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E.T. - Der Außerirdische [1982]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. Dezember 2002
Genre: Science Fiction / Unterhaltung

Originaltitel: E.T. the Extra-Terrestrial
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1982
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Steven Spielberg
Musik: John Williams
Darsteller: Henry Thomas, Dee Wallace-Stone, Robert MacNaughton, Drew Barrymore, Peter Coyote


Kurzinhalt:
Beinahe unbemerkt erforscht eine Gruppe kleiner, seltsam-geformter Außerirdischer einen Teil unserer Welt. Doch die Expedition muss schnell aufbrechen, und ein Mitglied bleibt verlassen auf der Erde zurück.
Er freundet sich mit dem Jungen Elliott (Henry Thomas) und seinen Geschwistern Michael (Robert MacNaughton) und Gertie (Drew Barrymore) an.
Seine Beziehung zu Elliott geht sogar tiefer, als man zunächst vermuten könnte.
Trotzdem muss E.T. (Stimme von Pat Welsh), wie der Besucher genannt wird, zurück zu seiner Heimat, zu seinen Angehörigen, da er sonst sterben wird. Doch diese zu kontaktieren erweist sich schwieriger, als angenommen.
Und das Militär ist dem Außerirdischen ebenfalls schon auf der Spur.


Kritik:
Wenn ein Film 10.5 Millionen Dollar kostet und weltweit 700 Millionen wieder einspielt –; wenn ein Film auch 20 Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung noch als der beste und größte Familienfilm aller Zeiten betrachtet wird –; wenn ein Regisseur seinen Film persönlich bei dem Präsidentenehepaar Nancy und Ronald Reagan vorführen darf –; wenn ein Film beim Filmfestival in Cannes dem Testpublikum vorgeführt wird und mehr Applaus bekommt, als die regulären Filme, die gezeigt wurden –; wenn das geplante Titellied von Michael Jackson "Someone in the Dark" letztendlich gar nicht für den Film genutzt wird – dann kann es sich eigentlich nur um den modernen Film-Klassiker E.T. von Steven Spielberg handeln.

Vor 20 Jahren brachte der Filmemacher einen Helden auf die Leinwand, der untypischer gar nicht sein könnte: ein Außerirdischer, weise und doch verletzbar, der nicht wie in bekannten Genrefilmen kam, um die Welt zu zerstören, die Menschheit auszulöschen, oder die Zukunft zu ändern, sondern um zu forschen, zu suchen und Wissen zu sammeln.
Allein bleibt er bei der Abreise seiner Expeditionsgruppe zurück, und muss sich anschließend in dieser fremden Welt zurecht finden. Er schließt Freundschaft mit einem Jungen, Elliott; doch E.T., wie Elliott den fremden Besucher nennt, muss nach Hause zurück, das Getrenntsein von seiner Art schwächt ihn – und da Elliott auf merkwürdige Weise mit E.T. verbunden ist, schwächt es auch ihn.

Einen Film für die ganze Familie zu machen, ist schwerer, als man zunächst denkt: Zum einen muss der Film die erwachsenen Zuschauer ansprechen und darf sie nicht langweilen; andererseits müssen aber auch die Kinder auf ihre Kosten kommen und dem Film bedenkenlos folgen können.
Spielberg gelang es mit dem sympatischen Außerirdischen, eine Geschichte zu erzählen, die die Zuschauer berührt, die Werte von Freundschaft und Vertrauen vermittelt, und die auch nach dem x-ten Mal anschauen nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Dies liegt vor allem an dem grundguten E.T., der die Zuschauerherzen sofort für sich gewinnt. Gerade auf Grund seines offensichtlichen Alters strahlt er eine Friedlichkeit, eine Ruhe, aber auch eine Schutzbedürftigkeit aus, die einen in seinen Bann zieht. Das aussehen des runzligen Besuchers ist übrigens eine Mischung aus Carl Sandburg, einem Poeten, Albert Einstein, dem bekannten Physiker, und einem Mops. Sein Aussehen, seine Bewegungen und das vielgerühmte neugierige Funkeln in seinen Augen machen ihn zu dem, was heutzutage den unzähligen computergenerierten Pixelkreaturen fehlt: warm und charismatisch.

Ohne Zweifel ist er die Star des Films; doch die menschliche Besetzung muss sich vor ihm nicht verstecken: Henry Thomas, der beim Vorsprechen Regisseur Spielberg von dem Tag erzählte, als sein Hund starb und den Erfolgsregisseur damit zu Tränen rührte, spielt sehr gut und vor allem natürlich.
Doch gegen seine kleine Co-Darstellerin Drew Barrymore hat er in Punkto Sympathiefaktor keine Chance; selten war ein kleines Mädchen im Film derart drollig und knuddelig, wie Barrymore damals. Unzählige Eltern hätten sie vom Fleck weg adoptiert.
Dee Wallace spielt ebenso wie Peter Coyote nur eine Nebenrolle, aber auch die beiden Erwachsenen im Film können überzeugen.

