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Die Zeitmaschine [1960]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 04. April 2012
Genre: Science Fiction

Originaltitel: The Time Machine
Laufzeit: 103 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1960
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: George Pal
Musik: Russell Garcia
Darsteller: Rod Taylor, Alan Young, Yvette Mimieux, Sebastian Cabot, Tom Helmore, Whit Bissell, Doris Lloyd, Bob Barran, Paul Frees, Josephine Powell, James Skelly


Kurzinhalt:
Vor fünf Tagen, am 31.12.1899, traf sich der Erfinder George (Rod Taylor) mit seinen Freunden, darunter David Filby (Alan Young), in seinem Haus. Damals stellte er ihnen eine Miniaturausführung einer Zeitmaschine vor und demonstrierte ihre Funktion – das heißt, dass sie zumindest vor den Augen der Männer verschwand. Doch dass sie in die Zukunft entkommen sein soll, glaubt ihm niemand. Also unternimmt George einen Selbstversuch bei einer großen Maschine. Das Bestreben der Menschen, immer wirkungsvolleres Kriegsgerät zu entwickeln, lässt ihn verzweifeln und er hofft, in der Zukunft eine Gesellschaft zu finden, in der die Menschen miteinander leben und sich nicht gegenseitig ausrotten wollen.
Doch seine ersten Besuche in der nahen Zukunft verheißen nichts Gutes und er ahnt, dass sich die Menschheit in immer noch größeren Kriegen befindet. Er flüchtet ins Jahr 802.701 und findet dort weite Wälder und unberührte Natur wieder – auch wenn Gebäude von einer vergangenen Zivilisation zeugen. Auch scheint es noch Menschen zu geben, die alle sehr jung sind und sich auch sehr ähneln. Sie nennen sich Eloi und nachdem George einer jungen Frau das Leben gerettet hat, freunden sie sich an. Weena (Yvette Mimieux) sei ihr Name, doch über die Welt, in der sie leben weiß weder sie, noch einer der anderen Eloi Bescheid. Nur, dass es neben den Eloi noch ein anderes Volk gibt: Die Morlocks, die in Höhlen unter der Erde leben. Als George aus jener trostlosen Zukunft zurückreisen will, muss er feststellen, dass die Zeitmaschine von den Morlocks entführt wurde. Und dass es ein größeres Geheimnis gibt, das es zu entdecken gilt ...


Kritik:
So viele Menschen H. G. Wells' Roman Die Zeitmaschine aus dem Jahr 1895 inspiriert haben mag, so viele wurden in ihrem Schaffen wohl auch von der bekanntesten Verfilmung des Stoffes angeregt. Regisseur George Pal erschuf in Die Zeitmaschine einen Klassiker des Science Fiction-Films und das obwohl, oder gerade weil er sich nicht streng an die Vorlage hielt. Dies beginnt bereits damit, dass der Zeitreisende in seiner Filmadaption einen Namen besitzt – nämlich den des Romanautors. In der Vorlage bleibt der Forscher ohne Namen und damit vielleicht noch mehr ein Mysterium.
Was er in der Zukunft erlebt ist auch nach über einem halben Jahrhundert noch gültig und fasziniert sowohl durch das interessante Design, wie auch durch die zeitlose Umsetzung.

So bricht der Zeitreisende im Jahr 1899 in die Zukunft auf, in der Hoffnung eine Welt zu finden, in der die Menschen nicht einen Großteil ihrer Kreativität darauf verwenden, noch leistungsfähigere Waffen zu entwickeln, um sich gegenseitig den Garaus zu machen. Doch seine ersten Stationen zeigen ihm lediglich auf, dass die Menschen mit immer noch mehr technischer Finesse Krieg führen und damit sogar die Erde für Jahrtausende unbewohnbar machen. Einen dritten Weltkrieg setzten die Filmemacher prophetisch im Jahr 1966 an, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Er hat so verheerende Auswirkungen, dass der Reisende in einem Fels eingeschlossen wird und erst 800.000 Jahre in der Zukunft wieder frei ist. Dort erwartet ihn eine Welt, die wie ein Paradies erscheint mit üppigen Wäldern und Flüssen, mit farbenfrohen Früchten und einer klaren Luft. Und doch verheißt die musikalische, eingängige Untermalung von Russell Garcia etwas Unheilvolles.

