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Es Kapitel 2 [2019]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 3. September 2019
Genre: Horror / Fantasy / Thriller

Originaltitel: It Chapter Two
Laufzeit: 169 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andy Muschietti
Musik: Benjamin Wallfisch
Besetzung: Bill Skarsgård, James McAvoy, Jaeden Martell, Jessica Chastain, Sophia Lillis, Jay Ryan, Jeremy Ray Taylor, Bill Hader, Finn Wolfhard, Isaiah Mustafa, Chosen Jacobs, James Ransone, Jack Dylan Grazer, Andy Bean, Wyatt Oleff, Jackson Robert Scott, Teach Grant, Nicholas Hamilton, Jake Weary, Joan Gregson, Stephen Bogaert, Taylor Frey


Kurzinhalt:

27 Jahre sind vergangen, seit sich die „Loser“-Gang in Derry, Maine dem absoluten Bösen stellte. Das war im September 1989. Inzwischen sind die Teenager erwachsen und können sich an das Geschehene kaum erinnern. Bis der in Derry gebliebene Mike (Isaiah Mustafa) Bill (James McAvoy), Beverly (Jessica Chastain), Ben (Jay Ryan), Richie (Bill Hader), Eddie (James Ransone) und Stanley (Andy Bean) kontaktiert. Sie hatten alle geschworen, zurück zu kommen, würde „Es“, das sich ihnen in Form des alptraumhaften Clowns Pennywise (Bill Skarsgård) gegenüberstellte, zurückkehren. Die Zeit ist gekommen, aber um das Böse zu besiegen, müssen sie sich ihren größten Ängsten stellen. Und Es wird ihnen Opfer abverlangen, die größer nicht sein können …


Kritik:
Andy Muschiettis Es Kapitel 2 ist nicht der Film, den man vermuten würde. Oder besser, er erzählt nicht die Geschichte, die man erwarten würde. Das ist für sich kein Grund zur Kritik, allerdings wird die Entscheidung des Filmemachers, wie er den Horror-Hit Es [2017], basierend auf Stephen Kings Roman, auflöst, das Publikum vermutlich spalten. Ganz gleich, ob er sich dabei an der Vorlage orientiert. Auch merkt man der Fortsetzung merklich die Aufteilung in drei erzählerische Akte an, von denen nicht alle gleich gut gelungen sind. Dafür entschädigen eine dichte Verzahnung mit den Ereignissen des ersten Teils, die Stimmung und eine hervorragende Besetzung.

Bedenkt man, dass das Finale des Films wohl am kontroversesten diskutiert werden wird, entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass der erwachsene Bill, im Film inzwischen erfolgreicher Autor, oft für seine enttäuschenden Enden kritisiert wird. Inhaltlich spielt dies zweifelsohne darauf an, dass Kings Werke oft für ihre Auflösung Kritik ernteten. Zusammen mit einem prominenten Gastauftritt sorgt das für den tiefgründig-lustigsten Moment im Film.
Die Geschichte setzt wie erwartet 27 Jahre nach jenem Sommer 1989 an, in dem sich die „Loser“-Gang um Bill, Beverly, Ben, Richie, Eddie, Stanley und Mike dem Bösen in der Stadt Derry gestellt hatte. Damals konnten sie „Es“, personifiziert von Clown Pennywise, zwar zurückdrängen, aber nicht besiegen. Nun ist Es zurück und erneut sterben Menschen oder verschwinden Kinder und Jugendliche. Wie sie es sich damals geschworen haben, kommt die Loser-Gang wieder zusammen, um Es zur Strecke zu bringen.

Bereits die Tatsache, dass sich Filmemacher Muschietti dafür beinahe dreieinhalb Stunden Zeit nimmt, macht deutlich, dass das so einfach nicht sein kann – weder für die Helden, noch für die Geschichte. Das liegt auch daran, dass Es Kapitel 2 auf mehreren Zeitebenen erzählt wird. Nicht nur, dass die erwachsenen Charaktere Orte besuchen, die sie an etwas von damals erinnern, die vielen neuen Szenen mit den Jungdarstellern und -darstellerinnen schmücken ihre Geschichte aus, füllen Lücken in der Erzählung und bieten einen tieferen Einblick in die Figuren. So erfährt man beispielsweise, worüber sich die Gang unterhalten hat, unmittelbar bevor sie sich schworen, zurückzukommen, um Es aufzuhalten, falls es zurückkehrt. Dies geht jedoch so weit, dass auch Szenen erweitert werden, bei denen man im ersten Teil nicht ahnte, dass etwas fehlt. Das ist insofern relevant, da nicht all diese Erinnerungen wirklich neue Aspekte der Figuren vorstellen, sondern das bereits Bekannte lediglich wiederholen.

