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Everest [2015]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. September 2015
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: Everest
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Island
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Baltasar Kormákur
Musik: Dario Marianelli
Darsteller: Jason Clarke, Josh Brolin, John Hawkes, Michael Kelly, Emily Watson, Jake Gyllenhaal, Martin Henderson, Naoko Mori, Tim Dantay, Sam Worthington, Keira Knightley, Robin Wright, Elizabeth Debicki, Pemba Sherpa, Ang Phula Sherpa


Kurzinhalt:

Als Robert "Rob" Hall (Jason Clarke) im Frühjahr 1996 als Bergführer mit einer Gruppe zum Gipfel des Mount Everest aufbricht, ist es seine fünfte Gipfelbesteigung – mehr als irgendjemand zuvor geschafft hat. Zusammen mit Helen Wilton (Emily Watson) führt er eine Firma, die anderen Bergsteigern den Aufstieg ermöglicht. Zu seiner diesjährigen Gruppe gehören unter anderem der Texaner Beck (Josh Brolin), Doug Hansen (John Hawkes), der den Aufstieg im Jahr zuvor bereits versuchte und der Journalist Krakauer (Michael Kelly). Nach wochenlangen Vorbereitungen wagen sie sich in den Morgenstunden des 10. Mai in die "Todeszone", doch der Aufstieg endet in einer Katastrophe ...


Kritik:
Die tragischen wahren Ereignisse, die Filmemacher Baltasar Kormákur in seinem packenden und toll inszenierten Desasterdrama Everest nacherzählt, kommen ohne wirkliche Helden aus – und ohne Bösewichte. Es ist eine Geschichte von Menschen, die sich selbst überschätzen und dabei vergessen, dass die Natur keine Fehler verzeiht. Das gilt nirgendwo mehr als in 8800 Metern Höhe und es ist eine Lektion die an jenem 11. Mai 1996 acht Menschen mit dem Leben bezahlten. Ihr Überlebenskampf ist eine Tour de Force für die Darsteller und für das Publikum nicht weniger anstrengend.

Was jemanden überhaupt dazu bewegt, einen Berg bezwingen zu wollen, der so hoch ist, dass dort oben nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist, um mehr als ein paar Stunden zu überleben, versucht Everest zwar in Worte zu fassen, sieht man jedoch die Anstrengungen und die Gefahren, in die sich die Bergsteiger begeben, bleibt es doch unverständlich. Rob Hall – toll verkörpert von Jason Clarke – bietet in den 1990er Jahren geführte Abenteuertouren zum höchsten Gipfel der Welt. Es ist eine Branche, die boomt: Mehr als 20 Teams sind in jenem Jahr unterwegs, angesichts der schmalen Wege und des gefährlichen Aufstiegs eine unvorstellbare Zahl. In Robs Team befinden sich unter anderem Beck Weathers, Doug Hansen, der den Aufstieg zum zweiten Mal wagt, da er beim ersten Mal nicht bis nach oben kam, und der Journalist Jon Krakauer, auf dessen Buch der Film basiert.

Für die Gipfelbesteigung gibt es dabei nur ein Zeitfenster von wenigen Wochen, auch wenn der Aufstieg insgesamt mehre Monate dauert. Was mehr als acht Kilometer über dem Meeresspiegel folgt ist ein dramatischer Überlebenskampf, bei dem Robs Team unmittelbar unter dem Gipfel in einen verheerenden Sturm gerät. Es finden sich dabei in Everest viele Elemente wieder, die es in allen Katastrophenfilmen zu sehen gibt, und verabschiedet sich Rob Hall zu Beginn von seiner schwangeren Frau, die ihm sagt, er müsse zur Geburt zurück sein, dann wissen wir, dass ihre schwerste Zeit erst noch vor ihnen liegt.
Doch wie will man Kormákur dies zum Vorwurf machen, immerhin war Halls Frau – selbst Bergsteigerin – zu jener Zeit schwanger und konnte deshalb nicht mit ins Himalayagebirge.

Auch wenn absehbar ist, wie sich die Situation entwickeln wird, dank der überwiegend sympathischen Figuren entwickelt Everest eine Spannung, die nicht nur fesselt, sondern dank der es im Kino tatsächlich kälter zu werden scheint, je weiter die Gruppe dem Gipfel kommt. Das liegt zum großen Teil an der fantastischen Besetzung, die bis in die Nebenrollen glänzt. Josh Brolin bleibt insbesondere im letzten Drittel durch Becks Schicksal in Erinnerung, während man sich mit John Hawkes Doug fraglos am meisten identifiziert. Emily Watson, Michael Kelly, Jake Gyllenhaal und Robin Wright spielen ebenso gelungen wie Keira Knightley, die eine der schwierigsten Momente zu meistern hat.
Jason Clarke verleiht dem Film eine Menschlichkeit, die vergessen lässt, dass alle, die zum Gipfel des Mount Everest steigen, sich der Gefahren wohl bewusst sind. Dass man dennoch mit Rob mitfühlt ist es, was uns menschlich macht.


Fazit:
Das einzig Bedauerliche an Everest ist, dass der Film nicht tatsächlich auf dem höchsten Berg der Welt gedreht wurde. Auch wenn die Filmcrew mit Sicherheit einen großen Aufwand betrieben hat, die einzelnen Abschnitte des Aufstiegs zu rekonstruieren, man erkennt immer wieder, dass Teile im Studio entstanden sind. Dafür entschädigt Komponist Dario Marianelli mit einem brillanten Score, der das Abenteuer gelungen einfängt, den Berg und die Ereignisse aber für sich sprechen lässt und das Finale kaum musikalisch begleitet.
Der dramatische Überlebenskampf ist mitreißend und erschütternd zugleich. Sieht man, welche Opfer es den Beteiligten abverlangt, muss man sich fragen, ob irgendeine Aussicht der Welt all das wert ist. Es ist eine Frage, die der Film stellt, die aber jeder für sich beantworten muss. Regisseur Baltasar Kormákur schildert das Schicksal jener Bergsteiger vor einer atemberaubend schönen und tödlichen Kulisse, ohne deren Entscheidungen zu verharmlosen oder zu rechtfertigen. Everest ist weniger eine Würdigung, als ein Mahnmal für all diejenigen, die darüber nachdenken, ihnen zu folgen. Und es ist einer der besten und sehenswertesten Filme dieser Art.    


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