Sie ist es auch, die ebenso klassisch wie unverwechselbar Die Zeitmaschine unterstreicht. Sei es mit einer gelungenen Ouvertüre, dem Thema der Zeitmaschine selbst oder den ganz eigenen Klängen der Welt in beinahe einer Million Jahren. Bis heute unübertroffen ist jedoch das Design der in Form eines Schlittens gestalteten Zeitmaschine mit ihren roten Polstern, der kupferfarbenen, hochkant gestellten Disc am hinteren Ende und dem Armaturenbrett, das von dem Kristallhebel abgerundet wird. Nie zuvor und nie seither sah ein solches Gerät anmutiger aus.
Dass die Spezialeffekte, die damals auf dem höchsten Stand der Technik gefertigt waren, inzwischen offensichtlich zu erkennen sind, versteht sich von selbst. Und auch die Bauten, Masken und Actionszenen besitzen mitunter mehr Charme als Überzeugungskraft. Doch die Zeitmaschine hat in über 50 Jahren nicht gelitten, sie fasziniert und regt nach wie vor zu Träumen an wie damals.

Die gesellschaftskritischen Untertöne von H. G. Wells, der die überirdisch lebenden Eloi und die unterirdisch hausenden Morlocks als ein Produkt der Zweiklassengesellschaft andeutet, deren Nutznießen sich nach so langer Zeit umgedreht hat, fallen bei der Verfilmung von Die Zeitmaschine weg. Stattdessen verlagert Regisseur Pal sein Augenmerk darauf, wie wenig selbständig die Eloi sind, wie gleichgültig in ihrem Tagesablauf. Und dass in ihnen dennoch Spuren von Verantwortungsbewusstsein schlummern. In der Zukunft angekommen ist die Welt trotz ihres friedfertigen Aussehens alles andere als einladend: Die Zeitmaschine wird von den Morlocks entführt und wie es scheint interessiert es die Eloi nicht, wie die Welt so geworden ist, wie sie sich nun gibt. Auf der Suche nach Wissen und einer menschlicheren Menschheit findet der Zeitreisende Ignoranz und Teilnahmslosigkeit. Und doch, dies wird im letzten Drittel der Geschichte angedeutet, sieht er Potential.

Wie viele gute Science Fiction-Geschichten zeichnet sich auch Die Zeitmaschine dadurch aus, dass sie in gewissem Sinne der Gesellschaft einen Spiegel vorhält oder aber in Form einer Schreckensvision das Publikum wachrütteln möchte. Zwar bleibt George Pals Werk dennoch ein Unterhaltungsfilm, doch behält er sich dieses Merkmal vor, das ihn mit der Vorlage verbindet. Die Auflösung ist, wenn man es so möchte sowohl selbstloser, als auch hoffnungsvoller als der Roman vorgibt, immerhin ist der Zeitreisende dort bestrebt, mit einer Kamera Beweisfotos seiner Reise zu machen. George, wie der Protagonist der Filmumsetzung meist genannt wird, hat ein höheres Ziel und stellt dabei das Publikum vor eine ebenso interessante Frage, die seither immer wieder in verschiedensten Zusammenhängen gestellt wird: Wenn man drei Bücher mitnehmen dürfte, um eine Zivilisation aufzubauen, welche wären dies?
Es sollte eine Inspiration für jeden Zuseher sein.


Fazit:
Mit einer Melancholie betreffend die Gegenwart und einer Neugier auf die Zukunft tritt der Zeitreisende den Weg in die Welt von übermorgen an. Was er findet, ist grundsätzlich entmutigend, und doch besitzen die Eloi das Potential, mehr zu sein als sie sind. Es sind Aussagen wie diese, sowie ein eindrucksvolles, zeitloses Design der Zeitmaschine, welche die Romanverfilmung zu einem Klassiker werden ließen.
Auch aus heutiger Sicht überzeugt die Geschichte, die bei weitem nicht angestaubt wirkt, wie man erwarten würde. Die Zeitmaschine interessiert, weil die Figuren interessieren und das Publikum durch die Augen des Zeitreisenden jene fremde Welt erkundet. Für die damalige Zeit perfekt gemacht, besitzt die Science-Fiction-Legende etwas, was vielen Produktionen seither abhandengekommen ist: Charme.


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