Ursprünglich hatte Harrison Ford, dessen damalige Ehefrau Melissa Mathison das Drehbuch schrieb, eine kleine Szene als Schulrektor – diese wurde jedoch herausgeschnitten, da Spielberg der Meinung war, sie würde vom Rest des Films ablenken.

Regisseur Spielberg geizt in dem Film verständlicherweise nicht mit technischen Tricks, um die Zuschauer weitestgehend zu manipulieren: So wurden die meisten Szenen des Films aus dem Blickwinkel eines Kindes aufgenommen, um dem Zuschauer einen besseren Bezug zu Elliott und E.T. zu ermöglichen. Um den Kinderdarstellern ein Höchstmaß an Emotionen beim Finale des Films zu erlauben, wurde der Film ausnahmsweise in der richtigen chronologischen Reihenfolge gedreht, genau so, wie die Szenen im Film zu sehen sind, was zweifelsohne zur Authentizität der Atmosphäre beiträgt.
Doch genau das macht einen guten Regisseur aus.

Interessante, fast schon witzige Kameraperspektiven gibt es zuhauf, die Spezialeffekte waren für die damalige Zeit zwar nicht wegweisend, aber auf außergewöhnlich hohem Niveau – und auch nach heutigen Maßstäben nachwievor beeindruckend. Einzig ein paar Blue-Screens sind doch recht offensichtlich.

Sehr einprägsam und ebenfalls verdient zum Kult erhoben, ist die Musik von John Williams, der vor 20 Jahren das noch schaffte, was er heute verlernt zu haben scheint: Einen unaufdringlichen, ruhigen, eindrucksvollen und immer pointierten Score für einen Film zu komponieren. Zu beobachten, wie lange das eigentliche E.T.-Thema benötigt, um nach dem Beginn des Films erneut aufzutauchen, oder das Thema der vermeintlichen Bösewichte im Film, das sich immer wieder offenbart, und an der man sofort die "Note" der Szene erkennen kann – es ist ein Fest für Musikliebhaber und wurde völlig zurecht mit dem Oscar ausgezeichnet.
Insgesamt erhielt der Film von 9 Nominierungen immerhin 4 der begehrten Trophäen; für Beste Visuelle Effekte, Besten Ton, Besten Toneffektschnitt und Beste Musik. Leer aus gingen Beste Kamera, Bester Schnitt, Bestes Drehbuch, Bester Film und Bester Regisseur.

Für die zahlreichen Anspielungen in E.T. auf die von George Lucas geschaffenen Star Wars-Filme (Lucas und Spielberg waren schon vorher befreundet) revanchierte sich George Lucas 17 Jahre später, indem er in Star Wars – Episode I [1999] E.T.-Wesen in seinen Film einbaute.
Ähnlich wie die Sternensaga hinterließ auch E.T. einen bleibenden Eindruck in der Filmwelt; die berühmte Szene, in der ein Fahrrad durch E.T.s Gedankenkraft getragen vor dem vollen Mond schwebt, wurde zum Markenzeichen von Spielbergs eigener Verleihfirma Amblin Entertainment – und inzwischen in unzähligen Filmen parodiert und plagiiert.
Als der Film in den USA auf Video erschien, waren die Kassetten grün eingefärbt, um den Raubkopierern so den Vertrieb zu erschweren – die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden.

Sicher ist E.T. nicht nur entstanden, um den Familien und Zuschauern ein paar schöne Stunden zu bescheren, sondern vor allem, um damit Geld zu verdienen (das Merchandising reichte von Tassen über Bettbezüge bis hin zu Plastikfiguren), aber man sieht dem Film auch heute noch an, dass Spielberg sehr viel Liebe zum Detail hineingesteckt hat und ihm der Film sehr wichtig war.
Er sorgte sogar dafür, dass der von E.T. gebaute Transponder, mit dem er seine Leute kontaktieren möchte, in Wirklichkeit funktionierte – er wurde von Henry Feinberg, einem Experten für Wissenschaft und Technologie gebaut.

Auch wenn am Schluss des Films die Taschentücher sehr stark beansprucht werden und das Spielberg-typische Ende nicht fehlen darf: E.T. - Der Außerirdische ist ein fantastischer Film für die ganze Familie, ein zeitloser und beeindruckender Film, dem man ansieht, wie viel Aufwand und Details hineingeflossen sind.
Sehr empfehlenswert ist auch der Roman, der auf dem von Melissa Mathison verfassten Drehbuch beruht, und verständlicherweise viel mehr auf das Gefühlsleben der Charaktere eingeht.


