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Emoji: Der Film [2017]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Juli 2017
Genre: Animation / Komödie

Originaltitel: The Emoji Movie
Laufzeit: 87 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Tony Leondis
Musik: Patrick Doyle
Stimmen: T.J. Miller (Tim Oliver Schultz), James Corden (Christoph Maria Herbst), Anna Faris (Joyce Ilg), Maya Rudolph (Anja Kling), Steven Wright, Jennifer Coolidge, Patrick Stewart, Christina Aguilera, Sofía Vergara, Rachael Ray


Kurzinhalt:

Ebenso wie seine Eltern ist Gene (T.J. Miller / Tim Oliver Schultz) ein Emoji. Ihr einziger Sinn und Zweck ist es, ihre Gefühlsregung darzustellen, wenn ihr Nutzer Alex sie in der Chat-App seines Smartphones auswählt. Die Grenzen von Textopolis, das im Smartphone liegt, hat Gene nie verlassen. An seinem ersten Arbeitstag ist er jedoch so aufgeregt, dass er alle möglichen Gesichter macht und sich nicht auf das gleichgültige "meh" beschränken kann, das er eigentlich darstellt. So auch, als er von Alex ausgewählt wird. Die Leiterin von Textopolis, Smiler (Maya Rudolph / Anja Kling), entschließt daraufhin, Gene auf Grund seiner offensichtlichen Fehlfunktion löschen zu lassen. Doch dieser flieht zusammen mit dem vernachlässigten Emoji Hi-5 (James Corden / Christoph Maria Herbst), um sich von der Hackerin Jailbreak (Anna Faris / Joyce Ilg) umprogrammieren zu lassen, so dass er seine Aufgabe als Meh erfüllen kann. Doch Smilers Bots sind ihnen dicht auf den Fersen …


Kritik:
Wer dachte, Filmreihen basierend auf Kinderspielzeug, die hunderte Millionen Dollar in der Produktion kosten und ganze Milliarden wieder in die Kinokassen spülen, wären hinsichtlich der absurden Grundidee kaum zu übertreffen, der wird diesen Kinosommer eines besseren belehrt. Mit Emoji: Der Film kommt ein Animationsfilm über das Eigenleben der Bildzeichen in die Kinos, die in der virtuellen Stadt Textopolis einer Smartphone-App hausen. Wer angesichts der bloßen Idee bereits ungläubig mit den Augen rollt, der wird überrascht sein, dass das Animationsabenteuer nicht so grauenvoll ist, wie man denken würde.

Im Zentrum steht der Emoji Gene, der ein "Meh" ist – also nicht glücklich oder traurig, sondern einfach … meh. Es ist sein erster Arbeitstag in der Chat-App seines Nutzers Alex, doch als er ausgewählt wird, kommt ein anderes Zeichen heraus als das "Meh". Gene kann verschiedene Emoji annehmen und ist nich nur auf eines beschränkt. Die ständig grinsende Smiler, die die Geschicke in Textopolis mit eiserner Hand leitet, entscheidet daraufhin, dass Gene eine Fehlfunktion besitzt und von Bots gelöscht werden soll. Deshalb macht sich Gene zusammen mit dem dem vernachlässigten Emoji Hi-5 auf, einen Hacker im System zu finden, der ihn umprogrammiert, sodass er seine Bestimmung erfüllen kann, ein Meh zu sein.

Das klingt, als würde Emoji: Der Film eine Botschaft zum Recht auf Anderssein treffen wollen, dazu, dass man sich nicht stereotypieren lassen sollte, sondern leben, wer man ist. Dem ist grundsätzlich auch so und insbesondere die ersten Minuten beinhalten einige durchaus treffende, fast schon sozialkritische Kommentare (ebenso wie einige Aussagen, denen man nur ungläubig zuhören kann, wie dass Emoji die wichtigste Form der Kommunikation seien, die je erfunden wurde). Die Story selbst erinnert an Disneys Ralph reichts [2012] zusammen mit einigen anderen, bedeutend besseren Filmen, in denen die Hauptfigur ebenfalls aus der ihr vorgegebenen Rolle auszubrechen versucht mit dem Unterschied jedoch, dass sich Gene an die Rolle anpassen lassen will. Doch statt auf dieser Ausgangslage aufzubauen, wird der Animationsfilm zu keiner Zeit mehr als nur das.

