Während er durch einen öffentlichen Aufruf das vermeintliche Täterpärchen gegeneinander aufhetzen will, befürchtet Havers, dass die Frau in der Beziehung ohnehin schon Opfer ist und nun noch mehr wird leiden müssen.
Genau in jenes Profil, das wir uns selbst erstellen, passen Tania und Guy Thompson, die mit deutlichen Folgen einer gewalttätigen Auseinandersetzung ins Krankenhaus eingeliefert wird. Aber nicht nur, dass der Millionär und Selbstdarsteller Guy den Polizisten einen Schritt voraus scheint, wie genau kann man nach dem Lehrbuch die Situation bei dem Ehepaar beurteilen?
Hier entwickelt Erkenne deinen Feind – und der Titel ist hier sehr wörtlich aus dem Original übernommen – eine durchaus überraschende Dynamik. Nicht nur, dass wir glauben zu wissen, wie die Dinge zusammenhängen, wir folgen sowohl Havers als auch Lynley in ihren jeweiligen Schlussfolgerungen und kommen zu der Überzeugung, den Täter und den Gehilfen entlarvt zu haben. Doch überlegt man hinterher, fällt auf, dass kein wirkliches Geständnis im Verhörraum errungen wurde, sondern die Auflösung woanders herkommt. Was das letzte Drittel dann bereithält ist ein beunruhigender Blick auf eine Figur, die durch ihre berechnende Art und Weise Furcht einflößt.

Für Fans ist es hierbei ein besonderes Bonbon, das Ermittlerduo auch gemeinsam an einem Fall arbeiten zu sehen. Zwar sehen wir beide, wie sie ihren Standpunkt voller Überzeugung vertreten, insbesondere, wenn Havers Lynley zu dem, was seine Handlungen für die Frau des Verbrecherpärchens bedeuten, offen die Meinung sagt. Doch überwinden sie ihre Differenzen und legen auf die Einschätzung des anderen auch ebenso viel Wert. Vor allem können sie sich auf einander verlassen, was in den letzten Fällen nicht immer zu sehen war.
Wenn bekannt war, dass das Studio nach den zwei Fällen der letzten Staffel die Inspector Lynley Mysteries im Fernsehen einstellen würde, wäre es für die Stammzuschauer ein schönes Abschiedsgeschenk gewesen, hätte man die letzten paar Minuten auch jenen Figuren gewidmet, denen man so lange durch alle Höhen und Tiefen gefolgt war. Und sei es nur, dass nach dem anstrengenden Fall Lynley Havers anbieten würde, sie nach Hause zu fahren, und sie im Auto fragen würde, ob sie denn vielleicht noch etwas essen wolle. Eine Geste, die besagen würde, dass sich in den vergangenen Jahren zwischen den Charakteren auch etwas mehr als eine berufliche Freundschaft entwickelt hat (und dies muss nicht gleichbedeutend mit einer eventuellen Romanze sein). Doch einen solchen Abschluss bietet Erkenne deinen Feind leider nicht. Dafür einen soliden Krimi, der durchaus atmosphärisch dargebracht als einer der fünf besten der Reihe in Erinnerung bleibt.


Fazit:
Zugegeben, kaum ein Element beim Serienfinale der Inspector Lynley Mysteries ist tatsächlich neu. Und doch gibt es keinen Moment, der unnötig wäre, keine Information, die wir bekommen, ist zu viel. Stattdessen erzeugen bereits die ersten Minuten zusammen mit den Umständen des Todes des ersten Opfers eine gedämpfte Atmosphäre, bei der spürbar wird, was bei den kommenden Ermittlungen um die Entführung des zweiten Opfers auf dem Spiel steht. Dabei sowohl Lynley, als auch seine langjährige Partnerin Havers miteinander arbeiten zu sehen, und ihre Konfrontationen zu beobachten, ist für Fans ein zusätzlicher Bonus.
Der Fall selbst überzeugt durch intensive Charakterisierungen, die sich nicht auf eine Vielzahl von Figuren streuen, sondern wenige genauer beleuchten. Das ist mitunter unangenehm, aber immer spannend und letztlich gekonnt zu einem Abschluss gebracht, der nicht übermäßig actionreich erscheint, sondern die Stärken des Duos auf den Punkt bringt.
Die Reihe mit einem starken Fall in den Ruhestand zu schicken ist einerseits ein gutes Zeichen, andererseits sieht man so, dass in den Figuren genug Potential steckt. Man muss es nur zutage fördern.


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