Anmerkung zur 20th Anniversary Edition von E.T. - Der Außerirdische:
Zum 20-jährigen Jubiläum brachte Regisseur Steven Spielberg eine überarbeitete Fassung des Films in die Kinos, die inzwischen auch auf Video und DVD erhältlich ist – doch wer der Meinung ist, dass dies die einzigen Versionen des Films waren, der täuscht sich leider.
In der ursprünglich im Kino veröffentlichten Fassung trank E.T. Alkohol und machte damit Elliott betrunken, der in der Schule saß. Im betrunkenen Zustand nahm Elliott dann ein Stück Kreide und begann in der Luft zu zeichnen – diese Szene wurde aus allen weiteren Veröffentlichungen (Kino, Video) herausgenommen.
Sogar in der VHS-Veröffentlichung des Films wurde in einer Szene ein Dialog geändert, der im Original hieß "Du kannst nicht als Terrorist" gehen. Daraus wurde einfach "Du kannst nicht so gehen".
Für die 2002er-Version wurde das erneut abgewandelt zu "Du kannst nicht als Hippie gehen".
Als wäre das nicht genug, wurde auf Laserdisc eine Fassung veröffentlicht, die ein alternatives Ende beinhaltete, bei dem die Familie erneut beim Brettspielen gezeigt wird – doch diesmal ist Elliott der aktive. Anschließend fuhr die Kamera aus dem Zimmer heraus und zeigte das "Telefonieren-Gerät", mit dem E.T. seine Leute rief, das nun erneut ins Weltall hinaus Meldungen schickt.

Für die Neuveröffentlichung im Kino ließt Steven Spielberg jedoch bedeutend mehr am Film ändern: Szenen wurden hinzugefügt, andere abgeändert. Der oben erwähnte "Terrorist"-Dialog wurde durch den Hippie ersetzt und digital wurde eine Szene abgeändert, in der die Militärs (unabsichtlich) mit Waffen auf die Kinder zielen – nun halten sie Walkie-Talkies in der Hand.
Ganze 100.000 Dollar soll Spielberg sich das haben kosten lassen.
Doch damit nicht genug, einige Szenen wurden "verbessert", neue Effekte hinzugefügt und bestehende Effekte eingebaut, damit E.T. noch "lebensechter" und "natürlicher" wirkt. Auch eine Szene im Badezimmer wurde hinzugefügt, bei der E.T. nun vollständig am Computer entstand.

Das Ergebnis ist jedoch nicht berauschend: Die Änderungen sehen leider grausam aus. Von der liebevollen, charmanten Puppe, dem Charisma und der Vertrautheit ist nichts übrig geblieben. Weder die Oberfläche, noch die Animation stimmen. Da sind viel zu viele Muskeln, die sich bewegen, zu flüssig ist der gesamte Bewegungsablauf und zu schnell die Art und Weise, wie sich der Außerirdische bewegt. Aus der liebgewonnen E.T.-Puppe ist ein digitales, kaltes Pixelmonster geworden, das keinerlei Charme besitzt und vor allem völlig anders aussieht als E.T. in den übrigen Szenen!
Von Einheitlichkeit keine Spur.
Nicht nur, dass diese Szenen absolut überflüssig waren (insbesondere die Bad-Sequenz), sie stechen aus dem übrigen Film auch noch unangenehm hervor. Wenn E.T. in einer Szene plötzlich viel mehr Gesichtszüge bewegt als im Rest des Films, fällt so etwas negativ auf.

Zwar sind die Szenen von Bild- und Tonqualität her sehr gut überarbeitet worden und fügen sich von daher zumindest in dieser Hinsicht in den Film ein, aber die Computeranimation des Außerirdischen ist völlig atypisch für den Kult-E.T. und damit schlicht erbärmlich.
Es ist ein erneuter Beweis dafür, dass die meisten Regisseure ihre Filme nur schlimmer machen, je länger sie daran arbeiten. Eine Aufwertung von Bild und Ton hätte völlig ausgereicht, ohne den Kultfilm zu entmystifizieren. Dass sogar ein Meisterregisseur wie Steven Spielberg derart blind geworden ist, erschreckt mich.
Umso mehr, da er mit folgenden Worten zitiert wird: "Man wird es nie schaffen, dass ein Computer so gut spielt wie Al Pacino. Bevor es keine Darsteller mehr in Filmen gibt, wird es keine Zuschauer mehr geben." Dass das ebenso für handmodellierte Puppen gilt, die fast immer den kühlen, lieblosen Pixelzombies vorzuziehen sind, hat er offensichtlich nicht verstanden.


Fazit:
Trotz oder gerade wegen des kitschigen Endes und der unglaublich starken Botschaft, die der Film für die Menschen hat, ist er ein Klassiker geworden und etablierte Spielberg endgültig als Kassenmagnet. Er schaffte es, in wenigen Minuten, eine Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren Elliott und E.T. herzustellungen – und was noch wichtiger ist, zwischen dem Zuschauer und E.T.
Wäre der Film im Mittelteil nicht kurzzeitig leicht orientierungslos (was jedoch nicht weiter ins Gewicht fällt), wäre es zweifelsohne ein 6-Punkte-Film geworden. Ein Klassiker und ein fantastischer Familienfilm ist E.T. aber dennoch – allerdings nur in der ursprünglichen Fassung!
Das Verbrechen der 20th Anniversary Edition sollten Fans des Knuddel-Aliens lieber ignorieren oder verdrängen.


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