Aufschlussreicher ist hier, wie die beinahe drei Jahrzehnte älteren Figuren zu Beginn vorgestellt werden und was aus ihnen geworden ist. Bei manchen haben sich die Wesenszüge von damals in ihr Erwachsenenleben erhalten, andere hingegen sind das vollkommene Gegenteil von damals. Beverly befindet sich beispielsweise wie bei ihrem gewalttätigen Vater in einer Beziehung, in der sie misshandelt wird. Ben hingegen ist kaum wieder zu erkennen. Wird die Gang in den ersten 20 Minuten vorgestellt, erzeugt Filmemacher Andy Muschietti eine geradezu greifbare Stimmung, die sich bis zum Schluss hält. Sieht man diese Figuren zum Ende hin, weiß um die Strapazen ihres Wegs und welche Opfer sie in Derry bringen mussten, würden sie einen friedlichen Abschluss mehr als verdienen. Der Epilog von Es Kapitel 2, so viel sei verraten, wird den Figuren sowohl des ersten wie auch des zweiten Films gerecht und könnte passender kaum sein.

Es ist der Mittelteil, der inhaltlich auf der Stelle tritt. Darin reiht das Drehbuch Szenen aneinander, in denen sich die einzelnen „Loser“, auf der Suche nach einem Gegenstand, der für jede/n einzelne/n bedeutsam ist, erneut Pennywise und seinen Erscheinungsformen stellen müssen. Einzeln und für sich. Die Frage, die sich hier aufdrängt ist nur, weshalb? Inhaltlich wird das mit einer notdürftigst erklärten Mythologie begründet, die bedeutend mehr über Es zu erklären versucht, als notwendig wäre, um das Ungreifbare beizubehalten. Tatsächlich werden so zwar neue Gruselmomente präsentiert, die jedoch alle nach demselben Schema ablaufen und stets in einem Schreckmoment enden, der nicht nur gleich, sondern auch vorhersehbar ausfällt. Das ändert nichts an der handwerklich makellosen Umsetzung dieses Abschnitts, nur hat man ihn bereits nach dem ersten Mal durchschaut und muss dieselbe Struktur noch ein halbes Dutzend weitere Male sehen. Das macht Es Kapitel 2 spürbar länger, ohne die Figuren voran zu bringen. Wer jedoch gerade diese Art Horror erwartet, die nicht zu brutal ausfällt und nicht zu subtil, so dass einem unwohl würde beim Hinsehen, wird das nicht stören.


Fazit:
Sieht man die grausam brutale Eröffnungssequenz, mag man vergessen, wie wirklich der alltägliche Horror sein kann. Und wie real das Böse. Wie die Romanvorlage erforscht Regisseur Andy Muschietti, was Menschen bereit sind zu tun, um sich gegen dieses Böse zu stellen. Das ist von allen Beteiligten hervorragend und nicht nur von James McAvoy sowie Jessica Chastain preiswürdig gespielt. Auch handwerklich gibt es am zweiten Kapitel der Horrorgeschichte nichts zu bemängeln. Kamera, Schnitt, die nahtlose Verwebung zweier Zeitlinien erzeugen eine unvergleichliche Atmosphäre. Doch es gibt hier viele Momente, die nicht wirklich notwendig sind. Seien es die Szenen, in denen sich die Figuren im Mittelteil erneut alten wie neuen Dämonen stellen müssen, und die alle nach dem gleichen Muster aufgebaut sind. Oder die Rückkehr einer totgeglaubten Figur, die nichts wirklich Bedeutendes zur Entwicklung beiträgt. All das sind Elemente der Romanvorlage, die hier nur bedingt funktionieren und den Film am Ende mindestens eine halbe Stunde zu lang machen. Dass die Mythologie nur spärlich erklärt wird, mag dem Fantasy-Action-Finale geschuldet sein, das sich merklich von der unheimlichen Natur des unerklärlichen Bösen verabschiedet. Diesen inhaltlichen Entscheidungen wird ein Teil des Publikums sicher nicht folgen können. Dabei ist Es Kapitel 2 alles in allem ein wirklich guter Film, der daran scheitert, ein sehr guter Horrorfilm zu sein, dass er versucht, zu viel zu erklären. Der eigentliche Abschluss entschädigt zusammen mit den tollen Figuren für viel und macht das zweite Kapitel für Kenner des ersten zu einer eindeutigen Empfehlung.
 


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