Die vielen unterschiedlichen – und wohl jedem Smartphone-Besitzer bzw. -Besitzerin bekannten – Emoji zum Leben erweckt zu sehen, ist anfangs durchaus amüsant. Nicht nur, dass die Eigenheiten der meisten treffend eingefangen sind, der Film nimmt sich auch manchen Fehlinterpretationen wie dem lange Zeit als "Schokoladeneis" vermuteten Emoji Poop an. Nur liegt gerade hierin ein Hauptproblem des Films, denn die Emoji können bis auf Gene ihre Art nicht ändern, so dass sich sowohl die Witze selbst als auch die Art des Humors bei den einzelnen Emoji ständig wiederholen. Wenn Genes Eltern Mel und Mary mit betonter Gleichgültigkeit die Suche nach ihrem vor den Bots flüchtenden Sohn aufnehmen, sind die trocken dargebrachten Kommentare beim ersten Mal noch recht lustig, beim vierten oder fünften Mal jedoch nicht mehr. Auch die ständig grinsende Bösewichtin Smiler ist am Ende nicht mehr als eine zum dauernden Grinsen verdonnerte Bösewichtin ohne eigenen Charakter.

Fliehen Gene und Hi-5 zusammen mit der Hackerin Jailbreak aus Textopolis, wandelt sich Emoji: Der Film zu einem riesigen Product Placement allerlei bekannter Apps, bevorzugt von großen Sozialen Netzwerken. Einige Ideen sind hier recht gelungen, aber es ist schwer abzusehen, wie man Emoji in fünf oder zehn Jahren sehen wird, wenn die meisten dieser Anbieter – oder die Technik selbst – unserer schnelllebigen Technikwelt zum Opfer gefallen sein werden.
Was durchaus überrascht und den Animationsfilm merklich veredelt ist der Score von Patrick Doyle, der eine Leichtfüßigkeit besitzt, die man der Geschichte nicht immer ansieht. Es hat den Anschein, als hätte er mehr Aufwand betrieben, als die drei Drehbuchautoren, zu denen auch Regisseur Tony Leondis zählt.

Die wichtigste Frage bei Filmen wie Emoji: Der Film ist verständlicherweise, wie das Zielpublikum auf das Gezeigte reagiert. Nun, dazu kann ich nur feststellen, dass die Kinder in der Vorstellung, die ich besuchen durfte, nicht gelangweilt schienen, aber gleichzeitig nie wirklich begeistert. Einige Lacher konnten Gene und die übrigen Emoji durchaus landen, aber es waren selbst für die überschaubare Laufzeit von nicht einmal eineinhalb Stunden erstaunlich wenige. Vielleicht ist das insofern ein gutes Zeichen, als dass auch das ganz junge Publikum nicht jede Idee, die in Hollywood inzwischen auf die Leinwand gebracht wird, sehen will.


Fazit:
Besuchen Gene und Hi-5 die Verlierer-Lounge kaum genutzter Emoji, dann weckt das Erinnerungen an die Toy Story-Filme mit der Ausnahme, dass jene Figuren auch einen Charakter besaßen. Obwohl Emoji: Der Film trotz der offensichtlichen Schleichwerbung an allen Ecken und Enden das Herz am rechten Fleck hat, die ohnehin nicht neue Aussage, dass man sich nicht allen anpassen darf, verpufft angesichts der Tatsache, dass die Figuren eben nicht mehr sind als die leeren Hüllen, die sie darstellen. Darum überzeugt die vermeintlich und beabsichtigt inspirierende Story um das Meh-Emoji Gene, der den Mut findet, er selbst zu sein, in keinem Moment. Ja, einige Witze sind ganz lustig, aber nie besonders einfallsreich. Der Animationsfilm erinnert im Sommer entfernt an ein kunterbuntes Eis, das ein wenig nach allem schmeckt, aber gleichzeitig nach nichts richtig. Für die ganz Kleinen ist das noch am ehesten ein großer Spaß, inklusive zweier Tanz-Nummern und der farbenfrohen Bilder. Der Film ist zumindest nie bösartig oder zotig, sondern eher, naja, eben … meh.
 


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